Krimi


Verlag: Piper
ISBN: 9783492058766
Preis: 22,00 €
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Kühn hat Hunger

Jan Weiler, Rezension von Karin Bucconi

Jan Weiler, seinerzeit bekannt geworden mit dem kleinen Büchlein "Maria, ihm schmeckt`s nicht", hat seinen dritten Roman um den Kriminalkomissar Martin Kühn geschrieben. Er selbst will die Bücher nicht als Krimis bezeichnen, sondern als auf den Punkt gebrachte Beschreibung sozialer Zustände und Milieus verstanden wissen.

Nach "Kühn hat zu tun" und "Kühn hat Ärger"

heißt der dritte Teil dieser "Serie" Kühn hat Hunger

Martin Kühn tut sich schwer. Er vermisst in seinem Leben eine gewisse Leichtigkeit, auch um die Hüfte herum. Ihn drücken Schulden seines auf dem Gelände einer ehemaligen Munitionsfabrik gebauten Hauses. Offensichtlich ist der Boden verseucht, denn alle Mieter und Hausbesitzer haben Probleme.

Er hat eine Prostataerkrankung, aber ignoriert sie. Er hatte einen One-Night-Stand mit einer Kollegin und fühlt sich einerseits als Mann bestätigt, hat andererseits ein schlechtes Gewissen, und das Verhältnis zu seiner Frau ist nach seinem Geständnis nicht unbedingt besser geworden.

Für sie will er wieder begehrenswert werden. Er macht eine angesagte Diät mit, deren Erfinder frauenfeindlich und in seinen Ansagen ziemlich primitiv ist. Der Hunger macht sich auch im Dienst bemerkbar und hindert ihn zuweilen am klaren Denken und das, obwohl er befördert werden will.

Dann wird er mit einem brutalen Mord konfrontiert. Eine junge Osteuropäerin wird in einer Grube auf einer Baustelle entsorgt, und gemeinsam mit seinem Kollegen (ehemals besten Freund) und Konkurrenten Thomas Steierer, der Intrigen gegen ihn spinnt, macht er sich auf die Suche nach dem Mörder...

Als LeserInnen wissen wir von Beginn an, wer derTäter ist, aber der Weg bis zur Lösung des Falles führt durch die tiefsten Tiefen menschlichen Denkens und Handelns.

Wieder ein lesenswertes Buch. Sehr gut geschrieben und wie ein Rezensent treffend sagte: Ich wollte eigentlich nur ein Kapitel lesen, aber es ist wie mit einer Tüte Chips, die man einmal geöffnet hat...


Verlag: Diogenes
ISBN: 9783257070873
Preis: 28,00 €
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Die Frau in der Themse

Steven Price, Rezension von Karin Bucconi

Zwei Männer befinden sich auf dem Weg nach London. Es ist das Jahr 1885, die Zeit in der Jack the Ripper als Massenmörder in Erscheinung tritt. Beide Männer wollen eine ganz bestimmte Frau treffen: Charlotte Reckitt, schön, stolz und gesetzlos. Sie hat wieder einen Coup geplant und  benötigt die Hilfe ihres früheren Geliebten Adam Foole, der ihrer Bitte sofort folgt. Foole liebt sie immer noch, obwohl sie sich zehn Jahre zuvor eher unschön von ihm verabschiedet hat. 

Der andere ist William Pinkerton, Erbe der berühmten Detektei seines Vaters in Chikago. Er glaubt, dass die Reckitt ihm helfen kann, den Mann zu finden, den sein Vater Zeit seines Lebens wie besessen gejagt hat.

Nur: beide kommen nicht mehr dazu, Charlotte zu treffen. Sie wird zerstückelt aus der Themse gefischt.

Foole und Pinkerton beginnen nun gemeinsam nach ihrem vermeintlichen Mörder zu suchen. Auf ihrer Reise, die sie zunächst durch London und dann u. a. nach Südafrika und in den amerikanischen Bürgerkrieg führt, entdecken sie, dass sie sehr viel mehr verbindet als trennt...

Ein Buch, das niemand wegen seines Umfangs (ca. 900 Seiten) abschrecken sollte. Es ist hervorragend geschrieben und von der ersten bis zu letzten Seite spannend. Zeitgeschichte aus sachkundiger Feder.


Verlag: Suhrkamp
ISBN: 9783518428795
Preis: 22,00 €
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Killer`s Choice

Louis Begley, Rezension von Karin Bucconi

Nach "Zeig dich, Mörder" und "Ein Leben für ein Leben" hat Begley nun seinen dritten Roman um den Ex-Mariner und Bestsellerautor Jack Dana geschrieben. 2015 hat er seinen ersten Krimi vorgelegt, und jeder der drei kann auch für sich gelesen werden. "Killer`s Choice", Teil drei, erzählt von einem Jack Dana, der glaubt angekommen zu sein. Er hat seinen ärgsten Feind, Abner Brown, zu Fall gebracht und dabei zugesehen, als sich dieser, die Ausweglosigkeit seiner Situation erkennend, eine Insulinspritze setzte und starb. Auf keinen Fakll wollte er ins Gefängnis und schon gar nicht auf den elektrischen Stuhl. Brown hatte seinerzeit Danas Onkel Harry und dessen Sekretärin umgebracht. Er war ein gewissenloser Milliardär, dessen Weg nach oben zahllose Leichen pflasterten. Onkel Harry war ihm auf die Schliche gekommen und hatte ihn bekämpft. Das war sein Tod.

Jack Dana ist also zur Ruhe gekommen, schreibt an einem neuen Buch und plant Heidi Krohn, eine schöne und erfolgreiche Anwältin zu ehelichen. Er ist glücklich. Aber das hält nicht lange an. Simon Lathrop und seine Frau, enge Freunde seines Onkels, werden bestialisch ermordet. Sein Computer wird gehackt und ihm wird  ein Video von dieser "Abschlachterei"  zugeschickt, verbunden mit dem Hinweis, dass es ihm bald noch viel schlechter ergehen werde.

Schnell stellt sich heraus, dass irgend jemand Abner Brown rächen will und Jack Dana zu Fall gebracht werden soll. 

Als seine Freundin und deren Neffe von dem Monster (so nennt Jack den Mörder) entführt werden und sich in Lebensgefahr befinden, sieht er keinen anderen Ausweg, als sich dem Verbrecher zu stellen...

 

 


Verlag: dtv
ISBN: 978-3-423-26240-8
Preis: 15,90 €
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Der Tod der Mrs.Westaway

Ruth Ware, Rezension von Kathrin Allkemper

Die junge Harriet Westaway kommt nach dem Tod ihrer Mutter nicht mehr richtig auf die Füße. Sie bricht ihr Studium ab und verschuldet sich immer mehr. Als die Geldeintreiber vor der Tür stehen, begreift sie erst den Ernst der Lage. Daher zögert sie nicht allzu lange, als sie einen Brief aus Cornwall erhält, der ihr ein großes Erbe verspricht. Ihre Großmutter ist längst tot, sie kann also nicht die gesuchte Enkeltochter sein, aber für Harriet bedeutet diese Namensgleichheit eine Chance, aus ihrem Elend herauszukommen.

Sie fährt zu der Beerdigung, wo sie vom Anwalt „ihrer“ Großmutter in Empfang genommen und „ihren“ anderen Verwandten vorgestellt wird. Harriet ist total nervös und rechnet jeden Moment damit, dass sie auffliegt, aber es geht alles gut. Sie wird freundlich aufgenommen, denn noch ahnt keiner, dass dieses junge Mädchen erben wird, worauf alle scharf sind: das große alte Herrenhaus der Mrs.Westaway.

Harriet merkt sehr schnell, dass dieses Haus ein furchtbares Geheimnis birgt und ist sich plötzlich gar nicht mehr so sicher, ob ihr Täuschungsmanöver wirklich eine gute Idee war. Es scheint, als wären die Geldeintreiber nun ihr geringstes Problem...


Verlag: btb
ISBN: 978344271925
Preis: 10,00 €
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Profilerin Hanne Bd. 1: Wenn das Eis bricht

Camilla Grebe, Rezension von Jutta Pollmann

Emma versteht die Welt nicht mehr: heute Abend sollte ihr Verlobungsessen stattfinden, alles hatte sie vorbereitet und dann kam Jesper nicht. Jesper, der immer pünktlich war; Jesper, der sofort anrief, wenn etwas dazwischen kam. Und endlich sollte auch ihre Beziehung nicht mehr geheim bleiben. Solange waren sie schon zusammen und immer musste alles heimlich passieren. Weil er doch sowieso schon im Visier der Medien stand, hatte er gesagt, denn nachdem er Chef von Clothes & More geworden war, neue Arbeitszeitmodelle eingeführt hatte, Mitarbeiter entlassen hatte, waren die Gewerkschaften nicht gut auf ihn zu sprechen. Jeden Tag stand etwas neues über Jesper Orre in der Zeitung, deshalb musste Emma sich gedulden, bis die Wogen sich geglättet hatten. Und sie hatte Geduld gehabt, aber ab jetzt sollte alles anders werden. Sie würden auch in der Öffentlichkeit ein Paar sein. Aber warum kam er nicht, warum reagierte er nicht auf ihre Anrufe?

 

Doch nicht nur Emma suchte Jesper Orre, auch die Stockholmer Polizei war hinter ihm her. In seiner Wohnung war die Leiche einer Frau gefunden worden, enthauptet, der Kopf neben dem Körper drapiert. Alles erinnerte an einen Fall vor 10 Jahren. Damals war ein junger Mann enthauptet worden, auch damals stand der Kopf neben dem Körper. Die Profilerin Hanne war mit dazu geholt worden, doch trotz intensiver Arbeit, war der Mörder nicht gefasst worden.

Auch diesmal will man sie wieder mit dabei haben, doch in den vergangen zehn Jahren hat sich in Hannes Leben einiges verändert. Sie leidet an einer langsam schleichenden Demenz, arbeitet nur noch von zuhause aus und überall in der Wohnung hängen Zettel, die sie an bestimmte Dinge erinnern und ihr den Alltag erleichtern sollen. Aber ihr Ehrgeiz ist geweckt, als die Anfrage von der Mordkommission kommt. Nicht zuletzt weil ihr Mann Ove sie immer mehr zuhause festhalten will. Sie hat den Eindruck zu ersticken. So beginnt sie gegen seinen Willen mit ihrer Arbeit bei der Kripo. Doch nicht nur Ove möchte nicht, dass Hanne wieder arbeitet, auch Peter, Kommissar bei der Mordkommission möchte Hanne am liebsten nicht wiedersehen. Vor zehn Jahren hatten sie ein Verhältnis und er hat sie damals sitzen lassen.

 

Emma, Hanne, Peter: aus der Sicht dieser drei Menschen wird der Fall erzählt und man wird in diesem Psychothriller immer wieder an der Nase herumgeführt. Super spannend und verzwickt geschrieben. Dies ist Camilla Grebes erster Solokrimi. Mit ihrer Schwester Asa Träff zusammen hat sie aber bereits die „Siri Bergmann“ Krimireihe geschrieben.

Der zweite Krimi mit der Profilerin Hanne (Tagebuch meines Verschwindens) ist ebenfalls schon erschienen.

 


Verlag: Hoffmann & Campe
ISBN: 9783455983555
Preis: 14,90 €
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Bis ihr sie findet

Gytha Lodge, Rezension von Jutta Pollmann

1983: Sechs Freunde verbringen eine Nacht im Wald: Topaz Jackson, Coralie Ribbans, Topaz folgsamer Schatten, Jojo Magos, Daniel Benham, Brett Parker und Connor Dooley. Mit dabei die 14jährige Schwester von Topaz Aurora. Auf der einen Seite fühlt sie sich geehrt bei den „Großen“ mit dabei sein zu dürfen, auf der anderen Seite fühlt sie sich unwohl und weiß nicht so wirklich, was sie hier soll. Alkohol fließt, Drogen werden verteilt. Als Topaz und Coralie mit Brett im Wald verschwinden, wird Aurora alles zu viel. Sie nimmt ihren Schlafsack und legt sich abseits des Lagerfeuers hin. Am nächsten Morgen ist der Schlafsack leer und Aurora verschwunden.

 

30 Jahre später wird in einer Baumhöhle ein Skelett gefunden. Für Detective Chief Inspector Jonah Sheens ist klar, das müssen die Überreste von Aurora sein. Der Fall wird neu aufgelegt und Sheens knöpft sich die 6 Freunde von damals nochmal vor.

Warum hat Topaz damals verschwiegen, dass sie im Wald Auroras Lehrer getroffen hat? Warum hat der Lehrer damals geschwiegen? Gab es da nicht ein Problem mit einem Mädchen, weswegen er die vorherige Schule verlassen musste? Und was ist mit den Drogen, die neben der Leiche gefunden wurden? Zufall oder haben die zu Auroras Tod geführt? Und warum hat man sie damals, so nah am Zeltplatz, nicht gefunden?

Stück für Stück arbeitet sich Sheens durch Aussagen, Lügen und Widersprüche, bis er endlich den Täter findet.

 

Ein packender Krimi, ein Verwirrspiel bis zum Schluss.


Verlag: Diogenes
ISBN: 978-3-257-07084-2
Preis: 24,00 €
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Drei

Dror Mishani, Rezension von Bernhard Söthe

Der Bestseller aus Israel, der dort monatelang den Platz 1 der Bestsellerliste belegte, jetzt auch in deutscher Sprache. In Israel ist auch eine TV-Serie in Vorbereitung. Auf dem Umschlag steht Roman, nicht ganz falsch, das Buch beginnt wie ein normaler, moderner Großstadtbeziehungsroman, aber im letzten Drittel wird es ein veritabler Kriminalroman. "Drei" soll heißen: drei Frauen.

1. Die erste, eine Lehrerin mit neunjährigem Sohn, die gerade eine üble Scheidung hinter sich hat, braucht dringend etwas Ablenkung und Trost, am besten männlichen. Mangels Zeit und Gelegenheit, neue Bekanntschaften zu machen - sie ist auch ein bisschen außer Übung - , gibt ihr eine Freundin den Tipp, es mit einem Online-Dating-Portal zu probieren. Einige der Dates entpuppen sich sofort als Flop, einige Später. Aber eine Begegnung lässt sich etwas besser an und stimmt sie hoffnungsvoll. Er ist Rechtsanwalt ...

2. Die zweite ist eine junge Frau aus Lettland, die illegal in Israel als Altenpflegerin arbeitet. Eine Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung hat sie nicht. Sie hat panische Angst davor, ausgewiesen zu werden. Zurück nach Riga will sie auf gar keinen Fall. Der Sohn eines alten Herrn, den sie bis zu seinem Tod gepflegt hat, ist Rechtsanwalt und kann ihr bei ihren rechtlichen Problemen vielleicht helfen ...

3. Die dritte ist Mutter von drei Kindern, die letzte Geburt liegt gerade 10 Monate zurück, sie fühlt sich in ihrer Rolle als Mutter hoffnungslos überfordert. Ihr Mann, ein Berufssoldat, ist ihr im Alltag keine Hilfe, weil selten zu Hause. Manchmal fragt sie sich, ob er überhaupt registriert hat, dass die Familie kürzlich um eine Tochter größer geworden ist. Möglichst viele Aufgaben deligiert sie an eine Tagesmutter, um täglich ein paar Stunden in ihrem Lieblingscafé verbringen zu können, wo sie versucht, an ihrem geplanten Buch weiter zu schreiben. In dem Café fällt ihr ein Mann auf, der dort ebenfalls Stammgast zu sein scheint. Bei einer Zigarettenpause vor dem Café kommen die beiden ins Gespräch. Er ist Rechtsanwalt ...

Dre Frauen und ein Mann - ein Mann, dem die Frauen besser nicht begegnet wären!

 


Verlag: Diogenes
ISBN: 978-3-257-07046-0
Preis: 24,00 €
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Dead Lions

Mick Herron, Rezension von Bernhard Söthe

Jackson Lamb ist der - vorsichtig formuliert - etwas eigenwillige Chef einer Außengruppe des englischen Geheimdienstes. Im herunter gekommenen "Slough House", weit von der schicken Geheimdienst-Zentrale im Regent's Park entfernt, sind die Loser der Behörde konzentriert. Ein halbes Dutzend Geheimdienstler, die irgendwann im Laufe ihrer Karriere unangenehm aufgefallen sind. Nicht unbedingt Dummköpfe, aber Sonderlinge oder schlicht Pechvögel, mit denen niemand gerne zusammenarbeitet. Zum down gegradeten Personal und den herunter gekommenen Büros passt der Chef Jackson Lamb. Auch er hat sich in der Chefetage des Geheimdienstes unbeliebt gemacht und ist im "Slough House" geparkt. Beschäftigt werden die abgehalfterten Agenten mit völlig unwichtigen Archiv- und Rechercheaufgaben. Darüber ist Jackson Lamb erhaben. Er verbringt seine Arbeitstage damit zu rauchen  (das Rauchverbot in öffentlichen Gebäuden ignoriert er souverän), Whisky  zu trinken  und an die Decke zu starren. Zum Leidwesen seiner Untergebenen scheut Lamb regelmäßigen Einsatz von Wasser und Seife. Sein "neuer" Mantel ist 15 Jahre alt, auch der Rest seiner Kleidung wäre in jeder Altkleidersammlung angewidert aussortiert worden. Einmal, als Jackson Lamb in einer ausgedehnten Arbeitspause ein wohlverdientes Nickerchen auf einer Parkbank gemacht hat, findet er nach dem Aufwachen in dem Coffee-to-go-Pappbecher, den er neben sich abgestellt hatte, 42 Pence, die er dankend einsteckt. Außer seinem verlotterten Äußeren hat er noch einige andere nicht unbedingt gesellschaftsfähige Eigenarten. Jackson Lamb ist alleinstehend.

Seine große Zeit im Geheimdienst begann noch zur Zeit des Kalten Krieges. Seine damaligen Kollegen sind längst im Ruhestand bzw in alle Winde zerstreut. Als einer dieser ehemaligen Kollegen unter dubiosen Umständen tot in einem Linienbus gefunden wird, erwacht Jackson Lamb aus seiner Lethargie, und er und seine Untergebenen beginnen mehr oder weniger auf eigene Faust zu ermitteln, da die Chefetage des Geheimdienstes sich weigert, aktiv zu werden.

Und die lahmen Gäule und schlafenden Löwen laufen zu großer Form auf. Merke: "Ein Löwe, der gähnt, ist nicht müde, ein Löwe, der gähnt, ist gerade aufgewacht."

Zeitgleich mit dem "Dead Lions" ist der erste Band der Reihe um Jackson Lamb und seine Crew "Slow Horses" als Taschenbuch erschienen.

Beide Agententhriller sind unabhängig voneinander lesbar. Wobei in dem ersten Band der Vorgeschichte der aussortierten Geheimdienstler etwas mehr Raum gegeben wird. Für die Leser von John le Carré und die Freunde des schwarzen englischen Humors.


Verlag: Tropen
ISBN: 978-3-608-50421-7
Preis: 24,00 €
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Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle

Stuart Turton, Rezension von Kathrin Allkemper

Aidan Bishop befindet sich auf dem alten, wahrlich heruntergekommenen Anwesen der Familie Hardcastle. Weder weiß er, wie er dort hingekommen ist, noch was er genau dort zu tun hat. Außer ihm sind noch zahlreiche andere Gäste da, und es wimmelt vor Dienern, Hausmädchen und anderen Hausangestellten, die eine große Feier vorbereiten, denn es soll zu Ehren von Tochter Evelyn ein Maskenball stattfinden. Zumindest lautet so die offizielle Version. Doch die junge Miss Hardcastle überlebt diese Feier nicht. Sie wird in dieser Nacht ermordet.

Der arme Aidan wird diesen schicksalhaften Tag immer wieder erleben und zwar immer in einem anderen Körper. Es ist, als würde seine Seele jeden Morgen in einem anderen Wirtskörper aufwachen, mal im Butler, mal im Sohn des Hauses, der Tag jedoch läuft immer gleich ab. Die einzige Chance aus dieser Spirale zu entkommen, ist die Antwort auf die Frage, wer Evelyn Hardcastle auf dem Gewissen hat. Dafür gilt es, sich selbst ein Stückchen voraus zu sein und mit List und Tücke die Zeitschleife aufzurütteln. Eine sehr originelle Story mit zahlreichen überraschenden Wendungen. Der Autor hat drei Jahre an dem Titel gearbeitet, und das merkt man dem 600-Seiten- Werk auch an. Selbst für Sherlock Holmes wäre es eine verdammt harte Nuss gewesen.  Ich fand es ganz klasse!

 


Verlag: Fischer Scherz
ISBN: 978-3-651-02588-2
Preis: 15,00 €
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Die Stille des Todes

Eva Garcia Saenz, Rezension von Bernhard Söthe

Dieser Krimi spielt in Vitoria, der historischen Hauptstadt des spanischen Baskenlandes.

In der mittelalterlichen Kathedrale der Stadt wird ein totes Paar gefunden. Mann und Frau, beide sind nackt, liegen nebeneinander, die Hände jeweils an die Wange des anderen geschmiegt, auf skurrile Weise durch Bienenstiche in den Rachen getötet.

Inspektor Ayala nimmt die Ermittlungen auf. So absonderlich die Todesart und die Herrichtung der Toten auch ist, so etwas hat es in Vitoria vor 20 Jahren schon einmal gegeben. Ein Serientäter hatte damals die Stadt in Angst und  Schrecken versetzt. Es gab zahlreiche Opfer, immer durch Bienenstiche getötet, immer auf dieselbe Art hergerichtet. Ein junger Mann aus einer der ältesten und reichsten Familien der Stadt wurde wegen dieser Morde vor Gericht gestellt und zu lebenslanger Haft verurteilt. Wurde damals der Falsche angeklagt und verurteilt?

Tatsächlich wid die Mordserie fortgesetzt, und jemand (der Mörder? ein Zeuge?) beginnt, Inspektor Ayala per Twitter mit geheimnisvollen Botschaften, die die Morde betreffen, zu überschütten. Ein Katz- und Maus-Spiel beginnt, und der Mörder hat immer die Nase vorn. Mehreres macht diesen Krimi ungewöhnlich. Inspektor Ayala ist der Ich-Erzähler, nur aus seiner Perspektive erlebt der Leser den Fall. Man erfährt auch viel über das soziale Leben in Vitoria. Familie und Freundesclique sind ganz wichtig. Niemand kann sich ein Leben ohne diesen schützenden und wärmenden Kokon vorstellen. Auch Inspektor Ayala ist selbstverständlich in seiner Familie - sein Bruder, ein Anwalt, und sein über 90jähriger Großvater sind wichtige Bezugspersonen) und in seinem Freundeskreis aufgehoben. In schwierigen Situationen findet er dort Halt und Rat. Der Baske Ayala (Baske - nicht Spanier, Basken legen großen Wert auf diesen Unterschied, auch darüber erfährt man einiges in diesem Krimi) ist ganz anders als die skandinavischen Kommissare, die ja oft in schwierigen Familiensituationen stecken oder vereinsamt sind, alkoholabhängig oder sonst wie krank sind und schwer am Leben leiden.  Natürlich hat der Baske Ayala auch Probleme, aber er geht sie anders an als seine nordischen Kollegen. Liegt es an dem blauen Himmel über Vitoria? Den angenehmen klimatischen Bedingungen? Oder am menschlichen Umgang der Südländer miteinander? Wie auch immer, dieser Krimi ist ganz anders als die üblichen. Nicht nur dem Zwischenmenschlichen gibt die Autorin in ihrem Buch weiten Raum, auch ihre Heimatstadt Vitoria wird liebevoll beschrieben. Eigentlich müsste man mal nach Vitoria fahren, um sich selbst von der Schönheit der Altstadt zu überzeugen.

"Die Stille des Todes" ist der erste Band einer Reihe mit Inspektor Ayala. In Spanien gibt es bereits drei. Alle haben lange auf der spanischen Bestsellerliste gestanden.


Verlag: Piper Verlag
ISBN: 9783492311021
Preis: 10,00 €
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Silent Scream - Wie lange kannst du schweigen?

Angela Marsons, Rezension von Bernhard Söthe

 

Kim Stone, 34 Jahre, Single, ist Detective bei der West Midland Police in der wohl heruntergekommensten Gegend Englands. Kim Stone ist in ihrer spärlichen Freizeit passionierte Motorradfahrerin. Zur Entspannung restauriert sie ein historisches Motorrad aus den frühen 50er Jahren der letzten Jahrhunderts.

Ihren Kollegen und anderen Mitmenschen zeigt Kim nur ihre stachelige Außenseite. Ihre spitze Zunge ist allseits gefürchtet. Sie hat auch ihr Päckchen zu tragen, ihre Mutter ist wegen Schizophrenie in einer psychiatrischen Anstalt weggeschlossen, und seit ihrer frühen Kindheit erlebte Kim den Albtraum wechselnder Pflegefamilien und diverser Kinderheime. Nie fühlte sie sich irgendwo willkommen, nie irgendwo zuhause, nie konnte sie ein Vertrauensverhältnis zu anderen Menschen aufbauen. Aber trotz ihrer schwierigen Persönlichkeit hat sie bei der Kriminalpolizei schnell Karriere gemacht und ist Leiterin des Ermittlungsteams.

Als die Leiche einer Schulrektorin gefunden wird – sie wurde in ihrer Badewanne ertränkt – bekommen Kim Stone und ihr Team den Fall zugeteilt. Einige Tage später wird ein Koch ermordet, dem Opfer wurde die Kehle durchgeschnitten. Zunächst weist nichts darauf hin, dass die beiden Fälle etwas miteinander zu tun haben. Aber als sich herausstellt, dass beide Mordopfer zur gleichen Zeit in einem seit einigen Jahren geschlossenen Mädchenheim gearbeitet haben, ist Kim Stones Misstrauen erwacht.

Neben der ausgebrannten Ruine des Mädchenheims liegt ein verwahrlostes Grundstück. Seit Jahren versucht ein Archäologieprofessor für dieses Gelände eine Grabungsgenehmigung zu bekommen, dort werden mittelalterliche Relikte vermutet. Aus undurchsichtigen Gründen wird die Erteilung der Genehmigung immer wieder verzögert. Hinter dieser Blockade steckt der Parlamentsabgeordnete des Bezirks. Vor seiner politischen Karriere war er der Verwaltungschef des damaligen Mädchenheims. Als zwei weitere ehemalige Mitarbeiter des Heims auf dubiose Weise ums Leben kommen, nehmen die Ermittlungen Fahrt auf.

Kim Stone zur Seite steht ihr Assistent, Detective Sergeant Bryant, der es in leidvoller Erfahrung gelernt hat, mit Kim Stones eigenwilliger Persönlichkeit umzugehen.

Die Reihe soll fortgesetzt werden.

 


Verlag: Gmeiner Verlag
ISBN: 9783839225202
Preis: 12,00 €
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Zechentod

Sylvia Sabrowski, Rezension von Bernhard Söthe

 

Liesa Kwatkowiak, gebürtig aus Bottrop, lebt in Bottrop und studiert Psychologie in Bochum-Querenburg, d.h. Sie versucht zu studieren. Sie leidet aber nach dem qualvollen Krebstod ihrer Mutter zunehmend unter Angstattacken, die ihr Leben und Studium schwer machen.

Halt sucht und findet sie bei ihrer Oma. Omma Kwatkowiak ist eine typische Ruhrpottoma mit Kittelschürze und geblümter Wachstuchdecke auf dem Küchentisch. Sie wohnt in einer der alten Bergarbeitersiedlungen Bottrops und ist die Seele der Nachbarschaft.

So sitzt auch Nachbarin Martina Goretzka weinend in ihrer Küche. Seit einigen Tagen ist ihr Mann Andy spurlos verschwunden und die Polizei, bei der sie eine Vermisstenanzeige erstattet hat, nimmt den Fall auf die leichte Schulter. Andy Goretzka wäre nicht der erste Ehemann, der mal kurz Zigaretten holen geht und das Nachhausekommen vergisst. Das kann sich Martina bei ihrem Andy aber gar nicht vorstellen. Zufällig ist auch Psychologiestudentin Liesa in Ommas Wohnküche anwesend, und die resolute alte Dame „überredet“ Liesa , sich um den Fall des verschwundenen Ehemanns zu kümmern. Wer, wenn nicht eine fast fertig studierte Psychologin, kennt sich denn mit den Abgründen der menschlichen, in diesem Fall männlichen Seele aus? Überrumpelt erklärt sich Liesa bereit, auf der Suche nach Andy Goretzka. Ihr zur Seite steht Timo, der Sohn des Vermissten. Liesa kennt Timo noch aus Kindertagen als rotznasigen, nervigen Bengel, der sich überraschenderweise zu einem gutaussehenden jungen Mann gemausert hat, der auch noch über exzellentes Computerwissen verfügt.

Schnell finden die beiden heraus, dass Frührentner Andy aus purer Langeweile geplant hat, seine Erinnerungen an die Zeit als Bergmann unter Tage auf Prosper-Haniel zu Papier und zur Veröffentlichung zu bringen. Geschrieben hat er zwar noch keine Zeile, jedoch großflächig seine Pläne kundgetan. So will er auch über einen mysteriösen Todesfall Anfang der 90er Jahre schreiben. Damals war ein junger Bergmann unter ungeklärten Umständen ums Leben gekommen. Ein Arbeitsunfall? Oder hat da jemand nachgeholfen? Der ehrgeizige junge Bergmann hatte sich bei seinen Kollegen nicht beliebt gemacht. Im Zusammenhang mit diesem Todesfall fällt auch oft der Name des Steigers Schleheck, der eigentlich für die Sicherheit der Bergleute seiner Schicht zuständig war. Hat Andy Goretzka mit seinem Herumgequatsche schlafende Hunde geweckt? Will ihn jemand zum Schweigen bringen? Liesa und Timo versuchen, dieser Spur nachzugehen.

 


Verlag: Piper
ISBN: 978-3-492-23529-7
Preis: 10,00 €
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Something in the water - Im Sog des Verbrechens

Catherine Steadman, Rezension von Bernhard Söthe

Warum die verlagsübergreifende Mode, Krimis mit englischen Titeln zu versehen, immer noch grassiert, weiß ich nicht. Catherine Steadmans Krimi ist so ungewöhnlich, dass er sich auch mit deutschem Titel gut verkaufen würde. 

London, heute: Erin und Mark sind schon länger ein Paar. Jetzt soll endlich geheiratet werden. Erin setzt die Pille ab, sie will sich endlich ihren Kinderwunsch erfüllen. Mark ist Banker in der Londoner City, er hat einen überaus lukrativen Job. Das Haus, in dem Erin und er leben, ist zwar noch mit Hypotheken belastet, hat aber jetzt schon einen Marktwert von 1,5 Millionen Pfund. Erin ist Dokumentarfilmerin. Von einer kulturellen Stiftung hat sie finanzielle Unterstützung für die Dreharbeiten zu ihrem ersten abendfüllenden Dokumentarfilm bekommen. Erin filmt und interviewt drei Gefängnisinsassen einige Wochen vor ihrer Entlassung, und der Plan ist, sie einige Wochen nach ihrer Entlassung noch einmal zu interviewen, um zu dokumentieren, wie die Ex-Sträflinge mit ihrer Freiheit zurecht kommen. Es sind eine Diebin, eine Frau, die sich schuldig gemacht hat, weil sie ihrer schwerkranken Mutter beim Suizid geholfen hat und ein Mann, den man wohl zurecht als Schwerverbrecher und Unterweltgröße bezeichnen könnte. Die ersten Interviews sind gemacht, die in Freiheit werden in einigen Wochen folgen. Aber zunächst wir geheiratet und zwar richtig groß mit vielen Gästen, einem teuren Bankett und anschließend zwei Wochen Flitterwochen in einem Luxusresort auf Bora Bora, einem Südseeinselparadies. In die euphorischen Festvorbereitungen platzt eine Hiobsbotschaft. Mark verliert von jetzt auf gleich seine Stelle bei der Bank, und eine neue ist nicht in Sicht. Das Bankett wird abgesagt, die Hochzeit aber nicht, die sündhaft teuren Flitterwochen werden auf eine Woche verkürzt. Nach der Hochzeit, die in deutlich bescheidenerem Rahmen als geplant, stattfand, fliegen Erin und Mark  in die Südsee. Mark ist begeisterter Hobbytaucher. Erin nicht. Aber Mark zuliebe traut sie sich dann noch, an einem Tauchausflug teilzunehmen. In 20 Metern Tiefe finden die beiden nicht nur eine exotische Unterwasserwelt, sondern auch ein wohl kürzlich bei einem Tropensturm abgestürztes Kleinflugzeug, und sie finden etwas, was sie mitnehmen und besser an Ort und Stelle gelassen hätten ...

 


Verlag: Scherz
ISBN: 978-3-651-02572-1
Preis: 14,99 €
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Outback

Chris Hammer, Rezension von Kathrin Allkemper

Ein Jahr ist vergangen, seit es in dem kleinen Outback-Städtchen „Rivers End“ zu einer Katastophe kam. An jenem Sonntag trat der Pfarrer aus der Kirche und erschoss gezielt fünf Männer aus seiner Gemeinde, bevor er selbst durch die Kugel eines Polizisten starb.

Heute mag niemand so recht darüber sprechen, und wenn doch, dann sprechen die meisten in den höchsten Tönen von ihrem Pfarrer, er war sehr beliebt. Doch wie passen die Worte der Menschen zu einem Mörder? Der Journalist Martin Scarsden versucht sich ein Bild darüber zu machen, welche Folgen die Tat für die Stadt und seine Bewohner bis heute hat, aber schnell muss er entdecken, dass es mehr als nur eine Wahrheit gibt. Außerdem bekommt der Stadtmensch sehr schnell zu spüren, wie hart das Leben im Outback wirklich ist.


Verlag: Atrium
ISBN: 978-3-03882-113-7
Preis: 10,00 €
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Die toten Katzen von London

Mark Billingham, Rezension von Bernhard Söthe

Im Großraum London geht ein Katzenmörder um. Die Tiere werden scheußlich massakriert. Außer den geschockten Besitzern interessiert das niemanden. Erst als die Boulevard-Presse auf das Thema anspringt, wird die Öffentlichkeit aufmerksam. Ein Fall für die Kriminalpolizei? Eher nicht, schließlich gibt es genug "richtige" Mörder zu überführen. Trotzdem schrillen bei der Mordkommission die Alarmglocken, gesetzt den Fall, der Katzenmörder "übt" nur und sucht nach dieser "Warum up"-Phase menschliche Opfer? DI Tom Thorne wird mit den Ermittlungen beauftragt. Der jeglicher körperlicher Ertüchtigung eher abholde Tom Thorne spinnt den Gedanken des "Warm up" weiter. Was, wenn der Täter schon in der "Cool Down"-Phase ist? Dann hätte es ja schon menschliche Opfer gegeben? Thorne und seine Kollegin Tanner werfen einen Blick auf die ungeklärten Mordfälle der letzten Zeit und dank ausgeklügelter Algorithmen - Tanner ist auf dem Gebiet der Computer-Recherche unschlagbar -  finden die beiden Kollegen heraus, dass in den letzten Monaten fünf Frauen ermordet wurden, in keinem Fall konnte ein Täter ermittelt werden. Die Fälle haben scheinbar nichts miteinander zu tun. Doch es gibt Gemeinsamkeiten. Alle Frauen waren alleinstehend, alle wurden an Wochenenden umgebracht, der Täter hinterließ an den Tatorten (immer die Wohnungen der Opfer) keine verwertbaren Spuren. Alle fünf ermordeten Frauen hatten über die kleine, eher unbekannte Internetpartnerbörse "Made in heaven" Männerbekanntschaften gesucht. Thorne und Tanner finden bei ihren Recherchen heraus, dass die Internetseite von "Made in heaven" mehrmals gehackt worden ist. Irgendjemand hat sehr persönliche Daten der Kundschaft abgefischt. Mit großem Personalaufwand, gegen den anfänglichen Widerstand ihrer Vorgesetzten (Kosten!) versuchen Thorne und Tanner, dem Täter eine Falle zu stellen ...

Mark Billingham ist in England ein sehr erfolgreicher Krimiautor. Es gibt weitere Krimis mit Thorne, Tanner und Kollegen. Alle lassen sich auch als "Einzelstücke" lesen und verstehen. Beste englische Krimitradition!

 


Verlag: Piper
ISBN: 9783492235297
Preis: 10,00 €
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Something in the water

Catherine Steadman, Rezension von Kathrin Allkemper

Mark und Erin sind wohl das, was man ein gut situiertes, junges Paar nennen würde. Sie haben eine schicke Wohnung und beide einen sehr guten Job. Mark ist Investmentbanker und Erin Dokumentarfilmerin. Aktuell arbeitet sie an einem Bericht über Menschen im Gefängnis. Dazu nimmt sie Kontakt zu drei Straftätern auf, die sie während und nach der Zeit hinter Gittern interviewen will. Einer von ihnen ist Eddie Bishop, der unter anderem ein paar Morde auf der Liste hat. Natürlich ist Erin dementsprechend sehr nervös, als sie ihn das erste Mal aufsucht. Und tatsächlich ist es unheimlicherweise so, dass nicht nur sie Informationen über ihn eingeholt hat, nein, Eddie weiß auch erstaunlich viel über Erin. Wie kann das sein, so ganz ohne Zugang zum Internet?! Selbst über ihre bevorstehenden Heirat ist er im Bilde...

Erin und Mark verbringen ihre Flitterwochen auf Bora Bora. Anlässlich ihrer Hochzeit wollen sie sich einmal den totalen Luxus im Paradies gönnen. Obwohl Erin immer Angst vor Wasser hatte, schafft es ihr frischangetrauter Ehemann, sie zum Tauchen zu überreden. Anfangs läuft alles gut, doch dann machen sie dort unten im Wasser eine Entdeckung, die ihr Leben von Grund auf verändern wird. Zudem steht in ihrem Zimmer plötzlich eine Flasche Champagner, mit freundlichen Grüßen von Eddie Bishop...

Spannender Krimischmöker!


Verlag: Ullstein
ISBN: 978-3-548-29097-3
Preis: 12,99 €
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Unbarmherzig

Inge Löhnig, Rezension von Jutta Pollmann

Ella Loibl muss mal raus aus ihrem Steinmetzbetrieb. Seit dem Tod ihres Mannes hat sie nicht nur Schulden, sie hat einen riesigen Berg Schulden. Gerade wächst ihr alles über den Kopf. Sie schwingt sich auf ihr Fahrrad und fährt einfach los, vorbei am neuen Gewerbegebiet, das gerade am Rande von Altbruck entsteht. In Gedanken ist sie weit weg, doch plötzlich sieht sie etwas, was nicht zu den Baumaterialien passt, die hier überall rumliegen: einen Totenschädel und weitere Menschenknochen.

Gina Angelucci, Kommissarin bei der Münchener Kripo, hat gerade ihre Elternzeit beendet, nun übernimmt ihr Mann und Kollege Tino Dühnfort den Job. Sie ist für sogenannte Cold Cases zuständig, Fälle also, die nie gelöst wurden. Ihr liegt dieser Job sehr am Herzen, möchte sie doch, dass auch diese Fälle irgendwann zu einem Abschluss kommen, möchte den Toten Namen geben und den Hinterbliebenen Gewissheit.

Doch die beiden Fälle, die sie mit ihrem Kollegen bearbeiten soll, interessieren sie nicht halb so viel, wie die Knochenfunde in Altbruck, einem Dorf in der Nähe von München. Der Staatsanwalt will ihr die Genehmigung zur Untersuchung zunächst nicht geben, schließlich liegen die Knochen – wie sich bei einer Untersuchung herausstellt - schon seit mehr als 70 Jahren dort, vermutlich irgendwelche Soldaten oder Deserteure aus dem 2. Weltkrieg. Die Gerichtsmedizin analysiert, dass die weibliche Tote aus dem Baltikum stammt, also wohl eine Fremdarbeiterin war, die in der Heeresmunitionsanstalt in Altbruck gearbeitet hat. Der männliche Tote hingegen ist Einheimischer gewesen. Wer waren die beiden? Was hatten sie miteinander zu tun? Wie sind sie umgekommen?

Gina Angelucci setzt alles daran, damit sie ermitteln darf. Schnell stellt sich heraus, dass der Tote Benedikt Anger, der Bruder von Lisbeth Anger, Ella Loibl`s Mutter ist. Doch der ist angeblich in Polen gefallen, hatte sich Halsüberkopf zur Wehrmacht gemeldet. Lisbeth Anger kann sogar einen amtlichen Brief vorlegen. Ist Bene nie in Polen gewesen? Wer hat dieses Dokument ausgestellt? Und was verschweigt die totkranke alte Toni Schattenhofer, deren Vater Hans während des Dritten Reichs eingefleischter Nazi und Bürgermeister von Altbruck war und dem Lisbeth Anger bis heute die Schuld am Tod ihres Bruders gibt. Doch bei ihren Recherchen muss Gina Angelucci feststellen, dass nicht jeder im Dorf daran interessiert ist, was damals wirklich geschah.

 


Verlag: Suhrkamp
ISBN: 978-3-518-46932-3
Preis: 14,95 €
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Marlborough Man

Alan Carter, Rezension von Kathrin Allkemper

Nick Chester war nicht immer der „Marlborough Man“, der in den Marlborough Sounds im Norden der Südinsel Neuseelands lebt. Doch hierhin, ans hinterste Ende der Welt, hat man ihn und seine Familie zu seinem eigenen Schutz geschickt. Zuvor hatte er sich in England undercover in eine üble Gang eingeschlichen und diese auch tatsächlich ans Messer geliefert. Doch Sammy, der Kopf der Bande, lässt seine brutalen Rachepläne selbst aus dem Gefängnis heraus ausführen. Sie suchen ihn- überall. Und wenn sie Nick finden, wird er es nicht überleben…

Doch noch lebt er und hat ein neues Leben als Polizist in einer kleinen Provinz Namens Havelock begonnen. Das Landleben hat allerdings auch seine Tücken und vor einflussreichen Politikern und rassistischen Beamten kuschen liegt Nick einfach nicht. Aber um unauffällig zu bleiben, akzeptiert er zunächst einiges, bis besagter Politiker das Gesetz selbst in die Hand nimmt, um seine Interessen durchzusetzen. Als dann noch ein unheimlicher Kinderfänger sein Unwesen treibt, ist es mit dem zurückgezogenen, sicheren Leben vorbei und mittlerweile scheinen ihn auch seine Verfolger aufgespürt zu haben. Nick hilft nur die Flucht nach vorne..

Von Anfang an sehr spannender, aus der Ich-Perspektive erzählter Thriller, der gerade an den Passagen, wo es um Nicks Zeit in der Gang geht, recht brutal ist.


Verlag: Heyne
ISBN: 978-3-453-43968-9  
Preis: 9,99 €
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Achtsam morden

Karsten Dusse, Rezension von Kathrin Allkemper

Björn Diemel ist Rechtsanwalt und arbeitet in einer großen Kanzlei, die unter anderem bei zwielichtigen Gestalten sehr angesehen ist. Er macht zahlreiche, sehr gut bezahlte Überstunden, um allen voran seinem Klienten Dragan dabei zu helfen, Geldwäsche, Steuerhinterziehung etc. einigermaßen legal hinzustellen. Auf den Punkt gebracht könnte man also sagen, dass er dort hauptsächlich angestellt ist, um einen der größten Kriminellen bei Laune zu halten, damit die Kanzlei und auch er selbst beste Gewinne erzielen. Seine Frau hasst ihn dafür, obwohl ihr natürlich das große Haus und der gehobene Lebensstandard nicht unangenehm sind. Aber sie wirft Björn vor, dass er nur noch für die Firma lebt und sich nicht genug um sie und die gemeinsame Tochter Emily kümmert. Kurzerhand meldet sie ihn bei einem Achtsamkeitsseminar an und macht unmissverständlich klar, dass eine Absage nicht zur Debatte steht.

Die anfängliche Skepsis weicht sehr schnell einer ganz anderen, äußerst pragmatischen Betrachtung und Handlungsweise, gerade in Bezug auf seinen Stress mit Dragan. Sein hitzköpfiger Mandant hat nämlich soeben den engsten Vertrauten des gegnerischen Clanoberhauptes auf sehr unschöne Art aus dem Leben gerissen. Björn soll dies nun wieder gerade rücken, aber eigentlich hat er das Wochenende für einen gemeinsamen Ausflug mit seiner Tochter geplant, um- ganz achtsam natürlich- an seiner Work-Life-Balance zu arbeiten. Das will er auch unter keinen Umständen verpassen. Und so befindet sich Dragan kurze Zeit später tot in Björns Kofferraum und nach einem äußerst entspannten Wochenende kehrt dieser nach Hause zurück, um es von nun an ganz achtsam mit seiner Frau, der Polizei und dem Rest des Clans aufzunehmen.

Ich habe dieses Buch in einem Rutsch gelesen und mich herrlich amüsiert. Eine durchaus spannende und nicht unblutige Krimihandlung kombiniert mit Anweisungen, wie man mehr Achtsamkeit in den Alltag einbauen kann.