Krimi


Verlag: Heyne Verlag
ISBN: 978-3-453-53488-9
Preis: 16,99 €
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Das Gottesspiel

Danny Tobey, Rezension von Dagmar Hallay

Wenn du gewinnst, werden all deine Träume wahr. Wenn du verlierst, bist du tot.“

Mit dieser Nachricht wird Charlie im Internet zu einem Virtual-Reality-Game, das sich „Das Gottesspiel“ nennt, aufgefordert. Trotz dieser eher bedrohlich klingenden Einladung, können Charlie und seine Freunde, die sich durch ihre gemeinsame Leidenschaft für Computer zusammen gefunden haben, nicht wirklich widerstehen. Und zu Beginn scheint es sich auch mehr um eine unterhaltsame Freizeitbeschäftigung zu handeln. Das Spiel stellt Aufgaben, die zu lösen sind und dann belohnt werden. Man sammelt Goldz für gelöste Aufgaben und erhält bei nicht gelösten Blaxx. Es dauert jedoch einige Zeit, bis die Spieler verstehen, was es mit Goldz und Blaxx auf sich hat.
Die Aufgaben gefallen den einzelnen Teilnehmern nicht immer, aber das Spiel scheint keine Gnade zu kennen, es begründet alles, was es verlangt mit Gott und der Bibel!
Gott, so wie sich die Stimme im Spiel nennt, scheint überall zu sein. Egal, ob die Jugendlichen in ihren Computer schauen oder auf ihr Smartphone, die Nachrichten erreichen sie überall.
Dies führt schnell zu einem beklemmenden Gefühl und der Frage, ob man sich da einfach wieder abmelden kann. Sehr wahrscheinlich lautet die Antwort „Nein!!!“.

 

 


Verlag: dtv
ISBN: 978-3-423-23019-3
Preis: 16,90 €
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Aus schwarzem Wasser

Anne Freytag, Rezension von Kathrin Allkemper

Als Maja eines Abends völlig überraschend und ohne Widerrede von ihrer Mutter, der Innenministerin Dr.Patricia Kohlbeck, abgeholt und in deren Dienstwagen verfrachtet wird, versteht sie nur Bahnhof. Patricia stammelt die ganze Zeit vor sich hin und beschwört Maja: "Du kannst niemandem trauen, sie stecken alle mit drin". Dann lenkt sie den Wagen von der Straße ab, direkt in die Spree. Für die beiden Frauen kommt scheinbar jede Hilfe zu spät...

Stunden später erwacht Maja, um sie herum völlige Dunkelheit. Voller Panik wird ihr klar, dass sie in einem Leichensack liegt. Wie ist das möglich? Sie war viel zu lange unter Wasser und ohne Sauerstoff. Mit der Warnung ihrer Mutter im Hinterkopf flieht sie aus dem Keller des Krankenhauses zu dem einzigen Menschen, dem sie noch trauen kann und will. Er soll ihr helfen, Antworten zu finden..

Parallel dazu ereignen sich mysteriöse und äusserst schreckliche Umweltkatastrophen, wie man sie noch nie vorher gesehen hat. Die Wissenschaftler sind schnell mit Erklärungen dabei, aber es scheint mehr dahinter zu stecken. Einige Forscher haben Grenzen überschritten und waren bereit, über Leichen zu gehen. Und Majas Mutter hat in diesem perfiden Spiel um Macht und Lügen eine entscheidene Rolle gespielt.

Wer von Frank Schätzing den Roman "Der Schwarm" gerne gelesen hat, ist hier genau richtig. Die Autorin, die auch schon einige Jugendbücher geschrieben hat, legt hier ihr Thrillerdebüt vor und ich finde es wirklich gelungen und von der ersten Seite an fesselnd.

 


Verlag: Piper
ISBN: 978-3-492-31596-8
Preis: 10,00 €
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Schneewittchen und die sieben Särge

Jürgen Seibold, Rezension von Jutta Pollmann

Robert Mondrian, ehemals Geheimagent und Nahkampf erprobt, hat seinem alten Job den Rücken gekehrt und sich mit seiner Abfindung im idyllischen Remslingen eine kleine Buchhandlung gekauft, die er zusammen mit seinem Mitarbeiter Alfons führt. Jeden Morgen erscheint dieser mit seinen beiden Kakadus „Sherlock“ und „Watson“ , die er eigentlich „nur“ in Pflege hat, aber seit Monaten jeden Tag mit in die Buchhandlung schleppt, wo sie dann gern zu jedem Gespräch lautstark ihre Kommentare abgeben. Alfons ist großer Krimifan und kann gar nicht verstehen, warum sein Chef dieses Genre absolut nicht in seiner Buchhandlung will.

Eines Morgens liegt im Hof der benachbarten Vitaminoase eine Leiche,vergiftet mit einem Apfel. Die Boulevard-Presse spricht auch sogleich vom Schneewittchen-Mord. Und als herauskommt, dass Sonja, die Besitzerin der Vitaminoase mal ein Verhältnis mit dem Toten hatte, ist sie für die Presse auch gleich die Täterin.

Robert glaubt nicht daran, zumal er seit langem ein Auge auf seine schöne Nachbarin geworfen hat, sich allerdings nicht traut, ihr seine Liebe zu offenbaren. Als auch die Polizei Sonja immer stärker auf den Zahn fühlt, sieht er sich gezwungen, selbst aktiv zu werden. Doch schnell muss er feststellen, dass seine Nachforschungen ihm zwar nach und nach neue Details liefern, er aber auch in ein Wespennest gestochen hat. Irgendjemand möchte nicht, dass die Wahrheit ans Licht kommt. Robert sieht sich plötzlich stiernackigen Muskelprotzen gegenüber, die meinen einem Buchhändler mal eben eine Lektion erteilen zu können. Doch dann liegt nicht der Buchhändler am Boden, sondern der Muskelprotz. Später versuchen drei Männer nachts in die Buchhandlung einzubrechen, aber auch da haben sie die Rechnung ohne den Buchhändler gemacht.

All das macht Alfons und Roberts Stammkundin Marie Beck stutzig. Die zierliche Germanistikstudentin hat den schwarzen Gürtel in Karate und meint, sie würde einen Kampfsportler drei Meter gegen den Wind erkennen. So muss Robert den beiden irgendwann doch erzählen, welch eine Tätigkeit er vorher ausgeübt hat. Alfons ist begeistert und möchte bei den weiteren Aktionen seines Chefs dabei sein. Und so wie Superman Robin als Begleiter hat, bekommt „Bookman“ nun Alfons an seine Seite. Zusammen mit Marie, Sherlock und Watson kann Robert Mondrian, auch ein bisschen mit Hilfe der Polizei, den Täter dingfest machen, doch bis dahin werden die Lachmuskeln noch reichlich beansprucht.

 

 

Ein herrlich schräger und humoriger Krimi; Mischung aus Kommando Abstellgleis und Wilsberg mit einem Buchhändler, der im Nahkampf ausgebildet ist. Aber das sind ja eigentlich alle Buchhändler.

 

 


Verlag: Penguin
ISBN: 978-3-328-60138-8
Preis: 20,00 €
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Das Verschwinden des Dr. Mühe

Oliver Hilmes, Rezension von Jutta Pollmann

Im Sommer 2015 sitzt Oliver Hilmes im Berliner Landesarchiv und sucht nach einer weiteren Geschichte für sein Buch „1936“, was im Jahr darauf erscheinen soll. Die Akten, die er durch sieht, stammen aus der „Zentralkartei für Mordsachen und Lehrmittelsammlung“, angelegt von Ernst Gennat, dem wohl ersten „Profiler“ Deutschlands. Irgendwann hält Hilmes eine 100 seitige Akte in der Hand. Schnell wird klar, dass er diese Geschichte eigentlich nicht gebrauchen kann, da sie 1932 spielt, doch Hilmes beißt sich fest, ihm ist klar, dass das Stoff für ein eigenes Buch ist.

Worum geht es?

 

Der Arzt Dr. Erich Mühe betreibt 1932 eine gut gehende Praxis in Berlin-Kreuzberg. Er ist 34 Jahre alt, seit 8 Jahren verheiratet. Er besitzt eine große Wohnung, von der die Praxisräume abzweigen. Seine Frau ist nicht berufstätig, geht gerne in die Oper und nimmt Gesangsunterricht. Ein Mädchen, das sowohl in der Praxis hilft, als auch im Haushalt, hat ebenfalls ein Zimmer in der Wohnung. Darüber hinaus gibt es noch eine Freundin, der man ein Zimmer untervermietet hat.

Der Doktor wird von seinen Patienten geliebt, seine Frau mögen die wenigsten. Sie trage die Nase zu hoch, wolle was Besseres sein.

Dann verschwindet Dr. Mühe eines Tages. Sein Auto wird vor den Toren Berlins am Sacrower See gefunden, von einer Leiche keine Spur. Trotzdem ist seine Frau sofort davon überzeugt, dass ihr Mann ertrunken ist. Schnell ist Hugo Rasch, Gesangslehrer von Charlotte Mühe, zur Stelle, von dem einige Nachbarn und auch Patienten glauben, dass er der Geliebte der Frau Mühe sei. Stecken die beiden vielleicht unter einer Decke und haben Dr. Mühe ermordet? Warum gibt sie so schnell die gemeinsame Wohnung auf und zieht in eine kleinere? Dr. Mühe hatte gut, sehr gut verdient. Vielleicht zu gut? War er in illegale Geschäfte verstrickt? Und wo war das Geld?

Kommissar Keller befragt Nachbarn, Kollegen, die Ehefrau, den Gesangslehrer, die Untermieterin, doch er kommt keinen Schritt weiter. Je mehr Menschen er befragt, desto mehr Ungereimtheiten tun sich auf.

Doch die Jahre werden „brauner“ und die Befragungen bestimmter Menschen schwieriger, wenn sie denn, wie der ehemalige Gesangslehrer der Frau Mühe, die Karriereleiter herauf gefallen sind und plötzlich Präsidialrat der Reichsmusikkammer sind. Kommissar Keller wird zurück gepfiffen, der Fall zu den Akten gelegt.

Erst 1946 kommt wieder Bewegung in den Fall.

 

Ein faszinierendes Buch über einen realen Kriminalfall aus der Weimarer Zeit. Die Details penibel recherchiert, die Dialoge meist fiktionalisiert, erinnert Hilmes Schreibweise mich oftmals an Schirach. Ein Buch, das man so weg liest.


Verlag: Unionsverlag
ISBN: 978-3-293-00563-1
Preis: 22,00 €
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Hope Hill Drive

Garry Disher, Rezension von Bernhard Söthe

Constable Paul Hirschhausen, genannt Hirsch, ist in das öde Provinznest Tiverton versetzt worden, nachdem er üble Korruptionsfälle innerhalb der Polizei aufgeklärt hat. Einige ehemalige Kollegen sitzen im Gefängnis, andere haben ihre Stelle verloren. Hirsch, obwohl im Recht, hat seinen Ruf als Nestbeschmutzer weg, was die Zusammenarbeit mit manchen Kollegen schwierig macht. Jetzt ist Hirsch der "Dorfpolizist" von Tiverton und geht und fährt dort Streife. Mal bringt er einen entlaufenen Hund zu seinen Besitzern zurück, mal muss er sich um eine geklaute Schaufel kümmern, mal um Graffitis an einer historisch bedeutsamen Schafscherscheune. Nichts, was seinen Blutdruck steigen ließe. Er versucht, die Menschen in seinem Polizeibezirk kennen zu lernen. Er teilt sie auf in harmlose Hinterwäldler, potentielle Verbrecher und geistlose Nerver. Den potentiellen Verbrechern versucht er, zuvor zu kommen und den geistlosen Nervern aus dem Weg zu gehen, was ihm nicht immer gelingt. So lässt sich Hirsch überreden, bei dem traditionellen Weihnachtsumzug für die Kinder den Santa Claus zu spielen und in dem Komitee, das die schönste Weihnachtsdekoration des Ortes prämiert, mitzumachen. Hirsch hasst es, aber Kontaktpflege ist alles und das bei 30 Grad plus Weihnachten in Australien. Dann wird es doch kriminell. Auf der Farm einer Ponyzüchterin werden mehrere Ponys bestialisch abgestochen. Die geschockte Frau gehört zu keiner der drei oben genannten Personengruppen. Sie ist einfach eine nette Frau mit einem schwierigen Mann, die mit der Ponyzucht versucht, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Niemand kann sich vorstellen, wer dieser allgemein beliebten Frau schaden will. Die Ermittlungen stehen noch ganz am Anfang, als "richtige" Morde passieren. Auf einer abgelegenen Farm weit draußen im Outback werden eine Frau und ihr halbwüchsiger Sohn erschossen. Zwei Töchter der ermordeten Frau, die ebenfalls auf der Farm lebte, sind spurlos verschwunden. Sind die Mädchen ebenfalls ermordet worden, sind sie entführt worden oder vor den Mördern panisch in die Wildnis geflüchtet? Jetzt rücken Polizisten und Kriminalbeamte in großer Zahl an. Es sickert durch, dass die Frau, die in Tiverton niemand kannte, durch ein Zeugenschutzprogramm im Hinterland versteckt worden war. Aber ihre Mörder haben sie gefunden.

"Hope Hill Drive" beginnt ziemlich verhalten. Garry Disher nimmt sich Zeit, Personen und Orte zu beschreiben, aber dann nimmt die Handlung Tempo auf, und es wird richtig spannend. Es ist der zweite Krimi mi Constable Hirschhausen, der sich unabhängig vom ersten Band lesen lässt, aber auch "Bitter Wash Road" ist ebenfalls sehr lesenswert.


Verlag: BTB
ISBN: 978-3-442-75860-9
Preis: 15,00 €
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Dunkel

Ragnar Jonasson, Rezension von Bernhard Söthe

Hulda Hermannsdottir ist die dienstälteste Kriminalkommissarin bei der Polizei in Reykjavik. Sie hat keine Familie, keine Freunde, weder Hund noch Katze warten, wenn sie in ihre freudlose Etagenwohnung kommt. Auch zu ihren Arbeitskollegen, die immer jünger werden, hat sie nur beruflich Kontakt. Seit geraumer Zeit hat Hulda das Gefühl, dass sie aufs Altenteil abgeschoben werden soll. Ein Gedanke, der ihr nicht gefällt -   auf was soll sie sich im Ruhestand freuen? Huldas Befürchtungen werden konkret, als ihr Chef, natürlich jünger und vermutlich auch dynamischer, ihr eröffnet, sie müsse in zwei Wochen gehen, ihren Schreibtisch solle sie aber schon sofort räumen, ihr Nachfolger stehe schon bereit. Hulda ist zutiefst gekränkt. Dass ihre Kollegen und ihr Chef sie nicht mögen und hinter ihrem Rücken schlecht über sie reden, weiß sie, aber mit so einer unfreundlichen Verabschiedung, die fast schon einem Rausschmiss gleicht, hat sie nicht gerechnet. Sie hat immer solide gearbeitet, achtbare Ergebnisse erzählt, und ihr Verhalten den Kollegen gegenüber war immer korrekt. Auf Huldas Frage an ihren Chef, womit sie sich in ihren letzten beiden Arbeitswochen beschäftigen soll, antwortet er genervt, sie solle sich irgendeinen ungelösten Fall, einen cold case, vornehmen. Beide wissen, dass in zwei Wochen sinnvolle Ermittlungsarbeit kaum möglich ist. Aber Hulda will es ihm und den Kollegen noch einmal zeigen, und sie weiß schon, welchen Fall sie sich vornehmen wird. Vor einiger Zeit ist eine junge Asylantin, die mit vermutlich gefälschten Papieren eingereist ist, tot an einem Strand unweit von Reykjavik gefunden worden. Die Todesumstände sind dubios, aber der damals ermittelnde Kriminalbeamte schließt auf Selbstmord, um den lästigen Fall möglichst energiesparend abschließen zu können. Wen interessiert schon der Tod einer Ausländerin, die möglicherweise als Prostituierte gearbeitet hat? Hulda versucht, die schlampige Arbeit ihres Kollegen zu korrigieren. Ungewollt stört sie dabei die Kreise einer geheimen Polizeiaktion, mit der ein großer Fisch gefangen werden soll. Huldas Chef explodiert und gibt ihr nur noch einen Tag Zeit, ihren cold case abzuschließen und dann endlich das Feld zu räumen ...

Ein typisch düsterer Krimi im beliebten skandinavischen Stil (der Titel stimmt wirklich) mit überraschendem Ende. "Dunkel" ist der Beginn einer Trilogie mit Hulda Hermannsdottir als Protagonistin. Der Titel ist sofort nach Erscheinen in die Bestsellerliste gesprungen, ebenso wie der zweite Band der Hulda-Trilogie "Insel". Der dritte Band "Nebel" erscheint Ende September. 


Verlag: Beck
ISBN: 978-3-406-75658-0
Preis: 19,95 €
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Das Grab der Jungfrau

Stefan von der Lahr, Rezension von Bernhard Söthe

Dieser Vatikan-Roman beginnt in San Francisco an der renommierten Berkley Universität. Dort gibt es ein Forschungsinstitut, dessen wissenschaftliche Mitarbeiter sich mit dem Sammeln, Restaurieren und Entziffern von Texten auf Papyrus aus frühchristlicher Zeit beschäftigen. Mit der Entzifferung eines unscheinbaren Papyrusfetzens, das die Zeit nur überdauert hat, weil es in staubtrockenem Wüstensand begraben war, bahnt sich eine Sensation an. Es scheint ein Brief aus dem Umfeld des Apostels Johannes an die frühchristliche Gemeinde in Ägypten zu sein. Der Brief berichtet vom Tod der Gottesmutter Maria und ihrer Beisetzung in Ephesos, ihrem letzten Wohnort. Sollte sich dieses Schreiben als echt erweisen, hätte die katholische Kirche ein Problem. Einer der Glaubenssätze der katholischen Kirche besagt, dass Maria unmittelbar nach ihrem Tod von ihrem Sohn Jesus in den Himmel aufgenommen wurde. Gläubige Katholiken feiern im August das Fest "Maria Himmelfahrt". Entweder ist diese Aufnahme in den Himmel eine Tatsache - dann kann es auf Erden kein Mariengrab geben - oder es gibt ein Grab der Gottesmutter, dann ist das Dogma ihrer Himmelfahrt hinfällig mit unabsehbaren Folgen für die katholische Kirche. Der Institutsleiter weiß um die Brisanz dieses Papyrus und will seine Existenz unter allen Umständen geheim halten, zumal der Text nicht vollständig ist. Er weiß, dass der fehlende Teil des Papyrus in der Bibliothek des Vatikans aufbewahrt wird, wo niemand die Bedeutung des lückenhaften Textes erkennen konnte. Bevor sich der alte Professor über die weitere Vorgehensweise im Klaren ist, stirbt er. Dass der Tod der schwerkranken Professors nicht so natürlich war, wie es den Anschein hatte, bleibt unentdeckt. Der Stellvertreter des toten Professors, ein überaus ehrgeiziger junger Wissenschaftler, der als Einziger von ihm über den gefährlichen Inhalt des Papyrus informiert wurde, nimmt das Blatt an sich und fliegt nach Rom. Ein Freund von ihm, ein katholischer Priester, der als Archivar in der Bibliothek des Vatikan arbeitet, soll ihm dabei helfen, die beiden Bruchstücke des Papyrus zusammen zu bringen, um das Geheimnis des Briefes zu lüften. Dadurch setzt er eine Lawine von ungewollten Ereignissen in Gang ...

Dass im Vatikan nicht nur der Heilige Geist waltet, dürfte inzwischen auch dem naivsten Zeitgenossen hinlänglich bekannt sein. Manchmal hat man sogar den Eindruck, dass der Heilige Geist den Vatikan und seine Bewohner auffallend meidet. Aber es heißt ja auch: "Der Geist weht, wo er will".

Ein unterhaltsamer Schmöker, nicht nur für Dan Brown - Fans. 


Verlag: Penguin
ISBN: 9783328105572
Preis: 15,00 €
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Das Spiel

Jan Beck, Rezension von Kathrin Allkemper

Ein Joggerin dreht eine nächtlichen Runde durch den Wald, erleichtert, weil sie einen Prozess gewonnen hat und voller Hoffnung auf die Zukunft. Ihr Glück währt nur kurz. Wenige Minuten später wird sie brutal ermordet..

Inga Björk und Christian Brand ermitteln in dieser äußerst perfiden Mordserie. Es scheint eine Art Spiel zu geben, bei dem sich eine Gruppe besonders kranker Menschen im Darknet einkauft, anmeldet und dann auf die Jagd geht. Für jedes Opfer erhält man genaue Anweisungen, wie dieses zu erledigen ist. Allen Opfern gemeinsam ist ein Skorpion-Tattoo, mit dem sie unwissentlich irgendwann in ihrem Leben gekennzeichnet wurden und welches nur bei UV-Licht zu sehen ist. Es ist die Markierung für die Jäger..

Mavie ist 17 und schwer verliebt. Eines Abends schleicht sie sich von zuhause weg, um auf die Party ihres Schwarms zu gehen. Sie hat sich extra sexy angezogen und zeigt reichlich Haut. Und tatsächlich tanzt Silas gleich mit ihr und auch alle anderen scheinen sie plötzlich cool zu finden. Was Mavie nicht gleich bemerkt, im Schein der UV-Partylampe leuchtet ein riesiger Skorpion auf ihrem Rücken...

Sehr spannend und wahrlich nichts für zarte Mägen:-)


Verlag: Limes
ISBN: 9783809027164
Preis: 15,00 €
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Das Schattenhaus

Tess Gerritsen, Rezension von Bernhard Söthe

Ein "Stand alone"-Krimi  der Autorin Tess Gerritsen, die mit ihren Krimis um das Ermittlerteam Rizzoli/Isles regelmäßig die Bestsellerlisten stürmt.

Die alleinlebende Mittdreißigerin Ava Collette ist erfolgreiche Kochbuchautorin. Sie lebt in Boston, wo sie einen großen Bekanntenkreis hat. Auf der letzten Silvesterparty mit ihren Freunden hat es einen schlimmen Zwischenfall gegeben, auch jetzt, im Sommer, hat Ava das Erlebnis noch nicht verarbeitet. Sie zieht sich aus ihrem Bekanntenkreis zurück und mietet ein Haus an der Küste von Maine. Dort in der Zurückgezogenheit hofft sie, psychisch wieder stabil zu werden, außerdem muss sie dringend an ihrem neuen Buch arbeiten, d.h., Kochrezepte ausprobieren. Die Abgabe des Manuskripts an ihren Verlag hat sie immer wieder aufgeschoben und ihr zunehmend ungeduldig werdender Lektor drängt auf Fertigstellung. Mit ihrem klapprigen Subaru vollgepackt mit Küchenutensilien, die sie für ihre Arbeit braucht und ihrem missgelaunten fetten Maine-Coon-Kater, der den Aufenthalt in der Transportbox als Freiheitsberaubung empfindet, macht sich Ava auf den Weg. Das über das Internet angemietete Haus erweist sich als große viktorianische Villa mit phantastischem Meerblick, der nächste Ort ist ein gutes Stück entfernt. Das Haus stand lange leer und war völlig heruntergekommen, bis der Neffe der letzten Bewohnerin, ihr Erbe, es aufwendig renovieren ließ. Die Arbeiten sind noch nicht abgeschlossen, deshalb ist die Miete so niedrig, dass Ava sie sich leisten kann. Unter der Woche muss sie also mit Baulärm leben, aber sie muss ja auch arbeiten, und die Bauarbeiter sind gerne bereit, als Testesser für Avas Küchenkreationen zu fungieren. Die Gesellschaft tagsüber ist Ava auch sehr recht, denn abends und nachts fühlt sie sich seltsam unwohl im Haus. Das Rascheln der Mäuse in den Wänden gefällt nur ihrem Kater, Treppen und Balken knarren unheimlich - und war da wirklich jemand auf dem Balkon, als Ava vom Strand kam? Ava weiß, dass sie zuviel trinkt, aber seit der unseligen Silvesterparty glaubt sie, nur mit einer gehörigen Portion Alkohol im Blut nachts zur Ruhe kommen zu können.  Bei ihren seltenen Stippvisiten in der nächsten Kleinstadt fällt Ava in der sommerlichen Touristenschar nicht weiter auf. Aber wenn sie mit Einheimischen ins Gespräch kommt und erzählt, dass sie jetzt in dem alten Kapitänshaus wohnt, reagieren diese seltsam erschreckt.

Durch Zufall erfährt Ava, dass schon vor ihr eine junge Frau das alte Haus gemietet hatte, die das Anwesen aus unbekannten Gründen völlig überstürzt bei Nacht und Nebel verlassen hat. Als Ava, die immer noch keine Erklärung für die beängstigenden Vorfälle im Kapitänshaus gefunden hat, erfährt, dass am Strand nicht weit von ihrem Haus entfernt die Leiche einer jungen Frau angespült wurde, ist sie auf höchste alarmiert.


Verlag: Kiepenheuer und Witsch
ISBN: 978-3-462-05269-5
Preis: 16,00 €
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Lost in Fuseta - Schwarzer August

Gil Ribeiro, Rezension von Bernhard Söthe

Es ist bereits der vierte Band aus der "Lost"-Reihe, die im Süden Portugals spielt. Oft ist es so, dass Krimireihen irgendwann zu schwächeln beginnen. Der erste Band ist - wenn man als Leser Glück hat - originell und interessant. Dieser willkommene Effekt wird leider oft von Band zu Band schwächer, velleicht weil den Autoren die zündenden Ideen ausgehen? Gil Ribeiro ist hier eine rühmliche Ausnahme gelungen. Meiner Meinung nach ist "Schwarzer August" der bisher stärkste der "Lost"-Reihe.

Hauptperson ist wieder der ungewöhnliche Leander Lost, der als Austauschkommissar aus dem verregneten Hamburg in den sonnigen Süden gelangt ist. Lost ist Autist, er braucht Rituale und feste Strukturen, um den Alltag zu bestehen. Abweichungen von seiner Routine versetzen ihn leicht in Panik. Trotz oder wegen seiner Autismusstörung ist er hochintelligent. Texte, die er einmal gelesen hat, vergisst er nie wieder. Ebenso hat er ein phänomenales Gedächtnis für Gesichter. Probleme hat er allerdings, Gefühle seiner Mitmenschen zu erkennen und zu deuten, außerdem ist er völlig unfähig, die Unwahrheit zu sagen, erkennt aber untrüglich, ob sein Gegenüber die Wahrheit sagt oder lügt. Interessante Fähigkeiten für einen Kriminalbeamten. Losts Hamburger Kollegen kamen damit nicht zurecht, Losts neue Kollegen bei der Policia Judicaria in Faro entdeckten nach anfänglichen Irritationen den liebenswerten Kern in Losts Persönlichkeit und wissen seine besonderen Fähigkeiten für die Polizeiarbeit zu nutzen. Auch privat harmonieren Lost und seine Kollegen. So hat Lost die Schwester seiner Kollegin Graciana kennen gelernt. Die bildhübsche Soraia arbeitet im Kindergarten von Fuseta und ist Lost überaus positiv aufgefallen. 

Zum Krimiplot: Im stillen Hinterland der Algarve wird eine kleine Bankfiliale durch eine Bombe in die Luft gejagt. Terrorismus hier, wo sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen? Aus der Handvoll Schließfächer, die bei dem Anschlag zerstört wurden, regnete es eine größere Menge 100€-Scheine. Nur meldet keiner der Schließfachinhaber Besitzansprüche an. Die Spur führt zu einer Immobilienmaklerin, die russischen Milliardären luxuriöse Villen an der Algarve vermittelt. Manche dieser russischen "Bizzinesmen" zahlen in bar, soll so Schwarzgeld gewaschen werden? Die Ermittlungen stecken noch in ihren Anfängen, als im Fischereihafen von Olhao ein Trawler in die Luft gesprengt wird. Das Schiff gehört einer japanischen Gesellschaft und soll von der Küste der Algarve den rar gewordenen Thunfisch fangen. Stecken militante Umweltaktivisten hinter diesem Anschlag? Die oberste Polizeibehörde in Lissabon ist alarmiert und will schnell Ergebnisse sehen. Lost, seine Chefin und seine Kollegen müssen rasch Ermittlungserfolge vorweisen, sonst übernehmen die großen Jungs aus Lissabon den Fall.

Der "Schwarze August" ist spannend und überraschend bis zur letzten Seite. Und was man in einem Kriminalroman nicht unbedingt erwartet: Es gibt eine wunderschöne, zart erzählte Liebesgeschichte, die Geschichte von Leander Lost und Soraia Rosado.


Verlag: Aufbau Verlag
ISBN: 9783746636764
Preis: 11,00 €
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Totenwelt

Michael Jensen, Rezension von Bernhard Söthe

 

Auch der zweite Krimi mit dem einarmigen Inspektor Jens Druwe spielt im Mai 1945 in und um Flensburg. Kaum hat Druwe seinen ersten Fall gelöst, muss er wieder in Mordfällen ermitteln, und erneut befindet er sich buchstäblich zwischen den Fronten.

Großadmiral Dönitz, noch vom "Führer" persönlich zu seinem Nachfolger bestimmt, hat auf einem noch nicht von den Engländern besetzten Marinestützpunkt Mürwik die Reste der aus Berlin vor den Sowjets geflohenen Reichsregierung versammelt. Es handelt sich um Nazis der zweiten, dritten, vierten Reihe, die völlig vernagelt immer noch glauben, trotz der totalen Kriegsniederlage mit den englischen Besetzern auf Augenhöhe verhandeln zu können. Diese Illusion wird ihnen zwar schnell genommen, aber im Mai spielen die Herren immer noch "Deutsches Reich" und wollen - um ihre schönen Posten zu retten - schnell wieder Verwaltungsstrukturen aufbauen. 

Inspektor Druwe, der nie Mitglied der NSDAP oder einer ihrer Organisationen war, wird gefragt, ob er bereit sei, eine neue, unbelastete Polizeibehörde mit aufzubauen. Eine Chance für ihn, wieder in den höheren Polizeidienst aufzusteigen, aber er weiß, dass er unbelastete Kollegen mit der Lupe suchen müsste. Zudem ist ihm das nassforsche Auftreten der Altnazis, die quasi über Nacht alle nur Mitläufer und Befehlsempfänger gewesen sein wollen, zutiefst zuwider. Druwe versucht, seine Entscheidung hinauszuzögern. An seiner Dienststelle, einem Städtchen unweit von Flensburg, haben inzwischen die Engländer das Sagen. Druwe soll seinen Dienst als Kriminalbeamter weiter ausüben, aber ein englischer Offizier, der ihn kontrollieren soll, ist sein Vorgesetzter. Die Zusammenarbeit ist alles andere als einfach. Die englischen Truppen hatten kurz zuvor die Konzentrationslager bei Hamburg befreit, und was sie dort gesehen haben, nimmt ihnen jede Motivation, den Deutschen gegenüber freundlich zu sein. Während Druwe noch versucht, mit seinem neuen Vorgesetzten eine Arbeitsebene zu finden, wird er von einem alten Bekannten aus Berlin angesprochen. Dieser hat dort für die Geheimdienstorganisation von Admiral Canaris gearbeitet, nach dessen Verurteilung und Hinrichtung als Vaterlandsverräter brisante Unterlagen der Behörde beiseite geschafft und ist im Anschluss untergetaucht. Die Unterlagen enthalten Material über ranghohe Nazis. Mit diesen Informationen möchte sich der ehemalige Mitarbeiter von Admiral Canaris den Weg in die Zukunft freikaufen. Er bittet Druwe, ihm Kontakt zum britischen Geheimdienst zu verschaffen. Deren Mitarbeitern will er die Unterlagen gegen Zusicherung von Straffreiheit aushändigen. Bei dem Treffen zur Übergabe der Akten läuft etwas gewaltig schief. Ein englischer Offizier und der deutsche Aktenlieferant werden erschossen, und die Akten sind spurlos verschwunden. Druwe, misstrauisch beäugt von seinem englischen Vorgesetzten, beginnt zu ermitteln.

Totenwelt ist nicht nur ein hochdramatischer Krimi, sondern auch eine veritable Geschichtsstunde über das klägliche Ende der Naziherrschaft. Da auch Inspektor Druwes Privatleben eine wichtige Rolle spielt, empfiehlt es sich, mit dem ersten Band der Reihe "Totenland" zu beginnen.

 


Verlag: HarperCollins Hamburg
ISBN: 978-3-95967-423-2
Preis: 14,00 €
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Das Dorf der toten Seelen

Camilla Sten, Rezension von Jutta Pollmann

Alice Lindstedt ist eine junge Filmemacherin. Eigentlich nur auf dem Papier, denn bisher hatte sie noch nicht wirklich Eigenes zustande gebracht. Während ihre Kollegen von der Filmhochschule alle schon Erfolg hatten, musste sie sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser halten. Doch das sollte nun anders werden.

Die Idee zu dieser Dokumentation hatte sie schon früh: die Geschichte ihrer Großmutter, die Geschichte von Silvertjärn, die Geschichte des Dorfes der toten Seelen. Ihre Großmutter hatte ihr viel von ihrem Heimatdorf erzählt, wie sie mit 18 nach Stockholm ging, um dort eine Ausbildung zu machen; dass sie danach hauptsächlich brieflich mit ihrer jüngeren Schwester kommuniziert hatte. Wie das Dorf sich nach der Grubenschließung veränderte, wie die Menschen hoffnungslos in die Zukunft blickten; wie vieles anders wurde, als der neue Pfarrer ins Dorf kam, jung und voller Elan, wie die jungen Mädchen, auch ihre Schwester, ihn anhimmelten; wie er nach und nach die Gemeinde mehr und mehr beeinflusste; wie selbst ihre Schwester nicht mehr dieselbe war und wie dann plötzlich alle verschwanden in diesem Sommer 1959 und die Polizei in diesem entvölkerten Dorf nur eine Tote und ein schreiendes Baby fand.

All das sollte Thema ihres Filmes werden. Zur Unterstützung dieses zunächst auf eine Woche begrenzten Projektes – mehr Geld hatte Alice nicht auftreiben können – waren weitere 4 Personen mit ihr nach Silvertjärn gefahren: Tone, deren Geheimnis nur Alice kennt; Emmy, deren beste Freundin sie einmal war, bis zu diesem einen fürchterlichen Abend; die sie aber dennoch braucht für diesen Film, weil sie eine hervorragende Cutterin und Redakteurin ist; Max, der diese Doku mitfinanzierte, der aber auch noch einen anderen Grund hatte, die Gruppe zu begleiten und Robert, der hauptsächlich wegen Emmy mit dabei ist.

Doch von Anfang an steht das Projekt unter keinem guten Stern: es gibt Spannungen zwischen den Teilnehmern, dann wollen Emmy und auch Tone unabhängig voneinander jemanden gesehen haben. Kurz darauf bricht Tone durch eine morsche Treppenstufe und verletzt sich schwer und schließlich gibt es einen Toten. Es gibt keinen Handyempfang und das nächste Dorf ist kilometerweit entfernt. Das, was als ein Filmprojekt gestartet war, wird mehr und mehr zur Flucht vor einem Mörder.

 

 

Hut ab Frau Sten! Ein Thriller, den man in einem Rutsch durchliest. Camilla Sten, Tochter von Viveca Sten, deren Krimis eher im Cozy Crime Bereich anzusiedeln sind, hat hier ein tolles Debüt hingelegt. Wobei das nicht ganz stimmt, denn in Schweden hat sie mit ihrer Mutter zusammen schon einige Krimis geschrieben.

Auf jeden Fall lesenswert und zwischendurch schön schaurig!


Verlag: dtv
ISBN: 978-3-423-26242-2
Preis: 15,90 €
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Das Gerücht

Lesley Kara, Rezension von Jutta Pollmann

Joanna Critchley, alleinerziehende Mutter, lebt erst seit ein paar Monaten wieder in ihrem Heimatort Flinstead. Anders als in London, kann sie hier immer auf ihre Mutter zurückgreifen, wenn sie Probleme mit der Unterbringung ihres Sohnes Alfie hat, und das kann schon mal passieren, wenn sie als Immobilienmaklerin Termine einhalten muss. So richtig eingelebt haben sich beide allerdings noch nicht und so versucht Joanna mehr Kontakt zu anderen Müttern zu bekommen, so dass Alfie vielleicht doch den einen oder anderen Spielkamerad findet.

Eines Morgens vor der Schule erzählt Cathy, Mutter eines Mitschülers von Alfie, dass sie gehört habe, dass die Kindsmörderin Sally McGowan unter anderem Namen hier in Flinstead wohnen solle; eine Freundin einer Freundin hätte das von ihrem Ex, der schließlich mal bei der Polizei war. Joanna gibt zunächst nichts auf diese Äußerungen, googelt aber später den Fall: 1969 erstach die zehnjährige Sally McGowan den fünfjährigen Robbie Harris. Sie sagte damals aus, es sei ein Spiel gewesen, das schief gelaufen sei, aber niemand glaubte ihr. Niemand glaubte dem kleine Mädchen, das zuhause verprügelt und sexuell missbraucht wurde. Sie wurde wegen Totschlags verurteilt, 1981 mit neuer Identität entlassen. Später tauchte sie nochmal auf, danach noch ein Umzug und seitdem ist nichts mehr über sie zu finden.

Noch am gleichen Abend ist es Joanna, die in ihrem Buchclub das Gerücht über Sally McGowan`s Anwesenheit in Flinstead weiterverbreitet, sofort werden Mutmaßungen ausgesprochen, wer sie wohl sein könnte. Jemand weiß zu berichten, dass solche Menschen mit neuer Identität gerade in so kleinen, abgelegenen Orten versuchen ein neues Leben zu beginnen.

Und dann fliegt der erste Stein! Der Ladenbesitzerin Sonia Martins wird unterstellt, die Kindermörderin zu sein. Die Polizei dementiert sofort, doch Sonia fühlt sich nicht mehr sicher in der Kleinstadt. Mehr und mehr Frauen geraten in den Fokus, werden beschuldigt, Sally McGowan zu sein, und Joanna bekommt mehr und mehr Gewissensbisse, welchen Stein sie da ins Rollen gebracht hat.

Und dann will Michael, der Vater ihres Sohnes und Journalist auch noch ein Buch über diesen Fall schreiben und Joanna gerät immer mehr in den Mittelpunkt dieser Geschichte...

 

Der Krimi ist aus der Ich-Perspektive von Joanna geschrieben. Man bekommt ihre Sicht der Geschichte in allen Facetten mit, ihre Verdächtigungen, ihre Zweifel, ihre Ängste, ihre Überlegungen. Man begibt sich mit ihr auf falsche Fährten, die oftmals sehr plausibel aussehen; revidiert das Ganze wieder und folgt einer neuen Spur. Manchmal wirkt Joanna etwas einfältig, ihre Hysterie ist teilweise etwas lächerlich, aber der Gerüchtesog wird immer stärker, so dass sie irgendwann überall Gespenster sieht.

Ein spannender Krimi der (fast) ohne Leichen auskommt.

 

 

 


Verlag: Bastei Lübbe
ISBN: 978-3-404-17940-4
Preis: 12,90 €
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Mord in Barcelona

Isabella Esteban, Rezension von Bernhard Söthe

Auf Barcelonas malerischem Friedhof am Montjuic wird eine Tote gefunden, die dort nicht hingehört. Eine deutsche Touristin, die Leiche wird stümperhaft in einer alten Grabstelle versteckt. Da die Todesumstände ungeklärt sind, wird die Kriminalpolizei aktiv. Commissari Jaume Soler übernimmt die Ermittlungen. Da die Tote, eine Frau in den 50ern, keinerlei Ausweispapiere bei sich trug, muss zunächste ihre Identität festgestellt werden. In einem Touristenhotel am Strand von Barcelona wird seit einigen Tagen ein weiblicher Gast vermisst, eine Frau aus Frankfurt. Als feststeht, dass sie die Tote ist, wird ihre Familie in Deutschland benachrichtigt. Ihr Sohn, mit dem sie zusammen ein Fotostudio betreibt, kommt nach Barcelona, um sich um die Formalitäten zu kümmern. Inzwischen ist auch klar, dass die Deutsche eines gewaltsamen Todes gestorben ist. Ein Raubmord? Die wertvolle Kamera, von der sich die Fotografin nie trennte, ist jedenfalls spurlos verschwunden. Das Fotostudio von Mutter und Sohn läuft schlecht und steht kurz vor der Pleite. Es gab wohl auch Spannungen zwischen Mutter und Sohn. Als dieser sich bei einer ersten Befragung durch die Polizei in Widersprüche verstrickt, ist Commissari Solers Misstrauen geweckt. Soler hat eine Schwester, Montse, die trotz akademischer Ausbildung wegen der anhaltenden Wirtschaftskrise in Spanien keine adäquate Arbeit gefunden hat und froh ist, bei der Stadtreinigung eine schlecht bezahlte Stelle gefunden zu haben. Aus finanziellen Gründen lebt sie immer noch bei ihrer Mutter. Montses und Jaumes Mutter betreibt eine schlichte kleine Café-Bar in Barcelonas Altstadt. Und genau hier ist die deutsche Fotografin am Tag ihres Todes auf ein Getränk eingekehrt und hat sich nach Meinung von Montses Mutter touristenmäßig schlecht benommen. Montses Neugier ist geweckt , und sie löchert ihren Bruder mit Fragen zu dem mysteriösen Fall. Jaume gibt ihr unmissverständlich zu verstehen, sie solle sich um ihren eigenen Kram kümmern. Als Montse "zufällig" den Sohn der Toten kennen lernt und ihn durchaus attraktiv findet, beschließt sie, auf eigene Faust zu recherchieren, wie es zu dem gewaltsamen Tod der Deutschen kam, was zum Leidwesen ihres Bruders zu etlichen unliebsamen Verstrickungen führt.

Commissari Soler ist ein angenehm normaler Zeitgenosse. Glücklich verheiratet, allerdings mit einer Madrilenin, was seine Mutter missbilligt, zwei Kinder, zwei Hunde, weder alkohol- noch drogenabhängig. Kleine Probleme mit Kollegen, besonders mit dem publicitygeilen Vorgesetzten, sind  bewältigbar. Seine Arbeit macht er gerne und gut. Ein lesenswerter Krimi nicht nur für Barcelona-Fans. Weitere sollen folgen. 


Verlag: Diogenes
ISBN: 978-3-257-30076-5
Preis: 16,00 €
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Mitten im August - Der Capri-Krimi

Luca Ventura, Rezension von Bernhard Söthe

Die idyllische Urlaubsinsel Capri hat nur eine schwach besetzte Polizeistation, in der sich eine Handvoll Polizisten den Dienst teilen. Zu ihnen gehört auch Enrico Rizzi, sein ruhiger Job erlaubt es ihm oft, in den Obst- und Gemüsegärten seines alten Vaters auszuhelfen. Mit der Ruhe ist es vorbei, als am Kiesstrand von Capri in einem Ruderboot ein Toter gefunden wird. Ein Student der Ozeanologie, der in einem Meeresforschungsinstitut auf Capri ein Praktikum absolvierte, er engagierte sich auch in Umweltschutz-Organisationen. Der junge Mann ist erschlagen worden. Seine reiche, sehr einflussreiche Familie macht Druck auf die Behörden, den Mörder schnellstmöglich zu fassen. Für Gewaltkriminalität sind nicht die Polizisten der kleinen Inselwache zuständig, sondern die Kriminalpolizei in Neapel. Die Kriminalbeamten aus der Großstadt machen den Inselpolizisten sehr schnell klar, wer bei den Ermittlungen das Sagen hat. Enrico Rizzi, gekränkt von der Überheblichkeit der Neapolitaner, geht auf eigene Faust Spuren in dem Mordfall nach, die von den Kollegen souverän ignoriert wurden. Unterstützt wird Rizzi von einer Kollegin, Agente Cirillo, die vom Festland kommt, wo sie im Norden Italiens als Kriminalbeamtin gearbeitet hat. Agente Cirillo wurde offensichtlich von ihren Vorgesetzten degradiert und nach Capri strafversetzt, über die Gründe schweigt sie sich aus ...

"Mitten im August" ist der erste Fall des sympathischen Agente Rizzi, weitere sollen folgen. 


Verlag: Kiepenheuer und Witsch
ISBN: 978-3-462-05245-9
Preis: 16,00 €
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Der freie Hund

Wolfgang Schorlau, Claudio Caiolo, Rezension von Bernhard Söthe

Ja, das gibt es, Venedig-Krimis, die nicht von Donna Leon geschrieben sind! Und wer glaubt, sie habe in ihren 28 Brunetti-Krimis alles über das kriminelle Venedig erzählt, was es zu wissen gibt, wird von dem Autorenduo Schorlau/Caiolo eines Besseren belehrt. 

Commissario Morello ist mit Leib und Seele Sizilianer. Auf seiner Heimatinsel hat er korrupte Politiker hinter Gittern gebracht. Seitdem steht er auf der Todesliste der Mafia. Sein Vorgesetzter, der Morello aus der Schusslinie nehmen möchte, sorgt dafür, dass er bei der Polizei in Venedig eine neue Stelle bekommt. Morello kann mit der morbiden Schönheit Venedigs nichts anfangen, das oft feuchte Klima behagt ihm nicht. Seine Kollegen und Untergebenen sind über den Commissario aus dem Süden alles anderes als begeistert. Für echte Venezianer ist Italien südlich ihrer Stadtgrenzen fast schon Afrika. Commissario Morello fremdelt also und will schnellstmöglich wieder in seine Heimat, wo Mutter und Schwester leben, Familie ist ihm heilig. Aber auf Sizilien musste Morello ständig auf der Hut  vor Mafiakillern sein, er lebte dort in einer Kaserne der Carabinieri. Spontane Freizeitaktivitäten außerhalb der beschützenden Mauern waren unmöglich, während er sich in Venedig frei bewegen kann. Der "Ehrenkodex" der sizilianischen Mafia verbietet Morde außerhalb ihres Herrschaftsgebietes auf der Insel. Noch nicht richtig in Venedig angekommen, bekommt Mortello schon seinen ersten Fall auf den Schreibtisch. Francesco Grittieri, der einzige Sohn einer der ältesten Familien Venedigs, wird ermordet aufgefunden. Sein Vater residiert standesgemäß in einem prächtigen Palazzo, er führt einen edlen Antiquitätenladen. Vater und Sohn waren heftig zerstritten. Der junge Franceso war Gründungsmitglied einer militanten Bürgerinitiative gegen den Kreuzfahrttourismus, der in Venedig massive Umweltschäden verursacht. Sein Vater und andere führende Kaufleute der Stadt halten die nicht nur harmlosen Aktivitäten der Kreuzfahrtgegner für geschäftsschädigend. Commissario Morello und seine Untergebenen, mit denen er sich erst zusammenraufen muss, beginnen in der feinen Gesellschaft Venedigs zu ermitteln, was den Herrschaften gar nicht gefällt, da hinter den glänzenden Fassaden manches mächtig unsauber ist.

"Der freie Hund" ist ein Krimi, der nicht nur unterhält, sondern auch informiert, wie Italien funktioniert oder eben nicht. Der erste Fall für Commissario Morello macht Lust auf weitere, es müssen ja nicht unbedingt 28 werden.


Verlag: DTV
ISBN: 978-3-423-26243-9
Preis: 16,90 €
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Oxen - Lupus

Jens Henrik Jensen , Rezension von Bernhard Söthe

Der überraschende vierte Band der Trilogie um den charismatischen, hochdekorierten dänischen Soldaten Niels Oxen. Die ersten drei Bände beschrieben Oxens Kampf gehen den mysteriösen Geheimbund "Danehof", der versuchte, illegal Einfluss auf politische Entscheidungen in Dänemark auszuüben. Die Führungsriege des "Danehof" schreckte zur Durchsetzung ihrer zwielichtigen Ziele auch vor Mord nicht zurück.

Am Ende von Band 3 ist die Organisation des "Danehof" endgültig zerschlagen. Niels Oxen, der seit seinen Einsätzen bei UNO-Friedensmissionen in Afghanistan und Ex-Jugoslawien unter posttraumatischen Störungen leidet, lehnt das Angebot für den dänischen Geheimdienst zu arbeiten ab und zieht sich in sein einsames Leben zurück. Widerwillig unterzieht er sich einer psychologischen Behandlung, die ihm aber bei der Bewältigung seiner Probleme nicht hilft. Den neuen Band "Lupus" kann man unabhängig von den ersten drei der Reihe lesen. Es wird an einigen Stellen auf die Zerschlagung des "Danehof" eingegangen, für die Handlung des neuen Buches spielt dies aber keine Rolle. 

Nielsen lebt zurückgezogen, um nicht zu sagen: vereinsamt. Kontakt hat er nur zu einer Psychologin. Mit ihrer Hilfe versucht er, sein verkorkstes Verhältnis zu seinem 14jährigen Sohn Magnus zu reparieren, alles andere ist Oxen unwichtig. So lehnt er zunächst auch eine Bitte des ehemaligen Chefs des dänischen Geheimdienstes Mossmann ab, nach einem vermissten ehemaligen Staatssekretär zu suchen, der im Ruhestand auf einem Bauernhof in Jütland lebt und von dort spurlos verschwunden ist. Erst als Oxen erfährt, dass in den Wäldern in der Nähe des Hauses des Vermissten Wölfe gesichtet worden sind - Wölfe findet Oxen faszinierend -,  erklärt er sich bereit, Mossmanns Bitter nachzukommen. Mossmann ist eine vielschichtige Gestalt. Oxen hat ihm aufgrund negativer Erfahrungen nie vorbehaltlos getraut, und auch jetzt muss er erfahren, dass Mossmanns vermeintlich harmlose Bitte jede Menge Falltüren öffnet. 


Verlag: C.Bertelsmann
ISBN: 97683570103777
Preis: 16,00 €
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Was sie nicht wußte

Nicci French, Rezension von Karin Bucconi

Was, habe ich mich gefragt,  würde jetzt kommen, nachdem ichden letzten Fall aus der  Frieda Klein Reihe aus der Hand gelegt habe? Nun endlich ist der neue Kriminalroman erschienen. Und er ist ganz anders (zum Glück), aber nicht minder gut.

Was tut man, wenn man seinen Geliebten ermordet in dessen Zweitwohnung auffindet? Doch sicherlich die Polizei verständigen, oder?

"Ich habe frei. Komm, sobald du kannst", diese SMS erreicht Neve. Kaum ist ihre Familie aus dem Haus fährt sie los, zu ihrem Chef, mit dem sie bereits die letzte Nacht verbracht hat. Mit ihm fühlt sie sich wieder jung und begehrenswert und vergißt die alltäglichen Sorgen um Kinder und Ehemann. Aber,  als sie in der Wohnung ihres Geliebten eintrifft, findet sie ihn tot in einer Blutlache am Boden liegend. Die Tatwaffe, ein Hammer, liegt neben ihm. 

Neve Conolly steht unter Schock. Sie will die Polizei anrufen, als ihr einfällt, dass dann ihre Affäre auffliegen würde. Also beseitigt sie alle Spuren, putzt wie eine Irre, bezieht die Betten neu und entsorgt den Abfall. Zuhause angekommen, bemerkt sie, dass ihr Armband fehlt und fährt umgehend zurück. Doch- nicht nur das Schmuckstück ist unauffindbar, auch der Hammer ist verschwunden. Also muss jemand auch um ihr Geheimnis wissen. Aber wer? Neve sucht in ihrer Umgebung fieberhaft nach dem Mörder und macht erstaunliche Entdeckungen.

Aner natürlich intewressiert sich auch die Polizei  für den Fall, und Neve verstrickt sich in einem Netz aus Halbwahrheiten und Lügen, das sie immer verdächtiger erscheinen lässt. Selbst ihre helle Tochter ahnt, dass ihre Mutter etwas verbirgt. Es dauert nicht lange,  und jeder verdächtigt jeden...

Ein richtig guter Krimi in dessen Mittelpunkt eine mit Beruf, Kindern und Ehemann tendenziell überforderte Ehefrau steht. 

 

 


Verlag: Galliani
ISBN: 9783869712086
Preis: 20,00 €
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Sommer bei Nacht

Jan Costin Wagner, Rezension von Karin Bucconi

Jan Costin Wagner, bekannt als der "Erfinder" des finnischen Kommisar Joentaa, hat einen neuen Krimi geschrieben. Die Geschichte um Joentaa scheint auserzählt, eine neue Reihe beginnt, und dieses Mal ist das Geschehen in Wiesbaden angesiedelt.

Ein flirrender Sommertag. Kinderlärm, rege Betriewbsamkeit.  Der Hof einer Schule, und viele Frauen, die einen Flohmarkt vorbereiten. Die Stimmung ist heiter.

Der Mann... Er hat in einem Spielzeuggeschäft Stofftiere gekauft. Eines legt er auf einem der Tische ab. Ein kleiner Junge, Jannis, kommt auf ihn zu. "Dein Teddy", fragt er? "Ja", sagt der Mann, reicht ihm den Teddy, nimmt -wie elektrisiert seine kleine Hand und läuft mit ihm weiter. Er erklärt dem Kind, warum sie laufen. 

Seinen Wagen hat er in einer Seitenstraße geparkt. Er versetzt Jannis einen Schlag gegen die Schläfe und legt den bewußtlosen Jungen auf die Hinterbank...Zuhause verfrachtet er ihn in seine Badewanne, stellt sich vor, daß er träumt und wünscht sich, mit ihm zu träumen...

Die Aufregung ist groß, als klar wird, dass der Junge entführt wurde. Seine Mutter hatte ihn nur für Moment aus den Augen gelassen..

Die Kommissare Ben Neven und Christian Sandner von der Wiesbadener Kripo kommen nur mühsam voran. Es gab schon einmal einen ähnlichen Fall, aber der liegt einige Zeit zurück und wurde nie aufgeklärt.

Wagner erzeugt mit seinem Erzählstil Hochspannung. Er lässt alle zu Wort kommen: die Ermittler, die Eltern, die Schwester, und alle ahnen, was Jannis droht. Das Wort KINDESMISSBRAUCH steht unausgesprochen im Raum.

Auch die Täter werden "beleuchtet". Gut und Böse ist nicht einfach zu unterscheiden. Auch die Ermittler haben Obsessionen, Ben Neven z.B. pädophile Neigungern...

In 14 kurzen Abschnitten zeigt Wagner viele  verschiedene Perspektiven auf und gewährt tiefe Einblicke in die Seelenlage aller Beteiligten. Hat Jannis eine Überlebenschance? 

Eine beklemmende Geschichte, schwere Kost,  meisterlich geschrieben. Ein literarischer Krimi! Aber: Lesen Sie selbst (unbedingt)!

 

 


Verlag: blanvalet
ISBN: 978-3-7645-0719-0
Preis: 20,00 €
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1965 - Der erste Fall für Thomas Engel

Thomas Christos, Rezension von Jutta Pollmann

Thomas Engel möchte raus, raus aus dem Dorf am Niederrhein, wo sein Vater Polizist ist und seine Mutter brave Hausfrau, raus aus der Enge und dem Mief. Mit Unterstützung seines Onkels Kurt Strobel, Kriminalkommissar in Düsseldorf, erfüllt sich sein Wunsch zur Kripo zu gehen. Die Kollegen sind nicht so angetan vom „Neuen“, der mit Vitamin „B“ seinen Job bekommen hat.

Der erste Fall führt Thomas zu einer Leiche, die stranguliert wurde. Der Pathologe erkennt aber Selbstmord, mit einer Garotte könne man sich auch selbst umbringen. Thomas stellt das in Frage, löchert seinen Onkel und Vorgesetzten und bekommt zu hören, dass man als Kriminaler auch mal akzeptieren müsse, wenn man nicht gebraucht wird. Merkwürdig findet Thomas allerdings, dass der Mann just an dem Tag starb, als er von Kommissar Drezko von der Sonderkommission für Naziverbrechen vorgeladen war. Wollte jemand verhindern, dass der Mann Drezko Informationen lieferte? Für Thomas Engel bleiben viele Fragen offen.

Doch zunächst muss er nach Essen, die Essener Polizei hat aus den umliegenden Präsidien Verstärkung angefordert, um jugendliche Fans zu bändigen. In der Gruga gibt es das erste Konzert der Rolling Stones und die Polizei in Essen ist überfordert. Thomas Engel ist begeistert, so was hat er bisher nicht gehört. Die Musik fasziniert ihn. Auf dem Konzert lernt er auch Peggy kennen, eine junge Frau, die aus einem christlichen Fürsorgeheim abgehauen ist, wo der Heimleiter sich an den Mädchen vergreift und die Nonnen die Augen zumachen. Eigentlich müsste Thomas als Kriminalbeamter Peggy direkt zurück bringen, doch er verliebt sich in die junge Frau.

Bei einem ihrer nächtlichen Spaziergänge an der Ruine Kaiserswerth, stößt er auf die Leiche eines Mädchens. Man hat sich an ihr vergriffen, das Gesicht mit der Schürze bedeckt. In seiner Not ruft Thomas seinen Onkel an, schildert ihm die Lage, der beruhigt ihn, er wolle sich kümmern, aber er solle endlich das Mädchen zurück ins Fürsorgeheim bringen, sonst mache er sich strafbar.

Am nächsten Tag sieht er die Tatortfotos, doch an der Leiche sind Veränderungen vorgenommen worden. Thomas spricht seinen Onkel darauf an, der weist ihn aber zurecht, schließlich sei er angetrunken gewesen, könne sich also irren. Doch Thomas bleibt hartnäckig, ermittelt auf eigene Faust und stößt auf einen Parallelfall aus dem Jahre 1939. Damals war die Leiche des Mädchen genauso drapiert gewesen. Der Täter, den die Gestapo hingerichtet hatte, ein kurz zuvor kastrierter Homosexueller. Lief der wahre Täter 16 Jahre später also immer noch frei herum? Wusste sein Onkel etwa über diesen Fall? War deshalb die Leiche des Mädchens anders fotografiert worden?

Thomas Engel muss tief graben und vielen auf die Füße treten, bis er letztlich den Mörder aufspüren und jene ans Licht zerren kann, die seit Jahren Tat und Täter gedeckt haben.

Ein spannender Krimi mit gut recherchierter Geschichte, den man in einem Rutsch liest.


Verlag: Penguin
ISBN: 978-3-328-10459-9
Preis: 13,00 €
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Tot bist du perfekt

J.P. Delanay, Rezension von Jutta Pollmann

Tim Scott, erfolgreicher Start-up Unternehmer im Bereich Künstlicher Intelligenz, ist fasziniert und gerührt zugleich. Abbey, seine Frau hat nach langer Zeit endlich die Augen geöffnet.

Doch eigentlich ist es gar nicht die Abbey, die seit fünf Jahren als vermisst gilt, die da gerade die Augen öffnet. Es ist ein Cobot, ein Companian Robot, eine künstliche Intelligenz, die Empathie empfinden kann, die er Tim Scott als Ersatz für seine Frau geschaffen hat, weil er mit dem Verlust nicht klar gekommen ist – wie er sagt. Doch dieser Cobot kann nicht nur empfinden, er kann sich auch weiterentwickeln, sein „Gehirn“ kann schöpferisch tätig werden, die Lücken in seinem Wissen mit Ableitungen und begründeten Vermutungen auffüllen.

Als die künstliche Abbey zurück nach Hause kommt, ist ihr vieles noch fremd, denn Tim, ihr „Ehemann“ ist vorsichtig vorgegangen, hat ihr „Gehirn“ zunächst mit wenigen Informationen bestückt, er will seine geliebte „Frau“ nicht überfordern.

Auch über das, was damals passiert ist, will er zunächst nicht mir ihr reden. Als „Abbey“ irgendwann allein zuhause ist, findet sie, hinter Büchern versteckt, ein Handy und ein Laptop. Warum hat die wirkliche Abbey diese Dinge vor ihrem Mann versteckt? Hatte sie Geheimnisse?

„Abbey“ beginnt zu recherchieren, was damals wirklich passiert ist und muss mehr und mehr feststellen, dass ihr „Ehemann“ doch nicht nur sehr verliebt in seine Frau war, sondern sie auch extrem kontrollierte. Ist die echte Abbey vielleicht gar nicht tot, sondern einfach nur verschwunden, untergetaucht? Aber hätte sie ihren Sohn zurück gelassen?

Als „Abbey“ sich mit „ihrer“ Schwester Lisa trifft, wird klar, dass diese immer noch glaubt, dass Tim seine Frau umgebracht hat. Auch die Polizei ist immer noch davon überzeugt, dass Tim Scott der Mörder ist. Und je mehr „Abbey“ recherchiert, je mehr sie sich der Wahrheit nähert, desto größer werden die Abgründe, die sich vor ihr auftun.

 

 

„Hätten Sie mich vor zwei Jahren gefragt, ob ich einen Roman lesen möchte, in dessen Zentrum keine menschliche Frau, sondern ein Algorithmus, eine programmierte Persönlichkeit, steht, hätte ich mit hoher Wahrscheinlichkeit, dankend abgelehnt...Kann ein solcher Roman seine Leser gleichermaßen faszinieren und mitreißen? Und wie er das kann.“ Monika Kempff, Lektorin Penguin

 

Ich kann mich nur anschließen. JP Delaney ist ein packender Thriller gelungen, den man nur so verschlingt.Wann uns Roboter mit Persönlichkeit gegenüber stehen, weiß ich noch nicht, doch Google hat sich „Methoden und Systeme der Persönlichkeitsentwicklung von Robotern“ bereits 2015 patentieren lassen...

 


Verlag: Kiepenheuer und Witsch
ISBN: 978-3-462-04794-3
Preis: 16,00 €
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Die Toten von Marnow

Holger Karsten Schmidt, Rezension von Bernhard Söthe

Jahrhundertsommer 2003:

Die Rostocker Kommissare Frank Elling und Lona Mendt ermitteln in einem Mordfall. In einem Plattenbau aus DDR-Zeiten wird die Leiche eines Mannes gefunden. Vor seinem gewaltsamen Tod wurde er gefoltert, die Wohnung systematisch durchsucht und verwüstet. Der von Hartz IV lebende Mann hatte kaum Sozialkontakte. Die einzige Besonderheit in seinem Leben waren regelmäßige Aufenthalte auf einem Campingplatz am See in Marnow. Dort gab es zu DDR-Zeiten eine Klinik. Hier wurden gegen dringend benötige Devisen neuentwickelte Medikamente namhafter westlicher Pharmaunternehmen an Patienten getestet. Menschenversuche, die im Westen streng verboten waren - und für die menschlichen Versuchskaninchen hatte das manchmal tödliche Folgen. Das alles geschah unter höchster Geheimhaltung, auch der Staatssicherheitsdienst der DDR hatte seine Finger im Spiel. Der Ermordete war möglicherweise in diese schmutzigen Geschäfte verwickelt. Aber alle Akten zu diesen Machenschaften wurden unmittelbar nach der Wende geschreddert, und niemand wollte etwas gewusst haben. Die Ermittlungen von Frank Elling und Lona Mendt stecken fest. Elling hat auch private Probleme, seine Frau, die als Journalistin für eine Rostocker Zeitung arbeitet, hat ein Verhältnis mit dem rechtsradikalen Bürgermeisterkandidaten. Geldprobleme hat Elling auch. Den großkotzigen Swimmingpool im Garten des noch nicht bezahlten Vorstadthauses und das Auto, das er seiner Tochter zum Abitur geschenkt hat, möchte seine Bank nicht mehr finanzieren. Im Rahmen der Ermittlungen in Marnow wird Elling von einer mysteriösen Dame kontaktiert, die ihm eine größere Summe Geld anbietet, falls er die Ermittlungen in dem Mordfall ergebnislos abschließt. 20000€ als Anzahlung hat die Dame schon in einem diskreten Umschlag dabei. Elling akzeptiert. Was er nicht weißt: er ist bei der Geldübergabe gefilmt worden.

Holger Karsten Schmidt ist einer der erfolgreichsten deutschen Drehbuchautoren. Unter dem Pseudonym Gil Ribeiro schreibt er die erfolgreiche Krimireihe "Lost in Fuseta", die in Portugal spielt. Der vierte Band dieser Reihe "Schwarzer August" erscheint am 10.06.2020.


Verlag: Beck
ISBN: 978-3-406-74884-4
Preis: 24,00 €
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Long bright river

Liz Moore, Rezension von Bernhard Söthe

Auf dem Cover des Buches steht "Roman", was auch nicht ganz falsch ist, da die Familiengeschichte der Protagonistin eine große Rolle spielt, aber es ist auch ein waschechter Großstadtkrimi. 

Mickey, eine Frau Ende 20, ist Streifenpolizistin in einem üblen Viertel Philadelphias. Drogensucht, Prostitution, Alkoholmissbrauch, häusliche Gewalt - das ganze Elend eines Problemviertels einer modernen Großstadt zieht an Mickey vorbei, wenn sie Streife geht oder fährt. Meistens ist sie alleine unterwegs, ihr langjähriger Partner und Mentor wurde bei einem Einsatz schwer verletzt und muss lange pausieren. Mickey hat einen kleinen Sohn, sie ist alleinerziehend, oft fällt es ihr schwer, die Bedürfnisse ihres Kindes mit den Anforderungen ihres Berufes in Einklang zu bringen. Mickey, irisch-katholischer Abstammung, hat zwar eine große Familie, aber da gibt es Spannungen. Mickey hat eine jüngere Schwester, Kathy. Ihre Mutter war drogenabhängig und hat sich schon in jungen Jahren zu Tode gefixt. Mickey und Kathy wurden widerwillig von ihrer Großmutter aufgenommen. Geld, Zuneigung, Wärme waren in ihrem Haushalt Mangelware. Schnellstmöglich verlassen die Schwestern die lieblose Umgebung. Mickey, die von ihrer Großmutter daran gehindert wurde zu studieren, wird Streifenpolizistin. Kathy rutscht wie ihre verstorbene Mutter in die Drogensucht ab und finanziert ihre Abhängigkeit durch Prostitution. Mickey und Kathy, die als Kinder aufgrund der schwierigen häuslichen Situation aneinander hingen, haben seit Jahren kein Wort miteinander gewechselt. Manchmal sieht Mickey während ihres Streifendienstes Kathy am Straßenrand auf Freier warten. Kathy hat jeden Kontaktversuch Mickeys abgeblockt, aus ihrer Sicht steht Mickey auf der falschen Seite. 

In Mickeys Bezirk wird eine junge Prostituierte ermordet aufgefunden, kurz darauf eine zweite, beide drogenabhängig. Kriterien, die auch auf Kathy zutreffen, und Mickey ist hochbeunruhigt, als Kathy plötzlich spurlos verschwindet. Aus Kathys Umfeld will niemand mit Mickey reden, sie ist ja Polizistin, also der Feind. Mickey, die zunehmend Probleme mit machohaften Kollegen und Vorgesetzten hat, macht sich auf die Suche nach ihrer Schwester. 


Verlag: DTV
ISBN: 978-3-423-26239-2
Preis: 15,90 €
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Freefall - Die Wahrheit ist dein Tod

Jessica Barry, Rezension von Bernhard Söthe

In unwegsamem Gelände über den Rocky Mountains stürzt ein privates Kleinflugzeug ab. Der Pilot - der Besitzer des Flugzeugs -  stirbt, seine Verlobte Ally, die einzige andere Person an Bord, überlebt. Ganz auf sich gestellt, muss sie versuchen, einen Weg aus der Wildnis heraus zu finden. Allys Mutter wird von der Polizei informiert, dass ihre Tochter den Absturz unmöglich überlebt haben kann. Sie weigert sich, an den Tod ihrer Tochter zu glauben. 

Die Geschichte wird abwechselnd aus der Perspektive von Ally und aus der ihrer Mutter erzählt. Der Leser erfährt, dass Mutter und Tochter wegen eines Konflikts seit zwei Jahren keinen Kontakt mehr hatten, obwohl es Allys Mutter immer wieder versucht hatte. Ebenso erfährt man, dass Ally, als sie nach ihrem Studium keine Stelle fand, in einer halbseidenen Bar in San Diego arbeitete. Dort lernte sie ihren später Verlobten kennen, den steinreichen Erben eines Pharmaunternehmens. Diese Firma hat gerade sehr erfolgreich ein Medikament gegen postnatale Depressionen auf den Markt gebracht, das aber wegen massiver Nebenwirkungen noch umstritten ist - es soll sogar Todesfälle gegeben haben. Allys Verlobter hat versucht, Veröffentlichungen über diese Nebenwirkungen zu verhindern und hat sich damit auf dünnes Eis begeben. Jetzt ist er tot, und Ally schlägt sich durch die Wildnis der Rocky Mountains, aber sie ist dort nicht alleine. Jemand verfolgt sie und möchte sie tot sehen. Eine gnadenlose Hetzjagd beginnt. 


Verlag: Rowohlt
ISBN: 978-3-498-00126-1
Preis: 20,00 €
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Klein-Sibirien

Antti Tuomainen, Rezension von Kathrin Allkemper

Der ehemalige Ralleyfahrer Tarvainen rast in selbstmörderischer Absicht durch die vereiste Landschaft Finnlands, als plötzlich ein Meteorit in Fußballgröße durch sein Autodach kracht und auf dem Beifahrersitz stecken bleibt. Nach dem ersten Schock ist ihm schnell klar, dass ihm da etwas sehr Wertvolles vor die Füße gefallen ist und schon schmiedet er große Pläne...

Allerdings darf er seinen Fund nicht behalten. Der Gesteinsbrocken soll in einem Institut untersucht werden. Bis dahin wird er im örtlichen Museum eingelagert und abwechselnd von den Männern des Dorfes rund um die Uhr bewacht, denn mittlerweile hat sich herumgesprochen, dass der Klotz aus dem All rund 1 Millionen Euro wert ist und das zieht selbst das organisierte Verbrechen in das kleine Dorf.

Einer der Aufpasser ist Pfarrer Joel. Der hat allerdings gerade ganz andere Probleme. Eine Kriegsverletzung aus seiner Zeit als Militärpfarrer in Afghanistan hat ihn unfruchtbar gemacht. Bisher fehlte ihm der Mut, es seiner Frau zu erzählen, doch dann eröffnet sie ihm begeistert, dass sie endlich schwanger ist....

Auch der dritte Roman von Antti Tuomainen ist wieder eine gelungene Mischung aus Poesie, Krimi und schrägem finnischen Humor!

 


Verlag: BTB
ISBN: 978-3-442-75753-4
Preis: 16,00 €
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Die Wälder

Melanie Raabe, Rezension von Tanja Tenberg

Endlich ist er da, der von mir so lange erwartete neue Roman der Kölner Autorin Melanie Raabe. Sie schickt uns wieder auf viele falsche Fährten, und am Ende ist alles doch ganz anders.

Doch mal zur Story:

Als Nina die Nachricht erhält, dass ihr bester Freund aus Kindertagen verstorben ist, erinnert sie sich an seinen unbeantworteten Anruf. Den Rückruf hatte sie verschoben auf später und dann irgendwie vergessen.

Er hinterließ ihr die Nachricht, endlich hinter das Geheimnis seiner vor Jahren verschwundenen Schwester Gloria gekommen zu sein. Sie solle zurückkommen in ihre alte Heimat, das Dorf in den Wäldern, das sie vor vielen Jahren mit ihren Eltern verlassen hat.

Nina entschließt sich, ihrem besten Freund seinen allerletzten Wunsch zu erfüllen. Doch dafür muss sie bis an ihre Grenzen gehen - und darüber hinaus. Also startet sie eines Abends von Berlin aus, lässt sich mitnehmen von "Wolff", dem Mann, der damals alles ins Wanken brachte. Und ein Höllentrip beginnt ...

In "Die Wälder" geht es um ein verschwundenes Mädchen und um die Schatten der Vergangenheit. Aber es geht auch ums Erwachsenwerden und vor allen Dingen um Freundschaft.

Lassen Sie sich überraschen und mitnehmen in eine düstere Geschichte, in der nichts so ist, wie es scheint.