Historische Romane


Verlag: Nagel & Kimche
ISBN: 978-3-312-01234-3
Preis: 24,00 €
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Ein Raum aus Blättern

Kate Grenville, Rezension von Kathrin Allkemper

England, 1788. Die 21jährige Elizabeth ist an einem Punkt in ihrem Leben angekommen, an den sie eigentlich nie wollte. Sie heiratet den Mann, der sie als erstes fragt, was mit Liebe nichts zu tun hat. John McArthur ist ein rücksichtsloser, unnahbarer Mann, der sie zwar höflich behandelt, aber das wars es dann auch schon. Seine Karriere steht im Vordergrund und so muss Elizabeth ihrem Ehemann bis ans Ende der Welt nach Australien folgen, wo ihm eine Stelle als Lieutenant in einer Strafkolonie in New South Wales angeboten wird. Zukünftig wird sie also von Verbrechern und wilden Ureinwohnern in einem fremden und unzivilisierten Land umgeben sein, zumindest ist das ihre Horrorvorstellung von der Zukunft. Doch Elizabeth ist eine starke und schlaue Frau, die schnell herausfindet, wie sie sowohl mit ihrem Mann als auch mit den anderen Würdenträgern in der Kolonie umgehen muss, um ein erträgliches Leben führen zu können. Außerdem findet sie auf ihren heimlichen Ausflügen in das beeindruckende Hinterland Australiens bald heraus, dass man ihr über die Ureinwohner nichts als Lügen erzählt hat. Ihre couragierte Art und ihre Offenheit sind es, die am Ende für den Erfolg und das Bestehen von Elizabeth Farm sorgen und nicht unwesentlich am Werdegang ihres Mannes als Begründer der Schafzucht in Australien beteiligt sind.

Elizabeth und John MacArthur hat es wirklich gegeben und auch der Großteil dieser Geschichte ist historisch belegt. Aber die Autorin hat auch viel Fiktion drumherum gesponnen und Elizabeth eine Stimme gegeben, in dem sie sie ihre Memoiren schreiben lässt. Von Anfang bis Ende spannend!

„Grenville lädt die Leser ein, die komplexe Beziehung zwischen Wahrheit (…) und Fiktion zu reflektieren. Eine umwerfend literarische Leistung.“  The Guardian


Verlag: Bastei Lübbe
ISBN: 978-3-404-18311-1
Preis: 12,90 €
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Die Romanfabrik von Paris

Dirk Husemann, Rezension von Julia Jahns

Paris, 1850:

Die deutsche Gräfin Anna von Dorn ist nach einem Schicksalsschlag nahezu mittelos und dazu gezwungen, als Lehrerin ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Seit einem tragischen Vorfall vor zehn Jahren, bei dem ihr Mann sich und die Familienburg in die Luft sprengte, sitzt sie im Rollstuhl und sinnt auf Rache, denn sie macht den zwielichtigen Magnetiseur Lemaitre für den Vorfall verantwortlich. In Paris soll sie die Kinder einer Lübecker Kaufmannsfamilie unterrichten. Zu ihrem Entsetzen lassen die sich aber nicht von deutschen Märchen begeistern, sondern von den Fortsetzungsromanen eines gewissen Alexandre Dumas, die wöchentlich in seiner Zeitung erscheinen und nach Annas Meinung unzumutbar, da gewalttätig und unmoralisch, sind. Kurzerhand zeigt sie den berühmten Autoren bei der Zensurbehörde an.

Der Schriftsteller Alexandre Dumas, der wie ein König in seinem Chateau lebt, einen ganzen Stall von Lohnschreibern unterhält, die nach seinen Vorstellungen an seinen Fortsetzungsromanen arbeiten und ständig über seine Verhältnisse lebt, staunt nicht schlecht, als am selben Tag mehrere Gläubiger, eine Ex-Geliebte samt Sohn sowie Mitarbeiter der Zensurbehörde, angeführt von einer deutschen Dame im Rollstuhl, bei ihm auftauchen und ihn bedrängen. Dann erhält er ein verlockendes Angebot von einem mysteriösen Fremden, was seine finanziellen Probleme auf einen Schlag lösen könnte. Dieser möchte ihm drei Metallscheiben, die Dumas von seinem Vater geerbt hat und die aus dessen Ägypten-Expedition stammen, abkaufen. Dummerweise hat Dumas diese an den Louve weiterverkauft. Es gelingt ihm, nur eine Scheibe zurück zu bekommen, die anderen befinden sich in Museen in London bzw. Sankt Petersburg. Die Übergabe scheitert grandios, Lemaitre flieht mit der Scheibe, ohne Dumas das vereinbarte Geld auszuhändigen. Gräfin Anna, die in Lemaitre ihren Todfeind wiedererkannt hat, beschließt kurzerhand, sich mit Dumas zu verbünden, um diesen zur Strecke zu bringen. Eine abenteuerliche Reise beginnt ...

Spannender historischer Abenteuerroman mit zwei hinreißenden, wenn auch völlig unterschiedlichen Protagonisten, der sehr temporeich und teilweise sehr witzig erzählt ist.


Verlag: Atrium
ISBN: 978-3-85535-077-3
Preis: 22,00 €
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Westwind

Samantha Harvey, Rezension von Kathrin Allkemper

1491, Oakham, England. Die kleine Gemeinde um Pater John Reeve ist in Aufruhr. Der wohlhabendste Mann im Ort, Thomas Newman, ist tot. Er ist im Fluss ertrunken und seine Leiche wurde mit der Strömung fortgerissen. Aber war es ein Unfall? War es Mord oder gar Selbstmord? Sofort reist der Landdekan an und setzt Pater Reeve unter enormen Druck, dass dieser den Fall möglichst schnell klärt. Die Fastenzeit steht vor der Tür und die Gemeinde ist angehalten, vollständig zur Beichte zu erscheinen. Der Dekan sieht darin die Chance, einen vermeintlichen Mörder zum Geständnis zu bringen. Also hört sich Pater Reeve in den nächsten Tagen viele Beichten und Geständnisse an, jeder scheint irgendein dunkles Geheimnis zu haben. Aber hält sich in seiner eigenwilligen Herde wirklich ein Mörder versteckt ?

Der Clou des Romans ist die tolle Sprache und die besondere Erzählweise. Aus der Sicht des Gemeindepfarrers wird die Geschichte rückwärts dargestellt, beginnend mit Tag 4, dem Fund der Leiche, bis zur Nachricht vom Tod von Thomas Newman am 1.Tag. Die Beschreibung der Atmosphäre eines Dorfes und seiner Bewohner im 15.Jahrhundert mit all ihren Sorgen und Nöten der damaligen Lebensumstände ist ebenfalls sehr gelungen.