Jugendbücher

Zu den Besprechungen der Kinder- und Jugendbücher finden Sie meistens unsere Altersempfehlungen. Diese Empfehlungen können natürlich nur sehr ungefähr sein. Jedes Kind, jeder Jugendliche hat seine eigene Lesegeschwindigkeit, und die Interessen und Lesefähigkeiten sind so breit gefächert wie bei Erwachsenen. Es soll ja angeblich 8jährige Kinder geben, die "Harry Potter" gelesen und verstanden haben (vermutlich hochbegabte Kinder von vermutlich genauso hochbegabten Eltern). Und es gibt 14jährige Jugendliche, die sich zwar prima am Computer zurechtfinden, denen das Lesen zusammenhängender Texte aber schwer fällt. Da liegen dann oft Welten zwischen, und auch die Hinweise der Verlage zum Lesealter, die man manchmal auf den Buchrücken findet, sind oft eher verwirrend als hilfreich. Hier sehen wir unsere Aufgabe als Buchhändler, das richtige Buch für die richtige Alterstufe zu finden. Sie wissen ja, Kinder- und Jugendbücher sind ein ganz wichtiger Teil unseres Sortiments, und unser Ziel ist es, aus den Kindern von heute die begeisterten Leser (und Kunden!) von morgen zu machen!


Verlag: Arena
ISBN: 978-3-401-60510-4
Preis: 18,00 €
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Wild

Ella Blix, Rezension von Jutta Pollmann

Vier Jugendliche aus Berlin, Noomi, Ryan, Olympe und Flix, knapp an einer Haftstrafe vorbei geschliddert, sollen nun die nächsten 6 Wochen in einem Resozialisierungscamp in der Sächsischen Schweiz verbringen. Sechs Wochen kein Handy, kein Internet, in Holzhütten ohne Strom. Sechs Wochen nur Arbeit, Natur und Besinnung in Dialogrunden. Nur sie 4 und die drei Betreuer. Und Sophie Jorek, die pädagogische Leiterin des Camps macht ihnen schnell klar, das jeder Verstoß gegen die Regeln im Camp sie auf den direkten Weg ins Gefängnis bringen würde. Dieses Camp sei eine Chance, die sie nutzen sollten.

Doch schon nach kurzer Zeit verschwinden Dinge, Dinge, die allen Beteiligten wichtig sind: eine Kette, ein Amulett, Olympes Smartwatch (die Jorek nicht bemerkt hat!)...

Sofort gerät Noomi unter Verdacht, war sie es doch, die in ein Juweliergeschäft einbrechen wollte und dabei erwischt wurde. Doch Noomi gesteht den anderen Jugendlichen, dass dieser versuchte Einbruch nur ein Vorwand war, ein Vorwand, um hierhin zu kommen. Sie wollte in dieses Camp. Denn vor einem Jahr hatte sie hier in der Nähe Urlaub gemacht und war dann verschwunden. Man hat sie dann hoch oben auf einen Felsen liegend mit blutverschmierten Händen, fast verdurstet gefunden. Und sie hat bis heute keine Ahnung, was damals passiert ist, wie sie auf diesen Berg gekommen ist und wie das Blut, Tierblut, an ihre Hände gekommen ist. Aber Noomi ist felsenfest davon überzeugt, dass die Geschichte mit dem Camp zu tun hat, und daher wollte sie auf jeden Fall hier hin, um diese Erinnerungslücke endlich zu schließen.

Gemeinsam versuchen die vier Jugendlichen Noomis Geheimnis zu lüften. Vorsichtig nachforschend, damit die Leiter nichts mitbekommen, tasten sie sich langsam an Noomis Geheimnis heran. Die ganze Zeit haben die vier aber das Gefühl, beobachtet zu werden. Und das nicht so sehr von den Leitern des Camps, sondern von den Tieren des Waldes...

 

 

Ein wirklich spannendes Buch für Jugendliche ab 12, mit realen und phantastischen Komponenten. Ich habe es in einem Rutsch durchgelesen, kann ich nur empfehlen.


Verlag: Loewe
ISBN: 978-3-7432-0050-0
Preis: 19,95 €
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Cryptos

Ursula Poznanski, Rezension von Bernhard Söthe

Die welt in einigen Jahren? Jahrzehnten?

Die hochbegabte 18jährige Jana ist Weltendesignerin, sie entwirft virtuelle Welten. Das Leben auf der guten alten Erde ist unerträglich geworden. Der Klimawandel und die Überbevölkerung haben die Welt, wie wir sie kennen, an den Rand des Kollapses gebracht. Eine elitäre Gruppe, die "Alphas", lenken die Geschicke der Menschheit, an der Spitze der "Alphas" steht die Familie Faber. Vater und Sohn - die Mutter hat sich aus dem Familiengeschäft zurückgezogen. Man darf grübeln, welche "silicon valley" Milliardärsfamilie als Vorbild für die Fabers diente. Diese Wohltäter haben sich etwas Schönes ausgedacht. Wenn das Leben auf der Erde unerträglich ist, sollen kleine Fluchten in virtuelle Welten von der irdischen Misere ablenken. Die Körper der Menschen werden in künstlichem Tiefschlaf in "Kapseln" gelagert, aber ihr Geist wandert durch künstliche, virtuelle Welten. Diese möglichst angenehm und abwechslungsreich zu gestalten ist die Aufgabe der Weltendesigner, jeder hat nach seinen Fähigkeiten spezielle Aufgaben. Die Weltendesigner sind eine kleine verschworene Gemeinschaft guter Freunde. Meistens, Eifersüchteleien und Hierarchiegerangel aber nicht ausgeschlossen. Die Weltendesigner sind mit zahlreichen Privilegien ausgestattet, zwar nicht zu den "Alphas" gehörend, aber meilenweit vom Leben des gemeinen Fußvolks entfernt. Es gibt aktuelle 10 Milliarden Menschen, eindeutig zu viele auf dem ausgepowerten Planeten. Schlaue Berechungen haben ergeben, dass die Erde 7 Milliarden Menschen plus die in purem Luxus schwelgenden "Alphas" (zwar eine winzige Minderheit, aber eine, die ungeheure Ressourcen für sich beansprucht)  aushalten könnte. 3 Milliarden Menschen sind also "über". Wie kann man 3 Milliarden Menschen zum Verschwinden bringen? Die Machthaber um Familie Faber haben da so einige Ideen. Durch Zufall kommt Jana einem teuflischen Plan auf die Spur. Da sie die menschenverachtenden Machenschaften der Elite nicht alleine verhindern kann, sucht sie Mitstreiter. Dem Sicherheitsdienst der "Alphas" bleibt das nicht verborgen. Jana und ihre Helfer werden durch die reale und diverse virtuelle Welten gnadenlos gejagt ...

Das Ende dieser temporeichen Geschichte könnte darauf hindeuten, dass ein weiterer Band geplant ist. Ursula Poznanski hat schon einige großartige Jugendbücher geschrieben. "Crypto" ist ihr bisher bestes. 


Verlag: Arena
ISBN: 9783401605104
Preis: 18,00 €
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Wild

Ella Blix, Rezension von Jutta Pollmann

Vier Jugendliche aus Berlin, Noomi, Ryan, Olympe und Flix, knapp an einer Haftstrafe vorbei geschliddert, sollen nun die nächsten 6 Wochen in einem Resozialisierungscamp in der Sächsischen Schweiz verbringen. Sechs Wochen kein Handy, kein Internet, in Holzhütten ohne Strom. Sechs Wochen nur Arbeit, Natur und Besinnung in Dialogrunden. Nur sie 4 und die drei Betreuer. Und Sophie Jorek, die pädagogische Leiterin des Camps macht ihnen schnell klar, das jeder Verstoß gegen die Regeln im Camp sie auf den direkten Weg ins Gefängnis bringen würde. Dieses Camp sei eine Chance, die sie nutzen sollten.

Doch schon nach kurzer Zeit verschwinden Dinge, Dinge, die allen Beteiligten wichtig sind: eine Kette, ein Amulett, Olympes Smartwatch (die Jorek nicht bemerkt hat!)...

Sofort gerät Noomi unter Verdacht, war sie es doch, die in ein Juweliergeschäft einbrechen wollte und dabei erwischt wurde. Doch Noomi gesteht den anderen Jugendlichen, dass dieser versuchte Einbruch nur ein Vorwand war, ein Vorwand, um hierhin zu kommen. Sie wollte in dieses Camp. Denn vor einem Jahr hatte sie hier in der Nähe Urlaub gemacht und war dann verschwunden. Man hat sie dann hoch oben auf einen Felsen liegend mit blutverschmierten Händen, fast verdurstet gefunden. Und sie hat bis heute keine Ahnung, was damals passiert ist, wie sie auf diesen Berg gekommen ist und wie das Blut, Tierblut, an ihre Hände gekommen ist. Aber Noomi ist felsenfest davon überzeugt, dass die Geschichte mit dem Camp zu tun hat, und daher wollte sie auf jeden Fall hier hin, um diese Erinnerungslücke endlich zu schließen.

Gemeinsam versuchen die vier Jugendlichen Noomis Geheimnis zu lüften. Vorsichtig nachforschend, damit die Leiter nichts mitbekommen, tasten sie sich langsam an Noomis Geheimnis heran. Die ganze Zeit haben die vier aber das Gefühl, beobachtet zu werden. Und das nicht so sehr von den Leitern des Camps, sondern von den Tieren des Waldes...

 

 

Ein wirklich spannendes Buch für Jugendliche ab 12, mit realen und phantastischen Komponenten. Ich habe es in einem Rutsch durchgelesen, kann ich nur empfehlen.


Verlag: cbj
ISBN: 978-3-570-16575-1
Preis: 19,00 €
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Frankly in love

David Yoon, Rezension von Christina Heger

Frank liebt Joy. Joy liebt Frank. Das erzählen sie zumindest ihren Eltern.Der Untertitel lässt es vermuten: Es ist kompliziert. Frank und Joy sind Kinder koreanischer Einwanderer und bezeichnen ihre Eltern als Rassisten, da diese sich in einem scheinbar vollkommen vom Alltag ihrer Kinder abgekoppelten, koreanischen Mikrokosmos organisiert haben und mit aller Macht an den koreanischen Traditionen festhalten. In dieser Weltarbeiten die Eltern hart um ihren überdurchschnittlich begabten und fleißigen Kindern eine Zukunft an den besten Universitäten der USA zu ermöglichen. Allerdings wird erwartet, dass sich die Kinder zwar hinsichtlich ihrer Karrieren am amerikanischen Elite-System orientieren,für das persönliche und familiäre Umfeld aber ausschließlich traditionelle, koreanische Maßstäbe gelten. Eine Beziehung mit Nicht-Koreanern ist undenkbar. Dies steht außer Frage, denn Frank hat bereits miterlebt, dass seine Eltern seine ältere Schwester verstoßen haben, weil sie mit einem Schwarzen zusammenlebt.Und hier geht die turbulente Geschichte los: Frank verliebt sich in Brit, eine weiße Amerikanerin, während Joy mit einem Chinesen zusammen ist. Völlig undenkbar, dass die Eltern diese Beziehungen jemals akzeptieren. Im Gegenteil, in den Augen der Eltern wären Frank und Joy das perfekte, koreanische Paar. Dies machen sich die beiden zunutze und spielen ihren Eltern vor, sie seien tatsächlich ein Paar. So gewinnen sie den Freiraum, ihre jeweiligen Beziehungen zu leben. Natürlich kommt es, wie es kommen muss und die Gefühle bringen das ganze Gefüge durcheinander...Die Geschichte wird aus der Perspektive von Frank erzählt und beleuchtet die Themen Rassismus und Identitätsfindung in einem unterhaltsamen, lockeren Ton. Kulturelle Identität,der Umgang mit Erwartungen, der Wert von Freundschaft und die Definition eigener Werte und Maßstäbe werden aus der Sicht eines Jugendlichen auf der Schwelle zum Erwachsenwerden sehr lustig aber auch berührend geschildert.


Verlag: Arctis
ISBN: 978-3-03880-035-4
Preis: 18,00 €
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Ferryman - Der Seelenfahrer

Claire McFall, Rezension von Kathrin Allkemper

Als Dylan mit einem Reisebus unterwegs ist, um endlich ihren leiblichen Vater kennenzulernen, kommt es zu einem schrecklichen Unglück. Der Unfall geschieht in einem dunklen Tunnel und als Dylan sich nach dem ersten Schock aufrappelt und aus dem Zug klettert, glaubt sie zunächst, sie wäre die einzig Überlebende. Das Gegenteil ist der Fall. Dylan ist bei dem Unglück ums Leben gekommen und steht jetzt in einer Art Niemandsland. Um sie herum düstere Berghänge und Einöde. Dort erwartet sie Tristan, ein sogenannter Ferryman, der dafür verantwortlich ist, die Seelen der Verstorbenen sicher auf die andere Seite zu bringen. Zunächst begreift Dylan nicht, was wirklich geschehen ist. Sie ist einfach nur froh, nicht alleine zu sein. Doch nach und nach wird ihr klar, was dieser junge Mann für eine Bedeutung hat.

Auf der abenteuerlichen Reise durch ein finsteres Tal voller Dämonen und anderer düsterer Gestalten, kommen sich die beiden näher. Viel näher, als es für einen Ferryman und seinen Schützling gut ist. Denn eines ist sicher, Tristan wird es nicht auf die andere Seite schaffen, sein Platz ist im Niemandsland....


Verlag: Arena
ISBN: 978-3-401-60482-4
Preis: 12,00 €
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Silberflut - Das Geheimnis von Ray's Rock

Alex Falkner, Rezension von Bernhard Söthe

Eine 7. Klasse der Humboldt-Gesamtschule aus Berlin auf Klassenfahrt, Survivaltraining auf einer kleinen, fast unbewohnten Insel zwischen Irland und England:

Unter den Schülern der Klasse gibt es große Spannungen. Teambuilding verordnen die Lehrer. Kaum sind die Schüler auf der Insel angekommen - sie haben sich in Zelten eingerichtet und den Vortrag eines Naturparkrangers und die Anweisungen der Begleitlehrer gelangweilt über sich ergehen lassen - , als ein seltsamer, undurchsichtiger Nebel über die Insel zieht. Der Boden zittert wie bei einem Erdbeben. Als sich der Nebel verzieht, sind der Ranger, die Lehrer und auch etliche Schüler spurlos verschwunden. Ein kleines Grüppchen Jugendlicher - zwei Mädchen und vier Jungen - ist noch übrig, allem Anschein nach allein auf dieser Insel, und keines der mitgebrachten elektronischen Geräte funktioniert noch. In der Hoffnung, dass sich die geheimnisvollen Vorgänge am nächsten Morgen aufklären werden, verbringen die Jugendlichen eine erste, unruhige Nacht auf der Insel. Aber nichts klärt sich. Die Verschwundenen bleiben verschwunden, und unter den völlig unterschiedlichen Jugendlichen brechen Auseinandersetzungen aus, wie sie sich aus dieser misslichen Lage befreien können. 

Erzählt wird die Geschichte kapitelweise abwechselnd von Milla, einer asozialen Kratzbürste mit katastrophalem Familienhintergrund und dem ruhigen Emilio, der auch in dieser prekären Situation versucht, einen klaren Kopf zu behalten. Jedes Kapitel endet mit einem wahren Cliffhanger, und auch das Ende schreit nach einer Fortsetzung. Der zweite Teil "Silberflut -Die Verschollenen von Ray's Rock" erscheint Anfang April 2020.


Verlag: CBJ
ISBN: 978-3-570-16565-2
Preis: 18,00 €
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Dear Evan Hansen

Val Emmich , Rezension von Tanja Tenberg

Auch für Erwachsene toll.

Evan Hansen schreibt sich selbst Briefe, zu therapeutischen Zwecken.

Er ist ein Einzelgänger und Außenseiter an seiner Highschool, niemand nimmt ihn richtig wahr.

Da bekommt Connor Murphy, wie er selbst auch Außenseiter, einen seiner Briefe in die Hand, steckt ihn ein und bringt sich um.

Das Unheil nimmt seinen Lauf.

Auf Evan Hansens Schultern liegt die Hoffnung der Familie des Selbstmörders. Sie freuen sich, dass jemand mit ihrem Sohn geredet hat, denken, die Beiden waren beste Freunde.

Und Evan steht plötzlich im Mittelpunkt seiner Schule, einer Aufgabe, die er kaum gewachsen scheint.

Ich habe lange kein Jugendbuch gelesen, das mich so fasziniert hat.

Unbedingter Lesestoff für alle John Green Fans und begeisterte Jugendbuchleser ab 14 Jahren.


Verlag: Beltz
ISBN: 978-3-407-78998-3
Preis: 16,95 €
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The Black Coats - ... denn wir vergeben keine Schuld

Colleen Oakes, Rezension von Bernhard Söthe

Die 16jährige Thea hat vor einigen Monaten ihre gleichaltrige Cousine Nathalie, mit der sie ein enges Verhältnis verband, verloren. Nathalie wurde ermordet. Die Identität des Mörders steht fest, aber vor Gericht schweigt er beharrlich, und da der letzte Beweis fehlt, wird er freigesprochen. Der Mörder läuft also frei herum, und Nathalie ist tot. Immer wenn Thea dem grinsenden Mörder ("Mir kann keiner was") begegnet, stiegen in ihr Wellen von Wut und Hass auf. Seit dem Mord an Nathalie steht Thea neben sich. Auch die Stütze durch ihre liebevollen Elterm kann Thea nicht aus ihrem Tief helfen. Selbst ihre Freizeitbeschäftigung, das Langlaufen, hat sie fast aufgegeben.

An der Roosevelt Highschool, die Thea besucht, geht alles seinen gewohnten Gang: nervige Lehrer und Mitschüler, Zickenkrieg unter den Beautyqueens der Oberstufe. Alles wie immer, nur Nathalie fehlt. Auf komplizierten Wegen erreicht Thea eine Einladung. Als sie nach einer Art Schnitzeljagd den Ort erreicht, an dem sie erwartet wird - eine alte Villa am Stadtrand - , erfährt sie, dass sich dort eine Art Geheimbund trifft. Alles Frauen, die von Männern Gewalt erfahren haben, dafür aber nie bestraft wurden, und das Ziel des Geheimbundes der Frauen ist Rache. Thea ist fasziniert von der Möglichkeit, Nathalies Mörder doch noch irgendwie zur Rechenschaft zu ziehen. 

Die Regeln des Geheimbundes, "Black Coat" genannt, wegen der schwarzen Mäntel, die die Frauen bei ihren Racheaktionen tragen, sind rigide, der Aufbau fast militärisch. Beim kleinsten Verstoß gegen die Statuten des Geheimbundes erfolgen der Rauswurf und empfindliche Strafen. Die Frauen und Mädchen des Bundes sind in Kleingruppen organisiert, die zusammen trainieren und gemeinsam Aktionen gegen zu bestrafende Männer durchführen. In Theas Gruppe sind zu ihrem Erstaunen auch Mädchen aus ihrer Schule. Alles Mädchen, mit denen Thea nicht näher in Kontakt war. Und Thea erfährt, dass alle diese Mädchen Opfer männlicher Gewalt unterschiedlichster Art geworden sind und dass all diese Täter nie zur Rechenschaft gezogen wurden.

Die "Black Coats" müssen körperlich fit sein, um gegen die in der Regel kräftigeren Männer bestehen zu können. Das Training dafür ist überaus hart, selbst  die sportlicheren Mädchen kommen an ihre körperlichen Grenzen. Die ersten Racheaktionen gegen Männer, die es wirklich verdient haben, Opfer der "Black Coats" zu werden, an denen Thea teilnimmt, bringen sie an ihre emotionalen und moralischen Grenzen. Ist es das, was sie wirklich will? Auge um Auge, Zahn um Zahn, Gewalt gegen Gewalt. Würde Nathalie wollen, dass der Mord an ihr auf diese Weise gerächt wird?

Je länger Thea bei den Rachefeldzügen der "Black Coats" mitmacht, um so größer werden ihre Zweifel am Sinn der Gewalt. Und sie merkt, dass der Block der "Black Coats"-Frauen längst nicht so fest gefügt ist, wie sie anfangs glaubte. Es gibt Rivalitäten und Auseinandersetzungen unter den Frauen der Führungsebene des Geheimbundes.

Thea will das alles hinter sich lassen. Sie hat inzwischen auch einen jungen Mann kennen und lieben gelernt. Vielleicht gibt es für Thea auch nach Nathalies schrecklichem Tod die Chance eines Neuanfangs? Aber die Mitgliedschaft bei den "Black Coats" kann man nicht so einfach kündigen wie eine Mitgliedschaft im Sportverein.

Ein atemberaubender Thriller um Schuld, Rache und Gerechtigkeit. 


Verlag: Loewe
ISBN: 978-3-7432-0049-4
Preis: 19,95 €
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Erebos 2

Ursula Poznanski, Rezension von Bernhard Söthe

Vor fast 10 Jahren erschien "Erebos", der erste Band. Dass ein zweiter folgen sollte, konnte damals keiner ahnen. Aber schnell war klar, "Erebos" war ein Glücksgriff. Poznanski hatte Thema und Ton der Jugendlichen getroffen. Das Buch erhielt damals den Jugendbuchpreis , verliehen von der Jugendjury, also jugendlichen Lesern und nicht von schlauen Erwachsenen, die meinten, dieses Buch sollten Jugendliche unbedingt lesen. "Erebos" ist inzwischen ein echter Longseller und wird auch als Schullektüre eingesetzt. Das Thema "Internet" und "Computerspiele" dürfte Jugendlichen vermutlich näher sein als z.B. Schillers "Wallenstein".

Der Inhalt von "Erebos" ist hinlänglich bekannt. Es geht um ein Computerspiel, das Jugendliche faszinierend finden. Der anonyme Macher bleibt unerkannt im Hintergrund, er hat hinterhältige Absichten und spielt den Protagonisten, dem 16jährigen Nick und seinen Freunden und Schulkameraden, die ebenfalls dem "Erebos"-Spielfieber verfallen sind, übel mit. Nick hat die Machenschaften von "Erebos" mit Mühe und Not überstanden, jetzt ist er Mitte 20 und studiert in London. Sein Studium finanziert er als Auftragsfotograf z.B. bei Hochzeiten, Schulfeiern etc. Inzwischen ist er so mit Aufträgen überhäuft, dass er aufpassen muss, noch Zeit für sein Studium zu finden. Auf dem Weg zu einem neuen Termin meldet sich sein Handy. Nick traut seinen Augen nicht: auf dem Bildschirm erscheint ein gelbes Auge - "Erebos" ist zurück. Nick will nach seinen schlechten Erfahrungen in der Vergangenheit natürlich nichts mehr damit zu tun haben. Aber wie schon vor zehn Jahren wird er wieder mit fiesen Tricks zum Mitspielen gezwungen, und "Erebos" hat dazugelernt. Das Spiel ist technisch viel raffinierter, die Ziele sind völlig undurchschaubar, und Nicks Leben wird heftig durcheinandergeschüttelt. Aber Nick ist nicht das einzige Opfer. "Erebos" hat auch noch einen 16jährigen Jugendlichen, Derek, rekrutiert, dem "Erebos" ebenso übel wie Nick mitspielt.

Die Geschichten von Nick und Derek werden parallel erzählt, bis die beiden sich auch im "richtigen" Leben bei dem überraschenden Showdown erstmals persönlich treffen. Beste Unterhaltung für Jugendliche und junge Erwachsene, die "Erebos" noch aus ihrer Teenagerzeit kennen.