Krimi


Verlag: List
ISBN: 9783471351734
Preis: 17,99 €
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Golden Cage- Trau ihm nicht. Trau niemandem.

Camilla Läckberg, Rezension von Karin Bucconi

Das Buch beginnt mit einem Paukenschlag. Im Prolog erfährt man von dem schrecklichen Verdacht, daß Julienne scheinbar Opfer eines Verbrechens wurde und Jack offensichtlich der Täter ist...

Die Vergangenheit und ihren richtigen Namen (Mathilda) hat Faye in Fjällbacka zurückgelassen. Ihre Familiengeschichte ist von Brutalität geprägt. Der Bruder begeht Selbstmord. Ihr Vater bringt ihre Mutter um, und sie flieht nach Stockholm, um dort zu studieren. Sie ist jetzt Faye.

Sie lernt viele Menschen kennen, denen sie aber nichts von ihrer Vergangenheit erzählt. U. a. Jack Adelheim, den sie heiratet. An seiner Seite  lebt sie in einem goldenen Käfig. Aus der selbstbewußten jungen Frau, die erheblich am Aufbau des Unternehmens ihres Mannes beteiligt war, wird ganz allmählich ein Hausmütterchen ohne jegliches Selbstbewußtsein. Sie lebt nur für ihre kleine Tochter Julienne und ihn und wird immer unterwürfiger. Wie andere Frauen aus ihren Kreisen erträgt sie sogar die Liebschaften ihres Mannes. Der hat nur noch Verachtung für sie übrig, und als sie eines Tages, früher als geplant, nach Hause kommt, liegt er mit einer Bekannten im gemeinsamen Ehebett. 

Er wirft Faye aus der Wohnung und zahlt ihr nicht einmal Unterhalt. Die neue Frau an seiner Seite ist schwanger, und er heiratet sie.

Ja, und endlich wacht diese früher so kluge Frau auf und erfindet sich neu. Sie hat die Unterstützung ihrer toughen Freundin Chris und ihrer Vermieterin und hält sich zunächst mit Hunde-Sitting über Wasser. Sie will sich an Jack rächen und ihn seiner Existenzgrundlage berauben, und sie findet tatsächlich für ihre Geschäftsidee Mitstreiterinnen, die eine ähnliche Lebensgeschichte haben. Als sie dann auf Jacks Computer einen Film sieht, der sie beinahe aus der Bahn wirft, will sie ihm nicht mehr nur schaden, sondern ihn vernichten...

Die Geschichte spielt in der Gegenwart und in Fayes Vergangenheit, einmal in Fjällbacka und in Stockholm, während des Studiums. Ich hätte das Buch nicht mit dem Untertitel Thriller versehen. Für mich war es ein guter Krimi, wenn auch an einigen Stellen sehr freizügig.

 


Verlag: Rowohlt
ISBN: 978-3-499-00005-8
Preis: 10,00 €
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Letzte Spur Algarve

Carolina Conrad, Rezension von Bernhard Söthe

Anabela Silva ist in Deutschland geboren und aufgewachsen, aber sie hat portugiesische Wurzeln. Anabelas Eltern sind als Rentner in ihre Heimat, ein Dorf im östlichen Hinterland der Algarve, zurückgekehrt. Dort leben auch noch viele Verwandte, portugiesische Familien sind groß. Aber als Anabelas Vater an beginnender Demenz zu leiden beginnt, bittet Anabelas Mutter ihre einzige Tochter um Beistand. Anabela folgt diesem Ruf nicht ungern, da ihr deutscher Mann sich von ihr hat scheiden lassen. Fast die klassische Geschichte, Anabela wurde gegen ein 20 Jahre jüngeres Modell eingetauscht. Auch um Abstand von ihrer persönlichen Misere zu gewinnen, reist sie in das Dorf ihrer Vorfahren. Wenn sie in Portugal bleiben will, muss sie sich aber überlegen, wie sie ihren Lebensunterhalt verdienen kann. In Deutschland hat sie als Journalistin gearbeitet, was im Hinterland der Algarve schwierig sein dürfte. Im ersten Band der Reihe "Mord an der Algarve" war sie über den Mord an einem deutschen Rentner gestolpert, der hier an der Algarve ein Haus kaufen wollte, und sie konnte der Kriminalpolizei als Übersetzerin helfen.

So kam sie in Kontakt mit Kommissar Almeida, den Anabela mit ungewöhnlichen Ermittlungstricks bei der Aufklärung des Mordes unterstützen konnte. Anabelas Eingreifen, obwohl zielführend, stieß nicht nur auf Begeisterung bei Kommissar Almeida. Aber trotz aller Differenzen sind sich Anabela und der Kommissar nicht unsympathisch, was sie gegenseitig aber gut zu verbergen wissen.

Im ersten Band ist Anabela auch auf eine düstere Familiengeschichte gestoßen. Eine Tante von ihr wurde in den 60er Jahren vom Sohn eines Großgrundbesitzers vergewaltigt und schwanger. Die "Schande" wurde versteckt, das Kind heimlich zur Welt gebracht und sofort zur Adoption freigegeben. Keiner weiß, was aus dem Kind geworden ist. Diese Geschichte, die das Leben ihrer Tante zerstört hat, lässt auch Anabela keine Ruhe. Aber das unliebsame Thema ist in ihrer Familie tabu, und mit eigenen Nachforschungen landet Anabela in einer Sackgasse.

In dem neuen Band "Letzte Spur Algarve" geht es um den Tod einer attraktiven Dänin, die im Pferdestall ihres luxuriösen Anwesens von einem durchgehenden Pferd zu Tode getrampelt wurde. Für den Staatsanwalt in Faro ein klarer Fall. Unfall - Akte geschlossen. Aber der ermittelnde Kommissar Almeida ist mit dieser Entscheidung nicht zufrieden. Im Fall der toten Dänin gibt es viele Ungereimtheiten. Die Dame war längst nicht so beliebt, wie es am Anfang der Ermittlungen schien. Sie hat reihenweise Herzen gebrochen, und woher ihr Reichtum stammt, ist auch ungeklärt. Und wieso ein für seine Sanftheit bekanntes Pferd plötzlich so aggressiv wird und seine Besitzerin angreift, kann auch keiner erklären. Aber Kommissar Almeida sind die Hände gebunden. Da er offiziell nicht weiter ermitteln darf, fällt ihm Anabela Silva ein, die ihm schon einmal auf unkonventionelle Weise bei Ermittlungen geholfen hat, außerdem würde er sie gerne wiedersehen. Anabela hat auch nichts gegen ein Treffen mit dem attraktiven Kommissar. Sie ist aber "not amused", als sie den Grund für das Treffen erfährt. Sie hat weder Lust noch Zeit, für Almeida als "Undercover"-Ermittlerin tätig zu werden. Erst als Almeida verspricht, seine Verbindungen zu nutzen, um ihr bei der Suche nach dem verschollenen Kind ihrer Tante zu helfen, willigt sie ein.


Verlag: Kiepenheuer und Witsch
ISBN: 978-3-462-05141-4
Preis: 16,00 €
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Der blutrote Teppich - Hollywood 1922

Christof Weigold, Rezension von Bernhard Söthe

Hardy Engel, deutscher Ex-Polizist, Ex-Soldat Kaiser Wilhelms, ist nach dem verlorenen Krieg nach Hollywood ausgewandert, um der deutschen Nachkriegsmisere und einigen privaten Problemen aus dem Weg zu gehen. Hier versucht Hardy Engel sein Glück als Schauspieler in der boomenden Filmindustrie, aber über ein paar kleine Nebenrollen kommt er nicht hinaus. Um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, besinnt er sich  auf seinen ursprünglichen Beruf. Im Vorkriegsdeutschland war Hardy Engel Polizist, und er versucht, sich in Hollywood als Privatdetektiv zu etablieren. Auch das erweist sich als nicht einfach. Zwar hat er durch seine Ausflüge in die Filmwelt oder besser gesagt: in die Halbwelt der Traumfabrik gute Komntakte dorthin, aber mit den offiziellen Polizeibehörden  steht er aufgrund verschiedener unliebsamer Zwischenfälle auf Kriegsfuß. Dadurch wird seine Arbeit als Detektiv nicht leichter, aber Aufträge sind sowieso rar. Folglich ist Hardy Engel froh, als endlich mal wieder das Telefon klingelt und ein einfacher, aber gut bezahlter Auftrag winkt.

William Desmond Taylor, ein aufstrebender Hollywood-Regisseur, bittet ihn, eine Schauspielerin eine Nacht lang zu überwachen. Besagte Dame soll in dieser Nacht brav zu Hause bleiben und nicht durch irgendwelchen Kneipen und Betten ziehen, damit sie am nächsten Morgen blütenfrisch vor der Kamera stehen kann. Die Dame macht es Hardy Engel leicht, sie verlässt ihr Haus nicht und geht augenscheinlich früh und allein schlafen. Als Hardy Engel nach der ereignisarmen Nachtwache vor dem Haus der Schauspielerin seinen Auftraggeber aufsucht, um Vollzug zu melden und sein leicht verdientes Honorar abzuholen, findet er den Regisseur ermordet vor. Bevor Engel Gelegenheit hat, den Toten und den Tatort näher in Augenschein zu nehmen, trifft die Polizei ein und verhaftet ihn unter Mordverdacht ...

Wie auch Hardy Engels erster Fall "Der Mann, der nicht mitspielt" (in dem der Löwe von Metro-Goldwyn-Meyer eine ungute Rolle spielt) beruhen Christof Weigolds Krimis auf tatsächlich in Hollywood passierten Kriminalfällen. Der angenehm nostalgische Stil der Krimis erinnert an Autoren wie Dashiell Hammett, Rex Stout, James Ellroy und ihre coolen Detektive. Die Reihe um den toughen Detektiv Hardy Engel wird fortgesetzt. 


Verlag: Goldmann
ISBN: 978-3-442-31392-1
Preis: 15,00 €
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Schatten der Toten

Elisabeth Herrmann, Rezension von Bernhard Söthe

  

Der dritte Band der erfolgreichen "Judith Kepler"-Reihe beginnt mit einem umfangreichen "Was bisher geschah". So ist dieser spannende Krimi auch für Seiteneinsteiger verständlich. Aber als Leser würde man sich berauben, wenn man auf die beiden ersten Bände der Reihe verzichten würde.

Ruhigere Phasen im Leben der Putzfrau und Tatortreinigerin Judith Kepler scheint es nicht zu geben. Kaum haben sich die Turbulenzen des letzten Falles, in den sie verwickelt war, beruhigt, tauchen neue Probleme auf . Judiths Chef, der knorrige Selfmade Man Dombrowski, liegt mit lebensbedrohenden Herzproblemen auf der Intensivstation eines Krankenhauses. Ausgang ungewiss. Bevor er ins Koma fällt, beauftragt er Judith, sich um die Leitung seines stetig gewachsenen Reinigungsunternehmens zu kümmern. Nur widerwillig übernimmt Judith die unwillkommene Aufgabe. Auch im Interesse ihrer Kollegen, sonst droht Arbeitslosigkeit, will sie die Firma vorerst weiterführen.

Genug Probleme, doch zusätzlich tauchen Gestalten aus Judiths komplizierter Vergangenheit auf. Ihr Vater, ein Doppelagent von Stasi und BND, der eine traumatisierende Rolle in Judiths Leben spielt, ein inzwischen als international tätiger, von Polizei und diversen Geheimdiensten gesuchter Waffenhändler, ist in Odessa aufgetaucht, wo er alte Kontakte zu den Nachfolgeorganisationen des KGB für seine Geschäfte nutzen will. Judith hat noch mehr als eine Rechnung mit ihm offen. Um mit ihrer unglücklichen Vergangenheit abschließen zu können, wären mit ihm viele Fragen zu klären, denen er bisher geflissentlich aus dem Weg gegangen war. Entweder geht Judith nach Odessa, um sich ihrem Vater und ihrer Vergangenheit zu stellen oder sie kümmert sich in Berlin um die Firma ihres todkranken Chefs. Beides zusammen geht nicht.

Viele komplizierte Verwicklungen aus Vergangenheit undGegenwart. Man sollte seine Sinne schon beisammen haben, um allen Verästelungen der Handlung folgen zu können, und das macht die Lektüre nicht gerade einfach. Aber wegen der ungewöhnlich guten, stimmigen Personenbeschreibungen bleibt man als Leser gerne am Ball, man will einfach wissen, wie es mit Judith Kepler und der sehr überschaubaren Anzahl der Menschen, die ihr wichtig sind, weiter geht.


Verlag: Limes
ISBN: 9783809027058
Preis: 15,00 €
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Die Lüge

Matthias Edvardsson, Rezension von Jutta Pollmann

Adam, Ulrika, Stella, eine ganz normale Familie in Lund. Adam ist Pfarrer, Ulrika Rechtsanwältin. Kennen gelernt haben sie sich während des Studiums. Als Stella dann zur Welt kommt, kümmert sich Adam hauptsächlich um seine Tochter, damit Ulrika weiter als Anwältin arbeiten kann. Stella wird ein „Papakind“, sehr zum Stolz von Adam. Doch je älter Stella wird, umso mehr muss Adam feststellen, dass sie ihm nicht nur entgleitet, sondern auch immer weniger seiner Vorstellung von einer idealen Tochter entspricht.

Stella wird aufmüpfig, Stella wird jähzornig, Stella hält sich nicht an Regeln, Stella begehrt auf. Nicht nur einmal werden die Eltern in die Schule zitiert. Und auch beim Handball – Stella spielt wahnsinnig gut – rastet sie regelmäßig aus.

Dann der Bruch. Nach einem Zwischenfall auf ihrer Konfirmanden-Freizeit entfernt sich Stella immer mehr von ihrem Vater. Ulrika arbeitet daher wieder mehr von zuhause aus und Mutter und Tochter finden erneut einen Draht zu einander.

Jetzt mit 19 Jahren jobbt Stella bei H&M um ihren Traum von einer Asienreise zu realisieren. Als ihr die Eltern zu ihrem Geburtstag einen Roller offerieren, ist sie wenig begeistert. Wieder haben sie ihr nicht zugehört, sie will Geld für ihre Reise, keinen Roller. Das gemeinsame Geburtstagsessen wird ein kurzes. Stella verschwindet danach schnell, sie hat sich noch mit Amina, ihrer besten Freundin verabredet, die beiden wollen noch ein bisschen feiern gehen.

Am nächsten Morgen dann der Anruf: Stella ist verhaftet worden und wegen Mordes angeklagt. Sie soll einen 32jährigen Mann ermordet haben. Doch Adam bestätigt, dass er Stella um kurz vor 12 Uhr gehört und gesehen hat, damit stünde sie eigentlich nicht mehr unter Verdacht, denn der Mord passierte später. Aber die Indizien sprechen gegen sie. Aber kann ein Pfarrer lügen?

 

 

„Alle glücklichen Familien ähneln einander; jede unglückliche aber ist auf ihre eigene Art unglücklich.“ ( Leo Tolstoi, Anna Karenina)

 

Ein unheimlich spannender Krimi, der aus drei verschiedenen Perspektiven erzählt wird und den man vor der letzten Seite nicht zur Seite legt!!!


Verlag: Penguin
ISBN: 9783328104124
Preis: 15,00 €
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Westwall

Benedikt Gollhardt, Rezension von Annette Riedel

Die Polizeischülerin Julia lernt zufällig den attraktiven Nick kennen. Die beiden kommen sich schnell näher und nach einer gemeinsamen Nacht entdeckt Julia ein riesiges Hakenkreuztattoo auf seinem Rücken. Sie ist total schockiert und vertraut sich nach langem Zögern ihrem Ausbilder an.

Auch mit ihrem Vater, einem ehemaligen Punker und Aussteiger, der nach einem Unfall querschnittsgelähmt und auf ihre Hilfe angewiesen ist, spricht sie über den jungen Mann, der längst ihr Herz erobert hat. Der Vater versucht, seine Panik bei ihrer Schilderung der Details zu verbergen.

Plötzlich gerät Julias komplettes Leben aus den Fugen. Die Grenze zwischen Gut und Böse verschwimmt. Ihre Suche nach der Wahrheit führt sie in die Wälder der Eifel, nah des Westwalls, der Verteidigungsanlage aus dem Zweiten Weltkrieg und in ihre eigene Vergangenheit.

 

Ein Thriller, der atemlos macht – erschreckend aktuell, hoch brisant, atmosphärisch – ein gelungenes Debüt!


Verlag: Droemer/Knaur
ISBN: 978-3-426-30715-1
Preis: 14,99 €
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Zara & Zoe - Rache in Marseille

Alexander Oetker, Rezension von Bernhard Söthe

Der Autor, der als Journalist in Frankreich lebt, hat bereits zwei Krimis veröffentlicht, die im Südwesten Frankreichs spielen.

     

In seinem neuesten Buch wechselt der Autor nicht nur den Handlungsort von Bordeaux nach Marseille und das Personal, auch der "Härtegrad" dieses Krimis hat sich gewandelt. Vielleicht weil das Leben in den Banlieues von Marseille härter ist als an den Stränden der Atlantikküste? 

Die in Marseille geborene Protagonistinnen Zara und Zoe sind Zwillingsschwestern, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Zwar sind beide tough, blond, schön, aber Zara arbeitet für Europol in Brüssel, ihre Schwester arbeitet als Auftragskillerin für einen korsischen Gangsterboss. Traditionell beherrschen korsische Gangsterclans die Unterwelt von Marseille. Das überaus lukrative Drogengeschäft wird ihnen aber zunehmend von arabischen Clans streitig gemacht. Aber nicht nur in der kriminellen Szene herrscht Unruhe, auch politisch gärt es. Nach dem islamistischen Terroranschlag in Nizza haben ausländerfeindliche, rechtsradikale Bewegungen starken Zulauf. Rechtsradikale und islamistische Gewalt schaukelt sich gegenseitig hoch. In die überwiegend von arabischstämmigen Migranten bewohnten Banlieues trauen sich Polizeibeamte nur schwer bewaffnet und in Mannschaftsstärke. Jederzeit können aus diesem Milieu heraus neue Terroranschläge verübt werden. Da die Terroristen oft länderübergreifend vernetzt sind, ist es Aufgabe von Europol, terroristische Taten zu verhindern. Zara, die ja Ortskenntnis hat und ihr schwedischer Kollege werden nach Marseille entsandt. Die Zusammenarbeit mit der korrupten Ortspolizei erweist sich als unmöglich. Zara muss feststellen, dass sie hier mit lehrbuchmäßigen, rechtsstaatlichen Methoden nicht weiterkommt. Sie sucht die Hilfe ihrer skrupellosen Schwester Zoe, was allerdings ein Problem ist. Die Zwillingsschwestern sind aufs Heftigste verfeindet. Das Scheitern der Ehe ihrer Eltern und massive Geschwisterrivalität sind die Ursache. Dieser Teil des Krimis wirkt etwas konstruiert, nicht jeder heftige Familienstreit endet damit, dass die verfeindeten Geschwister entweder Polizisten oder Auftragskiller werden. Sei's drum. Dieser Krimi ist temporeich aus verschiedenen Perspektiven erzählt, und die Themen Terrorismus und kriminelle Clans sind ja von beklemmender Aktualität.


Verlag: Argument-Verlag
ISBN: 9783867542364
Preis: 24,00 €
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Kritische Masse

Sarah Paretzky, Rezension von Karin Bucconi

Sarah Paretzky hat mich durch die 80iger, meine ersten Krimijahre, begleitet, und nun habe ich sie wiederentdeckt. Ihre Privatdetektivin Vic Warshawski ist zurück. Endlich!!!

Die Handlung "spielt" in Chicago und im Wien der Nazizeit.  Einer Freundin zuliebe läßt sich Vic Warshawski auf eine Vermisstensuche ein. Die Privatdetektivin sucht die drogensüchtige Patientin einer befreundeten Ärztin und ihren ebenfalls verschwundenen Sohn, ein Computergenie, das von seinem Arbeitgeber beschuldigt wird, geheime Daten geklaut zu haben. 

Ihre Suche beginnt auf dem Land in Illinois. Dort findet sie in einem Maisfeld einen Toten, einen schwer verletzten Hund und stößt auf eine zerstörte Methküche. Von Judy Binder, die sie anzutreffen hofft, keine Spur.

Ihre Ermittlungen führen sie zurück in die 30iger und 40iger Jahre, in denen ihre Auftraggeberin in Wien lebte.  Inspiriert von der wahren Geschichte der jüdischen Physikerin Marietta Blau, deren spektakuläre Entdeckungen wegen des Zweiten Weltkriegs nicht genug gewürdigt wurden. Sie war auch in der Kernphysik tätig, die nicht nur in der Speichertechnologie, sondern auch militärisch von großer Bedeutung war. Paretzky schickt Vic Warshawski diesmal auf die Spur des verschollenen Urenkels .

Und plötzlich sind sie alle hinter ihr her. Nicht nur Dealer und Drogenbosse, sondern auch Mitarbeiter einer hochangesehenen Computerfirma und sogar der Heimatschutz.

Ein glänzendes Comeback. Eine Sarah Paretzky in Bestform. Ihr kluger Blick auf die politische Vergangenheit Amerikas, auch hinsichtlich der Flüchtlingspolitik (und die aktuelle politische und wirtschaftliche Situation) macht deutlich, wie Vergangenheit und Gegenwart sich beeinflussen.

Lesen!Lesen!Lesen!


Verlag: dtv
ISBN: 9783423262293
Preis: 15,90 €
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Liebes Kind

Romy Holzmann, Rezension von Karin Bucconi

"Dieser Thriller beginnt, wo andere aufhören". Ein völlig zutreffender Gedanke. Dieser Erstling von Romy Hausmann hat mich fassungslos gemacht und ratlos zurückgelassen. Was kann ein Mensch anderen Menschen zufügen, und- was können Opfer psychischer Gewalt aushalten, ohne ganz verrückt zu werden.

Zunächst ein kurzer Rückblick in die Vergangenheit:

Lena Beck, Studentin, 23 Jahre alt, ist vor 14 Jahren spurlos verschwunden, und die Polizei findet sie weder lebendig noch ihre Leiche. Sie ist von einem  Soziopathen entführt und in einer Waldhütte ohne Fenster gefangen gehalten worden, wo sie zwei Kinder zur Welt bringt. Jeder ihrer Schritte in der Hütte wird kontrolliert. Sogar die Zeiten, wann sie auf die Toilette gehen darf, sind festgelegt. Sie werden psychisch und physisch gequält, obwohl der Vater, der tagsüber unterwegs ist, behauptet,daß er seine Familie nur beschützen will.

Die Gegenwart: 

Eine Frau wird von einem Auto schwer verletzt und ins Krankenhaus gebracht. Bei ihr ist ihre Tochter Hannah, der nichts passiert ist. Sie ist geflohen, aus einer Hütte im Wald, in der sie eine lange Zeit gelebt hat. Hannah, die kleine Tochter geht nicht zur Schule, hat keine Freunde. Unterrichtetwird sie, gemeinsam mit ihrem Bruder Jonathan,von ihrer Mutter.  Sie leben alle nach strengen Regeln.  Immer wieder mißhandelt der Vater seine "Frau", kettet sie nachts ans Bett,damit sie nicht fliehen kann. . Sie kennt beide nicht. Aber Jonathan ist ganz alleine und wird das nicht überleben, wenn er keine Hilfe bekommt... 

Als angenommen wird, dass es sich bei dem Unfallopfer um die vermisste Lena Beck handelt, werden deren Eltern verständigt. Nur kann der Vater die Frau nicht als seine Tochter identifizieren und ist am Boden zerstört, bis er im Flur des Krankenhauses Hannah sieht, die ihrer Mutter wie aus dem Gesicht geschnitten ist. Hat er sich geirrt? Aber- warum sollte die KLeine Mama zu der Fremden sagen? Lügt sie?

Mehr möchte ich nicht zum Inhalt sagen, denn schon der Klappentext verrät sehr viel.

Ein nervenaufreibender Psychothriller, der aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt wird. Alle Beteiligten kommen zu Wort, nur der Täter nicht, der sich in den Gedanken und Erzählungen der Menschen spiegelt.

Spannend von der ersten bis zur letzten Seite.

 

 

 

 

 


Verlag: Bastei Lübbe
ISBN: 9783785726501
Preis: 22,00 €
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Lazarus

Lars Keppler, Rezension von Karin Bucconi

Jurek Walter, der gefährlichste Massenmörder Schwedens, ist tot. Saga Bauer, Kollegin des Protagonisten, Kommissar Joona Linna, hat ihn erschossen. Monate später werden seine Überreste aus dem Meer gefischt.

Schweden atmet auf.

Aber- als in ganz Europa rätselhafte Morde geschehen, erkennt Linna dahinter ein Muster, und er weiß, das Ungeheur lebt, auferstanden wie einst Lazarus in der Bibel. Niemand glaubt Linna, und man verweigert ihm die notwendige Unterstützung. 

Walter hat einen brutalen Handlanger, der ihm offensichtlich hörig ist. Der "Biber" übernimmt die "Jobs" bei denen es darum geht, den Opfern physische Schmerzen zuzufügen, bevor sie qualvoll sterben. Für die Zerstörung der Psyche von Menschen ist Walter zuständig, und da ist er ein wahres Monster. Er begräbt seine Opfer lebendig in Fässern und Särgen, läßt ihnen zunächst aber noch Luft zum Atmen. Er will die Menschen in der Umgebung seiner Opfer leiden sehen, indem er ihnen die liebsten Menschen nimmt, die sie haben. Er will ihr Innerstes zerstören.

In seinem Fokus steht die Rache an Joona Linna, dem Mann, der seinen Zwillingsbruder getötet hat. Er eröffnet eine grausame Jagd auf Joonas Kollegen, die Angehörigen von Saga Bauer, seine Liebste und seine Tochter. Gelingt es dieses Mal, das meschliche Monster zu stoppen?

Ich habe noch nie einen so blutigen, brutalen Krimi gelesen. Man braucht Nerven für dieses Buch, starke Nerven, und man muss die "Schlachthausatmosphäre" ertragen können.

 


Verlag: Galiani
ISBN: 978-3-86971-141-6
Preis: 15,00 €
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Der Turm der blauen Pferde

Bernhard Jaumann, Rezension von Bernhard Söthe

Jaumann, Träger des Deutschen Krimipreises 2011, begibt sich in seinem neuen Kriminalroman in die schillernde Welt der größenwahnsinnigen Kunstsammler, betrügerischer Kunsthändler, Kunstfälscher und Kunstdiebe. Die Geschichte beginnt 1945 im Berchtesgardener Land. Die Nazigrößen wissen längst, dass der Krieg verloren ist und versuchen, ihre zusammengeraubten Reichtümer, darunter kostbarste Kunstschätze, beiseite zu schaffen. So auch "Reichsmarschall" Göring. Waggonweise lässt er seine im "1000jährigen Reich" zusammengeraffte Beute von gotischen Madonnen bis zu Bildern der Moderne, darunter auch Werke, die von den Nazis als "entartet" gebrandmarkt wurden, in das vermeintlich vor Feinden sichere Bayern schaffen. Die Eisenbahnwaggons mit dem Raubgut sollten in Bergtunneln versteckt werden. Diese hektische Aktion der letzten Kriegstage lässt sich vor der Bevölkerung nicht lange geheim halten. Kaum sind die letzten Nazis wie vom Erdboden verschluckt, werden die Waggons geplündert. Dies ist eine historische Tatsache. Es halten sich bis heute hartnäckige Gerüchte, dass längst nicht alle Waggons mit Raubgut gefunden wurden. Mancher Tunnel wurde bei Kriegsende hastig gesprengt und so zum Einsturz gebracht. 

Zwei halbwüchsige Hitlerjungen - Ludwig und sein Freund Xaver - stoßen zufällig auf einen schlecht versteckten Eisenbahnwaggon . Statt der erwarteten Reichtümer finden die Jugendlichen "nur" Bilder. Eines davon ist Franz Marcs legendäres Bild "Der Turm der blauen Pferde", eine Ikone der modernen Malerei, was Ludwig und Xaver aber nicht wissen können. Aber die Faszination, die von diesem genialen Meisterwerk ausgeht, spüren auch die beiden Jugendlichen. Im Streit um das Bild erschlägt Ludwig seinen Freund Xaver. Der Totschlag wird versprengten SS-Leuten in die Schuhe geschoben. Ludwig nimmt den "Turm der blauen Pferde" mit in das elterliche Bauernhaus, wo es jahrzehntelang die gute Stube schmückt. Die wenigen Besucher, die sich über das auffällige Gemälde in der ansonsten schlichten Behausung wundern, erhalten die Auskunft, das Bild sei leider nur eine Kopie, aber der Bauer hänge halt daran. Ludwigs Sohn kann mit der "Spinnerei" seines Vaters nichts anfangen, aber Ludwigs Enkel hat die Begeisterung für das ungewöhnliche Bild von seinem Großvater geerbt. Der Enkel ist ein hochbegabter Hobbymaler ...

Ein etwas halbseidener, aber schwerreicher und publicitysüchtiger Kunstsammler bekommt auf verschlungenen Wegen das Angebot, das lange verschollene Bild "Turm der blauen Pferde" zu kaufen. Drei Millionen Euro soll es kosten. Ein lächerlicher Preis für ein Gemälde von diesem Rang. Der gierige Kunstsammler lässt sich auf diesen obskuren Handel ein. Der Verkäufer, ein noch junger Mann, ist unter falschem Namen aufgetreten und verschwindet nach Geld- und Bildübergabe spurlos. Der Käufer möchte natürlich Gewissheit haben, ob er den echten "Turm der blauen Pferde" erworben hat, bevor er seinen Erwerb der staunenden Öffentlichkeit präsentiert. Hier kommt die Kunstdetektei von Schleewitz ins Spiel. Herr von Schleewitz und seine beiden Mitarbeiter sollen Beweise für die Echtheit des Bildes beschaffen. Nicht ganz einfach, denn es gibt nicht nur einen "Turm der blauen Pferde", sondern zwei und plötzlich sogar sechs ...

Der Auftakt einer neuen Krimireihe mit amüsiert-zynischem Blick auf die Eitelkeiten und oft nicht ganz sauberen Geschäfte des Kunstmarktes.


Verlag: Wunderlich
ISBN: 9783805200325
Preis: 16,99 €
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Stern des Nordens

D.B. John, Rezension von Karin Bucconi

Alle halten sie für tot. Nur ihre Zwillingsschwester Jenna nicht. Jenna Williams,  eine junge Afroamerikanerin mit koreanischen Wurzeln, kommt eigentlich in ihrem Leben gut zurecht. Nur ihre Schwester, die vor zwölf Jahren spurlos verschwand und für tod erklärt wurde, fehlt ihr. Bei einem Urlaub in Südkorea badete sie mit einem Freund am Meer und- verschwand spurlos. Sie sei ertrunken, hieß es...

Als nun die CIA auf Jenna, die hochintelligente, junge Frau aufmerksam wird, und sie anwirbt, Undercover in Nordkorea tätig zu werden, stimmt sie zu.

Die Bäuerin Moon, findet ein Hilfspaket aus Südkorea. Das macht sie auf dem Markt zu Geld, was die anderen Frauen zunächst  erzürnt, können sie doch Konkurrenz nicht gebrauchen. Aber sie wird zum Mittelpunkt des Widerstands, als eine der Marktfrauen verhaftet wird. Sie allein hat den Mut, den korrupten Beamten die Stirn zu bieten und wird sofort in die Gemeinnschaft der Frauen aufgenommen.

Der dritte Protagonist Cho Sang Ho, ein Parteifunktionär, reist in die USA. Er steht vor einer wichtigen Beförderung, die aber nur wirksam wird, wenn er nachweisen kann, dass seine Familie über drei Generationen einen tadellosen Ruf hat. Doch, obwohl er sich da sicher ist, kommt plötzlich ein Geheimnis ans Licht, dass ihm den Boden unter den Füßen wegreißt und ihn in tödliche Gefahr bringt.

Die Geschichte wird aus der Perspektive dieser drei erzählt, ist spannend und beklemmend zugleich und so absurd, dass man vieles nicht glauben will.

Der Autor hat lange in Südkorea gelebt, und er ist einer der wenigen Ausländer, der die Erlaubnis erhielt, Nordkorea zu bereisen.

Manchmal schier unerträglich brutal, dieser Polit-Thriller, aber dennoch lesenswert.


Verlag: Blanvalet
ISBN: 9783734105432
Preis: 15,00 €
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Alles, was du fürchtest

Peter Swanson, Rezension von Karin Bucconi

Kate Priddy, eine junge Frau, weiß aus eigener Erfahrung, dass man im Leben immer mit dem Schlimmsten rechnen muss. Seit Jahren verfolgen sie Albträume, genau, seit ihr anfangs liebevoller Freund sie beinahe getötet hätte. Sie gerät seitdem schnell in Panik und ist Menschen, besonders Männern gegenüber, mißtrauisch.

Als ihr Cousin Corbin, der in den USA wohnt, ihr einen Wohnungstausch auf Zeit vorschlägt, stimmt sie zu. Er zieht nach London,  sie nach Boston. Aber- kaum ist sie in dessen luxuriöser Bleibe angekommen, wird nebenan eine junge Frau ermordet aufgefunden, und Kate wird erneut mit ihren Ängsten konfrontiert.

Ist Alan, der nette Nachbar. der sich um sie bemüht, der Täter? Er hatte die Tote über lange Zeit aus der Ferne angehimmelt. Oder ist es Corbin, ihr Cousin, dessen Geliebte sie offensichtlich war, obwohl er das bestreitet.

Jedenfalls dringt der Täter auch jetzt in die persönlichen Rückzugsorte von Menschen ein, verschafft sich Zutritt zu ihren Wohnungen, durchwühlt ihre Sachen und bleibt dennoch unbemerkt. Die "Opfer" registrieren in ihrer nächsten Umgebung allenfalls kleine Veränderungen, die sie an ihrem Verstand zweifeln lassen. Auch Kate gerät in große Gefahr, obwohl sie doch gehofft hatte, in Boston endlich ihr Trauma überwinden zu können...

Spannend geschrieben und- gut zu lesen.

 


Verlag: btb
ISBN: 9783442757206
Preis: 16,00 €
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Wundbrand

Cilla & Rolf Börjlind, Rezension von Karin Bucconi

Mit Wundbrand legen Cilla und Rolf Börjlind einen neuen Fall für Olivia Rönning und Tom Stilton vor.  Die Reihe begann mit dem Titel "Springflut", und nun ist  der fünfte Band erschienen. Man kann jeden für sich lesen, aber die Geschichte des Ermittlerduos, insbesondere die von Tom Stilton ist so spannend, dass es sich lohnt, mit dem ersten Band zu beginnen.

Die Handlung von "Wundbrand" spielt zum einen in Schweden, aber auch im "Goldenen Dreieck", einer Region im Grenzgebiet der Staaten Laos, Thailand und Myanmar. Hier wird Schlafmohn angebaut und zu Heroin verarbeitet. Aber- zunächst nach Stockholm:

In diesem Jahr ist der Winter ungewöhnlich kalt. Kaj Brovall will mit seiner Frau Malin und der 16jährigen Tochter Ida in den Skiurlaub fahren.  Er, der als Wirtschaftsprüfer arbeitet, und seine Frau, die Staatsanwältin, haben sich eine ganze Woche "freigeschaufelt", um einmal durchatmen zu können. Als sie endlich alle im Auto sitzen und Kaj den Zündschlüssel im Schloss umdreht, explodiert der Wagen.  Nur Malin überlebt zunächst. Schnell ist ein Verdächtiger gefunden, der auch verurteilt wird, aber Olivia Rönning glaubt nicht an dessen Schuld. Sie nimmt Kontakt zu Tom Stilton auf, der in ihrem letzten gemeinsamen Fall eine Grenze überschritten hat, die sein Leben schwer belastet. Er hat sich mit seiner Freundin Luna nach Thailand zurückgezogen und lebt mit ihr bei seiner Halbschwester Aditi. Hier begibt er sich auf die Suche nach einem Mann, der sich im Dschungel versteckt hält und kommt dabei der Drogenmafia gefährlich nah. 

Auch ein kleiner Junge, Pluto, spielt eine nicht unwesentliche Rolle, rettet er Tom doch das Leben und bringt sich selbst in noch größere Gefahr. Relativ schnell wird klar, dass es einen Zusammenhang zwischen den Morden in Stockholm und dem Unbekannten gibt, der sich auf eine altes Schiff im Urwald zurückgezogen hat, auf dem auch einige Jungen leben, die er angeblich aus ihrem vorherigen Elend befreit hat...

Auch Band 5 der Reihe ist wieder spannend und überaus lesenswert.


Verlag: Droemer
ISBN: 978-3-426-22686-5
Preis: 14,99 €
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Vanitas - Schwarz wie Erde

Ursula Poznanski, Rezension von Kathrin Allkemper

Carolin lebt in Wien und arbeitet auf dem Zentralfriedhof als Blumenhändlerin. Doch das war nicht immer so. Als Polizeispitzel war sie einer der brutalsten Banden des organisierten Verbrechens, der sogenannten Familie der Karpins, auf der Spur. Ihre einzige Chance, dort lebend herauszukommen, war: zu sterben. Natürlich wurden Tod und Beerdigung nur vorgetäuscht, um sich ein Leben unter dem neuen Namen Carolin Springer aufbauen zu können. Es ist kein wirkliches Zeugenschutzprogramm, mehr eine Art Arrangement. Ihr Kontaktmann Robert von der Polizei hat ein Auge auf sie UND die Karpins. Um unauffällig zu bleiben und möglichst auch keine digitalen Spuren zu hinterlassen, kommuniziert Carolin mit ihm auf eine besondere Art. Die beiden schicken sich Blumensträuße, denn jede Blume hat eine bestimmte Bedeutung, die beide zuvor erlernt haben. Aufgrund ihres Jobs fällt es praktischerweise auch niemandem auf.

Eines Tages liegen allerdings Blumen vor ihrer Haustür, die nichts Gutes bedeuten. Carolin gerät in Panik und mit einem Schlag ist alles wieder da. Sie musste als Spitzel grausame Dinge mit ansehen und wünscht sich manchmal tatsächlich, sie wäre tot. Alles ist besser, als in die Fänge der Karpins zu geraten.

Um weiterhin den Schutz von Robert uneingeschränkt fordern zu können, soll sie für ihn einen weiteren Auftrag erledigen. Alles in ihr sträubt sich dagegen, ihr neues sicheres Heim in Wien zu verlassen, aber sie hat keine Wahl. Sie muss nach München und dort in eine Wohnung ziehen, die neben dem Apartement von Tamara Lambert liegt. Carolin soll sich mit der Tochter des großen Bauunternehmers anfreunden und Nachforschungen anstellen. Zuletzt häuften sich tödliche Unfälle auf den Baustellen von Lamberts Konkurrenten. Schnell stellt sie fest, dass in der Familie Lambert ebenfalls tödliche Geheimnisse lauern...Sehr guter Krimi, der bis zum Schluss spannend bleibt.


Verlag: Blanvalet
ISBN: 978-3-7341-0589-0
Preis: 9,99 €
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Parceval- Seine Jagd beginnt

Chris Landow, Rezension von Kathrin Allkemper

Ralf Parceval war lange Bundespolizist und danach als Polizeiausbilder in Afghanistan tätig. Nach einem Terroranschlag auf seine Schützlinge hat er sich an den Schuldigen gerächt und sitzt nun in Berlin eine Haftstrafe für 15fachen Mord ab. Da er außerdem für seine skrupellosen Verhörmethoden bekannt ist, wird er in einem besonders grausigen Fall von der Polizei zu Rate gezogen. Ungewöhnlich, verboten, aber für den Chef der Berliner Kriminalpolizei, Martin Zach,ist es der letzte verzweifelte Versuch, an Informationen zu kommen. Auf einem Parkplatz des BER wurde eine Limousine gefunden, deren Inneres mit Beton ausgegossen wurde- allerdings saß der Fahrer da noch hinter dem Steuer und musste einen qualvollen Tod sterben. Von der Tochter eines reichen Unternehmers, die er chauffieren sollte, fehlt bisher jede Spur. Zwar konnte man den Entführer bei der Geldübernahme fassen, aber über den Verbleib seines Opfers schweigt er beharrlich. Sollte das Mädchen noch leben, zählt jede Minute. Und da kommt Verhörspezialist Ralf Parceval ins Spiel....

Natürlich will er nach seinem Einsatz nicht zurück ins Gefängnis und handelt einen Deal aus. Zach lässt den Deal jedoch platzen, aber Parceval gelingt die Flucht. Endlich kann er damit beginnen, die Drahtzieher der Afghanistan-Katastrophe zu jagen. Und nebenbei kriegt noch der ein oder andere zu spüren, was es heißt, Parceval zu verärgern...Super spannend, rasant und stellenweise nichts für schwache Nerven!

Chris Landow ist das Pseudonym eines bekannten deutschen Bestsellerautors und die Reihe um Parceval soll fortgesetzt werden. Ich habe diesen Thriller in einem Rutsch gelesen und freue mich schon auf Nachschub.

 


Verlag: List
ISBN: 978-3-471-35182-6
Preis: 15,00 €
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Doggerland-Fehltritt

Maria Adolfsson, Rezension von Kathrin Allkemper

Für ihr Krimidebüt hat die Autorin die als Doggerland bezeichnete Landbrücke zwischen den Britischen Inseln und Europa, die nach der letzten Eiszeit mit dem steigenden Meeresspiegel verschwand, wieder auferstehen lassen. Gerade hat dort das berühmte Austernfest stattgefunden, auf das sich alle Bewohner jedes Jahr sehr freuen und dementsprechend kräftig feiern. Auch Kommissarin Karen Eiken Hornby hat dabei sehr tief ins Glas geschaut und im volltrunkenen Zustand einen großen Fehler begangen. Als sie am Morgen danach in einem Hotelbett aufwacht, liegt sie neben ihrem Chef, den sie eigentlich noch nicht einmal leiden kann. Geschockt, angeekelt von sich selbst und schwer verkatert macht sie sich still und leise aus dem Staub. Allerdings kann sie sich nicht lange auskurieren und das Geschehene verdrängen. Sie wird zu einem Tatort gerufen, an dem eine Frau ermordert in ihrem Haus aufgefunden wurde. Für Karen ist es ein besonders heikler Fall, denn es handelt sich um die Ex-Frau ihres Chefs. Dieser darf den Fall wegen Befangenheit nicht bearbeiten und so ist es an Karen, ihr Können unter Beweis zu stellen. Das erste Problem besteht schonmal darin, dass sie natürlich um jeden Preis verhindern will, dass jemand von ihrem One-Night-Stand mit dem Chef erfahren soll. Für ihren Vorgesetzten, der als Ex-Mann routinemässig als Verdächtiger überprüft wird, wäre es aber das sicherste Alibi...

Die Ermittlungen führen in die Vergangenheit zu einer Art Hippie-Kommune, in der das Mordopfer geboren wurde. Karen muss also sehr tief graben und zudem gegen die Zweifler in ihrem Team ankämpfen, die glauben, dass sie eine falsche Spur verfolgt.

Spannender Krimi in einer interessanten Location, der den Auftakt zu einer neuen Reihe bildet. Der nächste Fall erscheint Ende des Jahres und ich freue mich jetzt schon darauf.


Verlag: Atlantik
ISBN: 978-3-455-00429-8
Preis: 16,00 €
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Tod am Aphroditefelsen

Yanis Kostas, Rezension von Bernhard Söthe

Sofia Perikles ist das privilegierte Töchterchen eines hohen zypriotischen Staatsbeamten. Sie ist jung, hübsch und hat gerade an einer renommierten englischen Universität mit Erfolg studiert. Papa Perikles ist seit Jahren der Botschafter Zyperns in Paris, was ein gutes Einkommen bei überschaubarem Arbeitsaufkommen bedeutet. Nun soll der einflussreiche Papa -alle Zyprioten sind Familienmenschen- seiner Tochter den Weg in eine steile Karriere im zyprischen Innenministerium bahnen. Als sich aber auf Zypern nach Wahlen überraschend die Machtverhältnisse ändern (ab sofort regieren die Linken), sind diese schönen Pläne gescheitert. Papa Perikles wird von Paris nach Jerewan versetzte, die armenische Hauptstadt ist leider nicht ganz so glanzvoll wie die französische. Und statt auf einem bequemen Sessel in einer der oberen Etagen des Innenministeriums landet die Tochter des degradierten Botschafters als gewöhnliche Polizistin im staubigsten und abgelegensten Dorf Zyperns unmittelbar an der Grenze zum türkischen Teil der Insel. Sofias Versuch der Kontaktaufnahme mit ihrem neuen Chef, dem Leiter und einzigen Mitarbeiter der dörflichen Polizeistation, verläuft katastrophal. Der maulfaule, altgediente Polizist verbittet es sich, beim Rakitrinken von der Göre aus der Hauptstadt gestört zu werden. Auch Sofias Wohnungssuche erweist sich als schwierig. Statt eine Einliegerwohnung in der luxuriösen Strandvilla der Eltern zu bewohnen, bezieht sie ein mehr als bescheidenes Zimmer (Gemeinschaftsbad am Ende des Flures) über der einzigen Kneipe des Kaffs. Der Wirt heißt Adonis, sieht aber nicht so aus. Aber sein Bruder heißt zwar nicht Adonis, ist aber einer. Immerhin ein Lichtblick in Sofias trübem Alltag. Unversehens stolpert sie auch über ihren ersten Kriminalfall. Eine Schönheit aus Sofias neuem Heimatdorf ist mit ihrem Kleinwagen am malerischen Aphroditefelsen von der Straße abgestürzt und im Wasser ertrunken. Auf dem Beifahrersitz saß nicht ihr angetrauter Ehemann, sondern ein schöner junger Mann, der, welch Skandal, von der türkischen Seite Zyperns stammt, jetzt aber auch tot ist. Was zunächst nach einem Unfall aussah, scheint ein Eifersuchtsdrama zu sein, bekommt aber schnell noch viel größere Dimensionen. Kriminelle Machenschaften aus dem Immobiliensektor sind auch auf Zypern nicht ganz unbekannt. Sofia, vielleicht dank ihrer Herkunft aus der zypriotischen Oberschicht, hat den richtigen Riecher und die richtigen Kontakte, die ihr bei der Lösung des auch politisch brisanten Falles helfen. Sofias Chef erwacht aus seinem Rakidämmer und läuft zu großer Form auf. Sofias erstes Date mit dem schönen Bruder des unschönen Wirtes verläuft durchaus harmonisch und hoffnungsvoll, störend sind nur die häufigen Anrufe von Sofias Fast-Verlobtem aus London, der mit seiner Anreise droht ...

Einer der raren Krimis, die auf Zypern spielen (es gibt noch einen anderen). Nicht nur für einen sonnigen Urlaub dort, sondern auch als Stimmungsaufheller für klimatisch nicht so begünstigte Gegenden bestens geeignet. Der Untertitel spricht von Sofia Perikles erstem Fall. Der geneigte Leser darf sich also auf Fortsetzungen freuen. 


Verlag: Goldmann
ISBN: 978-3-442-31504-8
Preis: 14,99 €
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Die andere Frau

Michael Robotham, Rezension von Bernhard Söthe

Der forensische Psychologe Joe O' Loughlin bekommt die alarmierende Nachricht, dass sein über 80 Jahre alter Vater bei einem Überfall schwer verletzt wurde und in einer Londoner Klinik im Koma liege. Joe O' Loughlin eilt an das Krankenlager seines Vaters. Am Bette des todkranken Mannes wacht eine weinende Frau. Es ist nicht Mary, die Frau, mit der William O'Loughlin seit fast 60 Jahren verheiratet ist und mit der er vier Kinder hat, sondern eine unbekannte Frau. Diese Frau wendet sich an den überraschten Joe O'Loughlin. "Ich bin die andere Frau deines Vaters, es wird Zeit, dass wir uns kennen lernen." Als der Psychologe Kontakt zu seiner Mutter aufnimmt, gibt diese widerstrebend zu, vom Doppelleben Ihres Mannes gewusst zu haben, aber um des Familienfriedens Willen habe sie geschwiegen. Die Verletzungen des alten Herrn sind so schwerwiegend, dass er wohl nicht mehr aus dem Koma aufwachen wird. Joe O'Loughlin fühlt sich verpflichtet, sich um die Angelegenheiten seines Vaters zu kümmern, der trotz seines hohen Alters noch im Vorstand einer gemeinnützigen Stiftung tätig war. Kurz vor dem folgenschweren Überfall auf ihn sind von den Konten der Stiftung größere Geldsummen verschwunden, und es gibt Hinweise, dass der unterschriftsberechtigte William O'Loughlin die verdächtigen Überweisungen veranlasst hat. Hat der alte Herr Stiftungsgelder unterschlagen, um sein aufwendiges Doppelleben zu finanzieren? Um Licht in die mysteriöse Angelegenheit zu bringen, bittet Joe O'Loughlin seinen Freund, den rustikalen Ex-Polizisten Vincent Ruiz, ihm bei der Aufklärung zu helfen ...

Es ist bereits der 11. Fall des ungewöhnlichen Ermittlerteams Joe O'Loughlin und Vincent Ruiz. Aber auch Seiteneinsteiger können problemlos mit diesem Band der Serie beginnen. 


Verlag: C.Bertelsmann
ISBN: 9783570103173
Preis: 15,00 €
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Der achte Tag

Nicci French, Rezension von Karin Bucconi

Vom blauen Montag, über den dunklen Donnerstag, bis hin zum blutroten Sonntag, ich habe alle sieben Krimis des Ehepaars Nicci Gerrard und Sean French gelesen. Keine Krimireihe hat mich so interessiert, wie diese um die Psychologin Frieda Klein . Der "achte Tag" rundet nun die Serie ab und beendet sie. Nicci French hat das Niveau über die ersten sieben, nach Wochentagen benannten Bände halten können. Ihre Protagonistin hat Anschläge überlebt und Menschen verloren, die ihr nahestanden. Ermordet hat sie Dean Reeves, und den will sie endlich zur Strecke bringen.

Sie taucht zunächst einmal unter. Sie benötigt einen klaren Kopf und eine Strategie. Selbst ihre besten Freunde wissen nicht, wo sie sich aufhält.

Der letzte Teil beginnt dann auch gleich mit einem schweren Unfall. Ein Auto rast in ein Schaufenster. Es gibt Schwerverletzte und Tote. Nur stellt sich heraus, das der Fahrer hinter dem Lenkrad des Unfallautos schon vor dem Crash tot war: ermordet. Es folgen weitere Morde (eine Journalistin und ein Radfahrer), und die Polizei tappt im Dunkeln. Frieda erkennt die Handschrift des Mörders und die Botschaft, die er ihr übermitteln will, lautet, dass sie eine der Nächsten ist. 

Frieda bleibt erst einmal verschwunden, aber eine junge Frau ist ihr auf der Spur.  Lola, die noch kein Thema für ihre Seminararbeit im Fach Kriminologie hat. Ein Gastdozent macht ihr den Vorschlag über die umstrittene Psychologin und ihre spektakulärsten Fälle zu schreiben. Darauf hat sie Lust.  Zunächst aber muss sie Frieda finden.  Sie sucht ganz London ab, steht vor deren Haus, taucht bei ihren Freunden auf und läuft die Stecken ab, von denen sie weiß, dass Frieda  sie mag. Sie wird fündig und riskiert damit ihr Leben. Frieda gewährt ihr unter strengen Bedingungen Unterschlupf, aber ihr alter Feind Dean Reeves ist den beiden schon auf der Spur. Nur- woher weiß er, wo sie untergekommen sind? Eine neue Mordserie beginnt, und Frieda und Lola sind ständig auf der Flucht. Frieda weiß, dass es so nicht weitergehen kann und wird. Das Finale ist gekommen, und es heißt: Leben oder Tod- für sie oder Reaves...

Spannend bis zum Schluß.