Historische Romane


Verlag: Bastei Lübbe
ISBN: 978-3-404-18311-1
Preis: 12,90 €
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Die Romanfabrik von Paris

Dirk Husemann, Rezension von Julia Jahns

Paris, 1850:

Die deutsche Gräfin Anna von Dorn ist nach einem Schicksalsschlag nahezu mittelos und dazu gezwungen, als Lehrerin ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Seit einem tragischen Vorfall vor zehn Jahren, bei dem ihr Mann sich und die Familienburg in die Luft sprengte, sitzt sie im Rollstuhl und sinnt auf Rache, denn sie macht den zwielichtigen Magnetiseur Lemaitre für den Vorfall verantwortlich. In Paris soll sie die Kinder einer Lübecker Kaufmannsfamilie unterrichten. Zu ihrem Entsetzen lassen die sich aber nicht von deutschen Märchen begeistern, sondern von den Fortsetzungsromanen eines gewissen Alexandre Dumas, die wöchentlich in seiner Zeitung erscheinen und nach Annas Meinung unzumutbar, da gewalttätig und unmoralisch, sind. Kurzerhand zeigt sie den berühmten Autoren bei der Zensurbehörde an.

Der Schriftsteller Alexandre Dumas, der wie ein König in seinem Chateau lebt, einen ganzen Stall von Lohnschreibern unterhält, die nach seinen Vorstellungen an seinen Fortsetzungsromanen arbeiten und ständig über seine Verhältnisse lebt, staunt nicht schlecht, als am selben Tag mehrere Gläubiger, eine Ex-Geliebte samt Sohn sowie Mitarbeiter der Zensurbehörde, angeführt von einer deutschen Dame im Rollstuhl, bei ihm auftauchen und ihn bedrängen. Dann erhält er ein verlockendes Angebot von einem mysteriösen Fremden, was seine finanziellen Probleme auf einen Schlag lösen könnte. Dieser möchte ihm drei Metallscheiben, die Dumas von seinem Vater geerbt hat und die aus dessen Ägypten-Expedition stammen, abkaufen. Dummerweise hat Dumas diese an den Louve weiterverkauft. Es gelingt ihm, nur eine Scheibe zurück zu bekommen, die anderen befinden sich in Museen in London bzw. Sankt Petersburg. Die Übergabe scheitert grandios, Lemaitre flieht mit der Scheibe, ohne Dumas das vereinbarte Geld auszuhändigen. Gräfin Anna, die in Lemaitre ihren Todfeind wiedererkannt hat, beschließt kurzerhand, sich mit Dumas zu verbünden, um diesen zur Strecke zu bringen. Eine abenteuerliche Reise beginnt ...

Spannender historischer Abenteuerroman mit zwei hinreißenden, wenn auch völlig unterschiedlichen Protagonisten, der sehr temporeich und teilweise sehr witzig erzählt ist.


Verlag: Atrium
ISBN: 978-3-85535-077-3
Preis: 22,00 €
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Westwind

Samantha Harvey, Rezension von Kathrin Allkemper

1491, Oakham, England. Die kleine Gemeinde um Pater John Reeve ist in Aufruhr. Der wohlhabendste Mann im Ort, Thomas Newman, ist tot. Er ist im Fluss ertrunken und seine Leiche wurde mit der Strömung fortgerissen. Aber war es ein Unfall? War es Mord oder gar Selbstmord? Sofort reist der Landdekan an und setzt Pater Reeve unter enormen Druck, dass dieser den Fall möglichst schnell klärt. Die Fastenzeit steht vor der Tür und die Gemeinde ist angehalten, vollständig zur Beichte zu erscheinen. Der Dekan sieht darin die Chance, einen vermeintlichen Mörder zum Geständnis zu bringen. Also hört sich Pater Reeve in den nächsten Tagen viele Beichten und Geständnisse an, jeder scheint irgendein dunkles Geheimnis zu haben. Aber hält sich in seiner eigenwilligen Herde wirklich ein Mörder versteckt ?

Der Clou des Romans ist die tolle Sprache und die besondere Erzählweise. Aus der Sicht des Gemeindepfarrers wird die Geschichte rückwärts dargestellt, beginnend mit Tag 4, dem Fund der Leiche, bis zur Nachricht vom Tod von Thomas Newman am 1.Tag. Die Beschreibung der Atmosphäre eines Dorfes und seiner Bewohner im 15.Jahrhundert mit all ihren Sorgen und Nöten der damaligen Lebensumstände ist ebenfalls sehr gelungen.


Verlag: DuMont Buchverlag
ISBN: 9783832197247
Preis: 32,00 €
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Spiegel und Licht

Hilary Mantel, Rezension von Karin Bucconi

Endlich, nach mehreren Jahren "Pause" hat Hilary Mantel ihre Tudor-Trilogie vervollständigt. Nach "Wölfe" und "Falken", beide mit dem Booker Prize ausgezeichnet, schließt sich mit "Spiegel und Licht" der Kreis. Aber-Hilary Mantel schreibt ohnehin "begnadet". So sind zum Beispiel "Jeder Tag ist Muttertag" und "Der Hilfsprediger" zwei wunderbare Romane, die ich Ihnen nur empfehlenkann.

Bei der Trudor-Trilogie muß man nicht

die Vorgängerbände gelesen haben, um zu verstehen. Jedes Buch steht für sich und eine ganz bestimmte Zeit englischer Geschichte.

Was mit dem jungen Thomans Cromwell begann, endet nun mit den letzten Lebensjahren dieses Mannes, der die englische Politik über Jahrzehnte entscheidend mitgestaltete. 

Kirche und Glauben, aber auch Aberglaube und Obrigkeitshörigkeit spielen ein wichtige Rolle. Die 1200 Seiten lassen sind brillant zu  lesen und nie langweilig. Der Aufstieg Cromwells aus einfachen Verhältnissen zum Schatzkanzler, Ratgeber und Chefstrategen Heinrichs des VIII ist nicht aufzuhalten.

Aber- er ist nicht nur der Bösewicht, der die Drecksarbeit erledigt, er ist auch ein Mann der Aufklärung und Moderne, eigentlich sogar ein Reformpolitiker. Er ist ein brillanter Denker, belesen, mehrsprachig und weitgereist. Aber manchmal ist er auch der rucchlose Machtmensch, der keine Rücksichtnahme kennt.

Band 3 der Trudortrilogie erzählt die vier Jahre zwischen der Ermordung Anne Boleyns, der 2. Ehefrau Heinrich des VIII und Cromwells eigener Hinrichtung vier Jahre später.

Die Regierungszeit dieses Königs steht im MIttelpunkt der Geschichte. Eigentlich war dessen Politik immer nur Heiratspolitik. Im Band 1 steht die erste Ehe Heinrichs im Mittelpunkt. Sie endet mit Scheidung. Im Band  2 folgt die Eheschließung mit Anne Boleyn, die jedoch gestürzt wird, weil sie keinen Thronfolger zur Welt bringt. Wegen angeblichen Ehebruchs und Hochverrats wurde sie hingerichtet.

Im dritten Teil des Romans stirbt Ehefrau Numero 3 im Kindbett. Die Ehe mit der deutschen Prinzessin Anna von Kleve, von Cromwell eingefädelt, erweist sich als großer Fehler und kostet ihn sowohl des Königs Gnade als auch seinen Kopf. 

Am Tag seiner Hinrichtung heitratet Heinrich der VIII eine 15jährige Hofdame, die er drall und saftig nennt, und die er begehrt, weil sie ein Luder ist. Das allerdings ändert nichts daran, daß sie 1 1/2 Jahre nach Thomas Cromwell auch auf dem Schafott landet....

Eines der besten historischen Büccher, die ich je gelesen habe.

 


Verlag: Rowohlt
ISBN: 978-3-499-27670-5
Preis: 13,00 €
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Im Schatten des Turms

René Anour, Rezension von Kathrin Allkemper

Wien 1787. Der junge Medizinstudent Alfred kommt aus bürgerlichen Verhältnissen und kann sich sein Studium nur durch anstrengende Nebenjobs leisten. Aber er brennt für die Medizin und kann sich nichts Erstrebenswerteres vorstellen, als zu lernen, den Menschen zu helfen. Daher ist er zunächst begeistert, als sein Professor ihn und eine Gruppe Studenten mit in den sogenannten Narrenturm nimmt. Dieser wurde 1784 unter Kaiser Joseph als erste psychiatrische Klinik Kontinentaleuropas gebaut. Jedoch sind die Zustände dort drinnen schockierend und Alfred verlässt dieses Gebäude mit großem Unbehagen. Er bezweifelt, dass man die Insassen gut behandelt und an einer Genesung interssiert ist. Tatsächlich ist es so, dass manche Menschen darin wie Tiere gehalten werden und man mit den vermeintlich Geisteskranken völlig unnötige und unmenschliche Experimente durchführt. Als Alfred sich jedoch mit dem Leiter dieser Einrichtung anlegt, wird es für ihn lebensgefährlich...

Parallel dazu wird die Geschichte der jungen Adeligen Helene erzählt, die bisher ein, für eine junge Frau, eher ungewöhnliches Leben führen durfte. Ihr Interesse gilt eher der Naturwissenschaft und weniger dem Leben bei Hofe, doch ihre grausame Tante hat ganz andere Pläne mit ihr...

Sowohl Alexander als auch Helene müssen für die guten Dinge in ihrem Leben und für einander kämpfen und bei alldem spielt der Narrenturm eine große Rolle..

Sehr spannender und gut recherchierter Historienschmöker, fesselnd von der ersten Seite an.