Biografie


Verlag: Penguin
ISBN: 978-3-328-60167-8
Preis: 20,00 €
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Noah

Takis Würger, Rezension von Jutta Pollmann

Takis Würger traf Noah Klieger das erste Mal 2017, als dieser in einem bayrischen Gymnasium über die Shoah sprach. Der kleine Mann betrat den Raum voller Jugendlicher, die Kaugummi kauten, mit ihren Handys spielten oder sich unterhielten. „Ich bin ein Überlebender“, so begann Noah seine Geschichte zu erzählen und die nächste Stunde hätte man in diesem Raum eine Stecknadel fallen hören können. Am Ende seines Vortrages sagte Noah: „Wenn eure Urgroßväter euch etwas anderes erzählen und sagen, es war nicht so schlimm, dann lügen sie. Es war so. Ich war dabei.“

Die Chemie zwischen Takis Würger und Noah Klieger stimmte sofort und schnell entwickelte sich der Plan, Noahs Leben aufzuschreiben. Würger flog nach Israel und Noah erzählte ihm seine Geschichte:

Als dreizehnjähriger hilft er jüdische Kinder in die Schweiz zu schmuggeln. Für seinen Vater verteilt er heimlich gefälschte Lebensmittelkarten an jüdische Familien, denn Noah braucht keine Namensliste, er hat ein fotografisches Gedächtnis, er kann sich die Namen merken.

Dann wird er, gerade 16 Jahre alt, nach Auschwitz verfrachtet, zusammengepfercht in einen Zug, zwischen Lebenden und Toten. In Auschwitz gibt er vor, Boxer zu sein, obwohl er noch nie im Leben geboxt hat. Doch Boxer bekommen eine Extraportion Suppe, die hält Noah lange Zeit am Leben. Er erzählt von Hinrichtungen, von willkürlicher Gewalt, vom Spaß der NS - Schergen, andere zu quälen, er erzählt von Krankheit, Hunger und Tod und wie er doch irgendwie durchhält, die Hoffnung nicht gänzlich verliert. Wie er sich mit anderen gegen die Deutschen verbündet und wie andere ihm helfen. Und er erzählt von der Befreiung des Konzentrationslagers, da war er 20, von der Fahrt mit der Exodus Richtung Palästina und von seinem Engagement beim Aufbau des Staates Israel.

Doch durch seine ganze Lebensgeschichte zieht sich die Frage nach dem: „Wieso?“

„Wieso folgt ein Volk einem dahergelaufenen Anstreicher, einem Österreicher, der aussieht wie eine Karikatur?“

„Wieso predigen die Pfarrer, dass die Juden Jesus ermordet haben, das ist 2000 Jahre her, wieso soll ich daran schuld sein?“

„Als Goebbels zum Totalen Krieg aufrief und alle standen auf und brüllten, wie war das möglich? Studierte, intelligente Menschen, Ärzte, Professoren, Generäle?“

„Stauffenberg hat erst 1944 versuchte, Hitler zu töten, vorher wusste er nicht, was los war?“

Und:

„Wenn die Deutschen heute jemanden finden würden mit Charisma, weiß ich, ob sie es nicht wieder täten?“

 

Wissen wir das?

 

Noah Klieger starb am 13. Dezember 2018, wieder einer weniger, der über diese Zeit berichten kann. Um so wichtiger ist dieses Buch, das seine Geschichte erzählt, „erst recht in einer Zeit, in der die Verbrechen des Nationalsozialismus bei vielen Jugendlichen mehr und mehr in Vergessenheit geraten, in der von manchem laut nach einem Schlussstrich gerufen wird und die Taten der Nationalsozialisten bei bestimmten Gruppen sogar Bewunderung hervorrufen“ (Kirsten Boie, Dunkelnacht). All denen, aber nicht nur denen, möchte ich das Buch in die Hand drücken als Mahnung, um nicht zu vergessen.


Verlag: Henselowski . Boschmann
ISBN: 9783942094955
Preis: 9,90 €
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Vorbilderbuch

diverse, Rezension von Karin Bucconi

Wir alle haben zumeist ein Vorbild, oder auch mehrere. Sie bedeuten uns etwas. Der kleine Bottroper Verlag hat einige Menschen aus Bottrop und Umgebung nach ihren Vorbildern gefragt und sie ihre Geschichten aufschreiben lassen.

Heraus gekommen ist eine kleine Galerie der Menschlichkeit.


Verlag: Kiepenheuer & Witsch
ISBN: 978-3-462-05081-3
Preis: 22,00 €
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Wo wir zu Hause sind - Die Geschichte meiner verschwundenen Familie

Maxim Leo, Rezension von Bernhard Söthe

Maxim Leo wurde 1970 in Ost-Berlin geboren. Er ist gelernter Chemielaborant, studierte Politikwissenschaften und arbeitet als Journalist für die "Berliner Zeitung". Außerdem ist er als Drehbuchautor für die Tatort-Krimi-Reihe tätig und schreibt Krimis, z.B. "Waidmannstod" (KiWi, 9.99€). Mit Jochen Gutsch zusammen hat er die Satiren "Sprechende Männer" (Heyne, 8.99€) und den Spiegel-Bestseller über Alterspubertiere "Es ist nur eine Phase, Hase" (Ullstein, 12.00€) veröffentlicht. 

          

Auf der Leipziger Buchmesse hat Maxim Leo sein neues Buch vorgestellt. Kein Krimi, keine Satire, sondern seine packende Familiengeschichte, spannend und herzergreifend: "Ich habe große Familien immer beneidet, alles schien mir so warm und selbstverständlich zu sein."

Wenn vier Menschen um einen Tisch sitzen, dann ist Maxim Leos Berliner Familie schon fast vollständig versammelt. Die Familie hat jüdische Wurzel, und viele Leos sind in den 30er Jahren vor den Verfolgungen der Nazis geflohen. Drei Schwestern von Maxim Leos Großvater gelang es zu entkommen, und sie gründeten Familien, die heute in England, Frankreich und Israel leben. Die Kinder und Enkel seiner Großtanten besucht Maxim Leo, viele von ihnen trifft er zum ersten Mal, sie erzählen ihm ihre unglaublichen Geschichten. Manche kommen zum Gegenbesuch nach Berlin, wo die Familie Leo ursprünglich zu Hause war. Und plötzlich ist Maxim Leos Familie nicht mehr klein. 

Ein Buch, das den Leser vor die Frage stellt: Was ist Familie und was bedeutet sie für mich? Ein Buch, das viel Stoff zum Nachdenken bietet.