Jugendbücher

Zu den Besprechungen der Kinder- und Jugendbücher finden Sie meistens unsere Altersempfehlungen. Diese Empfehlungen können natürlich nur sehr ungefähr sein. Jedes Kind, jeder Jugendliche hat seine eigene Lesegeschwindigkeit, und die Interessen und Lesefähigkeiten sind so breit gefächert wie bei Erwachsenen. Es soll ja angeblich 8jährige Kinder geben, die "Harry Potter" gelesen und verstanden haben (vermutlich hochbegabte Kinder von vermutlich genauso hochbegabten Eltern). Und es gibt 14jährige Jugendliche, die sich zwar prima am Computer zurechtfinden, denen das Lesen zusammenhängender Texte aber schwer fällt. Da liegen dann oft Welten zwischen, und auch die Hinweise der Verlage zum Lesealter, die man manchmal auf den Buchrücken findet, sind oft eher verwirrend als hilfreich. Hier sehen wir unsere Aufgabe als Buchhändler, das richtige Buch für die richtige Alterstufe zu finden. Sie wissen ja, Kinder- und Jugendbücher sind ein ganz wichtiger Teil unseres Sortiments, und unser Ziel ist es, aus den Kindern von heute die begeisterten Leser (und Kunden!) von morgen zu machen!


Verlag: CBJ
ISBN: 978-3-570-16565-2
Preis: 18,00 €
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Dear Evan Hansen

Val Emmich , Rezension von Tanja Tenberg

Auch für Erwachsene toll.

Evan Hansen schreibt sich selbst Briefe, zu therapeutischen Zwecken.

Er ist ein Einzelgänger und Außenseiter an seiner Highschool, niemand nimmt ihn richtig wahr.

Da bekommt Connor Murphy, wie er selbst auch Außenseiter, einen seiner Briefe in die Hand, steckt ihn ein und bringt sich um.

Das Unheil nimmt seinen Lauf.

Auf Evan Hansens Schultern liegt die Hoffnung der Familie des Selbstmörders. Sie freuen sich, dass jemand mit ihrem Sohn geredet hat, denken, die Beiden waren beste Freunde.

Und Evan steht plötzlich im Mittelpunkt seiner Schule, einer Aufgabe, die er kaum gewachsen scheint.

Ich habe lange kein Jugendbuch gelesen, das mich so fasziniert hat.

Unbedingter Lesestoff für alle John Green Fans und begeisterte Jugendbuchleser ab 14 Jahren.


Verlag: Beltz
ISBN: 978-3-407-78998-3
Preis: 16,95 €
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The Black Coats - ... denn wir vergeben keine Schuld

Colleen Oakes, Rezension von Bernhard Söthe

Die 16jährige Thea hat vor einigen Monaten ihre gleichaltrige Cousine Nathalie, mit der sie ein enges Verhältnis verband, verloren. Nathalie wurde ermordet. Die Identität des Mörders steht fest, aber vor Gericht schweigt er beharrlich, und da der letzte Beweis fehlt, wird er freigesprochen. Der Mörder läuft also frei herum, und Nathalie ist tot. Immer wenn Thea dem grinsenden Mörder ("Mir kann keiner was") begegnet, stiegen in ihr Wellen von Wut und Hass auf. Seit dem Mord an Nathalie steht Thea neben sich. Auch die Stütze durch ihre liebevollen Elterm kann Thea nicht aus ihrem Tief helfen. Selbst ihre Freizeitbeschäftigung, das Langlaufen, hat sie fast aufgegeben.

An der Roosevelt Highschool, die Thea besucht, geht alles seinen gewohnten Gang: nervige Lehrer und Mitschüler, Zickenkrieg unter den Beautyqueens der Oberstufe. Alles wie immer, nur Nathalie fehlt. Auf komplizierten Wegen erreicht Thea eine Einladung. Als sie nach einer Art Schnitzeljagd den Ort erreicht, an dem sie erwartet wird - eine alte Villa am Stadtrand - , erfährt sie, dass sich dort eine Art Geheimbund trifft. Alles Frauen, die von Männern Gewalt erfahren haben, dafür aber nie bestraft wurden, und das Ziel des Geheimbundes der Frauen ist Rache. Thea ist fasziniert von der Möglichkeit, Nathalies Mörder doch noch irgendwie zur Rechenschaft zu ziehen. 

Die Regeln des Geheimbundes, "Black Coat" genannt, wegen der schwarzen Mäntel, die die Frauen bei ihren Racheaktionen tragen, sind rigide, der Aufbau fast militärisch. Beim kleinsten Verstoß gegen die Statuten des Geheimbundes erfolgen der Rauswurf und empfindliche Strafen. Die Frauen und Mädchen des Bundes sind in Kleingruppen organisiert, die zusammen trainieren und gemeinsam Aktionen gegen zu bestrafende Männer durchführen. In Theas Gruppe sind zu ihrem Erstaunen auch Mädchen aus ihrer Schule. Alles Mädchen, mit denen Thea nicht näher in Kontakt war. Und Thea erfährt, dass alle diese Mädchen Opfer männlicher Gewalt unterschiedlichster Art geworden sind und dass all diese Täter nie zur Rechenschaft gezogen wurden.

Die "Black Coats" müssen körperlich fit sein, um gegen die in der Regel kräftigeren Männer bestehen zu können. Das Training dafür ist überaus hart, selbst  die sportlicheren Mädchen kommen an ihre körperlichen Grenzen. Die ersten Racheaktionen gegen Männer, die es wirklich verdient haben, Opfer der "Black Coats" zu werden, an denen Thea teilnimmt, bringen sie an ihre emotionalen und moralischen Grenzen. Ist es das, was sie wirklich will? Auge um Auge, Zahn um Zahn, Gewalt gegen Gewalt. Würde Nathalie wollen, dass der Mord an ihr auf diese Weise gerächt wird?

Je länger Thea bei den Rachefeldzügen der "Black Coats" mitmacht, um so größer werden ihre Zweifel am Sinn der Gewalt. Und sie merkt, dass der Block der "Black Coats"-Frauen längst nicht so fest gefügt ist, wie sie anfangs glaubte. Es gibt Rivalitäten und Auseinandersetzungen unter den Frauen der Führungsebene des Geheimbundes.

Thea will das alles hinter sich lassen. Sie hat inzwischen auch einen jungen Mann kennen und lieben gelernt. Vielleicht gibt es für Thea auch nach Nathalies schrecklichem Tod die Chance eines Neuanfangs? Aber die Mitgliedschaft bei den "Black Coats" kann man nicht so einfach kündigen wie eine Mitgliedschaft im Sportverein.

Ein atemberaubender Thriller um Schuld, Rache und Gerechtigkeit. 


Verlag: Loewe
ISBN: 978-3-7432-0049-4
Preis: 19,95 €
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Erebos 2

Ursula Poznanski, Rezension von Bernhard Söthe

Vor fast 10 Jahren erschien "Erebos", der erste Band. Dass ein zweiter folgen sollte, konnte damals keiner ahnen. Aber schnell war klar, "Erebos" war ein Glücksgriff. Poznanski hatte Thema und Ton der Jugendlichen getroffen. Das Buch erhielt damals den Jugendbuchpreis , verliehen von der Jugendjury, also jugendlichen Lesern und nicht von schlauen Erwachsenen, die meinten, dieses Buch sollten Jugendliche unbedingt lesen. "Erebos" ist inzwischen ein echter Longseller und wird auch als Schullektüre eingesetzt. Das Thema "Internet" und "Computerspiele" dürfte Jugendlichen vermutlich näher sein als z.B. Schillers "Wallenstein".

Der Inhalt von "Erebos" ist hinlänglich bekannt. Es geht um ein Computerspiel, das Jugendliche faszinierend finden. Der anonyme Macher bleibt unerkannt im Hintergrund, er hat hinterhältige Absichten und spielt den Protagonisten, dem 16jährigen Nick und seinen Freunden und Schulkameraden, die ebenfalls dem "Erebos"-Spielfieber verfallen sind, übel mit. Nick hat die Machenschaften von "Erebos" mit Mühe und Not überstanden, jetzt ist er Mitte 20 und studiert in London. Sein Studium finanziert er als Auftragsfotograf z.B. bei Hochzeiten, Schulfeiern etc. Inzwischen ist er so mit Aufträgen überhäuft, dass er aufpassen muss, noch Zeit für sein Studium zu finden. Auf dem Weg zu einem neuen Termin meldet sich sein Handy. Nick traut seinen Augen nicht: auf dem Bildschirm erscheint ein gelbes Auge - "Erebos" ist zurück. Nick will nach seinen schlechten Erfahrungen in der Vergangenheit natürlich nichts mehr damit zu tun haben. Aber wie schon vor zehn Jahren wird er wieder mit fiesen Tricks zum Mitspielen gezwungen, und "Erebos" hat dazugelernt. Das Spiel ist technisch viel raffinierter, die Ziele sind völlig undurchschaubar, und Nicks Leben wird heftig durcheinandergeschüttelt. Aber Nick ist nicht das einzige Opfer. "Erebos" hat auch noch einen 16jährigen Jugendlichen, Derek, rekrutiert, dem "Erebos" ebenso übel wie Nick mitspielt.

Die Geschichten von Nick und Derek werden parallel erzählt, bis die beiden sich auch im "richtigen" Leben bei dem überraschenden Showdown erstmals persönlich treffen. Beste Unterhaltung für Jugendliche und junge Erwachsene, die "Erebos" noch aus ihrer Teenagerzeit kennen. 


Verlag: Beltz
ISBN: 978-3-407-75462-2
Preis: 19,95 €
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Licht und Schatten

Zoran Drvenkar, Rezension von Kathrin Allkemper

Selten fiel es mir so schwer, eine Geschichte zusammen zu fassen. Zunächst ein Satz zur Erzählart: Dieser Fantasyroman ist einfach sooo toll geschrieben, wortgewaltig, bildhaft, poetisch, dramatisch, faszinierend...aus wechselnden Perspektiven, in verschiedenen Zeiten, ein wahres Kunstwerk auf knapp 600 Seiten.

Die Geschichte beginnt im Winter 1704 in Sibirien. Das kleine Mädchen Vida wird geboren und ahnt natürlich noch nicht, dass sie von vielen sehnlichst erwartet wurde. Die Dunkelheit in der Welt hingegen fürchtet sie und so machen sich der Tod, ein Wächter und eine Göttin auf, dieses Mädchen zu finden und zu töten. Doch Vida hat mächtige Verbündete und für so einen so jungen Menschen sehr viel Mut. Weder Dunkelheit noch Tod können ihr etwas anhaben. Und so zieht sie los in einen Kampf gegen das Böse....Die raue Landschaft Russlands und die unheimlichen Verfolger Vidas sorgen für viel Spannung und einen angenehmen Grusel, der einem beim Lesen über den Rücken läuft. Ungewöhnlich anspruchsvoller Fantasyroman ab 14.

Anbei zwei Textbeispiele:

Der Tod ist ein Habicht, der auf dem Wipfel einer Kiefer sitzt und wartet. Er ist nicht hungrig, er verspürt keine Kälte, und würde man ihn fragen, würde der Habicht zugeben, dass er kein Habicht ist. Der Tod ist immer ein Teil des Landes, der Menschen, Pflanzen und Tiere. Er zeigt sich in der Nacht und im Sonnenschein, er atmet unter Wasser und schläft im Fels....“

In demselben Jahr, in dem Vida geboren wurde, war der Wächtrer so alt, dass die Zeit sich abwandte, sobald er ihren Weg kreuzte. Im Gegensatz zu Vida kam der Wächter nicht zur Welt. Er entwuchs aus der reinen Furcht heraus, und sein Dasein beruhte auf einer einzigen Bestimmung – Vida war sein Anfang und sein Ende. Ihre Geburt ersehnte er, ihren Tod wollte er. Und so wartete der Wächter, dass sie geboren wurde...“

 


Verlag: Heyne
ISBN: 978-3-453-31991-2
Preis: 14,99 €
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Tief im Wald

Peternelle van Arsdale, Rezension von Kathrin Allkemper

Die Geschichte beginnt in dem kleinen Dorf Weizheim. Zeitlich würde ich die Handlung im Mittelalter ansiedeln. Das würde auch erklären, warum die Dorfbewohner mit soviel Argwohn auf eine Zwillingsgeburt reagieren, bei dem die Babys sich wie ein Spiegelbild ähneln. Von Hexerei und dem Bösen ist die Rede. Und so kommt es, dass man den Vater antreibt, er möge seine Frau mit den Kindern in den Wald schicken. Aus Angst, man würde seine Frau und die Töchter als Hexen verurteilen, baut er ihnen dort eine Hütte und versorgt sie regelmäßig mit Nahrung. Anfangs jeden Tag, dann einmal die Woche und irgendwann kommt er gar nicht mehr. Als die Mutter ihn daraufhin mit den Töchtern aufsucht, müssen sie feststellen, dass er sich bereits eine neue Frau gesucht hat. Die Zeit vergeht, die Mutter stirbt, die Töchter werden älter und irgendwann sind sie junge Frauen, die spüren, dass etwas an ihnen anders ist. Der Hunger, der sie umtreibt, kann nicht durch normale Nahrung gestillt werden. Es sind eher Gefühle wie Angst und Verzweiflung, die sie sattmachen. Und so ziehen die beiden Seelenesserinnen los, um sich an den Bewohnern von Weizheim zu rächen…

Die 7jährige Alys, die ebenfalls mit ihren Eltern in diesem Dorf lebt, begegnet in einer schlaflosen Nacht draussen auf den Feldern zwei jungen, sehr hübschen Frauen. Ihr fällt gleich auf, dass die beiden mehr schweben als laufen, aber Alys fürchtet sich nicht, fühlt sich sogar seltsam mit Ihnen verbunden. Was stimmt nicht mit ihr? Und warum haben die Seelenesserinnen das Mädchen verschont?

Ein spannendes Fantasyabenteuer ab 15 Jahren, düster und märchenhaft zugleich. Die Sprache ist etwas eigen, aber nicht schwer zu lesen und passt gut zur Gesamtstimmung.