Krimi


Verlag: Heyne
ISBN: 978-3-453-43879-8
Preis: 12,99 €
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Angstmörder

Lorenz Stassen, Rezension von Julia Jahns

Nicholas Meller, ein erfolgloser Anwalt aus Köln, zögert nicht lange, als sich die hübsche Nina um eine Stelle als Referendarin bei ihm bewirbt. Die junge Frau, die mit ihrer Behinderung, einer Fehlbildung ihres rechten Arms, so selbstbewusst und offen umgeht, beeindruckt ihn sofort. Schnell bekommen die beiden einen Auftrag. Wolfgang Rölscheid, ein ehemaliger Mandant Mellers, bittet um Rechtsbeistand. Die Sachlage ist eigentlich eindeutig: Rölscheid soll seine Frau ermordet haben. Sie wurde offensichtlich lebendig begraben, die Leiche wurde in einem Waldstück gefunden. Beim ersten Mal konnte Meller den Beschuldigten, der seine notorisch untreue Ehefrau verprügelt hatte, vor dem Gefängnis bewahren. Diesmal sprechen alle Beweise gegen ihn, doch Nina glaubt an Rölscheids Unschuld und drängt Meller, ihm zu helfen. Bei näherer Untersuchung des Tatortes findet sie erste Hinweise darauf, dass Rölscheid tatsächlich unschuldig sein könnte und der wahre Mord womöglich versucht hat, ihm die Tat anzuhängen. Doch je näher die beiden weiterforschen, umso mehr geraten sie ins Visier eines kaltblütigen Killers ...

Spannender Thriller um ein ungewöhnliches Ermittlerduo. Der Autor Lorenz Stassen hat zuvor als Drehbuchautor gearbeitet, unter anderem für die Serie "Alarm für Cobra 11" und legt nun seinen ersten Roman vor.


Verlag: Suhrkamp
ISBN: 978-3-518-46810-4
Preis: 15,95 €
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Crimson Lake

Candice Fox, Rezension von Kathrin Allkemper

Manchmal sind es nur wenige Minuten, die ein Leben komplett verändern können. Man ist einfach zur falschen Zeit am falschen Ort. So ergeht es auch Detective Ted Conkaffey. Hätte er die kleine Claire an einer Bushaltestelle nicht ganz arglos angesprochen und wäre das Mädchen nicht kurze Zeit später spurlos verschwunden gewesen, hätte er sein Zuhause wohl nicht verlassen und in die Kleinstadt Crimson Lake ziehen müssen. Vor kurzem lebte er noch mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter zusammen und war ein angesehener Cop. Jetzt wohnt er alleine in einem alten Haus und hat weder Besuchsrecht noch Job. Auch wenn die Anklage wegen Vergewaltigung der 13jährigen Claire aus Mangel an Beweisen fallen gelassen wurde, schlägt ihm überall der Hass entgegen, sobald man ihn erkennt. Niemand glaubt an seine Unschuld.

Seine Begegnung mit der durchgeknallten Amanda Pharrell macht es daher zunächst nicht einfacher. Auch ihr hat man ein Verbrechen angehängt und sie für den Mord an einer Mitschülerin ins Gefängnis gesteckt. Nach ihrer Haftentlassung hat sie eine Privatdetektei gegründet und ermittelt nun auf recht unkonventionelle Weise eigene Fälle. Als sie Ted einstellen will, sieht er nach anfänglichem Zögern eine Chance auf einen Neuanfang und steigt tatsächlich mit ein. Zwei Menschen, zwei Schicksale und ein gemeinsamer Kampf für Gerechtigkeit!

Candice Fox wurde hierzulande mit ihren Krimis Hades, Eden und Fall bekannt. Dieser neue Krimi ist davon unabhängig und der spannende Beginn einer neuen Reihe.

 


Verlag: Wunderlich
ISBN: 978-3-8052-0016-5
Preis: 19,95 €
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Fiona - Als ich tot war

Harry Bingham, Rezension von Bernhard Söthe

Cardiff, Wales: Fiona Griffiths, Detectiv Sergeant, liebt ihren Beruf. Man versucht, die Bösen zu schnappen  und ist meistens auf der Seite der Guten.  Die Polizeibehörde hat klare Regeln, klare Strukturen, die Fiona Griffiths helfen, mit ihren psychischen Problemen fertig zu werden. Sie ist wohl das, was man auf neudeutsch "Borderline-Persönlichkeit" nennt. Die Art ihrer psychischen Beeinträchtigung ist im Anhang des Buches genauer erklärt.

Fiona ist in ein neues Revier versetzt worden und weiß, dass sie als Neuzugang die eher unspektakulären Fälle zu bearbeiten hat, bis ihre neuen Vorgesetzten und Kollegen ihre Fähigkeiten einschätzen können. So ein eher "kleiner" Fall ist es, als Fiona betrügerische Manipulationen an Gehaltsabrechnungen in einem Möbelkaufhaus aufklären soll, eine typische Aufgabe für Berufsanfänger. Als aber ein dringend Tatverdächtiger brutal ermordet wird, wird klar, dass hinter dem vermeintlich kleinen Betrug etwas viel Größeres steckt und der Tote nur ein winziges Rädchen in einer viel größeren Verbrecherorganisation war, der gnadenlos ausgeschaltet wurde, als der raffinierte Betrug aufzufliegen drohte. Um an die Hintermänner der Organisation zu kommen, wird Fiona Griffiths alias Fiona Grey als Undercover-Agentin in einer ebenfalls von den Betrügereien betroffenen Firma eingeschleust. Die Ausbildung für Undercover-Einsätze gilt als härteste im ganzen Polizeidienst. Nur ein geringer Teil der Aspiranten hält bis zum Schluss durch. Fiona hat diesen Kurs mit Bravur absolviert und als Kursbeste abgeschnitten, ist also prädestiniert für ihre neue Aufgabe. Hinzu kommt, dass es ihr leicht fällt, in fremde Rollen zu schlüpfen. Nach einer Einarbeitungsphase als Buchhalterin in ihrer "neuen" Firma wird sie erwartungsgemäß von der Verbrecherorganisation mit Zuckerbrot und Peitsche rekrutiert, um bei den Betrügereien mitzumachen. Schnell stellt sich heraus, dass die Verbrecherorganisation international vernetzt ist und einen richtig großen Coup plant, um an die Gehaltskonten großer britischer Firmen zu kommen. Ziel von Fionas Undercover-Einsatz ist es, dass "Gehirn" hinter diesem Plan zu finden und nicht nur "Wasserträger" zu erwischen. Ein Katz- Und Maus-Spiel beginnt, bei dem lange nicht klar ist, wer Maus und wer Katze ist. Hochdramatisch bis zum Showdown. Aber man bleibt auch gerne am Ball, weil Fiona Griffiths alias Grey eine so interessante Protagonistin ist. In England sind bereits drei Krimis mit dieser Hauptperson erschienen, es wäre wünschenswert, wenn auch die anderen Bände übersetzt würden. 


Verlag: Ullstein
ISBN: 9783550081729
Preis: 24,00 €
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Durst

Jo Nesbo, Rezension von Karin Bucconi

Harry Hole ist zurück: trockener Alkoholiker, mit Narben auf der Seele und im Gesicht. Er arbeitet nicht mehr im Kriminalkommissariat sondern unterrichtet -schlecht bezahlt-den Nachwuchs an der Polizeihochschule in Oslo und ist seit 3 Jahren mit seiner großen Liebe Rakel verheiratet, die Oleg, ihren erwachsenen Sohn mit in die Ehe gebracht hat.

Ein Serienkiller ist unterwegs, und die Ermittler um Katrine Bratt treten auf der Stelle. Es werden Frauen ermordet, die sich über die Dating-App Tinder mit Männern treffen, und der Polzeipräsident, Mikael Bellmann, der sich zu Größerem berufen fühlt, will diesen Fall schnellstmöglich lösen. Er will, dass Hole sich einschaltet, und er setzt ihn damit unter Druck, dass er Olegs Vergangenheit kennt und ihm einen Strich durch seine beginnende Polizeikarriere zu machen droht. Als dann eine Kellnerin aus Harrys Stammlokal verschwindet, kehrt er zurück und  stellt ein kleines Team zusammen, das der leitenden Ermittlerin Katrine Bratt zuarbeiten soll.

Ganz schnell wird Hole klar, dass der Täter der einzige Serienmörder ist, den er nie zu fassen bekam. Er ist ein Vampirist, der seinen Opfern grausame Wunden zufügt und auch vor deren Blut nicht Halt macht. Neben den Morden geschehen seltsame Dinge, die ihn an den Menschen in seiner Umgebung zweifeln lassen... So gelangen z.B. Informationen an die Presse, die den inneren Kreis niemals verlassen sollten, und offensichtlich kämpft Harry auch dagegen, nicht in alte Gewohnheiten zurück zu verfallen. Letztlich gerät er in Lebensgefahr, und seinem Team ist nicht klar, ob er überlebt!

Spannung pur, manchmal fast ein bischen zu viel! 


Verlag: Carl's Books
ISBN: 9783570585658
Preis: 14,99 €
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Giftflut

Christian von Ditfurth, Rezension von Bernhard Söthe

Kommissar de Bodts dritter Fall, aber unabhängig von den Vorgängern zu lesen.

Kommissar des Bodt verlässt sich lieber auf seine Intuition als auf kleinteilige Polizeiarbeit, seine Kollegen, die mit ihm auf einer Wellenlänge sind, lieben ihn, besonders eine bestimmte Kollegin. Seine Vorgesetzten hassen ihn, obwohl oder auch weil de Bodt mit seinen ungewöhnlichen Methoden Erfolg hat. So hat er im zuletzt erschienenen Band der Reihe quasi im Alleingang der Bundeskanzlerin das Leben gerettet. Seitdem hat sie ein Auge auf ihm und seiner Karriere. Noch ein Grund mehr für die Herren der Chefetage, de Bodt aus tiefster Seele zu verabscheuen und ihn in die tiefste Hölle zu wünschen. Alle warten, dass de Bodt einmal mit seiner ganz persönlichen Methode scheitert, für den Fall sind die Messer schon gewetzt. Aber selbstverständlich wird de Bodt in die Soko geholt, die einen verheerenden Anschlag in Berlin aufklären soll. Die Oberbaumbrücke ist von Terroristen in die Luft gesprengt worden mit Hunderten von Todesopfern. Es gibt keine brauchbaren Hinweise auf die offensichtlich gut organisierten Täter. Nur Tage später werden in Paris eine Seine-Brücke und in London eine Themse-Brücke gesprengt. Als dann auch noch der Eurotunnel zwischen Frankreich und England gesprengt wird, ist klar, dass eine Organisation mit sehr viel Macht und noch mehr Geld dahinter steckt. Die Börsenkurse stürzen ins Bodenlose, rechtsradikale Parteien erhalten massiv Zulauf. Wer hat ein Interesse daran, Europa ins Chaos zu stürzen? Die nach Terroranschlägen üblichen Bekennerschreiben fehlen. Aber Kommissar de Bodt weiß, dass die Täter durch die Anschläge eine Botschaft übermitteln, aber welche? Hier ist de Bodts Intuition gefragt, aber er hat nicht nur eine, sondern mehrere Ideen, wer hinter den Anschlägen stecken könnte ...

Ein temporeicher Politthriller der Extraklasse mit vielen Bezügen zur politischen Gegenwart. Der Plot scheint zunächst etwas übertrieben, aber beim Lesen beschleicht einen der Gedanke: Was wäre eigentlich, wenn ...?


Verlag: Kiepenheuer und Witsch
ISBN: 9783462050424
Preis: 9,99 €
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In tiefen Schluchten

Anne Chaplet, Rezension von Bernhard Söthe

Das Genre des Lokalkrimis, Unterabteilung Frankreich-Krimis, boomt. Aber nicht alle sind wirklich lesenswert. Manchmal liegt es an der fehlenden Spannung/Plausibilität der Krimihandlung, manchmal am mangelnden oder falsch dargestellten Lokalkolorit. Anne Chaplet wird mit "In tiefen Schluchten" beiden Anforderungen gerecht.

Tori Gordon, Anfang 40, kürzlich verwitwet, hat von ihrem Mann, einem vermögenden Anwalt aus Frankfurt, ein malerisches Natursteinhaus am Rande eines pittoresken Dorfes in der wildromantischen Landschaft des Vivarais im Süden Frankreichs geerbt. Tori ist nicht die einzige Zugezogene, die attraktive Gegend hat so einige Ausländer bewogen, hier Haupt- oder Zweitwohnsitze zu kaufen. Naturbegeisterte Touristen kommen natürlich auch. Zugezogene, Touristen und Einheimische haben nicht viele Berührungspunkte und leben so nebeneinander her. Die Gegend ist altes Hugenottenland, immer wieder kam es in vergangenen Jahrhunderten zu Verfolgungen durch französische Könige, die nach einer kurzen Spanne der Toleranz keine andere Religion als die katholische in ihrem Land duldeten. Lange her, aber diese oft sehr blutigen Verfolgungen haben den Charakter der Nachfahren der Hugenotten, die gezwungen wurden, entweder zu konvertieren oder auszuwandern, nachhaltig geprägt. Touristen und Zugezogene werden höflich, aber durchaus distanziert behandelt. Tori hat es da etwas leichter, da die Familie ihres verstorbenen Mannes hugenottische Wurzeln hatte und aus dieser Gegend stammte. 

Als dann ein holländischer Tourist, der die zahlreichen Höhlen der Gegend erkunden wollte, spurlos verschwindet, interessiert das niemanden so recht, er wird dann wohl abgereist sein. Tori hat einen guten Draht zu einem der alten Männer des Dorfes, der sich gerne von ihr zu einem oder auch mehreren Gläschen Rotwein einladen lässt. Der Alte kommt dann in Plauderlaune und unterhält Tori mit Anekdoten aus der Geschichte des Dorfes. Manchem der Dorfbewohner gefällt das überhaupt nicht. Als der Alte eines Morgens tot am Fuß der Treppe zu seinem Weinkeller gefunden wird, heißt es bloß, dass er wohl ein Glas zu viel getrunken habe. Tori ist aber überzeugt, dass da jemand nachgeholfen hat, um den Alten am Reden zu hindern - und sie steckt mitten in einem Kriminalfall. Die Vergangenheit des Dorfes spielt darin eine große Rolle. In den Höhlen des Hinterlandes hatten sich zur Zeit der deutschen Besetzung während des Zweiten Weltkrieges Angehörige der Widerstandsbewegung gegen die Nazis, der Resistance, versteckt. Sie wurden verraten, und viele kamen ums Leben. Nach dem Ende des Krieges wurde blutige Rache an den Kollaborateuren genommen, und auch so manch andere offene Rechnung wurde bei dieser Gelegenheit präsentiert. Die angestammte Dorfbevölkerung ist der Meinung, dass man die Vergangenheit ruhen lassen sollte. Als jemand versucht, Toris Haus anzuzünden, wird es ernst ... 


Verlag: Kindler
ISBN: 9783463406909
Preis: 19,95 €
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Ein irischer Dorfpolizist

Graham Norton, Rezension von Bernhard Söthe

Sergeant Collins ist aus der irischen Großstadt Cork aufs platte Land versetzt worden. Seine Kollegen, die nicht länger mit ihm zusammenarbeiten wollten, haben dafür gesorgt. Sergeant Collins ist nicht dick, er ist fett, entsprechend schlecht seine Kondition. Aber in dem Dorf Duneen, wo er als einziger Beamter die örtliche Polizeistation betreut, passiert sowieso nichts, also spielt es auch keine Rolle, dass der Sergeant die mäßig steile Dorfstraße nur keuchend bewältigt. Mit der vermeintlich idyllischen Ruhe im Dorf ist es aber vorbei, als bei Ausschachtungsarbeiten für ein neues Wohngebiet ein Skelett freigelegt wird. Die Gerüchteküche im Dorf beginnt zu brodeln. Der Tote kann nur Tommy Burke sein. Ein junger Mann, der vor 20 Jahren spurlos verschwunden ist. Der gutaussehende Farmerssohn war damals der Schwarm aller Mädels des Dorfes. Ausgerechnet am Tag seines Verschwindens haben sich zwei junge Frauen, die um Tommy Burkes Gunst wetteiferten, aus Eifersucht auf offener Straße geprügelt. Eine der alten Quatschtanten des Dorfes will gesehen haben, dass Tommy Burke an diesem Abend in den Bus nach Cork gestiegen ist. Seitdem keine Spur, kein Lebenszeichen mehr von ihm. Und jetzt der Fund des Skeletts - hat Tommy Burke das Dorf nie verlassen? Die beiden Frauen, die sich so spektakulär um ihn geprügelt haben, leben immer noch im Dorf. Die eine hat nie geheiratet, lebt zusammen mit zwei ebenfalls ledigen Schwestern. Sie gilt im Dorf als Außenseiterin und etwas wunderlich. Ihre damalige Kontrahentin ist unglücklich verheiratet und tröstet sich mit Alkohol.

Der Fall des gefundenen Skeletts übersteigt die Kompetenz des Dorfpolizisten. Aus Cork wird ein höherrangiger Kriminalbeamter geschickt, der die Ermittlungen leiten soll. Sergeant Collins und der Kollege aus Cork sind sich auf der ersten Blick unsympathisch. Der Beamte aus Cork hält Collins für einen unfähigen Dorfdeppen, der wiederum hält diesen für einen arroganten Stadtschnösel. Beide haben unrecht. Als der Fall noch einige überraschende Wendungen nimmt, müssen die beiden, die sich vorher so weit wie möglich aus dem Weg gingen, sich zusammenraufen, was auch ganz gut gelingt. Höhepunkt der Zusammenarbeit ist natürlich der in Irland obligatorische Besuch eines Pubs.

Ein lesenswerter Krimi nicht nur für Irland-Fans. Überzeugende Milieu- und Charakterschilderungen. Kein Wunder, dass dieser Krimi monatelang die irische Bestsellerliste angeführt hat. 


Verlag: Atrium
ISBN: 9783855350162
Preis: 20,00 €
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Der Nebelmann

Donato Carrisi, Rezension von Bernhard Söthe

Ein abgelegenes, tiefverschneites Dorf auf der italienischen Seite der Alpen. Im winterlichten Zwielicht taucht ein offensichtlich verwirrter Mann mit blutbefleckter Kleidung auf. Es ist Kriminalkommissar Vogel, ein Sonderermittler aus Rom, der vor einigen Wochen in das Dorf entsandt wurde, um die örtliche Polizei bei den Ermittlungen im Fall einer spurlos verschwundenen Schülerin zu unterstützen.

Kommissar Vogel stammelt Unzusammenhängendes, und das Blut an der Kleidung ist nicht sein eigenes ...

Das Dorf, in dem die Vorfälle passiert sind, hat eine interessante Geschichte. Es war ein Dorf wie dutzend andere in diesen Ausläufern der Alpen. Die Bevölkerung musste hart arbeiten, um durchzukommen, viele fahren als Pendler in die nächsten größeren Orte, um dort ihr Geld zu verdienen. Bis ausgerechnet im Untergrund dieses Dorfes seltene Metalle gefunden werden, die eine Bergbaugesellschaft in großem Stil abbauen will. Die dafür benötigten Grundstücke werden den glücklichen Besitzern für sehr viel Geld abgekauft. Der unverhoffte Reichtum ist manchen Dorfbewohnern zu Kopf gestiegen, und vor protzig ausgebauten Häusern stehen Porsches. Die weniger glücklichen Dörfler, die keine geeigneten Grundstücke zu verkaufen haben, fühlen sich noch ärmer als zuvor. Ein Riss geht durch die Dorfgemeinschaft. Ausgerechnet in diesem von Großmannssucht und Neid gespalteten Umfeld verschwindet eine 14jährige Schülerin spurlos. Die Familie des Mädchens gehört zum ärmeren Teil der Bevölkerung. Eine heile, völlig intakte Familie, über die diese Katastrophe hereinbricht. Alle Suchaktionen bleiben erfolglos. Die Verschwundene ist ein liebenswertes, junges Mädchen, das sich begeistert in der Jugendarbeit der katholischen Kirchengemeinde engagiert hat. Es gibt keine düsteren Geheimnisse in ihrem jungen Leben. Dass sie ausgerissen sein könnte, steht außer Frage, man muss von einem Verbrechen ausgehen. Die Polizeikräfte  werden durch den Sonderermittler Vogel aus Rom ergänzt. Die Zusammenarbeit klappt überhaupt nicht. Vogel ist ein sehr eigenwilliger Typ, der nur im dreiteiligen Anzug mit feinem Oberhemd, Krawatte und passendem Anstecktuch auftritt, allein dies macht ihn im Kreise seiner eher rustikalen Kollegen unbeliebt. Er ist auch wegen seiner sehr speziellen Ermittlungsmethoden berüchtigt. In einem Fall konnte er einen Mörder ermitteln, aber es fehlte der letzte Beweis, um ihn dingfest zu machen. Kurzerhand fälschte Vogel diesen Beweis, was auffiel und einen Karriereknick zur Folge hatte. Hier in diesem Bergdorf ist er quasi auf Bewährung, und er setzt alles daran, seine Reputation wieder herzustellen, ob auf legalen oder illegalen Wegen, ist ihm egal.

Ein origineller Krimi, ganz abseits von den üblichen Krimischnittmustern, der in Italien lange auf der Bestsellerliste stand. 


Verlag: Goldmann
ISBN: 9783442313914
Preis: 20,00 €
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Stimme der Toten

Elisabeth Herrmann, Rezension von Bernhard Söthe

Judith Kepler, eine Frau mit vielen Problemen, die aus ihrer dramatischen Kindheit und Jugend resultieren, arbeitet in Berlin bei einer der großen Reinigungsfirmen. Behörden, Schulen, Krankenhäuser, Firmenbüros müssen geputzt werden. Judith Kepler ist kürzlich zur Schichtleiterin befördert worden. Ihr Chef, ein alt gewordener Ex- 68er hat auch Tatortreinigung in der Angebotspalette seiner Firma. Für solche emotional belastenden Arbeiten setzt er gerne die immer cool und abgebrüht wirkende Judith Kepler ein.

Also ein ganz normaler Auftrag, als Judith Kepler von ihrem Chef in eine international tätige Bank geschickt wird, wo sich nachts ein Mann zu Tode gestürzt hat. Routiniert macht sie sich ans Werk. Die Leiche ist abtransportiert, die Polizei, die zu diesem ungeklärten Todesfall gerufen wurde, ist abgerückt. Judith Kepler hat ihre Arbeit fast beendet, als sie in einem nahe gelegenen Waschraum an der Unterseite eines Waschbeckens eine von der Polizei übersehene Blutspur entdeckt. Da der zu Tode gestürzte Mann, ein Mitglied der Geschäftsleitung der Bank, sich schwerlich noch als Toter in den Waschraum schleppen konnte, muss in der Nacht, als der Bankmanager ums Leben kam, noch jemand in der Bank gewesen sein.

Aus dem Unfallort wird unversehens ein Tatort. Als Judith Kepler die Polizei benachrichtigt, dass die Spurensicherung nochmal anrücken muss, ahnt sie nicht, welchen Wirbel sie damit auslöst. Bastide Larcan, ein undurchsichtiger Waffenhändler mit Kontakten zu östlichen und westlichen Geheimdiensten, macht sich an Judith Kepler heran und erpresst sie mit Geschichten aus ihrer Vergangenheit, über die er erschreckend gut Bescheid weiß. Sie soll in der Bank, in der der tote Bankmanager gefunden wurde, nach genauen Anweisungen die Computer so manipulieren, um Hackerangriffe von außen auf die extrem gesicherten Computerprogramme, über die riesige Geldsummen weltweit bewegt werden, zu ermöglichen. Judith Kepler lässt sich auf ein gefährliches Doppelspiel ein ...

Auch privat hat sie eine Menge Probleme. In der heruntergekommenen Plattenbausiedlung, in der sie lebt, ist ihr häufiger ein kleines, pummeliges, offensichtlich vernachlässigtes Mädchen aufgefallen, die sich oft alleine auf den Straßen der Siedlung herumtreibt. Als sie dieses Mädchen eines Nachts weinend auf der Bank einer Bushaltestelle findet, spricht Judith Kepler sie an. Das Mädchen erzählt, ihre Mama ließe sie nicht in die Wohnung. Judith Kepler, die kein Problem mit verschlossenen Türen hat, findet die Mutter des Mädchens tot vor. Die offensichtlich Drogensüchtige hat sich den goldenen Schuss gesetzt. Das Mädchen landet in einer Notaufnahmestelle der Berliner Jugendhilfe. Judith Kepler hat zuvor von ihr erfahren, dass es auch einen Papa gibt, der in einem Dorf in Brandenburg lebt. Das kleine hilflose Mädchen geht ihr nicht aus dem Sinn, da sie weiß, dass der kleine Dienstweg manchmal der schnellere ist, macht sie sich selbst auf den Weg, um den Vater des Kindes zu finden und landet in einem Dorf von Neonazis ...

Geschickt versteht es die Autorin, die verschiedenen Handlungsstränge zu einem überaus spannenden Gesamtbild zu verbinden. Es ist der zweite Krimi von Elisabeth Herrmann um die ungewöhnliche Tatort-Cleanerin. Ihre Vergangenheit ist Thema des ersten Bandes der Judith-Kepler-Reihe "Zeugin der Toten". Diese Vergangenheit spielt auch in dem neuen Buch eine größere Rolle, es lässt sich aber auch ohne Probleme unabhängig von Band 1 lesen, da Elisabeth Herrmann alle Register ihres Könnens zieht, um diese Vorgeschichte auch in ihr neues Buch zu integrieren. Aber die Gestalt der Judith Kepler ist so interessant, dass sich auch die Lektüre des ersten Bandes lohnt!


Verlag: Bastei-Lübbe
ISBN: 9783404176588
Preis: 10,00 €
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Der Präsident

Sam Bourne, Rezension von Karin Bucconi

Es würde nicht viel Sinn machen, etwas ausführlicher über diesen Thriller zu schreiben. Man muss ihn lesen. Nur so viel: ich musste stellenweise innehalten und eine Lesepause einlegen, weil Fiktion (Roman) und Wirklichkeit (tägliches Politikgeschehen) so nah beieinander liegen.

Zum Inhalt:

Ein unberechenbarer Demagoge und Narziss wird Prädident der USA. Er ist erst kurz an der Macht, als eine Auseinandersetzung mit Nordkorea aus dem Ruder läuft. Er ist dermaßen außer sich, dass er beinahe einen Atomschlag anordnet. Ziele sind Nordkorea und China. Wenn niemand ihn stoppt, steht der Menschheit der dritte Weltkrieg bevor.

Aber- im Hintergrund bahnt sich eine "Verschwörung" an, und eine Mitarbeiterin des Weißen Hauses findet heraus, dass ein Attentat auf den Präsidenten kurz bevorsteht. Was ist nun wichtiger? Das Attentat verhindern oder die Welt retten?

Lesen Sie selbst! Es ist ungewöhnlich spannend!

 


Verlag: Blanvalet
ISBN: 9783734104442
Preis: 9,99 €
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Die Verlassene

Mary Torjussen, Rezension von Bernhard Söthe

Hannah, Anfang 30, ist berufliche Aufsteigerin in einer renommierten Wirtschaftsprüferkanzlei in Liverpool. Auch privat läuft scheinbar alles bestens. Seit 4 Jahren ist sie mit Matt, einem Architekten, liiert. Er ist mit Sack und Pack in Hannahs Haus gezogen, und Hannah glaubt an eine rosige gemeinsame Zukunft. Umso größer ist der Schock, als sie nach einem Wochenendseminar nach Hause kommt und feststellen muss, dass Matt unter Mitnahme aller seiner Habseligkeiten ausgezogen ist. Einfach so, ohne eine Nachricht zu hinterlassen. Alle Kontaktdaten auf Hannahs Handy sind gelöscht, alle E-Mails, die sie jemals mit Matt gewechselt hat, sind von ihrem Rechner verschwunden. Seinen Job in einem Architektenbüro hat er schon vor Wochen gekündigt.

Hannah fällt aus allen Wolken und will natürlich wissen, was eigentlich der Grund für Matts Verschwinden ist.

Mit geradezu detektivischem Scharfsinn macht sie sich auf die Suche nach Matt. Dass sie darüber ihre Arbeit vernachlässigt, macht ihren Chef nicht glücklich, und auch Hannahs Freundeskreis findet ihre obsessive Suche zunehmend befremdlich …

Ein Psychothriller, der behutsam anfängt, aber schnell einen Sog entwickelt, dem man sich als Leser nicht entziehen kann. Dieser Krimi endet mit einer absolut nicht vorhersehbaren Überraschung.


Verlag: Goldmann
ISBN: 9783442205356
Preis: 12,99 €
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Die Moortochter

Karen Dionne, Rezension von Jutta Pollmann

Helena Pelletier muss sich beeilen. Gleich steht der Schulbus vor ihrer Tür und bringt ihre Tochter Iris nach Hause, und die mag es gar nicht, wenn Helena dann nicht da ist. Aber Helena fällt es immer noch schwer, in Stunden oder Minuten zu denken. Ihre Kindheit hat sie mit ihren Eltern im Moor verbracht und da war die Uhrzeit egal, dort dachte man in Jahreszeiten. Doch jetzt muss sie sich wirklich beeilen, sie fährt schnell und noch schneller, als im Radio die Warnmeldung durchgegeben wird, dass ein Häftling entflohen ist, ein ganz besonderer Häftling, ein gefährlicher Mörder, Kindesentführer, und Vergewaltiger: Jacob Holbrook, ihr Vater.

Sie hat ihren Vater geliebt, ihren Vater, der ihr alles beigebracht hat: das Schießen, das Jagen, das Fährten-suchen, wie man mit einem Messer umgeht, wie man eine Waffe benutzt und wie man sich im Moor zurechtfindet. Doch dann ist sie durch einen Zufall dahinter gekommen, dass ihre Mutter nicht freiwillig hier im Moor lebt, dass ihr Vater sie als junges Mädchen entführt, vergewaltigt und hier festgehalten hat.

Helena und ihre Mutter können schließlich irgendwann aus dem Moor fliehen, Jacob Holbrook kommt ins Gefängnis. Sie baut sich unter neuem Namen ein neues Leben auf, heiratet, bekommt zwei Kinder, aber weder ihr Mann, noch ihre Kinder kennen ihre Vergangenheit, und jetzt ist ihr Vater aus dem Gefängnis ausgebrochen, und er wird sie suchen, die Frau, die ihn ins Gefängnis gebracht hat. Die Polizei sucht den Entflohenen in der ganzen Gegend, doch Helena weiß, dass die Männer keine Chance haben, den "Moorkönig" zu finden. Keiner kennt sich im Moor so gut aus, wie Jacob Holbrook, keiner, außer Helena...

 

Ein überaus spannender Thriller mit Gänsehautfeeling!

 


Verlag: Penguin
ISBN: 978-3328101512
Preis: 10,00 €
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Targa- Der Moment, bevor Du stirbst

B:C. Schiller, Rezension von Karin Bucconi

Targa Hendricks arbeitet als verdeckte Ermittlerin für eine Sondereinheit des BKA. Targa wurde als Baby in einer eiskalten Winternacht gemeinsam mit ihrer Zwillingsschwester ausgesetzt. Ihre Mutter hat sich danach umgebracht, und das Trauma verfolgt Targa noch heute. Sie lebt allein mit ihrem Hund in einem alten VW-Bus auf einem Campingplatz.  Sie ist eine Außenseiterin: ohne Liebesbeziehung, ohne Freunde. Sie hat nichts zu verlieren.
Sie ist eine furchtlose Frau und deshalb so gut im Beruf. Zu ihren Aufgaben gehört es, Serienkiller auf frischer Tat zu erwischen. Sie hat nur zwei Möglichkeiten:  sich einem Mörder ausliefern – oder ihn überzeugen, dass sie aus dem gleichen Holz geschnitzt ist.

Falk Sandman ist Dozent an einer Business School.  Gut aussehend, charismatisch, clever und besessen von den letzten Worten sterbender Frauen,  seiner Opfer. Eines Tages trifft er auf eine (Targa),  die sich für seine dunkle Seite interessiert. Sie will von ihm lernen, und mit ihm töten. Anfangs skeptisch, vertraut Sandmann ihr allmählich. Ihn begeistert ihre offensichtliche Gefühlskälte. Ist sie endlich die Partnerin, nach der er sich lange schon sehnt?

Ein gefährliches Spiel beginnt.
Wer wird es für sich entscheiden?

Ein spannender Krimi, aber nichts für Klaustrophobiker. Ich habe das eine oder andere Mal wirklich geschluckt und die Angst der Frauen nachvollziehen können, denen er auf besondere Weise die Luft zum Atmen nimmt.
 

 
T

Verlag: Europa
ISBN: 9783958901254
Preis: 17,90 €
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Das Verschwinden der Adele Bedeau

Graeme Macrae Burnet, Rezension von Kathrin Allkemper

Manfred Baumann ist ein Eigenbrötler. Der 36jährige Bankdirektor speist täglich im selben Lokal, je nach Tag sogar das selbe Gericht. In regelmäßigen Abständen fährt er nach Straßburg, um sich dort im stets gleichen Club mit leichten Mädchen zu vergnügen, wobei auch das genauso verkrampft abläuft wie der Rest seines Junggesellenlebens.

Adele Bedeau ist Kellnerin in Manfreds Stammlokal und der Inhalt seiner Träume. Sie ist jung und hübsch....und eines Tages spurlos verschwunden. Die Polizei taucht auf und natürlich wird auch der kauzige Dauergast von Kommissar Gorski befragt. Prompt verstrickt Manfred sich in nervöses Gefasel, weil er nicht zugeben will, dass er Adele am Abend ihres Verschwindens noch gesehen hat. Zu groß ist seine Angst, jemand könnte sein lang gehütetes Geheimnis ans Licht bringen....

Dieses spannende Psychogramm eines Außenseiters ist vor allem für Leser von unblutigen Kriminalromanen bestens geeignet !


Verlag: Heyne
ISBN: 9783453421738
Preis: 9,99 €
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Ein angesehener Mann

Abir Mukherjee, Rezension von Bernhard Söthe

 

 

Kalkutta 1919: Captain Sam Wyndham hat vor dem 1. Weltkrieg als Ermittler bei Scotland Yard gearbeitet. Im Krieg, der damals noch nicht 1. Weltkrieg, sondern - bevor die Kriege durchnummeriert wurden - einfach der große Krieg hieß, war Wyndham an der Front in Frankreich, wo er schwer traumatisiert die grausamen Schlachten um die Ardennen überlebte.

Nach Ende des Krieges und seiner körperlichen Wiederherstellung wird Captain Wyndham zur Polizeibehörde nach Kalkutta, der Hauptstadt der englischen Kolonie Bengalen in Indien versetzt. Die ungewohnte Umgebung, das heiße Klima und die seltsamen Bräuche der britischen Kolonialgesellschaft machen ihm die Eingewöhnung schwer. Noch keine zwei Wochen in Indien hat er schon seinen ersten Kriminalfall auf dem Schreibtisch. Einen Mord. In „Black Town“, dem riesigen unübersichtlichen Teil Kalkuttas, in dem die indische Bevölkerung lebt, wird die Leiche eines hochrangigen britischen Kolonialoffiziers gefunden, der Assistent des Gouverneurs von Bengalen. Über diesem sitzt nur noch der Vizekönig in Delhi. Also ein Mord in allerhöchsten Kreisen. Besonders peinlich, dass die Leiche vor einem Bordell gefunden wurde. Natürlich hat niemand etwas gesehen. Ein Anschlag auf einen Repräsentanten des verhassten Kolonialsystems? Oder hat der Mord doch einen privaten Hintergrund? Es stellt sich heraus, dass der vermeintliche Gentleman bis auf die Knochen korrupt war und sich so erpressbar gemacht hat. Als sich der Geheimdienst des englischen Militärs einmischt, wird der Fall noch undurchsichtiger.

Captain Wyndham hat sich nach seiner schweren Verletzung im Krieg an den Gebrauch von Opiaten gewöhnt. Hier in Indien ist der Zugang zu Drogen relativ einfach. In den indischen Vierteln der Städte weiß jeder, wo die meist von Chinesen betriebenen Opiumhöhlen sind. Captain Wyndham, der seine Sucht meist gut unter Kontrolle hat, kann aber ab und zu der Versuchung nicht widerstehen, und ausgerechnet in einer Opiumhöhle bekommt er den entscheidenden Hinweis zur Lösung des Falles.

Ein origineller, historischer Krimi der den Leser in eine exotische, heutzutage versunkene Welt entführt.

Die Familie des Autoren stammt aus Kalkutta. Abiv Mukkerjee lebt heute in London und schreibt am 2. Band mit Captain Wyndham als Hauptperson.

 


Verlag: blanvalet
ISBN: 9783764505875
Preis: 14,99 €
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Der Hirte

Ingar Johnsrud, Rezension von Jutta Pollmann

Kari Lise Wetre, stellvertretende Vorsitzende der Kristelig Folkeparti, hat die Polizei alamiert. Seit über einem halben Jahr hat sie nichts mehr von ihrer Tochter gehört und gesehen. Mit ihrem Sohn lebt die junge Frau auf Solro, einem alten Hof vor den Toren Oslos in einer christlichen Sekte mit dem Namen „Gottes Licht“. Wetre macht der Polizei schwere Vorwürfe, weil die nicht schneller reagiert hat.

Kurze Zeit später werden Kommissar Frederik Beier und Oberkommissar Andreas Figueras nach Solro gerufen. Fünf Männer sind bestialisch ermordet worden, von den restlichen Mitgliedern der Sekte fehlt jede Spur.

Bei der Untersuchung des Hofes, finden die Techniker unter einem der Gebäude ein perfekt eingerichtetes Labor.

Was wurde hier erforscht? Hat man hier vielleicht Drogen hergestellt? Überhaupt, wovon hat die Sekte gelebt? Sicher, einige Mitglieder, so auch die Tochter der Politikerin Wetre, haben ihr Vermögen der Gemeinschaft überschrieben, aber die Umbauten am Hof, die Überwachungsanlage wie bei einem Hochsicherheitstrakt, alles das war kostspielig.

Die Polizei steht vor einem Rätsel. Da bei einem der Opfer ein Schal mit arabischem Text versehen gefunden wird, vermutet man zuerst einen islam - terroristischen Hintergrund. Die Kommissare Beier und Figueras bekommen, sehr zu ihrem Unmut, Iqbal Kafa, Expertin für islamischen Fundamentalismus und Terrorismus aus dem Innenministerium an die Seite gestellt.

Doch schon bald wird klar, dass diese Spur die Ermittler nur in die Irre führen sollte. Mehr und mehr wird eine Spur deutlicher, die in die Vergangenheit, in die 30er und 40er Jahre des 20. Jahrhunderts führt, zur Wiener Gesellschaft für Rassenpflege und deren Mitglieder und einem Plan, der nun umgesetzt werden soll.

 

Ein absolut spannender Thriller, der einen von der ersten Seite an packt. Tolle Charaktere, spannende Geschichte, kann man nicht zur Seite legen.

 


Verlag: Carl`s Books
ISBN: 9783570585610
Preis: 14,99 €
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Kommando Abstellgleis

Sophie Hénaff, Rezension von Bernhard Söthe

Anne Capestan, Kommissarin bei der Pariser Kripo, ist vom Dienst suspendiert worden. Sie hat einen Kindesentführer bei der Festnahme erschossen. Hart am Rande der Legalität wird der Vorfall als Notwehr eingestuft und macht die eigenwillige Kommissarin, die schon häufiger wegen mangelnder Impulskontrolle im Dienst aufgefallen ist, in der Chefetage nicht gerade beliebter. Fast zeitgleich mit der Suspendierung hat Anne Capestans Mann sie verlassen. An das Alleinsein glaubt sie sich gewöhnen zu können, nicht aber daran, ohne ihren Beruf, den sie gerne und - wie sie glaubt - gut ausgeübt hat, ein sinnvolles Leben führen zu können. So ist sie zunächst erleichtert, als sie zu ihrem Chef vorgeladen wird, der eine neue Aufgabe für sie hat. Anne Capestan soll eine neu zusammengestellte Brigade der Kripo leiten, die sich um alte, nicht aufgeklärte Kriminalfälle kümmern soll. So weit, so gut, aber die unerwartete Beförderung hat natürlich einen Haken. Die Mitglieder der neuen Brigade sind die gesammelten Loser der Polizeibehörde. Faulenzer, Größenwahnsinnige, Dummschwätzer, Alkoholiker, Spielsüchtige, Arbeitsverweigerer, mit denen niemand mehr zusammen arbeiten will. Der Chef hat Anne Capestan sozusagen einen Strauß schönster Neurosen zusammen gestellt.

Die Büroräume der neuen Brigade sind weit weg vom Hauptgebäude der Kripo, die Einrichtung ist sperrmüllreif, die zur Verfügung gestellten Arbeitsmaterialien vorsintfluchtlich. Die Brigade hat nominell 40 Mitarbeiter, von denen immerhin eine große Handvoll bereit ist, das zu tun, wofür sie bezahlt werden: Verbrecher zu jagen, was aber keiner der Vorgesetzten ernsthaft erwartet. Staatsangestellte sind in Frankreich unkündbar, und die auf das Abstellgleis geschobenen Loser sollen wenigstens kein Sand im Getriebe des normalen Kripoalltags sein. Aber Kommissarin Capestan schafft es, aus diesem Häuflein von Versagern und Soziopathen eine Crew zu schweißen, die ihre Arbeit unkonventionell, aber überraschend erfolgreich erledigt.

Ein origineller Krimi, vergnüglich zu lesen, viel Situationskomik wegen der ungewöhnlichen Hauptpersonen, aber mit ernstzunehmendem Krimiplot. Auch für Frankreich-/ Paris-Liebhaber bestens geeignet. Im Herbst erscheint Teil 2. Ich freu mich drauf.


Verlag: Suhrkamp
ISBN: 9783518467701
Preis: 10,00 €
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Endgültig

Andreas Pflüger, Rezension von Daniela Maifrini

 

Was ich nicht gerne mag, sind Bücher die in der Gegenwart geschrieben sind. Als ich mir für den Urlaub den Thriller Endgültig eingepackt habe, ist mir dieses Detail aber glücklicherweise durchgerutscht, sonst hätte ich mich eines unerhörten Lesevergnügens beraubt!

Was mich angesprochen hatte, war die Tatsache, dass die Hauptperson im Buch, Jenny Aaron, eine Elitepolizistin ist, die im Einsatz so verletzt wurde, dass sie blind ist. Dennoch ist sie nach wie vor im Polizeidienst, mittlerweile als Verhörspezialistin beim BKA in Wiesbaden. Eine ungewöhnliche Ausgangssituation!

Jenny Aaron hat vor ihrer Verletzung in Berlin gearbeitet und etliche Auslandseinsätze absolviert. Dabei hatte es einen Auftrag in Barcelona gegeben, bei dem sich furchtbare Dinge ereignet haben, Stück für Stück erfahren wir Details.

Mit diesen Ereignissen hat auch der Fall zu tun, der Aaron (Vornamen sind nicht gebräuchlich in diesen Kreisen!) zurück zu ihrer alten Einheit führt: einer ihrer früheren „Kunden“, ein Häftling in der JVA Tegel, hat mutmaßlich seine junge Gefängnispsychologin umgebracht und sie soll ihn vernehmen, da die Kollegen nicht weiterkommen. Schnell wird ihr der Zusammenhang mit ihrer eigenen Vergangenheit klar und sie gerät in den Einfluss ihres schlimmsten Feindes, des einzigen Kriminellen, der wie sie nach den Regeln der Samurai lebt und ihr ebenbürtig ist.

Ich bin ehrlich: der Schreibstil ist für einen Thriller extrem anspruchsvoll, man muss sich kurz einfinden. Aber dann kommen die ersten Handlungsstränge, die einfach so mitreißend sind, dass man sich dem Buch nicht mehr entziehen kann. Und man gewöhnt sich an die Sprache, da sie die einzig logische Möglichkeit ist, die knallharte Handlung glaubhaft zu schildern.

In dem Buch werden akribisch recherchierte Sachverhalte wiedergegeben, die sich mit den Fähigkeiten von spät Erblindeten und deren Möglichkeiten beschäftigen - hochinteressant und für mich komplettes Neuland!

Das eigentlich Großartige ist aber die präzise Schilderung der handelnden Akteure. Wir bewegen uns innerhalb einer Polizei-Eliteeinheit, wir lernen einen Haufen echt harter Männer und zwei harte Frauen kennen, die allesamt vor lauter Testosteron strotzen. Dennoch ist Andreas Pflüger eine glaubhafte und detaillierte Schilderung der einzelnen Charaktere und der Teamstruktur gelungen, da findet man keine einzige flache Figur. Es gibt zum Besipiel eine Teamleiterin, die im Laufe des Buches eine so großartige Entwicklung durchmacht, dass man sich - Entschuldigung, Herr Söthe! - so eine Chefin wünscht. Und einer der ältesten Freunde Aarons bei der Einheit ist so tough und gleichzeitig so feinfühlig, dass sich so mancher Action-Hero eine Scheibe davon abschneiden könnte.

Schnell, anspruchsvoll, hoch spannend und sehr wendungsreich - unbedingt lesen!

 


Verlag: Fischer
ISBN: 978-3-596-29599-9
Preis: 14,99 €
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Die Überfahrt

Mats Strandberg, Rezension von Kathrin Allkemper

Wer an Bord der schwedischen Ostseefähre „Baltic Charisma“ eincheckt, der hat vor allem eine Sache im Sinn : Party machen und eine Pause vom Alltag einlegen! Auf dem Meer zwischen Stockholm und der Südküste Finnlands werden gerne Junggesellenabschiede gefeiert, da der Alkohol weniger kostet als auf dem Festland. Dementsprechend fließt der Sprit auch bei dieser Überfahrt in Strömen. Daher bemerkt zunächst niemand die beiden verhüllten Gestalten, die sich kurz vor dem Ablegen noch an Bord schleichen: eine Mutter mit ihrem 5jährigen Sohn. Zumindest sieht er auf den ersten Blick aus, als wäre er einfach nur ein kleiner Junge.....

Sobald das Schiff auf dem Wasser ist, geht die Party los. Zwei Freundinnen wollen einfach mal wieder eine Nacht durchfeiern, eine einsame Frau sucht Anschluss und landet ziemlich schnell mit einem völlig Fremden im Bett, ein junger Mann plant einen Heiratsantrag an Bord und die feuchtfröhliche Junggesellenbande mischt die Bar ordentlich auf. Kurzum, man lernt sich untereinander kennen und der Alkohol lockert Zunge und Gemüter. Nur die beiden merkwürdigen Passagiere verstecken sich zunächst in ihrer Kabine. Dem Jungen geht es sehr schlecht. Also macht sich seine Mutter auf die Suche nach dem einzigen Mittel, das ihm helfen wird: Blut! Allerdings dauert es dem Jungen zu lange, so dass er es selbst versucht. Als er einen der betrunkenen Junggesellen in seine Kabine lockt, ahnt dieser nicht, dass er nur das erste von zahlreichen Opfern sein wird. Und spätestens da weiß man, wieso auf dem Buchcover der Aufkleber „Der schwedische Stephen King“ pappt.

Spannende Unterhaltung mit Gruselfaktor:-)

 


Verlag: Fischer
ISBN: 978-3-596-03553-3
Preis: 9,99 €
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Die Brut - Sie sind da

Ezekiel Boone, Rezension von Bernhard Söthe

Am Amazonas stirbt eine Wandergruppe, kurz zuvor war ein merkwürdiges Summgeräusch zu hören. In China wird eine Atombombe gezündet, angeblich versehentlich.

In Minneapolis stürzt der luxuriöse Privatjet des Milliardärs Henderson ab. Aus seiner völlig verkohlten Leiche krabbelt eine ungewöhnlich große schwarze Spinne. Henderson war auf dem Rückflug von einem Abenteuerurlaub am Amazonas.

In Washington erhält die Biologin Melanie Guyer eine seltsame Kugel, offensichtlich uralt, scheinbar versteinert, ausgegraben auf dem Gelände der mysteriösem Nazca-Linien in Peru. Aber irgendetwas lebt in dieser Kugel. Aus verschiedenen Ländern kommen beunruhigende Nachrichten über das Auftreten von gewaltigen Mengen schwarzer Spinnen, und diese Spinnen sind gefräßig. Die amerikanische Präsidentin ruft den Notstand aus.

Definitiv kein Buch für Spinnenphobiker. Schon beim Lesen kribbelt es mal hier und es juckt mal da ...


Verlag: Heyne
ISBN: 9783453438729
Preis: 9,99 €
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Die Gewalt der Dunkelheit

Michael Koryta, Rezension von Kathrin Allkemper

Mark Novak ist Ermittler bei „Innocence Incorporated“. Zusammen mit seiner Frau kümmert er sich um Menschen, die mit großer Wahrscheinlichkeit zu Unrecht in der Todeszelle sitzen. Bei einem Einsatz wird seine Frau erschossen und da man Mark von den Ermittlungen fernhalten will, versetzt ihn sein Chef nach Garrison, Indiana, um dort einen alten Fall neu aufzurollen. Vor zehn Jahren ist dort bei einer Höhlenbesichtigung eine junge Frau spurlos verschwunden, die mit ihrem Freund unterwegs war. Der junge Mann konnte sie dort unten nicht wiederfinden. Ein Suchtrupp wurde hinuntergeschickt, allen voran der umstrittene und ziemlich merkwürdige Kauz Ridley Barnes, der ein Experte für dieses Höhlensystem war und ist. Er hat das Mädchen auch gefunden, allerdings hat er sie tot aus der Höhle getragen. Man konnte ihm nichts nachweisen, aber natürlich haben alle in der Stadt ihn für den Mörder gehalten, verurteilt wurde er nie. Und genau da soll Mark Novak nun ansetzen. Schnell schlägt ihm das Mißtrauen der ganzen Kleinstadt entgegen und nicht nur einmal „empfiehlt“ man ihm, die Sache ruhen zu lassen. Aber wieso versucht man, ausgerechnet den Mann zu schützen, den eigentlich alle für einen Mörder halten?! Die Antwort liegt leider in der eiskalten, finsteren Höhle.....

Sehr spannend, aber auch teilweise beklemmend, wenn es tief in das dunkle Höhlenlabyrinth geht.


Verlag: Penguin
ISBN: 978-3-328-10099-7
Preis: 13,00 €
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The girl before - Sie war wie du. Und jetzt ist sie tot.

J. P. Delaney, Rezension von Bernhard Söthe

Jeder hat schon mal gehört, dass die Lebenshaltungskosten in London sehr hoch sind. Selbst für die letzte feuchte Kellerwohnung werden unglaubliche Mieten verlangt. Paradiesische Zustände für Wohungsmakler, die Hölle für Wohnungssuchende. Jane, 34 Jahre alt, steckt in einer Lebenskrise. Eine Beziehung, von der sie hoffte, sie würde zu einer Ehe führen, ist gescheitert, sie hatte eine Fehlgeburt, und ihre gut bezahlte Stelle in einer Werbeagentur hat sie selbst gekündigt. Jetzt braucht sie dringend eine für sie bezahlbare Wohnung. Nach einer Menge frustrierender Erlebnisse mit hochnäsigen Maklern, die sie wegen ihrer psychischen Ausnahmesituation nicht gut wegsteckt, kommt ihr eine sehr ungewöhnliches Angebot wie gerufen.

Ein international sehr erfolgreicher Stararchitekt hat in einer der teuersten Ecken Londons ein futuristisches Einfamilienhaus gebaut. Jede Architektur- und jede Schöner-Wohnen-Zeitschrift hat seitenweise darüber berichtet. Ein "denkendes" Haus, vollgestopft mit modernster Technik, von den angesagtesten Innenarchitekten Londons eingerichtet. Ein Traum - und zu einem für Londoner Verhältnisse geradezu lächerlich niedriger Preis zu mieten. Der Haken ist der Mietvertrag, der ungewöhnlich rigide Vorschriften für den Mieter enthält. Absolut nichts darf an Haus und Einrichtung verändert werden. Die Hausreinigung erfolgt durch vom Architekten/Hausbesitzer bestellte externe Kräfte, die auch darüber wachen, dass alle Einzelheiten des ungewöhnliches Mietvertrages exakt eingehalten werden. Der Mieter muss laut Vertrag auch zulassen, dass er durch raffinierte Überwachungsgeräte quasi rund um die Uhr beobachtet wird.

In ihrer Notlage akzeptiert Jane auch die abstrusesten Vorschriften des Architekten. Sie zieht in das vermeintliche Traumhaus ein und versucht, in der minimalistisch unterkühlten Atmosphäre heimisch zu werden. Sie lernt den Architekten, eine ausgesprochen charismatische Persönlichkeit, kennen und wird seine Geliebte. Die Beziehung läuft ebenfalls strikt nach den Vorstellungen des Architekten. Jane akzeptiert auch dies.

Von einer Nachbarin erfährt sie, dass eine andere junge Frau, Emma, vor ihr in dem Haus als Mieterin wohnte. Ebenso blond wie Jane und ihr auch sonst verblüffend ähnlich. Emma ist in dem Haus gestorben, als sie die hochelegante, freischwebende Granittreppe hinabstürzte. Was genau geschah, weiß man nicht, da ausgerechnet am Tag von Emmas Tod die hochsensiblen Aufzeichnungsgeräte nicht funktionierten. Die gesprächige Nachbarin weiß auch, dass - bevor das futuristische Gebäude errichtet wurde- auf dem Grundstück das Familienhaus des Architekten stand, in dem er mit seiner Frau - jung, blond und gutaussehend - und dem gemeinsamen Kind lebte, bis diese auf mysteriöse Weise ums Leben kamen ...

Warum auch dieser Psychothriller einen englischen Titel haben muss, weiß ich nicht. Vermutlich möchte der Verlag an die Erfolge anderer englischer Titel à la "Girl on the train" und "Gone Girl" etc anknüpfen. Solche angeblich kaufanreizende Mätzchen hat dieses Buch gar nicht nötig, es ist einfach gut!


Verlag: Piper
ISBN: 978-3-492-31047-5
Preis: 9,99 €
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Die Hatz

J. M. Peace, Rezension von Bernhard Söthe

"Peace" = Friede heißt die Autorin dieses gar nicht friedlichen Krimis, der im australischen Busch spielt. Die Autorin ist Polizistin, ebenso wie die Protagonistin dieses temporeichen Thrillers. Sammi, 28 Jahre alt, arbeitet im Team einer kleinen Polizeistation irgendwo kurz vor dem Nirgendwo im Outback. Mit ihrem Lebensgefährten Gavin führt sie eine turbulente Beziehung. Die temperamentvollen Turteltauben streiten sich häufig, aber genauso rasch, wie sie explodieren, vertragen sie sich wieder. Also kein Problem, als Sammi bei einem Streit spontan beschließt, bei einer Freundin in der nächstgelegenen Stadt zu übernachten. Zuvor ziehen die beiden Freundinnen aber noch durch diverse Bars. Sammi, die aber nicht vorhat, sich abschleppen zu lassen, trennt sich spätnachts von ihrer deutlich umtriebigeren Freundin. Allzu viel getrunken hat Sammi nicht, da sie am nächsten Tag zur Mittagsschicht in ihrer Polizeistation antreten muss. Jetzt steht sie vor einer Bar in den Außenbezirken der Stadt, wo sie sich nicht besonders gut auskennt und weiß nicht, wie sie da spätnachts wegkommen soll. Da bietet der freundliche Barmann aus dem übelbeleumdeten Schuppen hinter ihr, der gerade seine Schicht beendet hat, ihr an, sie ein Stück mitzunehmen. Dass man nicht zu Fremden ins Auto steigt, weiß Sammi natürlich seit Kindesbeinen, aber der Barmann ist ja kein wirklicher Fremder. Sammi steigt ein, der freundliche Barmann hat sogar noch eine kalte Cola gegen den Durst dabei. Die Cola schmeckt aber etwas komisch ...

Als Sammi wieder zu sich kommt, liegt sie gefesselt und geknebelt im Geländewagen des doch nicht so freundlichen Barmanns. Irgendwo weit draußen im Busch hält der Entführer an. Er erklärt Sammi, dass er sie als sein nächstes Jagdobjekt auserkoren hat. Er gibt ihr eine Stunde Vorsprung, um sich im Busch vor ihm zu verstecken, dann würden er und sein riesiger Hund  - eine wahre Kampfmaschine -  die Jagd auf sie eröffnen. Und er hoffe, dass sich Sammi nicht so dusselig anstelle wie ihre Vorgängerinnen, die sich viel zu einfach hätten jagen und erlegen lassen, was ihm den Spaß an der Jagd doch ziemlich verdorben habe. 

Noch von der Droge benommen, läuft Sammi panisch in den Busch, nur weg von dem "Jäger" und seinem riesigen Hund. Aber dann besinnt sie sich auf ihre Ausbildung. Der Entführer weiß nicht, dass Sammi Polizistin ist, tough, körperlich fit, in diversen Kampfsportarten ausgebildet. Die "Jagd" entwickelt sich ganz anders, als der Entführer geplant hat ...

Inzwischen hat Sammis Lebensgefährte Gavin sie als vermisst gemeldet und Sammis Kollegen, aufs Höchste alamiert, setzen alle Hebel in Bewegung, um Sammi zu finden ...


Verlag: Hoffmann und Campe
ISBN: 978-3-455-00009-2
Preis: 16,00 €
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Retour - Luc Verlains erster Fall

Alexander Oetker, Rezension von Bernhard Söthe

Luc Verlain, geboren in einem Fischer-/Austernzüchterdorf südlich von Bordeaux, hat schnellstmöglich seine als eng und dumpf empfundene Heimat verlassen und hat bei der Kripo in Paris Karriere gemacht. Er ist Leiter einer Mordkommission. Nur gezwungenermaßen kehrt er in seine alte Heimat zurück. Sein alter Vater ist schwer erkrankt und braucht ihn.

Bei der Kripo in Bordeaux, wohin sich Luc Verlain versetzen lässt, stößt der Neuzugang aus Paris nicht auf ungeteilte Begeisterung. Eigentlich ist die Aquitaine, also Südwestfrankreich, eine eher ruhige Ecke. Mord- und Totschlag kommen kaum vor. Also sollte Luc Verlain genug Zeit haben, sich um seinen kranken Vater zu kümmern. Aber kaum hat er sich bei seinen neuen Kollegen und Untergebenen vorgestellt, wird am Strand die Leiche eines jungen Mädchens gefunden, sie wurde mit einem stumpfen Gegenstand brutal erschlagen. Das Mädchen stammt aus ärmlichen Verhältnissen aus einem kleinen Dorf im Hinterland. Kaum ist der Mord dort bekannt, weiß Volkesstimme auch schon, wer der Mörder ist. Hakim, ein Schulkamerad des Mädchens, algerischer Abstammung, der das Mädchen immer angehimmelt hat, aber bei ihr abgeblitzt ist. Die Polizei hat Mühe, den vom Stiefvater des ermordeten Mädchens aufgehetzten Mob daran zu hindern, den jungen Mann zu lynchen, obwohl seine Unschuld erwiesen ist.

Die Ermordete hatte trotz ihrer jungen Jahre schon reichlich Männerbekanntschaften. Bei der Obduktion wird festgestellt, dass sie kurz vor ihrem Tod Geschlechtsverkehr mit zwei verschiedenen Mädchen hatte. Es gibt keine Hinweise auf eine Vergewaltigung ...

Interessant wird der Krimi durch aktuelle politische Bezüge. So ist der Rechtsradikalismus des Front National ein Thema.

Natürlich kommt auch das ganz normale französische savoir vivre nicht zu kurz. Selbstredend ist Kommissar Luc Verlain sehr gutaussehend. Selbstverständlich hat er wechselnde Damenbekanntschaften. Die Beziehung zu seiner Kollegin Anouk könnte ausbaufähig sein. Gönnen wir es ihm. Im zweiten Band der Reihe um Kommissar Luc Verlain wird man wohl mehr erfahren!


Verlag: Kiepenheuer & Witsch
ISBN: 9783462048872
Preis: 14,99 €
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Lost in Fuseta

Gil Ribeiro, Rezension von Bernhard Söthe

 

Ein englisch klingender Titel, der aber deutsch ist. Leander Lost heißt die Hauptperson, ein Kriminalbeamter aus Hamburg, den ein Austauschprogramm der Polizeibehörden ausgerechnet in den mehr oder weniger beschaulichen Fischerort Fuseta an der Ostalgarve verschlagen hat. Aber das Wortspiel ist gar nicht so unberechtigt, denn Lost fühlt sich tatsächlich etwas verloren. Lost leidet an einer milden Form des Asperger Syndroms, was ihm einerseits das Einleben in einer fremden Umgebung unter fremden Menschen schwer macht, Andererseits hilft ihm seine Behinderung, er hat wie mache am Asperger Syndrom Leidenden ein fotografisches Gedächtnis, was ihm bei der Lösung dieses Kriminalfalles die entscheidenden Hinweise gibt.

Lost wird von seinen portugiesischen Kollegen mit südlicher Gastfreundschaft aufgenommen, aber er fällt schon ein bisschen auf mit seinen hanseatisch steifen Umgangsformen und seinem schwarzen Anzug, den er mit korrekt gebundener Krawatte bei der Arbeit trägt. Bei 30° und mehr im Schatten nicht die klügste Kleiderwahl, wie Leander Lost auch noch feststellt.

Gewaltkriminalität kommt in Portugal deutlich seltener vor als in Deutschland, aber kaum hat Lost seine neuen Kollegen kennen gelernt und seine Wohnung auf Zeit bezogen, wird ein Mordopfer gefunden. Ein deutscher Resident, d.h. ein Deutscher, der seinen Wohnsitz in Portugal hat, wird erschlagen in einem Fischerboot am Strand gefunden. Bei dem Deutschen handelt es sich um eine zwielichtige Gestalt, nicht sehr geschätzt von seinen Mitmenschen, der eine obskure Privatdetektei betreibt, die nicht gut funktioniert. Nicht nur böse Zungen behaupten, dass der Privatdetektiv wohl eher von Erpressung lebt, bzw., lebte. Als dessen kümmerliches Büro auch noch abgefackelt wird, ist klar: der Mord an dem Privatdetektiv hängt wohl mit seiner Berufstätigkeit zusammen.

Hinter dem Autorenpseudonym Gil Ribeiro steckt der erfolgreiche Drehbuchautor und Grimme-Preisträger Holger-Karsten Schmidt, der vor Jahren seine Liebe zum Süden Portugals und insbesondere zum Fischerort Fuseta und seinen Bewohnern entdeckte. Er verbringt regelmäßig einige Zeit des Jahres dort, was der Genauigkeit der Orts- und Mentalitätsbeschreibung zugute kommt. Einige der im Buch vorkommenden Gasthäuser gibt es tatsächlich.

Bei zwei Ungenauigkeiten habe ich Gil Ribeiro dann doch erwischt. Die steil abfallende Straße, die zum Kanal am Fischerhafen führen soll, gibt es schlicht nicht, da Fuseta pfannkuchenplatt ist. Den kleinen Hauptplatz mit den Straßencafés gibt es tatsächlich. Hier sollen laut Ribeiro gut gelaunte und gut gekleidete Menschen flanieren. Gut gelaunt stimmt, gut gekleidet stimmt definitiv nicht. Es gibt tatsächlich schöne Plätze in Portugal, auf denen schöne Menschen schöne Kleidung spazieren tragen. Aber die „Praça“, der Hauptplatz von Fuseta gehört garantiert nicht dazu, es sei denn die strapazierte Arbeitskleidung der wettergegerbten Fischer, die ausgebeulten Kittelschürzen der portugiesischen Omas und die leider oft ziemlich knapp bemessene „bequeme Freizeitkleidung“ der Camper, die mehr oder weniger ungewaschen aus ihren Wohnwagen am Rande Fusetas stolpern, gelten neuerdings als elegant.

Woher ich das weiß? Im vergangenen Februar habe ich den Platz selbst in Augenschein genommen. Wieso? Schauen Sie doch mal auf unsere Homepage unter der Rubrik „Urlaubsreif?“

 


Verlag: Tropen
ISBN: 978-3-608-50378-4
Preis: 14,95 €
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Sie werden dich finden

James Rayburn, Rezension von Bernhard Söthe

Kate Swift hat als Profikillerin für den CIA gearbeitet, völlig ruhigen Gewissens, denn sie glaubt, auf der Seite der "Guten" zu stehen. Gefährliche Terroristen unschädlich zu machen, raubt ihr nicht den Nachtschlaf, bis sie feststellen muss, dass ihre Vorgesetzten keine edlen Ritter in schimmernder Rüstung sind, die die Ideale des Westens verteidigen, sondern eine Bande korrupter Soziopathen. Als Kate Swift deren kriminelle Machenschaften an die Öffentlichkeit bringt, gilt die Whistleblowerin plötzlich als Staatsfeindin und erhält aus den Kreisen ihrer ehemaligen Geheimdienstkollegen durchaus ernstgemeinte Morddrohungen. Mit ihrer 6jährigen Tochter Suzie taucht Kate unter, weiß aber, dass ihre Tarnung jederzeit auffliegen kann. Als es soweit ist, flieht sie mit ihrer Tochter über Berlin und Kopenhagen nach Thailand. In der Touristenhochburg Phuket lebt Hook, auch ein ehemaliger CIA Agent, der in Geheimdienstkreisen einen legendären Ruf als genialer Planer und Organisator hatte. Kate hat bei ihm noch einen Gefallen gut und hofft auf seine Hilfe. Aber Hooks Glanzzeiten sind lange vorbei. Bei seinem letzten Einsatz konnte er nicht verhindern, dass 22 Geiseln, darunter Frauen und Kinder, von islamischen Terroristen brutal abgeschlachtet wurden. Mit Unmengen Alkohol begeht er schluckweise Selbstmord und versucht so, die blutigen Horrorszenen aus seinem Gedächtnis zu verbannen. Hook weigert sich, Kate und ihrer Tochter zu helfen. Aber Kate hat gegen ihn ein Druckmittel in der Hand, von dem er nichts ahnte und weshalb er dann doch noch einmal seine alten Fähigkeiten aktiviert. 


Verlag: Blessing
ISBN: 978-3-89667-591-0
Preis: 19,99 €
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Das Gedächtnis der Insel

Christian Buder, Rezension von Bernhard Söthe

"Roman" hat der Verlag auf den Schutzumschlag gedruckt, aber es hätte auch "Psychothriller" draufstehen können, deshalb finden Sie diese Besprechung auch unter der Rubrik "Krimi".

Der Pariser Archäologe Yann Schneider, im Louvre tätig, kehrt zur Beerdigung seines Vaters auf seine bretonische Heimatinsel zurück, die er vor 20 Jahren im Streit verlassen hat mit der erklärten Absicht, nie mehr zurückzukehren. Vor 30 Jahren, als Yann 8 Jahre alt war, ist seine Mutter bei dem Untergang eines Segelboots spurlos verschwunden. Nur Wochen später zieht eine neue Frau in Haus und Leben von Vater und Sohn. Yann hat Rykel, die neue Lebensgefährtin seines Vaters, nie als Stiefmutter akzeptiert und seinem Vater, dem Inselarzt, nie verziehen, dass er seine Frau - Yanns Mutter - so schnell durch eine Nachfolgerin ersetzt hat. Seit Yann die Insel verlassen hat, gab es keinen Kontakt zwischen Vater und Sohn. Jetzt ist der Vater tot im Hafenbecken der Insel gefunden worden. Von der Fähre zum Festland gefallen? Gesprungen? Gestoßen? In der Brieftasche des Toten wird eine Zugfahrtkarte nach Paris und ein Zettel mit Yanns Telefonnummer gefunden. Wollte der Vater nach 20 Jahren Funkstille mit seinem Sohn wieder ins Gespräch kommen? Dann wäre Selbstmord durch Sprung von der Fähre wohl auszuschließen. Genug Grund, dass auch die Gendarmerie den Fall untersucht. Die ermittelnde Polizistin ist ausgerechnet Gwenn, Yanns Jugendfreundin und die Tochter des Inselbürgermeisters. Yann geht auch jetzt seiner Stiefmutter geflissentlich aus dem Weg - statt im Haus des Vaters wohnt er im einzigen Hotel der Insel. In der Hotelbar trifft er auf vertraute, aber deutlich älter gewordene Gesichter. Das spurlose Verschwinden seiner Mutter hat Yann nie verwunden, und er nutzt die Gelegenheit, sich umzuhören, was damals eigentlich geschehen ist. Er hört von jedem der Befragten eine andere Version der damaligen Ereignisse, aber jeder hat auch den Ratschlag, die Toten ruhen zu lassen und schnellstmöglich die Insel zu verlassen, was aber gar nicht möglich ist, da sich ein Orkantief der Insel nähert und der Fährverkehr eingestellt ist. In dem Jahrhundertsturm, der bald darauf die Insel verwüstet, bleibt aber auch im übertragenden Sinn kein Stein auf dem anderen ...


Verlag: Blanvalet
ISBN: 9783734103599
Preis: 12,99 €
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Die Gerechte

Peter Swanson, Rezension von Karin Bucconi

London, Flughafen Heathrow...

An einer Bar sitzt Ted Severson. Er wartet auf seinen Abflug nach Boston und ist offensichtlich betrübt. Er hat herausgefunden, dass seine Frau Miranda ihn mit dem Bauunternehmer betrügt, den sie beide mit dem Bau einer Luxusvilla an der Küste von Maine beauftragt hatten. Ausgerechnet... Manchmal ist er darüber so wütend, dass er denkt, er müsse sie umbringen. Eine attraktive rothaarige Frau setzt sich neben ihn. Sie fragt ihn, was er da trinkt, bestellt sich den gleichen Drink, und Ted, der sonst eher schweigsam ist, erzählt ihr von seinem Ehedrama und erwähnt auch, dass er in Gedanken schon so weit war, Miranda zu töten.

Das, so die Frau, die sich als Lily vorstellt, wäre die gerechte Strafe. Beide hätten den Tod verdient. Sie bietet Ted an, ihm bei der Ermordung der beiden zu helfen und die Leichen verschwinden zu lassen. Natürlich erwähnt sie nicht, dass sie bereits eine gewisse Erfahrung hat.

Wer ist diese Lily? Was hat sie davon, Miranda und ihren Liebhaber Brad Dagett umzubringen? Was treibt sie an?

Bevor jedoch Ted und sie an die Umsetzung des Plans gehen können, wird Ted vom Lover seiner Frau ermordet. Hat Miranda den Spieß umgedreht? Wußte sie etwas und war nur schneller? Zwei weitere Morde geschehen, und Detective Kimball wird misstrauisch. Die einzige Überlebende ist Lily. Welches Geheimnis hütet diese Frau? Er will es um jeden Preis herausfinden, und kommt bei der Suche nach der Wahrheit beinahe ums Leben.

Ein spannender Krimi, der in England 2015 als bester Thriller des Jahres ausgezeichnet wurde.

 

 

 

 


Verlag: Rowohlt Polaris
ISBN: 9783499290268
Preis: 14,99 €
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The Dry

Jane Harper, Rezension von Daniela Maifrini

 

Aaron Falk, Steuerfahnder aus Melbourne, kehrt nach 20 Jahren zum ersten Mal in seine Heimatstadt Kiewarra (fünf Stunden von Melbourne entfernt, irgendwo im Nirgendwo) zurück. Der Anlass ist furchtbar: sein Jugendfreund Luke, dessen Frau und ihr sechsjähriger Sohn werden erschossen aufgefunden und Aaron will Lukes Eltern bei der Trauerfeier zur Seite stehen.

In dem Landstrich herrscht seit geraumer Zeit eine grausame Dürre, viele Farmer stehen vor dem Nichts. Da wundert es nicht, dass in Kiewarra jeder fest davon überzeugt ist, dass Luke in seiner Verzweiflung seine Familie und anschließend sich selbst umgebracht hat.

Doch Lukes Eltern klammern sich an die „Hoffnung“, dass es jemand anders war, dass ihr Sohn nicht diese furchtbare Schuld auf sich geladen hat. Sie bitten Aaron um Hilfe bei der Aufklärung.

So stößt er also zu dem eigentlichen Ermittler Raco – und in ein Gewirr aus alten Geschichten und Geheimnissen. Und in das schlimmste ist Aaron selbst verwickelt, es hat vor 20 Jahren sein ganzes Leben verändert.

Das Debüt der jungen australischen Autorin Jane Harper ist ein komplexer Thriller, der die Stimmung und die Personen in dem kleinen Ort exakt beobachtet und die Spannung bis zur letzten Seite anheizt wie den Glutofen, den sie zu beschreiben hat. 

 


Verlag: C. Bertelsmann
ISBN: 9783570103234
Preis: 12,99 €
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Good as Gone

Amy Gentry, Rezension von Annette Riedel

Ein Mädchen verschwindet. Eine Fremde kehrt zurück.

Acht Jahre ist es her, seit ein unbekannter Mann die 13jährige Julie nachts aus ihrem Elternhaus entführt hat.

Seitdem ist in ihrer Familie nichts mehr so, wie es war. Die Eltern Tom und Anna machen sich Vorwürfe, weil sie ihre Tochter nicht beschützen konnten und versuchen alles, um sie zurückzubekommen. Die jüngere Tochter Jane hat  die Entführung aus einem Wandschrank heraus beobachtet. Sie registriert den unausgesprochenen Vorwurf ihrer Mutter, weil sie viel zu lange gewartet hat, bevor sie endlich um Hilfe rief.

Noch immer ist Julies Schicksal ungeklärt, die Polizei hat den Fall längst zu den Akten gelegt. Da steht eines Tages eine junge Frau - abgemagert und völlig erschöpft - vor der Tür, die vorgibt, die verlorene Tochter zu sein.

Die Familie ist überglücklich, Julie zurückzuhaben und die Erleichterung ist groß.

Doch schnell merken die Eltern und Jane, dass die Geschichte, die die junge Frau erzählt, nicht stimmig ist. Anna beschleicht ein furchtbarer Verdacht, und sie macht sich auf die Suche nach der Wahrheit.

Durch raffinierte Perspektivenwechsel steigt die Spannung bis ins Unerträgliche. Ein brillant konstruierter Thriller!


Verlag: BTB
ISBN: 978-3-442-75716-9
Preis: 15,00 €
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Schlaflied

Cilla & Rolf Börjlind, Rezension von Bernhard Söthe

Der neue Fall des schwedischen Ermittlerduos Olivia Rönning und Tom Stilton

Olivia Rönning, die ehrgeizige Nachwuchskriminalbeamtin und der "alte Hase" Tom Stilton, der wegen psychischer Probleme, verursacht durch Burnout, völlig abgestürzt war und nach Jahren der Abwesenheit erst seit kurzem wieder im Polizeidienst ist, sind die Hauptpersonen dieser sehr erfolgreichen, weil sehr guten Krimireihe.

In einem Wald in der schwedischen Provinz Smaland wird die notdürftig verscharrte Leiche eines ermordeten ca. 12jährigen Jungen gefunden. In der Nähe des Fundortes liegt ein Dolch - wie sich später herausstellt, rumänischer Herkunft, die Tatwaffe. Dolche dieser Art benutzt angeblich eine rumänische Verbrecherorganisation. 

Olivia Rönning und Tom Stilton werden von ihrer Vorgesetzten nach Bukarest geschickt, um dieser Spur zu folgen. Sie steigen buchstäblich in die Unterwelt, in die Kanalisation Bukarests, wo drogensüchtige, obdachlose und vor allem elternlose Kinder und Jugendliche unter entsetzlichen Bedingungen hausen. Tatsächlich finden die schwedischen Ermittler heraus, dass der ermordete Jungen aus einer rumänischen Romafamilie stammt. Bei ihren Recherchen sind Olivia und Tom einem üblen Gangsterboss zu nahe gekommen und müssen Bukarest schnellstens verlassen. 

In Schweden werden inzwischen in einer Baugrube zwei weitere Leichen ermordeter Jugendlicher gefunden, ein farbiger Jungen und ein Flüchtlingsmädchen aus Afghanistan. Vor ihrem Tod wurden ihnen mit chirurgischer Präzision die Nieren entfernt. Bei einer erneuten Untersuchung der Leiche des Romajungen stellt man ebenfalls fest, dass seine Nieren fehlen.

Die Ermittler finden heraus, dass es einen weltweit florierenden Schwarzmarkt für menschliche "Ersatzteile" gibt. Geschätzter Umsatz mindestens 1,5 Milliarden Dollar jährlich. Auch Schweden war das Ziel von Flüchtlingsströmen, unter ihnen zahlreiche unbegleitete Kinder und Jugendliche. Nicht alle konnten bei der Einreise von den hoffnungslos überlasteten Behörnden ordnungsgemäß registriert werden. Manche sind spurlos verschwunden ...

Der vierte Fall aus der Rönning/Stilton-Reihe lässt sich ebenso wie die Vorgängerbände unabhängig voneinander lesen.


Verlag: C. H. Beck
ISBN: 978-3-406-70408-6
Preis: 14,95 €
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Wer Hunde weckt

Achim Zons, Rezension von Bernhard Söthe

Achim Zons, der lange für die Süddeutsche Zeitung gearbeitet hat, siedelt seinen ersten Roman in Afghanistan, München und Hongkong an.

Deutsche Soldaten sind ja auch in Afghanistan eingesetzt, um "unsere Freiheit am Hindukusch zu verteidigen". Dort gab es vor einiger Zeit einen katastrophalen Zwischenfall, als der Kommandant eines deutschen Militärstützpunktes amerikanische Luftunterstützung anforderte, da er einen unmittelbar bevorstehenden Terroranschlag auf das Lager befürchtete. Die amerikanischen Piloten bombardierten daraufhin Tanklastwagen, die sich dem deutschen Stützpunkt näherten, wobei zahlreiche Zivilisten, darunter auch Kinder, ums Leben kamen. Auch ein Untersuchungsausschuss des deutschen Bundestages konnte nicht klären, wie es zu dieser fatalen Fehleinschätzung kommen konnte, auch wer letztendlich für den Angriffsbefehl verantwortlich war, konnte nicht geklärt werden. Diesen realen Zwischenfall nimmt Zons als Ausgangspunkt für seinen Politthriller.

Der Journalist David Jakubowicz, Auslandskorrespondent einer großen deutschen Tageszeitung, der in Hongkong stationiert ist, entkommt dort knapp einem Mordanschlag, als er versucht, an Informationen über die Hintergründe des vermeintlichen Terrorangriffs auf die deutschen Soldaten zu kommen. Den Anschlag nicht überlebt hat eine junge CIA Agentin, mit der Jakubowicz verabredet war. Als deren Leiche spurlos verschwindet, weiß der Journalist, dass er in ein Wespennest gestochen hat. Die Jagd nach den Verantwortlichen führt in die Chefetage seiner Münchener Zeitungsredaktion, wo ihm karrieregeile Konkurrenten und profitgierige Vorgesetzte zu schaffen machen, bis in entlegene Bergregionen Afghanistans, wo es zu lebensgefährlichen Begegnungen mit fanatischen Taliban kommt.

Ein hochdramatischer Thriller vor beklemmend realem Hintergrund. Der Autor betont natürlich, dass die Geschichte des Romans fiktiv ist, aber man ahnt, dass der Exjournalist Zons längst nicht alles schreibt, was er weiß.


Verlag: Heyne
ISBN: 978-3-453-27111-1
Preis: 19,99 €
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Drei Meter unter Null

Marina Heib, Rezension von Kathrin Allkemper

In diesem außergewöhnlich raffinierten Thriller wird die Geschichte einer jungen Frau beschrieben, die eigentlich stets nur ein normales Leben wollte, aber dieses Leben wollte sie nicht. Schon als Kind musste sie zahlreiche demütigende Situationen über sich ergehen lassen. Folglich hat sie sich immer weiter in sich zurückgezogen, bis sie durch Zufall etwas erfährt, was sie nicht einfach wegdrücken kann. Im Alter von 34 Jahren platzt ihr Schutzpanzer auf und sie beginnt, sich den Dämonen der Vergangenheit zu stellen. Sie wird zur Mörderin. Auf äußerst geschickte Art beginnt sie ihren Rachefeldzug mit einem mörderisches Katz-und-Maus-Spiel und sucht die Männer auf, die – nicht nur - ihr Leben zerstört haben.

Es fällt mir schwer, die Geschichte zusammen zu fassen, da man eigentlich mit jeglicher Beschreibung schon zuviel verraten würde.Aber die Art und Weise, wie die Ich-Erzählerin den Leser durch ihr altes Leben und die daraus resultierende Vergeltung führt, geht einem wirklich unter die Haut und man kann das Buch nicht aus der Hand legen.

 


Verlag: Fischer
ISBN: 978-3-596-03658-5
Preis: 14,99 €
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Monteperdido - Das Dorf der verschwundenen Mädchen

Agustin Martinez, Rezension von Bernhard Söthe

Monteperdido, der verlorene Berg, so heißt ein einsam gelegenes Bergdorf hoch in den spanischen Pyrenäen. Die Menschen leben von Land- und Forstwirtschaft, aber auch vom Tourismus, Pendler, die umliegenden Städten arbeiten, gibt es natürlich auch.

Die Einwohnerzahl ist überschaubar, jeder kennt jeden. Seit vor drei Jahren zwei 13jährige Mädchen, Nachbarskinder und Freundinnen, spurlos verschwunden sind, ist das Zusammenleben im Dorf nachhaltig gestört. Nach dem ersten Schock und einer Welle von Mitleid und Hilfsbereitschaft macht sich Misstrauen breit. Was ist mit den Mädchen geschehen? Haben vielleicht sogar Dorfbewohner, Nachbarn, Familienangehörige mit dem Fall zu tun? Jetzt, drei Jahre nach dem spurlosen Verschwinden der Mädchen, wird in einer Schlucht ein von einer Bergstraße abgekommenes Auto gefunden. Der Unfallfahrer, ein Mann aus einem Nachbarort Monteperdidos, sitzt tot hinter dem Steuer, auf dem Beifahrersitz Ana, eines der verschwundenen Mädchen. Im Krankenhaus, aus dem Koma erwacht, erzählt sie, ihre Freundin Lucia und sie wären in einer Berghütte von einem maskierten Mann gefangen gehalten worden. Über den genauen Ort ihrer Gefangenschaft und wo Lucia ist, kann sie keine näheren Angaben machen, aber sie verwickelt sich bei ihren Aussagen rasch in Widersprüche. 

Kriminalbeamte aus Madrid nehmen erneut Ermittlungen auf. Kommissarin Sara Campos, aus einer kaputten Familie stammend, hat lange gebraucht, ihren Weg, der auch ganz anders hätte enden können, zu finden. Sie fühlt sich von dem mysteriösen Fall der Mädchen persönlich gefordert.

"Monteperdido" stand monatelang auf der spanischen Bestsellerliste. "Verstörende Atmosphäre, überzeugende Figuren, packende Wendungen", schrieb eine spanische Zeitung in einer Besprechung bei Erscheinen des Buches. Stimmt!


Verlag: DroemerKnaur
ISBN: 9783426516621
Preis: 14,99 €
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Stiefkind

S.K. Tremayne, Rezension von Karin Bucconi

Rachel, Fotografin, in London lebend, ist alleinstehend, als sie den charismatischen, reichen und allein erziehenden David Kerthen kennenlernt. Seine erste Frau ertrank unter mysteriösen Umständen in einer der Minen im Cornwall, die einst den Reichtum der Familie Kerthen begründeten. Sie kennen sich gerade einmal acht 'Wochen, als sie heiraten, und Rachel zieht ins Cornwall. David arbeitet als Anwalt in London und kommt nur an den Wochenenden nach Hause. 

Rachel liebt seinen Sohn, den kleinen Jamie, seit sie ihn zum ersten Mal sah. Der Tod der Mutter hat ihn traumatisiert, und meistens ist er unzugänglich.  Auch Juliet, ihre demente Schweigermutter, ist ihr sympathisch, aber sie fühlt sich einsam mit den beiden. 

Jamie macht ihr Angst, als er behauptet, er könne in die Zukunft blicken, und zwei Mal erfüllen sich seine "Prophezeiungen". Als er Rachel jedoch ihren Tod vorhersagt, damit dann seine Mutter zurückkehren kann, bekommt sie es mit der Angst zu tun, und sie forscht nach, was damals wirklich geschah, als Jamies Mutter starb....

Spannung pur.


Verlag: Rowohlt TB
ISBN: 9783499272738
Preis: 9,99 €
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Das Gesicht meines Mörders

Sophie Kendrick, Rezension von Karin Bucconi

Clara wacht aus dem Koma auf, liegt im Krankenhaus und weiß nicht, wer sie ist. Neben ihrem Bett sitzt ein Mann. Er nennt sie "Liebling" und behauptet, er sei ihr Ehemann. Ob das stimmt?

Aber- sie hat niemand anderen als diesen Roland und erfährt von ihm, dass ihr Haus abgebrannt ist und dort eine Leiche gefunden wurde. Offensichtlich haben sie noch ein kleines Häuschen, eher eine Hütte am Wasser, müssen aber einen See überqueren, um dort hin zu kommen. Clara aber fürchtet nichts so sehr wie Wasser und weiß nicht einmal, warum. Roland hilft ihr immer wieder und versucht, ihr Sicherheit zu vermitteln. Aber ihm trauen? Kann sie das?

Dann werden weitere Anschläge auf sie verübt, und einer der ermittelnden Polizisten bietet ihr ebenfalls Hilfe an.  Aber Clara weiß, dass sie letztlich auf sich allein gestellt den Mörder suchen muss. Wird es ihr gelingen, und- wird sie ihr Gedächtnis zurück erlangen?


Verlag: Suhrkamp
ISBN: 9783518467282
Preis: 14,95 €
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I.Q.

Ide, Joe , Rezension von Karin Bucconi

Einmal im Monat werden in der WAZ Krimis vorgestellt, denen Kritiker viele LeserInnen wünschen. Ich bin mehrfach fündig geworden, und dieses Mal war es der Titel I.Q. von Joe Ide.

I.Q. steht nicht nur für Isaiah Quintabe, sondern wirklich auch für die Intelligenz dieses "Kämpfers" des kleinen Mannes. Keiner zieht so gute Schlußfolgerungen wie Isaiah und verhilft armen oder hilflosen Menschen relativ schnell zu ihrem Recht.

Was ihn geprägt hat, ist der Verlust seines großen Bruders. Vor Jahren mußte er mit ansehen, wie der überfahren wurde. Zu der Zeit lernte er den Drogendealer und Kleinkriminellen Dodson kennen, der sich seitdem wie sein "Manager" aufführt. Zusammen mit ihm wird er von dem erfolgreichen Gangsta Rapper Murda One angeheuert. Jemand versucht, ihn umzubringen. Murda One hat sein Haus in eine Festung verwandelt und verläßt es nicht mehr. Dennoch gelingt es einem Kampfhund durch die Hundeklappe ins Haus zu gelangen, und Murda kann sich nur mit viel Glück retten. Nun soll I.Q. den Täter ermitteln, und er und Dodson treffen auf allerlei verrückte und gewalttätige Gestalten: Gangsta Rapper, Bitches, Anwälte, Auftragskiller usw. ...

Die Handlung spielt in L.A., in der schwarzen Rapperszene. Die Sprache ist zum Teil gewöhnungsbedürftig, und manchmal ist es etwas schwierig, den Gedankengängen im Milieu zu folgen. Aber- es paßt und macht das Buch authentisch. Die Rückblicke in die Vergangenheit von I.Q. sind spannend, aber auch die Perspektive des Täters wird hervorragend beschrieben.

Ich kann das Buch nur empfehlen, vor allem denjenigen unter Ihnen, die mal einen etwas anderen Krimi lesen mögen.


Verlag: Rowohlt
ISBN: 978-3-499-27266-0
Preis: 14,99 €
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Cruelty

Scott Bergstrom, Rezension von Kathrin Allkemper

Die 17jährige Gwen lebt mit ihrem Vater in New York. Er ist Diplomat und aus diesem Grund ist die Familie schon an vielen Orten auf der Welt zuhause gewesen. Gwens Mutter kam vor 10 Jahren bei einem Anschlag in Algerien ums Leben. Seitdem ist ihr Vater ihre einzige Familie und natürlich hängt sie sehr an ihm. Als er von einer Geschäftsreise nach Paris nicht zurückkehrt, stehen plötzlich zwei Unbekannte vor ihrer Tür und behaupten, ihr Vater wäre in Wirklichkeit ein CIA-Agent und hätte sich aus dem Staub gemacht. Für Gwen steht zunächst fest, dass das einfach eine Lüge sein muss und ihr Vater entführt wurde. Anders kann es gar nicht sein.... oder doch? Nachdem sich die erste Panik gelegt hat, begibt sich Gwen selbst auf die Suche nach der Lösung,-nach der Wahrheit,- nach ihrem Vater. Dieser hat scheinbar genau für den Fall bereits sorgfältig versteckte Spuren und Hinweise in diversen Gegenständen und bei anderen Menschen hinterlassen, die es Gwen ermöglichen, weiterzukommen. Ihre Suche führt sie über mehrere Kontinente und ganz schnell muss sie lernen, genauso hart und brutal vorzugehen, wie es die Menschen tun, die ihren Vater entführt haben. Somit wird aus dem behüteten Upperclass-Mädchen aus New York eine äußerst geschickte und gefährliche Gegenerin, die aus Liebe zu ihrem Vater scheinbar Unmögliches schafft.

Dieser Thriller nimmt sofort Fahrt auf und man kann ihn nicht mehr aus der Hand legen! Nicht umsonst erschein er gleichzeitig in 20 Ländern und wird in Hollywood verfilmt.


Verlag: Rütten & Loening
ISBN: 9783352008931
Preis: 16,99 €
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Der Mörder und das Mädchen

Sofie Sarenbrant, Rezension von Jutta Pollmann

Diese eine Nacht muss sie noch überstehen, dann kann Cornelia Göransson mit ihrer Tochter Astrid endlich dieses Haus verlassen. Dann kann sie von Hans weg, der sie schlägt und peinigt. Dann kann sie endlich mit Astrid in die kleine Wohnung in der Stadt ziehen und ein neues Leben beginnen. Hans hat ihr zugesichert, die Nacht im Arbeitszimmer zu verbringen, doch am nächsten Morgen findet Astrid ihren Vater tot im Bett.

Cornelia weiß nicht, was sie machen soll und sie ruft ihre Freundin Josefin an, die sofort die Polizei benachrichtigt. Den Fall übernimmt Emma Sköld – zufällig auch Josefins Schwester -. Für Emma wird Cornelia schnell zur Tatverdächtigen, denn sie verstrickt sich in Widersprüche. Außerdem hat nie jemand Cornelias Verletzungen gesehen, sie ist nie zum Arzt gegangen. Was verschweigt sie?

Aber Emma ist nicht ganz bei der Sache, sie ist schwanger und sie weiß nicht, wie sie es ihrem Chef mitteilen soll. Gleichzeitig machen ihr nicht nur ihre körperlichen Veränderungen Angst. Ihr Ex-Freund Hugo verfolgt sie immer noch, kann nicht begreifen, dass ihre Beziehung beendet ist. Und wenn Hugo nicht an sie heran kommt, versucht er Kristoffer, ihren neuen Freund, der Makler ist, zu schaden.

Hugo taucht dann bei allen möglichen Hausbesichtigungen auf und redet die Häuser schlecht. Aber Kristoffer ist ihr zur Zeit auch keine große Hilfe. Und ihre Schwester Josefin, deren Familienleben sie immer so bewundert hat, hat eigene Baustellen zu bewältigen.

Und dann plötzlich verschwindet Astrid, Cornelia Göranssons Tochter.

 

Der Start einer neuen Krimi-Reihe mit der Ermittlerin Emma Sköld. Spannend bis zur letzten Seite und mit einem Gänsehaut-Ende. Man muss den nächsten Fall mit dieser Ermittlerin einfach lesen, weil man wissen will, wie es mit Emma weitergeht.

 

 

 


Verlag: btb
ISBN: 978-3-442-71460-5
Preis: 9,99 €
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Beim Leben deines Bruders

Peter May, Rezension von Kathrin Allkemper

Nach einem schweren Schicksalsschlag quittiert der Polizist Fin MacLeod seinen Dienst in Edingburgh und kehrt auf seine Heimatinsel im Nordwesten von Schottland zurück. Außer der Renovierung seines Elternhauses hat er keine konkreten Pläne und Ideen, wie seine Zukunft aussehen soll. Kurz vor seiner Rückkehr wird im Moor ein Toter gefunden. Schnell ist klar, dass es sich nicht um eine uralte Moorleiche handelt, denn diese tragen normalerweise keine Elvis-Tattoos mit einem fröhlichen Heartbreak Hotel-Schriftzug auf dem Unterarm. Wer ist der Tote? Ein DNA-Abgleich mit der Datenbank der Polizei bringt ein überraschendes Ergebnis: der Tote ist mit dem alten Tormod MacDonald verwandt. Leider kommt bei diesem eine Demenzerkrankung immer mehr zu Tage, so dass er keinerlei Antworten auf die brennenden Fragen von Polizei und Familie geben kann. Aus alter Verbundenheit zu den MacDonalds bringt Fin sich in die Ermittlungen ein, denn Tormods Enkeltochter Marsaili war- und scheint es immer noch zu sein- Fins große Liebe.

Ich habe diesen Krimi sehr gerne gelesen, wobei es im Grunde gar kein typischer Krimi ist. Es geht eigentlich viel mehr um Familie, alte Wunden und Geheimnisse, die durch den Fund der Moorleiche nach Jahren ans Tageslicht kommen. Vor allem die Lebensgeschichte des dementen Mannes wird äußerst fesselnd und anrührend beschrieben und eben darin liegt der Clou. Sämtliche Antworten wären zum Greifen nah, könnte er sich bloß erinnern. Aber zwischen ihm und der Lösung des Falls liegt diese gnadenlose Krankheit.


Verlag: Europa Verlag
ISBN: 9783958900554
Preis: 17,99 €
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Sein blutiges Projekt - Der Fall Roderick Macrae

Graeme Macrae Burnet, Rezension von Jutta Pollmann

Im Jahr 1869 erschlägt der siebzehnjährige Roderick Macrae seinen Nachbarn Lachlan Mackenzie und dessen Sohn und Tochter. Bei der Verhaftung gesteht er seine Tat sofort, auch den Pflichtverteidiger will er nicht haben, doch der macht ihm klar, dass dies sein Recht sei. Er ermuntert Roderick zudem aufzuschreiben, wie es zu dieser Tat gekommen ist.

Und Roderick erzählt sein Leben: Sohn eines kleinen Bauern, die Mutter bei der Geburt des letzten Kindes gestorben, seine Schwester übernimmt die Arbeit im Haushalt und die Betreuung der kleinen Geschwister. Er hilft seinem Vater bei der Arbeit und besucht die Schule. Sein Lehrer ist erstaunt über Rodericks Fähigkeiten, über seine schnelle Auffassungsgabe und bittet dessen Vater, ihn doch weiter zur Schule gehen zu lassen. Doch der will davon nichts wissen.

Und immer wieder ist es Lachlan Mackenzie, der Rodericks Vater das Leben schwer macht. Als eine Art Dorfpolizist hat er darüber zu wachen, dass die Crofter (kleine Bauern) die Gesetze und Regeln des Gutsherren einhalten.

Doch Rodericks Vater wird vom ihm drangsaliert: er nimmt ihm Land weg, weil ohne seine Frau ja weniger Münder zu stopfen sind; er verhängt Strafen, wenn Rodericks Vater Algen sammelt, obwohl andere im Dorf das auch tun und er schwängert Rodericks Schwester, die sich daraufhin erhängt. Roderick will einfach nur, dass sein Vater wieder in Ruhe leben kann, deshalb entwickelt sich in ihm nach und nach der Plan, Mackenzie umzubringen.

Rodericks Anwalt will auf unzurechnungsfähig plädieren, doch der dazu gezogene Arzt attestiert dem Angeklagten, dass er noch nie einen so intelligenten Verbrecher erlebt hätte.

Auch ein Psychiater, der Roderick untersucht, hält ihn für zurechnungsfähig. Da vom Richter angezweifelt wird, dass Roderick das Schriftstück über den Tathergang selbst verfasst hat, ordnet er an, dass dieses Papier vor Gericht nicht benutzt werden darf.

Roderick wird verurteilt und am 24.9.1869 gehängt.

 

Graeme Macrae Burnet war 2014 auf der Suche nach Informationen über seinen Großvater Donald „Tramp“ Macrae, der 1890 in Applecross geboren wurde, in der Nähe von Culduie, dem Ort, wo Roderick aufgewachsen ist und wo die Morde passierten.. Bei den Recherchen im Highland Archive Centre in Inverness, stieß Burnet auf Zeitungsberichte über den Fall Roderick Macrae und entdeckte zudem das von diesem erstellte Manuskript. Dieses Manuskript, dessen Echtheit von vielen bezweifelt wurde (wie kann ein Dorflümmel so schreiben), ist die Basis für dieses Buch.

Man taucht ein in eine längst vergangene Welt, in ein längst vergangenes Denken, vom Autor spannend inszeniert bis zur letzten Seite!!!!