Krimi


Verlag: Heyne
ISBN: 978-3-453-42235-3
Preis: 9,99 €
bestellen

Pendulum

Adam Hamdy, Rezension von Bernhard Söthe

London: John Wallace erwacht aus tiefer Betäubung und registriert benommen, dass er nicht alleine in seiner Wohnung ist. Ein vermummter, schwarz gekleideter Mann legt ihm eine Schlinge um den Hals und knüpft ihn an einem Balken im Wohnzimmer auf. Wallace glaubt, seine letzte Minute wäre gekommen, aber das Unwahrscheinliche geschieht. Als der Vermummte den Stuhl unter Wallace' Füßen wegstößt, bricht der morsche Balken, an dem er aufgehangen war, und er stürzt zu Boden. In dem Durcheinander gelingt es Wallace, dem Täter mit einem waghalsigen Sprung durch die Scheibe eines geschlossenen Fensters zu entkommen. Aus vielen Wunden blutend und mit einem Strick um den Hals springt er in den nächsten Bus, wo er ohnmächtig zusammen bricht. Auf der psychiatrischen Station eines Krankenhauses erwacht er. Alles deutet auf einen psychischen Zusammenbruch ubnd missglückten Selbstmordversuch hin, weder die Ärzte noch die Polizei glauben ihm die Geschichte mit dem vermummten Angreifer. Gegen seine Version spricht auch, dass der Vermummte keinerlei Spuren in Wallace' Wohnung hinterlassen hat, aber auf Wallace' Laptop ein gefälschter Abschiedsbrief gefunden wird. Wallace weiß absolut nicht, warum er Opfer dieses Mordanschlags geworden ist, er vermutet aber, dass der Täter nicht aufgeben wird. Dieser schafft es tatsächlich, sich Zugang zu der geschlossenen Abteilung des Krankenhauses zu verschaffen, wieder gelingt es Wallace, knapp zu entkommen, während der Killer im Krankenhaus mit äußerster Brutalität ein Blutband anrichtet. Nach der Flucht aus dem Krankenhaus weiß Wallace nicht wohin. In seine Wohnung kann er nicht, dort würde ihn der Mörder als erstes suchen. Wallace nimmt Kontakt zu seiner Ex-Freundin auf, die ihn tatsächlich aufnimmt. Um sein Leben zu retten, muss Wallace herausfinden, wer der Mörder ist und welches Motiv er hat ...

Ein temporeicher Action-Thriller. Mit über 600(!) Seiten ein perfektes Buch für den Urlaub. Auch Fans von Dan Brown dürften an dieser raffinierten Verschwörungsgeschichte Gefallen finden.


Verlag: Kiepenheuer und Witsch
ISBN: 978-3-462-05124-7
Preis: 14,99 €
bestellen

Lost in Fuseta - Spur der Schatten

Gil Ribeiro, Rezension von Bernhard Söthe

Statt Portugal-Krimi müsste es eigentlich Algarve-Krimi heißen, aber bei einem so lesenswerten Buch wollen wir nicht kleinlich sein. Es ist der zweite Band der "Lost in Fuseta"-Reihe. Bereits der erste Band hat es überraschend auf die Bestsellerliste geschafft.Auch im neuen Band beginnt die Geschichten wieder in Fuseta, einem kleinen Fischerort an der östlichen Algarveküste, und wir begegnen wieder dem Personal aus dem ersten Band. Es sind u.a. der Kripobeamte Carlos Esteves, der permanent Kaloriennachschub braucht, um zu funktionieren, seine Vorgesetzte Graciana Rosado, die kommissarische Leiterin der Poilicia Judiciaria, der Kriminalpolizei in der Provinzhauptstadt Faro (ihr Vorgänger im Amt ist zur Zeit unabkömmlich, siehe Band 1) und natürlich der im Titel auftauchende Leander Lost, Kriminalbeamter aus Hamburg, durch ein Austauschprogramm an der Algarve gestrandet. Lost ist Asperger-Autist, d.h., er kann sich nicht in die Gefühle anderer Menschen hinein versetzen. Ganz alltägliche Interaktionen zwischen Menschen sind ihm ein Rätsel. Ironie und Witze versteht er nicht. Da er außerdem unfähig ist zu lügen - selbst die kleinste Notlüge kommt ihm nicht über die Lippen - , gilt er als Exot und als nicht teamfähig. Was wohl auch der Grund ist, weshalb ihn seine Vorgesetzten in Hamburg gerne zum Austausch schickten. Einige Fähigkeiten, die das menschliche Miteinander leichter machen, fehlen ihm komplett. Dafür hat Lost andere Begabungen, z.b. sein fotografisches Gedächtnis, das wesentlich zur Ergreifung des Täters im ersten Band beigetragen hat.

Im neuen Fall geht es um den Mord an einer älteren Polizeikollegin, die bei der guardia civil in einem Dorf nördlich von Fuseta stationiert war. Als die als sehr zuverlässig bekannte Beamtin nicht zum Dienst erscheint, starten ihre Kollegen eine groß angelegte Suchaktion. Nur durch einen Zufall wird die Leiche der Vermissten in einem alten Brunnenschacht an der West-Algarve gefunden. Nicht nur der Mord an der Kollegin sorgt für Unruhe, auch personelle Veränderungen. So bekommt die Kripo in Faro eine neue Chefin. Es ist nicht wie erwartet Graciana Rosado, die die Dienststelle seit einiger Zeit kommissarisch leitet, sondern eine Kollegin aus Nordportugal, deren Vater zufällig der Polizeipräsident von Porto, der zweitgrößten portugiesischen Stadt ist. Familiäre Bindungen und Vitamin B, man kennt sich und man hilft sich, sind in Portugal sehr wichtig. Manchmal ist das von Vorteil und manchmal eben nicht.

Oft ist es so, dass der erste Band einer neuen Reihe so fulminant ist, dass der zweite dagegen abfällt. Das Strickmuster ist ähnlich, das Personal bekannt. In diesem Fall ist das nicht so. Das Lokalkolorit ist mindestens so gut wie im ersten Band, aber die Personenbeschreibungen sind exakter. Besonders die Gestalt des Leander Lost gewinnt deutlich an Kontur, auch der Kriminalfall ist plausibler. Nach dem Lesen dieses Bandes wünscht man die Fortsetzung dieser Reihe und der ungewöhnlichen Hauptperson.

Até breve, caro Signor Lost, wie man auf portugiesisch sagt - Bis bald, lieber Herr Lost!


Verlag: DTV
ISBN: 978-3-423-26196-8
Preis: 15,90 €
bestellen

Nachtwild

Gin Phillips, Rezension von Bernhard Söthe

"Ein großartig geschriebenes Buch, klug und unwiderstehlich. Phillips dosiert die Spannung bis aufs Mikrogramm genau - auch nur das kleinste bisschen mehr wäre unerträglich" (The New York Times)

Ein wunderschöner Tag, wie so viele zuvor. Aber aus einem harmlosen Ausflug wird ein absoluter Albtraum. Auch an diesem Tag ist Joan mit ihrem vierjährigen Sohn Leo wie so oft im Zoo. Der Zoo ist Leos bevorzugter Abenteuerspielplatz. Auch Joan ist hier gerne, hier gibt es keine Autos, die Leo gefährlich werden könnten, außerdem gibt es genug Attraktionen, um den intelligenten Burschen bei Laune zu halten. Auch an diesem Tag mag sich Leo nicht von diesem spannenden Ort trennen. Aber die Schließungszeit naht, und Joan und Leo sind auf dem weitläufigen Gelände noch weit vom Ausgang entfernt. Joan drängt den trödelnden Leo zur Eile. Der Jahreszeit entsprechend dämmert es bereits. Als der Ausgang in Sicht kommt, bemerkt Joan dort ungewohnte Unruhe. Menschen laufen aufgeregt hin und her. Laute Geräusche. Können das Schüsse sein? Menschen stürzen zu Boden. Schnell wird klar, der Zoo ist Ziel eines Terrorangriffs. Einige (wie viele?) Männer mit Schnellfeuergewehren sind in das Zoogelände eingedrungen und töten wahllos Menschen und Tiere. Leider kann unrealistisches Szenario, die Gewaltexzesse durchgeknallter Waffennarren in den USA sprechen für sich.

Joan schnappt sich Leo und rennt weg vom Eingangsbereich des Zoos. Am anderen Ende des Parks gibt es ein kleines Wäldchen. Dort - so hofft sie -  kann sie sich mit ihrem kleinen Sohn verstecken. Nachdem die Killer im Eingangsbereich des Zoos ein Blutbad angerichtet haben, beginnen sie auf der Suche nach weiteren Opfern das Zoogelände zu durchkämmen. Joan versucht, ihren durch die ungewohnte Situation geschockten Sohn zu beruhigen und still zu halten. Panisch überlegt sie, wo es auf dem unübersichtlichen Zoogelände für Leo und sie am sichersten sein könnte. Über ihr Handy hat Joan Kontakt mit ihrem Mann. Nach einer gefühlten Ewigkeit hört sie endlich die Sirenen der vor dem Zoogelände eintreffenden Rettungskräfte. Natürlich wissen die Polizisten nicht, um wieviele Täter es sich handelt und wo sie sich auf dem Gelände befinden. Joan mit ihrem nicht mehr ganz leichten Sohn auf den Hüften irrt von Versteck zu Versteck. Und sie sind nicht die Einzigen, die sich vor den Killern in Sicherheit bringen wollen. Joan tut - und unterlässt - Dinge, die sich in ihren übelsten Albträumen nicht hätte vorstellen können.

 


Verlag: btb
ISBN: 9783442716746

bestellen

Wahrheit gegen Wahrheit

Karen Cleveland, Rezension von Karin Bucconi

Vivian Miller arbeitet bei der CIA. Sie ist Spezialistin für Spionageabwehr und wohnt mit Mann und Kindern in einem Vorort von Washington D.C. Matt, ihr Ehemann, ist IT-Spezialist, und die vier führen ein gutes Leben. Vivian arbeitet seit langem daran, ein Nest russischer Spione in den USA auffliegen zu lassen, und sie hat endlich entdeckt, wie das gelingen kann. Ihr gelingt der Zugriff auf den besonders gesicherten Computer eines Agentenbetreuers, und sie öffnet eine Datei, die fünf Fotos von sogenannten "Schläfern" enthält, die alle auf amerikanischem Boden operieren, das Land allmählich destabilisieren wollen. 

Sie klickt weiter, und plötzlich steht ihr Leben Kopf, sind ihre Kinder, ist ihre Ehe und auch ihr Job gefährdet, wenn sie weiter recherchiert. Hat ihr Mann sie all die Jahre hindurch angelogen, sogar nur ihre Nähe gesucht, um an geheimes Wissen zu gelangen? Sie hat geschworen, ihrem Land zu dienen und es vor Feinden von innen und außen zu schützen, aber- auf den Trümmern ihres Lebens? Ein Seitenwechsel kommt für sie nicht infrage. Der Verdacht, den sie hat, und der sich bestätigt, lässt ihr eigentlich keine Wahl, also- was tun?

Ein richtig spannender Agenten-Thriller, den man laut Grisham geradezu "verschlingt".


Verlag: Atrium
ISBN: 9783855350179
Preis: 28,00 €
bestellen

64

Hideo Yokoyama, Rezension von Bernhard Söthe

 

Ein hierzulande unbekannter japanischer Autor har es mit einem 768 (!) Seiten starken Buch auf die Krimi-Bestenliste der "Zeit" geschafft. Der Verlag druckt bereits an der 3. Auflage. Dem europäischen Leser öffnet sich in diesem Krimi eine sehr fremde, sehr exotische Welt.

Japan ist verwaltungstechnisch in Präfekturen eingeteilt, wohl vergleichbar mit unseren Bundesländern. Die Polizeibehörden sind diesen Präfekturen untergeordnet. Die Struktur dieser Behörden ist völlig anders als bei uns. Eine Behörde ist für die eigentliche Ermittlungsarbeit der Kriminalpolizei zuständig. Eine zweite Behörde ist nur für die Verwaltung des Polizeiapparates zuständig. Beide Behörden haben eine eigene Beamtenhierarchie mit eigenwilligen Chefs an der Spitze. Konflikte und Kompetenzgerangel zwischen diesen Behörden sind vorprogrammiert.

Yoshinabu Mikami ist Beamter bei den Ermittlern der Kripo, wird aber zum Chef der Presseabteilung befördert. Die Presseabteilung ist aber Teil der polizeilichen Verwaltungsbehörde, für Mikami vermintes Gelände, zumal die Pressearbeit (eine japanische Spezialität?) alles andere als einfach ist. Zwar gibt es im Verhältnis Polizei - Presse strikte Regeln, die aber nicht unbedingt eingehalten werden, und der Umgangston zwischen den Mitarbeitern der Polizeibehörden und Pressevertretern ist mir "rüde" noch zurückhaltend umschrieben.

Mikamis erste Bewährungsprobe als neuer Leiter der Pressestelle ist die Organisation und pressetechnische Begleitung des Besuches eines der höchsten Polizeioffiziere aus der übergeordneten Behöre in Tokio. Wenn bei Planung und Durchführung dieses hochwichtigen Besuches alles klappt, winken Beförderungen, wenn nicht, rollen Köpfe. Der Besuch des Beamten aus Tokio soll die ins Stocken geratenen Ermittlungen in einem Entführungs- und Mordfall wieder in Gang bringen. Der Kriminalfall liegt 14 Jahre zurück, wurde nie aufgeklärt und jetzt droht die Verjährung. Bei den ursprünglichen Ermittlungen in diesem Fall - ein gerade siebenjähriges Mädchen wurde ermordet - kam es aufgrund einer technischen Panne dazu, dass der Täter unerkannt entkommen konnte. Dieser alte ungelöste Fall trägt die Nummer 64, was den Titel des Buches erklärt. Diese verhängnisvolle Panne bei den Ermittlungen ist von den damals beteiligten Beamten vertuscht worden und wurde der Öffentlichkeit nie bekannt. Mikamis Vorgesetzte erwarten, dass er dafür sorgt, dass diese Ermittlungspanne weiterhin nicht bekannt wird.

Der Besuch aus Tokio ist noch nicht eingetroffen, da passiert ein neuer Entführungsfall, der wie eine Blaupause des ersten wirkt!

In all diesem beruflichen Chaos hat Mikami auch mit privaten Problemen zu kämpfen. Seine einzige Tochter, mitten im schwierigsten Pubertätsalter, ist seit Tagen verschwunden...

Ein Krimi der Extraklasse, bei dem es dem Autoren meisterhaft gelingt, alle losen Handlungsstränge schlüssig zu verbinden, aber es ist kein Krimi, der mal eben an einem verregneten Wochenende weggelesen werden kann, dies ist ein Krimi für "erfahrene" Leser. Ausdauer (768 Seiten!) und ein Faible für Japan hilft.

Hilfreich auch das Personenverzeichnis am Anfang des Buches (warum nur fangen so viele Namen in diesem Buch mit "M" an?) und ein Glossar mit japanischen Ausdrücken und Besonderheiten.

 


Verlag: DTV
ISBN: 978-3-423-26179-1
Preis: 16,90 €
bestellen

Oxen - Der dunkle Mann

Jens Henrik Jensen, Rezension von Bernhard Söthe

Der zweite Teil der Bestseller-Trilogie aus Dänemark um den hochdekorierten und hochtraumatisierten Ex-Soldaten Niels Oxen. Im ersten Band "Oxen - Das erste Opfer" hatten er und Margarethe Franck, hochrangige Mitarbeiterin des dänischen Geheimdienstes, eine mafiaähnliche Geheimgesellschaft aufgespürt, deren Mitglieder höchsten gesellschaftlichen und politischen Kreisen Dänemarks angehören und die mittels dieser Geheimgesellschaft versuchen, ihre obskuren Pläne durchzusetzen. Dazu sind ihnen alle Mittel recht, auch vor "finalen Lösungen", sprich: Mord, schrecken sie nicht zurück. 

Und durch einen Mord, dem später weitere folgen, sind Niels Oxen und Margarethe Franck, die zunächst nur sehr widerwillig kooperierten, auf die Existenz dieser Geheimorganisation, die sich "Danehof" nennt und ihre Ursprünge bis tief ins dänische Mittelalter zurückführt, gestoßen. Die Mitglieder des "Danehofs" initiieren eine gnadenlose Jagd auf Niels Oxen, um ihre Anonymität zu schützen. Mit Hilfe Margarethe Francks schafft es Oxen mit knapper Not, diversen Mordanschlägen zu entkommen. Es gelingt Oxen und Franck aber nicht, den "Danehof" bloßzustellen und dessen Einfluss auf die dänische Politik zu stoppen. Dabei spielt Margarethe Francks charismatischer Vorgesetzter, der Chef des dänischen Geheimdienstes "Pet" eine mehr als undurchsichtige Rolle. 

Oxen hat Schrifstücke und Videoaufnahmen, die das Führungspersonal des streng geheimen "Danehofs" schwer belasten würden, als Lebensversicherung für sich beiseite geschafft und versteckt. Im Auftrag des "Danehofs" versucht eine Truppe international tätiger Söldner, Oxen und die brisanten Beweisstücke aufzuspüren und zu beseitigen. Oxen taucht unter und versteckt sich zunächst als Hilfsarbeiter bei einem alten Fischzüchter tief in der dänischen Provinz. Trotz Oxens fast an Paranoia grenzender Vorsichtsmaßnahmen wird er dort aufgespürt und muss seinen Unterschlupf aufgeben. Die Söldner ermorden den alten Fischer und manipulieren die Tatwaffe so, dass Oxen als Täter dasteht. Mit Hilfe ehemaliger Kollegen bei der Armee kann Oxen schwerverletzt sowohl der Polizei, die ihn als Mörder des Fischzüchters sucht, als auch den Killern des "Danehofs" bei einer irrwitzigen Verfolgungsjad quer durch Dänemark bis nach Schweden entkommen. Auch in diesem Fall spielt der Geheimdienstchef Massmann eine zwielichtige Rolle. Obwohl er Oxens Flucht unterstützt, bleibt unklar, auf wessen Seite er steht. 

In der Leitung des "Danehofs" hat ein Generationenwechsel stattgefunden. Die neuen Führungspersönlichkeiten sind noch skrupelloser als ihre Vorgänger. Man kann diesen zweiten Band der Trilogie durchaus unabhängig vom ersten lesen, da "was bisher geschah" äußerst geschickt in die Handlung dieses Bandes eingeflochten ist. Auf den dritten Band darf man gespannt sein.


Verlag: Fischer
ISBN: 9783596297801

bestellen

Nicht ein Wort

Brad Parks, Rezension von Karin Bucconi

Auch in eine Familie, in der eine heile Welt zuhause ist, kann kann das Unglück einziehen.

In diesem Fall steht Scott Sampson, Richter am Bundesgericht in Virginia im Mittelpunkt. Er wohnt mit seiner Frau und den sechsjährigen Zwillingen in einem schönen Farmhaus. Die Eltern unternehmen viel mit den Kleinen. So ist z. B.  Mittwochs "Papaschwimmen" angesagt. Aber dieses Mal soll das Ritual unterbrochen werden. Scotts Frau schreibt ihm, sie wolle die Kinder selbst abholen. Aber- als Alison nach Hause kommt, sind die Zwillinge nicht da, und Alison weiß nichts von einer Nachricht, die sie abgesetzt haben soll...

Es dauert nicht lange, da melden sich die Entführer. Sie verlangen absolutes Stillschweigen von den Eltern, die andernfalls sie deren Leben auf`s Spiel setzen. Scott soll ein Urteil im Sinne der Entführer fällen. Scott, der gerne Richter ist, kennt seine Macht, aber seine persönliche Integrität ist ihm wichtig. Jetzt aber will er tun, was die Entführer verlangen. Als er den kleinen Sam als Belohnung für ein entsprechendes Urteil zurück bekommt, bleibt Emma bei den unberechenbaren Entführern zurück...

Ein sehr spannender Krimi auf hohem sprachlichem Niveau. 

 


Verlag: Blanvalet
ISBN: 9783764506414
Preis: 15,00 €
bestellen

The Woman in the Window

A.J.Finn, Rezension von Jutta Pollmann

Anna Fox ist Kinderpsychologin. Doch sie behandelt keine Patienten mehr in einer Praxis, sondern hat nur noch einen Blog im Internet. Denn Anna Fox verlässt ihr Haus nicht, niemals, auf keinen Fall. Seit einem traumatischen Erlebnis leidet sie unter Agoraphobie. Große Plätze, Weite, Menschenmassen verursachen eine enorme Angst bei ihr, sie hyperventiliert, kann sich nicht mehr bewegen, wird ohnmächtig.

Ihr Leben findet nur noch zuhause statt. Sie schaut alte schwarz-weiß Krimis, trinkt (zu viel) Rotwein und beobachtet – wenn sie nicht gerade Patienten im Chat behandelt – durch ihre Kamera die Umgebung. Die Medikamente, die ihr Psychiater ihr verschreibt, lässt sie sich ins Haus liefern, ebenso das Essen. Und wenn doch mal was geholt werden muss, macht das ihr Untermieter, der das riesige Haus ein bisschen bewohnter erscheinen lässt.

Tag für Tag beobachtet sie durch ihre Kamera ihre Nachbarschaft. Gegenüber sind gerade neue Leute eingezogen, die Russells, Vater, Mutter und Sohn. Viel weiß sie von ihnen noch nicht, nur dass der Junge ein bisschen schüchtern wirkt. Als Halloween ein paar Jungs ihre Haustür mit Eiern bewerfen, versucht Anna sie zu vertreiben, doch ihre Angst lässt sie vor der Tür zusammenbrechen. Jane Russell, die neue Nachbarin bringt sie wieder ins Haus.

Ein paar Tage später bemerkt Anna im Haus gegenüber einen Streit. Sie kann nichts verstehen, aber die beiden Eltern schreien sich an und dann hält sich Jane plötzlich die Brust. Anna sieht einen roten Fleck, der immer größer wird, sieht dass Jane fällt und Anna schreit, rennt zur Tür, doch da packt sie die Klaue der Angst, wie in Zeitlupe bewegt sie sich, aber sie schafft es, die Tür zu öffnen, die wenigen Stufen hinunterzugehen, zum Bürgersteig zu kommen, doch dann...

Als sie wieder wach wird, sitzt sie wieder in ihrem Haus, Menschen stehen neben ihr, die sich als Polizeibeamte ausweisen. Anna versucht ihnen klar zu machen, dass gegenüber ein Mord geschehen ist, doch niemand glaubt ihr: auf dem Tisch die leere Rotweinflasche, im Fernsehen, der alte schwarz-weiß Thriller, auf der Anrichte die Psychopharmaka, die auch Halluzinationen verursachen können. Wie soll man dieser Frau glauben, dass gegenüber ein Mord geschehen ist?

Zum Beweis, dass alles in Ordnung ist, kommt Mr. Russell mit seiner Frau herüber, um Anna zu beweisen, dass diese nicht tot ist. Doch das ist nicht Jane...

 

Ein toller Krimi, der an Hitchcocks „Fenster zum Hof“ erinnert (den ich mir auch gleich nochmal angesehen habe). Ein Debüt, das zur Zeit verfilmt wird.  Absolut LESENSWERT!


Verlag: Piper
ISBN: 978-3-492-06086-8
Preis: 16,00 €
bestellen

Höllenjazz in New Orleans

Ray Celestin, Rezension von Kathrin Allkemper

New Orleans, 1919. Ein mysteriöser Mörder, von der Presse nur Axeman genannt, versetzt die Stadt in Angst und Schrecken. Wie der Name schon sagt, mordet er nicht gerade auf die unblutige Art und ein Schema ist auch nicht wirklich zu erkennen. Scheinbar wahllos sucht er seine Opfer nachts in ihren Häusern auf. Detective Michael Talbot ist ihm auf der Spur und vermutet zunächst, dass die Mafia, die sogenannte blackhand, hinter allem steckt. Genau aus diesem Grund engagiert die wiederum Luca D´Andrea, einen ehemaligen Polizisten, der gerade aus dem Knast entlassen wurde. Er hat zuvor schon für die blackhand ein doppeltes Spiel gespielt und soll nun beweisen, dass diese nicht hinter den Morden steckt. Bei seinen Ermittlungen ist es nur eine Frage der Zeit, bis er auf Talbot trifft, seinen einstigen Schützling, der ihn dann an die Polizei verpfiffen hat. Und dann gibt es da noch die junge Ida, Sekretärin in einer Privatdetektei, die nicht länger nur Zettel sortieren will. Zusammen mit ihrem guten Freund, dem Jazztrompeter Louis Armstrong, beginnt sie, auf eigene Faust nach dem axeman zu suchen....

Celestin verwebt geschickt Fiktion und wahre Begebenheiten in diesem sehr, sehr spannenden Krimi. Zwischen 1918 und 1919 tötete der Axeman 6 Menschen in der Stadt des Blues.


Verlag: Unionsverlag
ISBN: 978-3-293-00528-0
Preis: 22,00 €
bestellen

Leiser Tod

Garry Disher, Rezension von Kathrin Allkemper

Melbourne, Australien. Inspector Hal Challis hat sich durch ein unbedachtes Statement Ärger mit sämtlichen Vorgesetzten eingefangen. Seine Kritik an den Budgetkürzungen und den daraus resultierenden, nicht aufgeklärten Verbrechen, landet in der Zeitung und Hal erlangt zweifelhafte Prominenz. Der Chef tobt, die Kollegen jedoch bewundern seine – wenn auch unfreiwillige- Offenheit. Da bekommt Hal einen besonders heiklen Fall auf den Tisch. Eine junge Frau taucht völlig verwirrt und verletzt auf und behauptet, ein Polizist habe sie vergewaltigt. Ein Polizist oder jemand in einer geklauten Uniform? Während die Ermittlungen fieberhaft laufen, gibt es ein zweites Opfer. Diesmal überlebt die junge Frau nicht. Ausgerechnet jetzt ist Hals Partnerin und Expertin für Sexualstraftaten Ellen zu Fortbildungen in Europa...Parallel dazu treibt sich eine Meisterdiebin im Umland herum. Sie bricht scheinbar mühelos in jedes Anwesen ein und ist einfach nicht greifbar. Keine Alarmanlage oder Überwachungskamera kann sie einfangen, sie agiert wie ein Phantom. Das geht solange gut, bis sie selbst von der Jägerin zur Gejagten wird. Irgendwann werden die verschiedenen Fälle geschickt über Hal miteinander verknüpft.

Wie immer in den preisgekrönten Krimis von Garry Disher gibt es neben der Krimihandlung auch gesellschaftskritische Ansätze und wieder eine sehr gelungene Darstellung der verschiedenen Charaktere.

 


Verlag: Dumont
ISBN: 9783832197766
Preis: 22,00 €
bestellen

Der Tod in den stillen Winkeln des Lebens

Oliver Bottini, Rezension von Karin Bucconi

Oliver Bottini war mir bekannt durch seine Krimis um die Freiburger Hauptkommissarin Louise Boni, die ich allesamt gerne gelesen habe, aber sein neuester Kriminalroman ist unvergleichlich und übertrifft die bisherigen. Zu Recht erhielt er den Deutschen Krimipreis 2018 für dieses Buch.

Zwei Regionen stehen im Mittelpunkt der Geschichte: Mecklenburg Vorpommern und West-Rumänien. Beide nach 1989 gleichermaßen betroffen von Landraub und Enteignung und gleichzeitiger Verarmung der Bevölkerung. Es gab wenige Gewinner, aber massig Verlierer.

Der Krimi beginnt mit einem furchtbaren Unfall. Auf dem Weg in die Ferien nach Dänemark gerät Maik Winters Auto in einen Sandsturm. Er kracht auf den Vordermann, während sich ein LKW auf seinen Wagen schiebt. Nur er überlebt. Seine Ehefrau und seine beiden Kinder, die nicht ins langweilige Dänemark wollten, sterben. Nur mühsam rappelt er sich wieder auf und fängt drei Jahre später, in der Nähe von Temesvar/Rumänien, neu an. Hier wohnt Jörg Marten, sein Freund, Mecklenburger wie er. 2005 hat er, nachdem man ihn in der ehemaligen DDR über`s Ohr gehauen hatte, ein Gut gegründet und will nun für seine Tochter Lisa eine Pferdezucht aufbauen. Die aber findet den Landstrich langweilig und möchte zurück nach Berlin.

Lisa wird eines Morgens brutal vergewaltigt und ermordet, und ein Täter ist schnell ausgemacht. Es soll ein junger Landarbeiter sein, in den sich Lisa verliebt hatte.

Ioan Cozma von der Kripo und sein Kollege Cippo sollen den Fall -u.a. in Mecklenburg-Vorpommern- aufklären. Cozma, dessen jüdischer Vater von den Nazis ermordet wurde, schloss sich seinerzeit in seinem antifaschistischen Wahn Ceausescu an und hat selbst Schuld auf sich geladen, weil er mehr als einen Menschen zu Tode gefoltert hat. Ihm und Cippo sitzen zudem Antikorruptionsermittler im Nacken, denn in Rumänien lief und läuft auch heute nichts ohne Schmiergeld.

Die Morde sind sicher wichtig für die Spannung, aber gleichrangig ist das, was man über den Landraub durch Großkonzerne und die Verarmung ganzer Bevölkerungsstriche erfährt, über Trauer, Leid und Menschlichkeit...

Dieses Buch gehört in jedes Bücherregal! Ich legen es Ihnen aus Überzeugung ans Herz.

 


Verlag: Piper
ISBN: 9783492057578
Preis: 20,00 €
bestellen

Kühn hat Ärger

Jan Weiler, Rezension von Karin Bucconi

Jan Weiler, bekannt geworden mit "Maria, ihm schmeckt`s nicht" und zuletzt mit dem "Pubertier" und "Im Reich der Pubertiere" hat seinen zweiten Kriminalroman geschrieben. Den habe ich nun zuerst gelesen, empfehle aber auch "Kühn hat zu tun" zu lesen. Es ist nicht unbedingt notwendig, aber allemal erhellend.

Ein junger Libanese ist brutal zu Tode geprügelt worden. Er wohnt in der Satellitenstadt Neuperlach im Südosten Münchens und stammt aus schwierigen sozialen Verhältnissen. So klingt es wie ein Märchen, dass sich Julia, die Tochter der caritativ engagierten van Hautens, die in einem Nobelviertel der Stadt wohnen, in ihn verliebt. Aber- die Familie ist liberal und ohne Vorurteile. Der Junge wird sogar in die Clique des Sohnes aufgenommen und bricht mit den Jungs, mit denen er bis dato rumhing. Was also ist aus dem Ruder gelaufen?

Martin Kühn, 44 Jahre alt und nach einem Burnout gerade erst wieder im Dienst, ist ratlos. Der zweite Frühling mit seiner Frau scheint schon wieder vorbei, und als eine Kollegin ihm während eines Seminars für Führungskräfte schöne Augen macht, ist das Balsam für seine Seele, und er landet mit ihr im Bett. Der Kater am nächsten Morgen ist groß. Das schlechte Gewissen unerträglich.

Die Ermordung des Jungen macht ihm zu schaffen, und wie Amir ist er bei den Ermittlungen irgendwie vom Lebensstil und der Wohltätigkeit der van Hautens beeindruckt. Ihm bleiben, nach Abzug aller Unkosten, gerade einmal 500 Euro von seinem Gehalt, und wenn seine Frau nicht auch arbeiten würde, ginge gar nichts. Er  ist unsicher, ob er endlich befördert wird, denn sein Freund und Kollege legt sich gerade mächtig ins Zeug. Und dann ist da die  Angst, sein Häuschen könnte auf vergiftetem Boden stehen, und  zu allem Überfluss macht Kühn eine ungeklärte Erkrankung zu schaffen.

In diesem Buch wie auch im ersten stehen nicht nur die Morde im Mittelpunkt des Geschehens. Christine Westermann nennt den ersten Band ein großes Buch über die kleinen Leute, " gut beobachtet, zurückhaltend geschrieben und vielleicht gerade deshalb so gut".

Das gilt auch für "Kühn hat Ärger", und ich freue mich schon auf Fortsetzungen, auf weitere Krimis, die nicht blutrünstig, aber sozialkritisch und auch ein wenig warmherzig sind.

 

 


Verlag: Goldmann
ISBN: 9783442314096
Preis: 14,99 €
bestellen

Die Rivalin

Michael Robotham, Rezension von Karin Bucconi

Zwei Frauen, zwei Leben, zwei Erzählstränge.

Agatha und Megan stehen im Mittelpunkt der Handlung, zwei Frauen, wie sie unterschiedlicher nicht sein können. Agatha, die aus ärmlichen Verhältnissen stammt, und schon früh Gewalt und Missbrauch erfahren hat, arbeitet als Regalauffüllerin in einem Supermarkt. Sie ist schwanger, und ihr Chef, der sie ohnehin nicht mag, hat schon angekündigt, dass ihr Arbeitsverhältnis nicht verlängert wird. Agathas Freund ist Marinesoldat, erfährt in der Ferne erst spät von seiner Vaterschaft und glaubt nicht so recht daran. Eigentlich wollte er sich von seiner Freundin trennen. Agatha überzeugt ihn schließlich. Sie weiß schon seit langem, wie sie leben will, nämlich wie

MEGAN

die zwei Kinder hat, das dritte erwartet und mit einem erfolgreichen Fernsehjournalisten verheiratet ist. Jack ist zwar zunächst nicht begeistert über den erneuten Familienzuwachs, freut sich dann aber doch.

Agatha weiß fast alles über Megan: was sie gern isst, wie die Kinder heißen, wo sie mit ihren Freundinnen abhängt, wie der Grundriss ihres Hauses aussieht uvm. Hört sich nach Stalking an und ist es in gewisser Weise auch. Aber- es kommt viel schlimmer. Agatha schleicht sich regelrecht in Megans Leben und die beiden freunden sich ein wenig an, wobei Megan nicht die geringste Ahnung hat, worauf sie sich einlässt!

Unabhängig von den Geheimnissen, die Agatha hütet, ist auch sie verwundbar. Sie hat einmal mit dem besten Freund ihres Mannes geschlafen, und der will nun den Beweis dafür, dass das Kind nicht seines ist. 

Zwar ist  die Entwicklung der Geschichte vorhersehbar,  das Buch  war dennoch sehr spannend und gut zu lesen.

 


Verlag: Penguin
ISBN: 9783328102229
Preis: 13,00 €
bestellen

Summer Girls

Jobien Berkouwer, Rezension von Jutta Pollmann

Pferde einfangen?!? Das ist nicht gerade der Job, den Lot van Dijk sich vorgestellt hat, als sie von Amsterdam in einen kleinen Ort in der Region Twente versetzt wird. Schließlich ist sie Profilerin und nicht Pferdefänger. Doch dann wird die Leiche einer jungen Frau gefunden. Aufgehängt in einer alten Salzhütte, ist sie von dem ehemaligen Soldat Zacharias gefunden worden. Ist es vielleicht Lisanne, das Mädchen, das vor einem Jahr vom Sommerfest verschwand und nie wieder auftauchte? Sie war kurz mal Zacharias Freundin. Er gehört auch schnell zum Kreis der Verdächtigen, zumal Lisannes Eltern bis heute glauben, er habe was mit dem Verschwinden ihrer Tochter zu tun.

Lot wirft ihr ganzes Wissen als Profilerin in die Waagschale, erstellt ein Täterprofil, doch die allesamt männlichen Kollegen halten nicht viel von dem Schnickschnack aus der Großstadt. Früher hat man hier auch Täter gefasst, ohne dass so eine Wichtigtuerin aufgetaucht ist.

Schon bald wird eine zweite Mädchenleiche gefunden und Lots Kollegen müssen eingestehen, dass diese mit ihrem Profil, mit ihrer Einschätzung, der Täter würde wieder zuschlagen, Recht hatte. Trotz allem, kommen sie mit ihren Ermittlungen nicht weiter.

Doch dann verschwindet noch ein Mädchen. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt. Doch Lot kann sich nicht auf ihren Vorgesetzten verlassen, der mit seinen eigenen Problemen beschäftigt ist. Nun muss sie handeln.

 

Ein Erstling aus den Niederlanden, der packend geschrieben ist, von einer Autorin, die weiß, wovon sie spricht. Jobien Berkouwer arbeitete 15 Jahre als Hauptkommissarin bei der niederländischen Polizei. Heute ist sie Profilerin. Spannend bis zur letzten Seite.


Verlag: Lübbe
ISBN: 978-3-7857-2622-8
Preis: 20,00 €
bestellen

Totenweg

Romy Fölck, Rezension von Kathrin Allkemper

Mit diesem Fall beginnt eine neue spannende Krimireihe um die Ermittler Frida Paulsen und Bjarne Haverkorn. Als ihr Vater brutal zusammengeschlagen wird, kehrt die junge Kommissarsanwärterin Frida von Hamburg auf den elterlichen Bauernhof in der Elbmarsch zurück. Lange Zeit hat sie sich dort nicht blicken lassen und das Verhältnis zu den Eltern ist auch nicht das beste. Der Ort hängt für Frida mit dem Tod ihrer besten Freundin zusammen, die dort im Alter von 14 Jahren ermordet wurde. Frida hat die Leiche damals gefunden und kennt auch den Mörder, allerdings war sie damals selbst noch ein Kind und verständlicherweise durch den Vorfall sehr verstört. Da der Täter ihr unmissverständlich klargemacht hat, dass ihr dasselbe Schicksal blüht, wenn sie etwas verrät, hat sie dem ermittelnden Beamten Bjarne Haverkorn gegenüber beharrlich geschwiegen. Doch nun ist sie wieder da und trifft erneut auf Haverkorn, der den Mordversuch an ihrem Vater untersucht. Während Frida Angst vor dem Zusammentreffen hat, sieht Haverkorn darin die Chance, den Cold Case wieder aufzunehmen und vielleicht endlich zu lösen. Doch zuvor müssen in diesem Dorf noch einige andere Geheimnisse auf den Tisch.

Sehr spannende Atmosphäre und auf jeden Fall eine tolle neue Alternative für alle Neuhaus-Fans.


Verlag: Rütten&Loening
ISBN: 978-3-352-00910-5
Preis: 14,99 €
bestellen

Während du schläfst

Kathryn Croft, Rezension von Kathrin Allkemper

Taras Leben ist alles andere als langweilig. Gerade erst ist ihr Mann Noah nach einer zeitweiligen Trennung wieder zurück in das gemeinsame Haus gezogen, da macht ihre 17jährige Tochter Rosie mal wieder Ärger. Daher freut sich Tara ganz besonders auf ein „familienfreies“ Wochenende. Noah muss geschäftlich verreisen und die Kinder gehen zu den Großeltern, so dass sich Tara in aller Ruhe dem Malen widmen kann. Als ihre Nachbarin und Freundin Serena sie am Abend bittet, auf ein kurzes Schwätzchen zu ihr zu kommen, ahnt Tara nicht, dass diese Nacht ihr Leben verändern wird. Statt Serena öffnet nämlich ihr Ehemann Lee die Tür und bittet Tara auf ein Glas Wein herein. Zunächst ist Tara zwar etwas irritiert, dass Serena sie erst bittet, zu kommen und dann nicht zuhause ist, aber die beiden Paare kennen sich schon lange und daher willigt Tara ein. Die Gesellschaft ist nett und der Wein schmeckt gut, so dass es nicht bei einem Glas bleibt...

Am nächsten Morgen wacht Tara auf, ohne Kleidung und ohne jegliche Erinnerung an die letzte Nacht. Allerdings merkt sie sofort, dass sie nicht in ihrem Bett liegt und der Mann neben ihr nicht Noah ist. Es ist das Ehebett von Serena und neben ihr liegt Lee, mausetot mit einem Messer in der Brust....Da an ihr nicht ein einziger Blutstropfen klebt, scheint Tara unschuldig zu sein. Aber wer hat Lee getötet und warum wurde sie verschont?

Absolut spannender Psychothriller mit Sogwirkung!


Verlag: Kiepenheuer und Witsch
ISBN: 978-3-462-05103-2
Preis: 22,00 €
bestellen

Der Mann, der nicht mitspielt

Christof Weigold, Rezension von Bernhard Söthe

1921, Hollywood, das sprichwörtliche Sündenbabel. Die Filmstudios produzieren einen (Stumm-) Film nach dem anderen. Konsumenten und Kinobetreiber warten sehnsüchtig auf Nachschub aus der Traumfabrik, wo es nicht unbedingt traumhaft zugeht. Trotz Prohibition fließt der Alkohol in Strömen, auch härtere Drogen gehören zum Alltag in Hollywood. Mittendrin Reinhard „Hardy“ Engel, ein ehemals deutscher Polizist, dem es im Nachkriegsdeutschland nicht mehr gefiel, und der in Hollywood versucht, als Schauspieler Fuß zu fassen. Leider klappt es nicht, die Konkurrenz ist groß.

Hardy besinnt sich auf seine Ausbildung zum Polizisten und versucht, seinen Lebensunterhalt als Privatdetektiv zu verdienen, auch nicht ganz einfach. Aber als Engel den Auftrag erhält, das skandalumwitterte Starlet Virginia Rappe zu finden, ist dies seine erste bezahlte Arbeit als Privatdetektiv.

Engel findet das Starlet eher zufällig auf einer Party, oder besser: Orgie, die der damals beliebteste Filmkomiker „Fatty“ Arbuckle veranstaltete. Virginia Rappe ist schwer benebelt, splitterfasernackt und wimmert vor Schmerzen. Engel sorgt dafür, dass Virginia Rappe in ein Krankenhaus gebracht wird, wo sie kurz darauf stirbt, vermutlich an den Folgen einer brutalen Vergewaltigung. Die Krankenhausärzte versuchen, die Todesursache zu vertuschen. Aber die Presse hat einen Wink bekommen. Der Skandal ist riesengroß, für die Boulevardpresse ist Fatty Arbuckle der Täter. Die öffentliche Hysterie wird tüchtig angefeuert, dadurch lassen sich viele zusätzliche Zeitungen verkaufen. Das Filmstudio, bei dem Fatty Arbuckle unter Vertrag war - jeder seiner Filme war finanziell sehr erfolgreich – versucht um jeden Preis, Arbuckles Unschuld zu beweisen.

Privatdetektiv Engel wird kurzerhand zum Sicherheitsbeauftragten des Filmstudios befördert, mit ansehnlichem Gehalt und Dienstfahrzeug, aber mit der schier unlösbaren Aufgabe, Fatty Arbuckle von jedem Verdacht zu befreien.

Ein hervorragender Krimi, der auf einem mysteriösen historischen Kriminalfall beruht, der bis heute nicht restlos aufgeklärt ist.

Die Figur des Hardy Engel ist fiktiv, aber er begegnet vielen der damaligen Größen der Filmindustrie Hollywoods. Der Blick hinter die Kulissen ist alles andere als behaglich.

Der Mann, der nicht mitspielt“ ist der vielversprechende Auftakt einer Reihe, die sich mit authentischen Kriminalfällen Hollywoods beschäftigen wird.

Ein ungewöhnlich guter Krimi, der den Lesern von Volker Kutscher gefallen dürfte.


Verlag: DTV
ISBN: 978-3-423-26178-4
Preis: 15,90 €
bestellen

Woman in Cabin 10

Ruth Ware, Rezension von Bernhard Söthe

Lo Blacklock arbeitet in London bei einem schicken Lifestyle-Magazin, das über das Leben der Reichen und Schönen berichtet. Gelesen wird das Magazin von den nicht so Reichen und Schönen, die auf diese Art am Leben in der Glitzerwelt teilnehmen möchten. Aber die Leserzahlen sind rückläufig, und es gibt immer wieder Gerüchte über Verkauf oder Einstellung des Magazins. Lo Blacklock, alles andere als sicher in der mittleren Hierarchie des Blattes verankert, fürchtet um ihren Arbeitsplatz. Umso überraschter ist sie, als die Chefredakteurin des Magazins - eine eiskalte Karrierefrau, die ein Problem mit anderen Frauen hat, besonders wenn sie künftige Konkurrentinnen wittert - ihr eine Riesenchance bietet. Ein Milliardär hat für schier unglaubliche Summen ein kleines, aber umso feineres Kreuzfahrtschiff bauen lassen und für die Jungfernfahrt illustre Gäste aus dem Geldadel eingeladen. Und über dieses überaus wichtige Event soll das Lifestyle-Magazin berichten. Normalerweise wäre die Chefredakteurin über Leichen gegangen, um bei diesem gesellschaftlichen Highlight dabei zu sein, aber aus verschiedenen Gründen kann sie nicht mit an Bord. Zähneknirschend deligiert sie diesen Job an Lo Blacklock. Begeistert nimmt Lo diese Chance wahr. Passende Garderobe und angemessene Umgangsformen hat sie auch, doch in dieser Gesellschaft an Bord der nagelneuen Luxusyacht fremdelt sie doch etwas. Aber Lo ist es gewohnt, Stresszeiten mit Alkohol und diversen Pülverchen und Pillen zu bewältigen. So übersteht sie auch den ersten Abend an Bord des Schiffes. Reichlich angeschlagen zieht sie sich zum Schlafen in die ihr zu Verfügung gestellte Kabine zurück. Von einem Schrei aus der Nachbarkabine mitten in der Nacht geweckt, schreckt sie auf. Die Kabinen sind über Außenbalkone miteinander verbunden. Lo hangelt sich über ihren Balkon zur Nachbarkabine. Die Balkontür steht offen, die Kabine ist leer, aber an der Reling unübersehbar befindet sich ein blutiger Handabdruck. Von ihrer Kabine aus ruft Lo den Sicherheitsoffizier zur Hilfe. Schnell ist er zur Stelle, aber noch schneller haben die hochgehenden Wellen die Blutspuren an der Reling abgewaschen. Der Sicherheitsoffizier versichert Lo, die Nachbarkabine wäre seit Beginn der Reise unbewohnt gewesen, also könne sie daraus auch keinen Schrei gehört haben. Er deutet dann auch noch dezent an, dass Lo vielleicht schlecht geträumt habe und der Traum möglicherweise dem von Lo reichlich genossenen Champagner zu verdanken sei. Weder der Sicherheitsoffizier, noch sonst jemand an Bord glaubt Los Geschichte. Als auch noch bekannt wird, dass Lo kurz vor Beginn der Kreuzfahrt in London die Polizei rief, weil sie nachts in ihrem Apartment Eindringlinge gesehen haben wollte, die Polizisten aber von diesem Eindringling keine Spur feststellen konnte, ist Lo endgültig als hysterische Spinnerin abgestempelt, und ihr wird dringend geraten, ihren Alkohol- und Pülverchenverbrauch drastisch einzuschränken. Aber Lo ist sich sicher, richtig gehört und gesehen zu haben, und wenn das so ist, dann ist auch ein Mörder an Bord, dem sicher nicht gefällt, was sie mitbekommen hat.

Warum dieser Krimi "Woman in Cabin 10" und nicht "Die Frau in Kabine 10" heißt, ist ein Geheimnis des Verlags. Die Entschlüsselung dieses Rätsels ist mir bisher nicht gelungen. 


Verlag: Galiani Berlin
ISBN: 9783869710181
Preis: 20,00 €
bestellen

Sakari lernt, durch Wände zu gehen

Jan Costin Wagner, Rezension von Karin Bucconi

Ich bin ein Fan von Jan Costin Wagner und mag seine "Krimis", weil sie so anders sind, seine Sprache so wohltuend abweicht von der vieler anderer Autoren.

Es geht zwar wieder um den Ermittler Kimmi Joentaa, und dennoch erwartet einen kein klassicher Kriminalroman, auch kein Thriller, sondern eine Erzählung voller Tragik mit kriminalistischen Elementen. Grönholm, ein Kollege von Kimmi, erschießt auf dem Marktplatz von Turku ohne Not einen jungen Mann. Nackt stand der Junge im Brunnen, offensichtlich psychisch verwirrt und sich  mit einem Messer Verletzungen zufügend. Grönholm steigt zu ihm in den Brunnen, Sakari hebt das Messer, und Grönholm schießt auf ihn und tötet ihn. Warum?

Das herauszufinden ist alles, was er will. Es wird eine interne Untersuchung geben, ja, aber Grönholm bittet Joentaa, ihm bei der Aufklärung dieser Tat behilflich zu sein. Joentaa selbst ist ein leidgeprüfter Mensch, hat seine geliebte Frau verloren und ist nun alleinerziehender Vater. Seine ganze Sorge gilt seiner Tochter. Aber er will auch helfen, nicht ahnend, dass er bei der Recherche in eine tiefe menschliche Tragödie hineingezogen wird. Die Ermittlungen fordern seinen ganzen seelischen und körperlichen Einsatz...

"Ein warmherziges Buch über ein menschliches Drama, eine Geschichte, in einerr Sprache geschrieben, die einfach nur schön ist und mein Herz erfreut", schreibt ein Kritiker. Dem schließe ich mich gerne an.


Verlag: Penguin
ISBN: 978-3-328-10162-8
Preis: 15,00 €
bestellen

TICK TACK - Wie lange kannst du lügen?

Megan Miranda, Rezension von Kathrin Allkemper

Nic war 10 Jahre nicht in ihrem Heimatort. Genauso lange ist es her, dass ihre damalige Freundin Corinne spurlos verschwand. Seither hat Nic alte Verbindungen in die Kleinstadt gekappt und lebt nun mit ihrem Verlobten in New York.

Doch dann bekommt sie eine Nachricht von ihrem Vater, der aufgrund seiner Demenz in einem Altenheim lebt und von ihrem Bruder betreut wird. Auf der Notiz steht nur ein Satz: "Dieses Mädchen, ich hab es gesehen". Ihr Vater war der einzige, der Corinne immer nur "das Mädchen" nannte, daher trifft Nic diese Nachricht wie ein Blitz und sie fährt umgehend zurück in ihre alte Heimat. Außerdem muss sie sich mit ihrem Bruder auseinandersetzen, der das Haus des Vaters verkaufen will, um den Heimplatz weiter  zu finanzieren.  Ob sie will oder nicht, schnell gerät Nic wieder in die Fänge ihres alten Lebens und ihrer alten Liebe Tyler. Und kaum ist sie ein paar Tage in der Stadt, verschwindet wieder eine junge Frau. Dieses Mal ist es Tylers neue Freundin...

Ausgehend von dem Tag der neuerlichen Katastrophe, erzählt die Autorin diesen Krimi rückwärts in 14 Tagen, was die Erzählweise nicht nur sehr spannend sondern für Viel-Krimileser auch originell macht.


Verlag: Heyne
ISBN: 978-3-453-43879-8
Preis: 12,99 €
bestellen

Angstmörder

Lorenz Stassen, Rezension von Julia Jahns

Nicholas Meller, ein erfolgloser Anwalt aus Köln, zögert nicht lange, als sich die hübsche Nina um eine Stelle als Referendarin bei ihm bewirbt. Die junge Frau, die mit ihrer Behinderung, einer Fehlbildung ihres rechten Arms, so selbstbewusst und offen umgeht, beeindruckt ihn sofort. Schnell bekommen die beiden einen Auftrag. Wolfgang Rölscheid, ein ehemaliger Mandant Mellers, bittet um Rechtsbeistand. Die Sachlage ist eigentlich eindeutig: Rölscheid soll seine Frau ermordet haben. Sie wurde offensichtlich lebendig begraben, die Leiche wurde in einem Waldstück gefunden. Beim ersten Mal konnte Meller den Beschuldigten, der seine notorisch untreue Ehefrau verprügelt hatte, vor dem Gefängnis bewahren. Diesmal sprechen alle Beweise gegen ihn, doch Nina glaubt an Rölscheids Unschuld und drängt Meller, ihm zu helfen. Bei näherer Untersuchung des Tatortes findet sie erste Hinweise darauf, dass Rölscheid tatsächlich unschuldig sein könnte und der wahre Mord womöglich versucht hat, ihm die Tat anzuhängen. Doch je näher die beiden weiterforschen, umso mehr geraten sie ins Visier eines kaltblütigen Killers ...

Spannender Thriller um ein ungewöhnliches Ermittlerduo. Der Autor Lorenz Stassen hat zuvor als Drehbuchautor gearbeitet, unter anderem für die Serie "Alarm für Cobra 11" und legt nun seinen ersten Roman vor.


Verlag: Suhrkamp
ISBN: 978-3-518-46810-4
Preis: 15,95 €
bestellen

Crimson Lake

Candice Fox, Rezension von Kathrin Allkemper

Manchmal sind es nur wenige Minuten, die ein Leben komplett verändern können. Man ist einfach zur falschen Zeit am falschen Ort. So ergeht es auch Detective Ted Conkaffey. Hätte er die kleine Claire an einer Bushaltestelle nicht ganz arglos angesprochen und wäre das Mädchen nicht kurze Zeit später spurlos verschwunden gewesen, hätte er sein Zuhause wohl nicht verlassen und in die Kleinstadt Crimson Lake ziehen müssen. Vor kurzem lebte er noch mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter zusammen und war ein angesehener Cop. Jetzt wohnt er alleine in einem alten Haus und hat weder Besuchsrecht noch Job. Auch wenn die Anklage wegen Vergewaltigung der 13jährigen Claire aus Mangel an Beweisen fallen gelassen wurde, schlägt ihm überall der Hass entgegen, sobald man ihn erkennt. Niemand glaubt an seine Unschuld.

Seine Begegnung mit der durchgeknallten Amanda Pharrell macht es daher zunächst nicht einfacher. Auch ihr hat man ein Verbrechen angehängt und sie für den Mord an einer Mitschülerin ins Gefängnis gesteckt. Nach ihrer Haftentlassung hat sie eine Privatdetektei gegründet und ermittelt nun auf recht unkonventionelle Weise eigene Fälle. Als sie Ted einstellen will, sieht er nach anfänglichem Zögern eine Chance auf einen Neuanfang und steigt tatsächlich mit ein. Zwei Menschen, zwei Schicksale und ein gemeinsamer Kampf für Gerechtigkeit!

Candice Fox wurde hierzulande mit ihren Krimis Hades, Eden und Fall bekannt. Dieser neue Krimi ist davon unabhängig und der spannende Beginn einer neuen Reihe.

 


Verlag: Wunderlich
ISBN: 978-3-8052-0016-5
Preis: 19,95 €
bestellen

Fiona - Als ich tot war

Harry Bingham, Rezension von Bernhard Söthe

Cardiff, Wales: Fiona Griffiths, Detectiv Sergeant, liebt ihren Beruf. Man versucht, die Bösen zu schnappen  und ist meistens auf der Seite der Guten.  Die Polizeibehörde hat klare Regeln, klare Strukturen, die Fiona Griffiths helfen, mit ihren psychischen Problemen fertig zu werden. Sie ist wohl das, was man auf neudeutsch "Borderline-Persönlichkeit" nennt. Die Art ihrer psychischen Beeinträchtigung ist im Anhang des Buches genauer erklärt.

Fiona ist in ein neues Revier versetzt worden und weiß, dass sie als Neuzugang die eher unspektakulären Fälle zu bearbeiten hat, bis ihre neuen Vorgesetzten und Kollegen ihre Fähigkeiten einschätzen können. So ein eher "kleiner" Fall ist es, als Fiona betrügerische Manipulationen an Gehaltsabrechnungen in einem Möbelkaufhaus aufklären soll, eine typische Aufgabe für Berufsanfänger. Als aber ein dringend Tatverdächtiger brutal ermordet wird, wird klar, dass hinter dem vermeintlich kleinen Betrug etwas viel Größeres steckt und der Tote nur ein winziges Rädchen in einer viel größeren Verbrecherorganisation war, der gnadenlos ausgeschaltet wurde, als der raffinierte Betrug aufzufliegen drohte. Um an die Hintermänner der Organisation zu kommen, wird Fiona Griffiths alias Fiona Grey als Undercover-Agentin in einer ebenfalls von den Betrügereien betroffenen Firma eingeschleust. Die Ausbildung für Undercover-Einsätze gilt als härteste im ganzen Polizeidienst. Nur ein geringer Teil der Aspiranten hält bis zum Schluss durch. Fiona hat diesen Kurs mit Bravur absolviert und als Kursbeste abgeschnitten, ist also prädestiniert für ihre neue Aufgabe. Hinzu kommt, dass es ihr leicht fällt, in fremde Rollen zu schlüpfen. Nach einer Einarbeitungsphase als Buchhalterin in ihrer "neuen" Firma wird sie erwartungsgemäß von der Verbrecherorganisation mit Zuckerbrot und Peitsche rekrutiert, um bei den Betrügereien mitzumachen. Schnell stellt sich heraus, dass die Verbrecherorganisation international vernetzt ist und einen richtig großen Coup plant, um an die Gehaltskonten großer britischer Firmen zu kommen. Ziel von Fionas Undercover-Einsatz ist es, dass "Gehirn" hinter diesem Plan zu finden und nicht nur "Wasserträger" zu erwischen. Ein Katz- Und Maus-Spiel beginnt, bei dem lange nicht klar ist, wer Maus und wer Katze ist. Hochdramatisch bis zum Showdown. Aber man bleibt auch gerne am Ball, weil Fiona Griffiths alias Grey eine so interessante Protagonistin ist. In England sind bereits drei Krimis mit dieser Hauptperson erschienen, es wäre wünschenswert, wenn auch die anderen Bände übersetzt würden. 


Verlag: Bastei-Lübbe
ISBN: 9783404176588
Preis: 10,00 €
bestellen

Der Präsident

Sam Bourne, Rezension von Karin Bucconi

Es würde nicht viel Sinn machen, etwas ausführlicher über diesen Thriller zu schreiben. Man muss ihn lesen. Nur so viel: ich musste stellenweise innehalten und eine Lesepause einlegen, weil Fiktion (Roman) und Wirklichkeit (tägliches Politikgeschehen) so nah beieinander liegen.

Zum Inhalt:

Ein unberechenbarer Demagoge und Narziss wird Prädident der USA. Er ist erst kurz an der Macht, als eine Auseinandersetzung mit Nordkorea aus dem Ruder läuft. Er ist dermaßen außer sich, dass er beinahe einen Atomschlag anordnet. Ziele sind Nordkorea und China. Wenn niemand ihn stoppt, steht der Menschheit der dritte Weltkrieg bevor.

Aber- im Hintergrund bahnt sich eine "Verschwörung" an, und eine Mitarbeiterin des Weißen Hauses findet heraus, dass ein Attentat auf den Präsidenten kurz bevorsteht. Was ist nun wichtiger? Das Attentat verhindern oder die Welt retten?

Lesen Sie selbst! Es ist ungewöhnlich spannend!

 


Verlag: Europa
ISBN: 9783958901254
Preis: 17,90 €
bestellen

Das Verschwinden der Adele Bedeau

Graeme Macrae Burnet, Rezension von Kathrin Allkemper

Manfred Baumann ist ein Eigenbrötler. Der 36jährige Bankdirektor speist täglich im selben Lokal, je nach Tag sogar das selbe Gericht. In regelmäßigen Abständen fährt er nach Straßburg, um sich dort im stets gleichen Club mit leichten Mädchen zu vergnügen, wobei auch das genauso verkrampft abläuft wie der Rest seines Junggesellenlebens.

Adele Bedeau ist Kellnerin in Manfreds Stammlokal und der Inhalt seiner Träume. Sie ist jung und hübsch....und eines Tages spurlos verschwunden. Die Polizei taucht auf und natürlich wird auch der kauzige Dauergast von Kommissar Gorski befragt. Prompt verstrickt Manfred sich in nervöses Gefasel, weil er nicht zugeben will, dass er Adele am Abend ihres Verschwindens noch gesehen hat. Zu groß ist seine Angst, jemand könnte sein lang gehütetes Geheimnis ans Licht bringen....

Dieses spannende Psychogramm eines Außenseiters ist vor allem für Leser von unblutigen Kriminalromanen bestens geeignet !


Verlag: Carl`s Books
ISBN: 9783570585610
Preis: 14,99 €
bestellen

Kommando Abstellgleis

Sophie Hénaff, Rezension von Bernhard Söthe

Anne Capestan, Kommissarin bei der Pariser Kripo, ist vom Dienst suspendiert worden. Sie hat einen Kindesentführer bei der Festnahme erschossen. Hart am Rande der Legalität wird der Vorfall als Notwehr eingestuft und macht die eigenwillige Kommissarin, die schon häufiger wegen mangelnder Impulskontrolle im Dienst aufgefallen ist, in der Chefetage nicht gerade beliebter. Fast zeitgleich mit der Suspendierung hat Anne Capestans Mann sie verlassen. An das Alleinsein glaubt sie sich gewöhnen zu können, nicht aber daran, ohne ihren Beruf, den sie gerne und - wie sie glaubt - gut ausgeübt hat, ein sinnvolles Leben führen zu können. So ist sie zunächst erleichtert, als sie zu ihrem Chef vorgeladen wird, der eine neue Aufgabe für sie hat. Anne Capestan soll eine neu zusammengestellte Brigade der Kripo leiten, die sich um alte, nicht aufgeklärte Kriminalfälle kümmern soll. So weit, so gut, aber die unerwartete Beförderung hat natürlich einen Haken. Die Mitglieder der neuen Brigade sind die gesammelten Loser der Polizeibehörde. Faulenzer, Größenwahnsinnige, Dummschwätzer, Alkoholiker, Spielsüchtige, Arbeitsverweigerer, mit denen niemand mehr zusammen arbeiten will. Der Chef hat Anne Capestan sozusagen einen Strauß schönster Neurosen zusammen gestellt.

Die Büroräume der neuen Brigade sind weit weg vom Hauptgebäude der Kripo, die Einrichtung ist sperrmüllreif, die zur Verfügung gestellten Arbeitsmaterialien vorsintfluchtlich. Die Brigade hat nominell 40 Mitarbeiter, von denen immerhin eine große Handvoll bereit ist, das zu tun, wofür sie bezahlt werden: Verbrecher zu jagen, was aber keiner der Vorgesetzten ernsthaft erwartet. Staatsangestellte sind in Frankreich unkündbar, und die auf das Abstellgleis geschobenen Loser sollen wenigstens kein Sand im Getriebe des normalen Kripoalltags sein. Aber Kommissarin Capestan schafft es, aus diesem Häuflein von Versagern und Soziopathen eine Crew zu schweißen, die ihre Arbeit unkonventionell, aber überraschend erfolgreich erledigt.

Ein origineller Krimi, vergnüglich zu lesen, viel Situationskomik wegen der ungewöhnlichen Hauptpersonen, aber mit ernstzunehmendem Krimiplot. Auch für Frankreich-/ Paris-Liebhaber bestens geeignet. Im Herbst erscheint Teil 2. Ich freu mich drauf.


Verlag: Suhrkamp
ISBN: 9783518467701
Preis: 10,00 €
bestellen

Endgültig

Andreas Pflüger, Rezension von Daniela Maifrini

 

Was ich nicht gerne mag, sind Bücher die in der Gegenwart geschrieben sind. Als ich mir für den Urlaub den Thriller Endgültig eingepackt habe, ist mir dieses Detail aber glücklicherweise durchgerutscht, sonst hätte ich mich eines unerhörten Lesevergnügens beraubt!

Was mich angesprochen hatte, war die Tatsache, dass die Hauptperson im Buch, Jenny Aaron, eine Elitepolizistin ist, die im Einsatz so verletzt wurde, dass sie blind ist. Dennoch ist sie nach wie vor im Polizeidienst, mittlerweile als Verhörspezialistin beim BKA in Wiesbaden. Eine ungewöhnliche Ausgangssituation!

Jenny Aaron hat vor ihrer Verletzung in Berlin gearbeitet und etliche Auslandseinsätze absolviert. Dabei hatte es einen Auftrag in Barcelona gegeben, bei dem sich furchtbare Dinge ereignet haben, Stück für Stück erfahren wir Details.

Mit diesen Ereignissen hat auch der Fall zu tun, der Aaron (Vornamen sind nicht gebräuchlich in diesen Kreisen!) zurück zu ihrer alten Einheit führt: einer ihrer früheren „Kunden“, ein Häftling in der JVA Tegel, hat mutmaßlich seine junge Gefängnispsychologin umgebracht und sie soll ihn vernehmen, da die Kollegen nicht weiterkommen. Schnell wird ihr der Zusammenhang mit ihrer eigenen Vergangenheit klar und sie gerät in den Einfluss ihres schlimmsten Feindes, des einzigen Kriminellen, der wie sie nach den Regeln der Samurai lebt und ihr ebenbürtig ist.

Ich bin ehrlich: der Schreibstil ist für einen Thriller extrem anspruchsvoll, man muss sich kurz einfinden. Aber dann kommen die ersten Handlungsstränge, die einfach so mitreißend sind, dass man sich dem Buch nicht mehr entziehen kann. Und man gewöhnt sich an die Sprache, da sie die einzig logische Möglichkeit ist, die knallharte Handlung glaubhaft zu schildern.

In dem Buch werden akribisch recherchierte Sachverhalte wiedergegeben, die sich mit den Fähigkeiten von spät Erblindeten und deren Möglichkeiten beschäftigen - hochinteressant und für mich komplettes Neuland!

Das eigentlich Großartige ist aber die präzise Schilderung der handelnden Akteure. Wir bewegen uns innerhalb einer Polizei-Eliteeinheit, wir lernen einen Haufen echt harter Männer und zwei harte Frauen kennen, die allesamt vor lauter Testosteron strotzen. Dennoch ist Andreas Pflüger eine glaubhafte und detaillierte Schilderung der einzelnen Charaktere und der Teamstruktur gelungen, da findet man keine einzige flache Figur. Es gibt zum Besipiel eine Teamleiterin, die im Laufe des Buches eine so großartige Entwicklung durchmacht, dass man sich - Entschuldigung, Herr Söthe! - so eine Chefin wünscht. Und einer der ältesten Freunde Aarons bei der Einheit ist so tough und gleichzeitig so feinfühlig, dass sich so mancher Action-Hero eine Scheibe davon abschneiden könnte.

Schnell, anspruchsvoll, hoch spannend und sehr wendungsreich - unbedingt lesen!