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Verlag: Aufbau
ISBN: 9783746633879
Preis: 12,99 €
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Die Frauen von Long Island

Zoe Fishman, Rezension von Lena Gerbig, Gastrezensentin

Eine Erbschaft flattert ins Haus. Maggie erbt von einer verstorbenen Freundin ein Strandhaus in den Hamptons. Bisher ging es ihr mit ihrer kleinen Tochter finanziell alles andere als gut - jetzt besitzt sie ein schickes Haus mit Strandzugang in einem der wohlhabendsten Vororte und Wochenendorten der New Yorker. Einziges Manko: die Mutter der Verstorbenen - Edith - lebt mit im Haus und genießt lebenslanges Wohnrecht. Maggie ist überfordert mit der Situation, Edith gleichermaßen. Doch mit der Zeit gelingt es beiden, sich einander zu öffnen und eine angenehme Zeit miteinander zu verbringen. Maggies Töchterchen Lucy tut ihr Übriges, um die an Alzheimer erkrankte und missmutige Edith hervorzulocken und sie wieder lachen zu lassen. 

Eine schöne, gut zu lesende Geschichte über drei Generationen Frauen unter einem Dach, gepaart mit herzzerreißenden Erinnerungen, heißen Männern, tollen Freundinnen und ganz viel toller Schriftsprache. 


Verlag: Carl's Books
ISBN: 978-3-570-58566-5
Preis: 14,99 €
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Das Scherbenhaus

Susanne Kliem, Rezension von Lena Gerbig, Gastrezensentin

Carla Brendel lebt zurückgezogen in ihrem reetgedeckten Haus in Stade. Außer zur Arbeit im Restaurant verlässt sie ihr Haus kaum - seitdem sie von einem Stalker belästigt wird. Die Polizei findet nichts heraus, irgendwann hören die Briefe auf, und Carla versucht, zur Normalität zurückzukehren. Dann wird Carla von Ellen, ihrer Halbschwester, zu der sie eher sporadisch Kontakt hält, angerufen und nach Berlin gebeten. Ellen klingt panisch. Sie behauptet, etwas über jemanden herausgefunden zu haben, das sie niemals hätte wissen dürfen. Etwas Ungeheuerliches. Carla reist unter größter Unruhe nach Berlin, wo Ellen noch am selben Tag verschwindet und tot aufgefunden wird. Ein Unfall? Zeitgleich lernt Carla die Mitbewohner von Ellen im "Mehrfamilienhaus" kennen, wobei der Begriff dem futuristischen, intelligenten Glasgebäude nur schwer gerecht wird. Nach außen sind sie eine liebevolle Hausgemeinschaft, doch was ist wirklich mit Sarah los? Warum hat sie so eine schlechte Beziehung zu ihren Eltern, die gleich nebenan wohnen? Was verheimlicht der frühere Zirkusartist Milan Wagner? Oder ist er einfach nur nett und zuvorkommend? Und welche Beziehung besteht zwischen Christian und Eva? Das "Safe Haven" entpuppt sich als Gebäude voller Geheimnisse und Horrorszenarien. 

Die Geschichte ist unheimlich spannend, fesselnd und berührend. Unterschwellig hat man als Leser ständig Angst, dass wieder etwas passiert, sieht selbst überall Gefahren. Susanne Kliem ist ein toller Psychothriller gelungen, für den man ausreichend Zeit am Stück braucht, um ihn zügig zu lesen.


Verlag: Rowohlt
ISBN: 9783499291449
Preis: 12,99 €
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Preiselbeertage

Stina Lund, Rezension von Lena Gerbig, Gastrezensentin

Eine Geschichte zwischen Deutschland und Schweden, Westeuropa, der DDR sowie der heutigen Zeit. Zwischen Ariane, ihrer Halbschwester, den Eltern Ina und Jörg, von denen sie nur teilweise das leibliche Kind ist, Inas Eltern Margarethe und Benno und dem Rest der Welt. Eine Geschichte von Familie, die nicht immer perfekt ist und einer neuen Liebe, die das Leben auf einmal umso vieles leichter macht. 

Ariane ist mit 30 Jahren wieder solo, ihren Job legt sie kurzerhand auf Eis und kehrt nach dem Tod ihres Vaters für eine gewisse Zeit aus Leipzig zurück nach Söderby, das Dorf, in dem sie aufwuchs. Sie sucht das Manuskript ihres Vaters, das ihr Vater vor seinem Tod geschrieben hat und von dem er wollte, dass es veröffentlicht wird. Nur warum ist Mutter Ina so sehr dagegen? Was in der Geschichte von Ina und Jörg darf aus dem Manuskript niemals zu Ariane und ihrer Schwester Jolante gelangen? Mehr soll nicht verraten werden - aber das Lesen lohnt sich. Ganz bestimmt.


Verlag: Penguin
ISBN: 978-3-328-10237-3
Preis: 13,00 €
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Shark Club - Eine Liebe so ewig wie das Meer

Ann Kidd Taylor, Rezension von Lena Gerbig, Gastrezensentin

Mitglied im "Shark Club" zu sein ist etwas ganz Besonderes. das findet jedenfalls Hazel, die sechsjährige Gründerin. Weitere Mitglieder sind ihr Vater Daniel und seine Ex-Verlobte und Protagonistin des Romans, Maeve. Alle drei lieben Haie und wollen ihnen Gutes tun - allen voran Maeve, die seit einem Haiangriff in der Kindheit ein ganz besonderes Verhältnis zu den Tieren hat. Maeve forscht rund um Haie, reist dafür um den ganzen Globus. Der Zwischenstopp in ihrer Heimat Calusa lässt sie die Tochter ihres Ex-Verlobten Daniel kennen lernen - und ihre erste große Liebe Daniel ist auch zurück aus Miami. Wird es das romantische Happy End? Eine idyllische Familie, die Maeve sich vor Daniels Fehltritt vor sieben Jahren stets mit ihm wünschte? Oder überwiegt ihre Reiselust, der Forschungsdrang, etwas für die Haie der Welt zu tun?

Ein sehr schön lesbarer Roman, der neben einer bildhaften Darstellung von Unterwasser- und Meereswelt auch eine schöne und spannende Familien- und Liebesgeschichte mit sich bringt. Macht Spaß zu lesen!


Verlag: cbj
ISBN: 9783570165126
Preis: 18,00 €
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One of Us Is Lying

Karen M. McManus, Rezension von Emily Biggemann

Fünf Schüler einer Highschool, die unterschiedlicher nicht sein könnten, werden auf eine ziemlich kuriose Weise zum Nachsitzen verdonnert. Als bei dieser besagten Nacharbeit Simon, einer der fünf Schüler, und zugleich Betreiber der berüchtigten Gossip-App der Schule, an einem allergischen Schock stirbt, ermittelt die Polizei wegen Mordes. Simons Ziel war es, am nächsten Tag einen Skandalpost über seine Mitschüler Bronwyn, Addy, Cooper und Nate, welche ebenfalls anwesend zur Nacharbeit waren, zu veröffentlichen. Sie waren alle dort und sie alle haben etwas zu verbergen, was sie zu den Hauptverdächtigen macht. Es entsteht eine spannende Ermittlung, mit immer wieder neu aufzudeckenden Geheimnissen.

Karen M. McManus erzeugt durch die Weise, aus den verschiedenen Sichten der Protagonisten zu erzählen, eine sehr gute Möglichkeit, sich besser in das Geschehen, wie die Charaktere denken und handeln, hineinzuversetzen. Die Handlung wird durch ständige, überraschende Wendungen geprägt und es entsteht eine Spannung vom Anfang bis zum Ende, die den Leser das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen lässt. Es ist ein ständiges Hin und Her, mit vielen neuen Fakten und Geheimnissen, bis der wahre Täter gefasst wird. Denn einer von ihnen lügt...


Verlag: Diogenes
ISBN: 978-3-257-07017-0
Preis: 24,00 €
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Das Lied der Weite

Kent Haruf, Rezension von Andrea Feirer, Gastrezensentin

„Unserer Seelen bei Nacht“ hat mich schon unglaublich beeindruckt, und mit diesem Buch ging es mir nicht anders. Eigentlich beschreibt Kent Haruf in diesem Buch vermeintlich nichts wirklich Aufregendes oder Spannendes. Er schildert das Leben der Menschen in der fiktiven amerikanischen Kleinstadt Holt, ihr Alltagsleben, aber auch ihre Sorgen und Nöte. Doch er macht das auf eine Art und Weise, die einem das Gefühl gibt, Teil dieser Kleinstadt zu sein, sich mit den Menschen und ihren Geschichten verbunden zu fühlen. Es sind keine schönen Geschichten, auf den ersten Blick. Die siebzehnjährige Victoria ist schwanger und ihre Mutter möchte nichts mehr mit ihr zu tun haben. Von heute auf morgen hat sie kein Zuhause mehr. Tom Guthrie, Lehrer und Vater von zwei Söhnen, wird von seiner depressiven Ehefrau verlassen. Das sind Situationen, die sich niemand wünscht, und die zunächst mal ausweglos erscheinen. Doch das Leben geht weiter und es lässt interessante Begegnungen und neue Verbindungen entstehen.

Für mich ist das Literatur allererster Güte. Kent Haruf gelingt es, die harten und unangenehmen Seiten des Lebens so zu erzählen, dass einem dabei dennoch warm wird ums Herz. Seine Kritik an der Kleinstadt-Gesellschaft ist natürlich unüberhörbar, aber gleichzeitig plädiert er auch für den Mut, sich ihr entgegenzustellen, um am Ende dafür belohnt zu werden mit einem selbstbestimmten Leben.


Verlag: Aufbau
ISBN: 978-3-7466-3343-5
Preis: 12,95 €
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Und jetzt auch noch Liebe

Catherine Bennetto, Rezension von Lena Gerbig, Gastrezensentin

Emma ist gefrustet: Ihr Freund ist völlig orientierungslos und lebt seit Jahren in den Tag hinein, und obendrein ist sie von der Arbeit als dritte Regieassistentin unfassbar genervt. Kurzentschlossen trennt sie sich von beidem - etwas zeitgleich erfährt sie, dass sie ein Kind erwartet. Etwas chaotisch? Das mag sein, doch Emma wird in ihrer noch chaotischeren Familie gut aufgenommen. Und dann ist da noch Joe. Ein Mann, der beim Aufeinandertreffen von Joe und Emma nachts sturzbetrunken vor ihrer Haustür nach einem wildfremden Mann gesucht hat. Genau dieser Joe könnte Emmas Traumprinz sein. Aber was ist mit dem netten, hübschen Kameramann vom Filmprojekt, an dem Emma mit ihrem Neffen Archie teilnimmt? 

Die ganze Geschichte endet im Happy End, liest sich super und ist vor allem wunderbar realistisch geschrieben - die Schwangerschaft von Emma und ihre Tücken, das Chaos am Filmset - alles wird amüsant beschrieben, und man hat einfach Spaß am Lesen.


Verlag: BTB
ISBN: 978-3-442-71468-1
Preis: 9,99 €
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Der glückliche Lügner

Leif G. W. Persson, Rezension von Anna Heidebroek, Gastrezensentin

Nach einigen sonderbaren Fällen, in denen alte Frauen und Tiere die Hauptrolle spielen, geht es für Kommissar Evert Bäckström endlich wieder bergauf: Der Anwalt Thomas Eriksson, der erst kürzlich einen Mann vor Gericht vertrat, der es auf Bäckström abgesehen hatte, wird tot in seiner Villa aufgefunden. Ausgleichende Gerechtigkeit denkt sich der Kommissar und ermittelt mit großer Schadenfreude.

 

Es sollte einer der besten Tage im Leben des Kommissars Evert Bäckström werden, als der berühmte Anwalt Thomas Eriksson mit eingeschlagenem Schädel in seiner Villa gefunden wird. Bäckström, der selbst noch ein Hühnchen mit dem Anwalt zu rupfen hatte, wird zum Ermittlungsleiter gemacht und sieht sich direkt mit diversen Schwierigkeiten konfrontiert. Die größte besteht aus seinem Ermittlerteam, ein fauler und minderbemittelter Haufen von dem am allerschlimmsten seine Stellvertreterin Annika Carlsson ist, so sieht es jedenfalls Bäckström. Deshalb überlässt er ihr gerne die meisten Ermittlungsaufgaben und zieht es vor, sich auf ausgiebige Mahlzeiten und Mittagsschläfchen zu konzentrieren. Bald werden im Mordfall Verbindungen zum Rockermilieu und anderen Schwergewichten aus der Verbrecherszene deutlich, was Kommissar Bäckström aber nicht überrascht - schließlich waren dies die Bevorzugten Klienten des Ermordeten. Während das Ermittlerteam fleißig neue Erkenntnisse zu Tage fördert, verlässt sich der Kommissar auf seine weit verzweigten Kontakte aus allen Bereichen, um sich dem wahren Kern des Mordes zu nähern: der Kunst. Dass am Ende dann doch alles ganz anders war, als zu Beginn gedacht, erfreut am meisten den Kommissar.

 

Obwohl der Mordfall wirklich spannend ist und vom Autor geschickt gestrickt wurde, ist der eigentliche Star des Buches Kommissar Evert Bäckström. Mittelalt, dick und wenig gebildet ist der Kommissar, doch sein Ego könnte nicht größer sein. Besonders stolz ist er auf seine „Supersalami“, die sämtliche Frauen um den Verstand bringt. In seinen inneren Monologen wird fast jeder mit Schimpfwörtern bedacht, außer es sind Frauen mit entsprechenden körperlichen Reizen. Seine tägliche Routine besteht aus schlafen, essen und Sex und von dieser lässt er sich durch seine Arbeit nur ungern abbringen. Dass er es trotzdem schafft, Fälle zu lösen, liegt vor allem an seinen guten Kontakten, die er im Laufe der Zeit durch das „Eine-Hand-wäscht-die-Andere“-Prinzip generieren konnte. Ein politisch unkorrekter, sexistischer, eingebildeter und verfressener Kommissar sollte es eigentlich schwer haben, beim Leser auf Sympathie zu stoßen, doch es war genau das, was ich für Kommissar Evert Bäckström empfunden habe. Es ist sogar so weit damit, dass ich ihn zu meinem neuen Lieblingskommissar erkoren habe. Selten hat mich ein Krimi so erfreut wie dieser.


Verlag: BTB
ISBN: 9783442757282
Preis: 20,00 €
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Der Fall Kallmann

Hakan Nesser, Rezension von Andrea Feirer, Gastrezensentin

Nachdem seine Frau und seine Tochter bei einem Fährunglück ums Leben gekommen sind, geht Leon Berger auf das Angebot seiner früheren Kommilitonin Ludmilla Kovacs ein und zieht von Stockholm in eine Kleinstadt, um dort die Nachfolge des verstorbenen Eugen Kallmann an einer der örtlichen Gesamtschulen anzutreten. Er hofft auf Ablenkung und einen möglichen Neuanfang, denn noch bestimmt die Trauer seinen Alltag. Als er seinen Arbeitsplatz einrichten möchte, stößt er im Pult auf Tagebücher, die Kallmann verfasst hat. Der Inhalt lässt vermuten, dass Kallmann keines natürlichen Todes gestorben ist, sondern möglicherweise ermordet wurde. Mithilfe von Ludmilla und einem weiteren Kollegen versucht Berger herauszufinden, was tatsächlich geschehen ist. Es scheint, als hätte Kallmann große Geheimnisse mit sich herumgetragen, die nun nach und nach gelüftet werden. Welchen ungeklärten Verbrechen war er auf der Spur und was hat das mit seiner Person zu tun? Fragen, auf die Berger und seine Kollegen versuchen Antworten zu finden.

Eine unglaublich spannende, mit gesellschaftskritischen Untertönen gespickte Geschichte, die, typisch für Hakan Nesser, von den fein gezeichneten, interessanten Persönlichkeiten, lebt. Er erzählt aus unterschiedlichen Perspektiven und lässt abwechselnd die beteiligten Personen in den einzelnen Kapiteln zu Wort kommen, so dass ein sehr umfassendes Bild der Zusammenhänge und auch der jeweiligen Charaktere entsteht.

Deswegen lese ich Nesser so gerne, weil er ein unglaublich guter Menschenkenner zu sein scheint, dem es gelingt, immer wieder unglaublich spannende Persönlichkeiten zu kreieren, so auch in diesem Buch.

Das Cover hat mir besonders gut gefallen, denn es unterstreicht noch mal die düstere, atmosphärische Stimmung des Buchs.

 


Verlag: Fischer Sauerländer
ISBN: 978-3-7373-5506-3
Preis: 19,99 €
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Scythe - Die Hüter des Todes

Neal Shusterman, Rezension von Jannik Feil, Gastrezensent

Citra und Rowan leben in einer hochtechnisierten Welt, in der der natürliche Tod, Krankheit, Armut und viele weitere Leiden überwunden wurden. Doch damit die Anzahl der Menschen auf der Welt nicht zu groß wird, gibt es das Scythtum - eine Organisation, die die Aufgabe hat zu bestimmen, wer lebt und wer stirbt. Da die Bezeichnung "töten" gesellschaftlich geächtet ist, nennen sie es "nachlesen". Eines Tages werden Citra und Rowan gegen ihren Willen von einem Scythe zur Ausbildung zum Scythe berufen. Doch nach einer Versammlung der Scythes wird klar, dass nur einer von ihnen Scythe werden kann und der andere nachgelesen wird. Als dann noch ihr Mentor ermordet wird und sie beide zu anderen Scythe gebracht werden, ist klar, dass mehr hinter der Entscheidung, wer von ihnen Scythe wird, steckt, als offiziell bekannt gemacht wird. Doch wer wird gewinnen? Und was heißt das für alle anderen?

Neal Shusterman schafft es, die verschiedenen Erzählstränge passend zusammenzuführen, sodass man als Leser immer wissen möchte, wie es weitergeht. Auch die Tatsache, dass man die einzelnen Informationen immer nr in einzelnen Stücken bekommt, steigert die Spannung sehr. Die Tagebucheinträge der einzelnen Charaktere, welche der Autor nach jedem Kapitel verwendet, geben dem Leser unterschiedliche Sichtweisen auf das Geschehene, so dass man gezwungen wird, für eine Seite Partei zu ergreifen.

Mir hat das Buch sehr gut gefallen, weil der Autor die Themen Tod und Technisierung in einer düsteren Atmosphäre auf eine sowohl unterhaltende als auch zum Nachdenken anregende WEise thematisiert.


Verlag: Rowohlt
ISBN: 9783499272769
Preis: 9,99 €
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Gegen Liebe ist kein Kraut gewachsen

Abbi Waxman, Rezension von Lena Gerbig, Gastrezensentin

Ich mag gute Bücher. Und lustige. Dieses ist so eins. Vielleicht, weil ich selbst seit einigen Monaten Mutter bin, wahrscheinlich aber, weil Abbi Waxman einen tollen, mitreißenden und alltagsnahen Schreibstil hat. 

Doch erstmal zur Geschichte.

Lilian ist verwitwet, Ende Zwanzig, hat zwei Töchter im Grundschulalter (hier wird es immer besonders witzig, weil genau solche Dinge passieren, wie sie in Wirklichkeit und nicht in Buchschnulzen passieren) und liebt es zu zeichnen (auch hin und wieder witzig).

Lilian arbeitet für einen kleinen Verlag als Illustratorin und soll für einen neuen Auftrag an einem Gärtnerkurs teilnehmen. Leiter des Kurses: der Sohn des Familienunternehmens Bloem, der gleichzeitig Auftraggeber ist. Klar, da bahnt sich was an zwischen Lilian und dem niederländischen Edvard Bloem. Doch ob es sich dabei um Freundschaft oder gar Liebe handelt, soll der Leser selber herausfinden. Das Buch ist so herrlich alltagsnah geschrieben, dass ich beim Lesen einige Male laut lachen musste. Da ist der Kuss, der in der Luft hängenbleibt, weil die Kinder plötzlich in der Tür stehen. Da ist betretenes Schweigen, weil ein Kind eine unbequeme Wahrheit ganz unbedarft ausgeplaudert hat. Oder die Illustrationsabteilung, die sich über die Darstellung eines Wal-Penis amüsiert.

Wer sowas mag, dem sei das Buch wärmstens empfohlen!


Verlag: Diogenes
ISBN: 9783257069839
Preis: 22,00 €
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Das Leben wartet nicht

Marco Balzano, Rezension von Lena Gerbig, Gastrezensentin

Schon die kleinen Jungs im Grundschulalter bevölkerten zu Hunderten die Stadt Mailand, alle kamen sie aus Sizilien, aus der Armut, alle suchten sie ihr Glück im Norden Italiens. Sie versprachen sich Arbeit, bessere als die Feldarbeit daheim - und vor allem mehr Geld. So ging es auch Ninetto, der nach kurzer Grundschulzeit die Familie, seinen cholerischen, trinkenden Vater und die schwerkranke Mutter verließ, um in Mailand Geld zu verdienen und eine bessere Zukunft zu haben.

Marco Balzano erzählt ungeschminkt vom harten Leben in Mailand, von den ärmlichen Verhältnissen, in denen Ninetto auch in der großen Stadt im Norden noch lebt und versteht es, mit Freundschaften und einer Liebesgeschichte das triste Leben des Jungen etwas zu erhellen.

Ninetto erzählt von seiner Kindheit abwechselnd mit der Realität in der Gegenwart, in der er zehn Jahre im Gefängnis gesessen hat und in Kürze entlassen wird. Als das geschieht, versucht Ninetto, in dem völlig veränderten Mailand Fuss zu fassen und wieder im Alltag mit seiner Frau Maddalena und einer geregelten Arbeit anzukommen. 


Verlag: Droemer/Knaur
ISBN: 9783426199206
Preis: 19,99 €
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Das Paket

Sebastian Fitzek, Rezension von Lena Gerbig, Gastrezensentin

Das Paket - ein neuer Psychothriller von Sebastian Fitzerk, der so skurril und zugleich furchteinflößend ist, dass man ihn nicht vor dem Schlafengehen lesen will. Ein Fitzek, der selbst beim Lesen paranoide Gedanken entstehen lässt.

Emma Stein ist Psychologin - wie so oft in Fitzeks Romanen. Sie ist spezialisiert auf die Pseudologie - krankhaftes Lügen - und findet sich nach einem Kongress im Albtraum wieder. Der "Friseur" hat sich an ihr vergangen - oder doch nicht? Sie erhält ein Paket, das für einen Nachbarn bestimmt ist, der aber doch gar nicht existiert? Und wieso ist der Hund auf einmal sterbenskrank?

Sebastian Fitzek versteht es wieder perfekt, den Leser zu verwirren, dass er gar nicht mehr weiß, was wahr ist und was nicht. Deswegen will ich gar nicht viel verraten. Nur so viel: das Buch ist toll und die Geschichte spannend! Absolut lesenswert!


Verlag: Fischer Sauerländer
ISBN: 9783737352307
Preis: 16,99 €
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Mein Freund Pax

Sara Pennypacker, Rezension von Lena Gerbig, Gastrezensentin

"Eine ergreifende Parabel über Menschlichkeit und Nächstenliebe in Zeiten des Krieges", so beannent es der Klappentext. Und treffender könnte ich es nicht formulieren.

Peter hat - seit er sieben Jahre alt ist - einen Fuchs als Freund. Den kleinen Pax hat er zufällig in einem verlassenen Bau gefunden und zu Hause so wie ein Haustier großgezogen. Nun zieht der Krieg ins Land, und Peter soll Pax aussetzen, weil der Junge künftig bei seinem Großvater leben soll. Ohne Fuchs. Peter fühlt sich ohne Pax nicht ganz. Und genauso geht es dem Fuchs. Unabhängig voneinander beschließen beide, dass sie einander suchen wollen. Und damit beginnt für beide ein spannendes Abenteuer, an dessen Ende ein emotionaler Höhepunkt wartet - die beiden treffen sich wieder.

Ich weiß nicht, ob das Buch explizit für Jugendliche geschrieben ist - ich würde es eher Erwachsenen empfehlen. Es ist einfach zu "brutal" für ein Kind. Ansonsten eine tolle Geschichte, aus Perspektive vom Fuchs im Wald sowie von Peter unterwegs durch Kriegsgebiet zu seinem Freund. 


Verlag: Penhaligon
ISBN: 9783764531836
Preis: 15,00 €
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Die Gabe des Königs

Robin Hobb, Rezension von Jannik Feil, Gastrezensent

Fitz ist der uneheliche Sohn eines Prinzen. In früheren Jahren nimmt sein Großvater, der König, ihn in seine Dienste. Als er älter ist, bemerkt er eine Intrige am Hof, welche das Königreich in den Untergang führen wird. Sein Großvater verbietet ihm aber, als er ihm davon berichtet, dagegen vorzugehen. Doch wie wird er sich entscheiden? Wird er seinem Großvater gehorchen und so den Untergang des Reiches miterleben oder wird er seinem Gewissen folgen und so sein eigenes Leben in Gefahr bringen?

Wir können gespannt sein, da es sich hier nach Ankündigung der Autorin um den ersten Band einer Reihe handelt.

Sowohl die Schreibweise von Robin Hobb als auch das Setting dieses Buches sind den Büchern von George R. R. Martin ähnlich. Wer aber genauso tiefsinnige Hintergründe erwartet, wird mit diesem Buch nicht glücklich, weil viele Charaktere nur sehr oberflächlich beschrieben sind und die Story teilweise nur für eingefleischte Fantasy- Fans interessant ist. Allgemein kann gesagt werden, dass viele Charaktere, Handlungen und Gespräche ohne Einbüßung ihrer Glaubwürdigkeit  auch in Game of Thrones (George R. R. Martin) vorkommen könnten.

Mir persönlich war das Buch ein wenig zu vorhersehbar, da das Ende des Buches schon ab der Hälfte zu erahnen ist. Auch fand ich es aufgrund der Schreibweise sehr anstrengend zu lesen, weshalb ich es nach dem ersten Drittel erstmal zur Seite gelegt habe und erst nach einer Pause weitergelesen habe. Nachdem ich mich durch den Prolog und die erste Hälfte der Geschichte "quälte", hat mich die zweite Hälfte trotz ihrer Vorhersehbarkeit gefesselt, sodass ich sie in einem Rutsch durchgelesen habe. 


Verlag: Penguin
ISBN: 9783328100409
Preis: 10,00 €
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Die Zitronenschwestern

Valentina Cebeni, Rezension von Lena Gerbig, Gastrezensentin

 

Vorab: dieses Buch ist die ideale Sommerlektüre!

Die Geschichte spielt in Italien zwischen Zitronenbäumen, alten Häusern und mitten auf der kleinen Isola del Titano. Hierhin zieht es Elettra, die auf der Suche nach sich selbst und ihren Wurzeln ist, seitdem ihre Mutter ins Koma gefallen ist. Elettra landet durch mehrere schicksalhafte Situationen auf der Insel, die ein großes Geheimnis birgt. Die Insel, auf der ihre Mutter Edda womöglich ihre Kindheit verbracht hat.

Elettra scheint ihre Mutter im Jetzt mit der Ankunft auf der Insel vollkommen vergessen zu haben - sie schert sich nur noch um das, was auf der Insel geschieht.

Wenn man diese Tatsache und den Hinweis, dass Elettra mehr als ein halbes Jahr auf der Isola del Titano zu verbringen scheint, mal außer Acht lässt, ist das, was im Laufe der Geschichte geschieht, durchaus lesenswert. Wirklich! Der Erzählstil von Valentina Cebeni entführt vor dem inneren Auge zu einer warmen, duftenden Sommerlandschaft im Süden Italiens. Zwischendurch sind im Buch immer Rezepte abgedruckt, welche an der jeweiligen Stelle relevant sind. Zitronenbonbons, Arme Ritter mit Orangenblütenhonig oder Guelfi-Rezepte, die Lust auf Urlaub machen.

 


Verlag: Insel
ISBN: 9783458362647
Preis: 14,95 €
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Die Zutaten zum Glück

Louise Miller, Rezension von Lena Gerbig, Gastrezensentin

 

The City Baker's Guide to Country Living“ ist der Originaltitel dieses Romans. Eine einfach fürchterliche Beschreibung einer wirklich schönen Liebes- und Lebensgeschichte von Olivia Rawkings.

Livvy, wie sie von Freunden genannt wird, ist Patissière mit Leib und Seele. Sie liebt es, süße Desserts zu kreieren und massenhaft Kuchen und Torten zu backen. Als sie bei ihrem Arbeitgeber, dem feudalen Emerson Club, erst ein Dessert und dann den ganzen Laden in Brand setzt, tut sie, was sie am besten kann: fliehen. Olivia flüchtet zu ihrer Freundin Hannah, die im Norden der USA in einem verschlafenen Nest, Guthrie, lebt. Hier kennt noch jeder jeden und es wird getratscht, was das Zeug hält. Olivia findet es hier so gar nicht gut, bis dass sie die Ruhe auf dem Land und ihren kurzfristig angenommenen Job als Patissière im alteingesessenen „The Sugar Maple Inn“ doch mehr genießt als erwartet. Und dann ist da noch Martin, der stille, junge Mann vom Nachbarhof, der Olivia gehörig den Kopf verdreht.

Der Roman ist ein bisschen vorhersehbar, aber nichtsdestotrotz wirklich schön zu lesen. Vor allem Backfans werden ihre helle Freude an der Geschichte haben, denn eigentlich wird hier ständig gebacken. Nur an Rezepten mangelt es ein bisschen – am Ende erhält der Leser immerhin ein Apple-Pie-Rezept.

Mir hat die Geschichte gut gefallen, weil sie trotz ihrer Vorhersehbarkeit so toll geschrieben ist. Louise Miller, die übrigens selbst Patissière ist, hat mit dem Roman eine perfekte Mischung aus Lebens- und Liebesgeschichte geschaffen, die uns zeigt, dass unser Zuhause manchmal nicht da ist, wo wir es vermuten.

 


Verlag: DTV
ISBN: 9783423761697
Preis: 12,95 €
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Nur mal schnell das Mammut retten

Knut Krüger, Rezension von Lena Gerbig, Gastrezensentin

Vorneweg: Ich lese gerne Kinderbücher. Sie sind wie aus einer ganz anderen Welt, nehmen mich mit auf eine Reise in die unbeschwerte Kindheit. Bei diesem Buch war es eher so, dass ich immer wieder aufhören musste zu lesen, weil ich sonst zu verärgert wurde. Doch eins nach dem anderen.

Henry ist 10 Jahre alt und wünscht sich einen Hund. Er hat keine Geschwister, nur seine Freunde Finn und Zoe.

Als Henry eines Tage sauer auf seine Eltern ist und in den Wald abhaut, findet er ein kleines Mammut. Gemeinsam mit Zoe und Finn schleppt er das Tier zu sich nach Hause, wo die drei es aufpäppeln wollen. Das Gute: Henrys Eltern sind im Urlaub, und die lässige Oma aus England passt auf Henry auf.

Das Mammut, Norbert im Übrigen, hat so seinen ganz eigenen Kopf. Es äußert sich mit "Jau" zu verschiedensten Themen, frisst gerne Papier und Zitronenmarmelade. Es rennt durch Henrys Zimmer, aber mag es auch, mit den Dreien zu schmusen.

Wie die Geschichte endet, soll an der Stelle nicht verraten werden. Das Ende bleibt offen, aber die Geschichte wird mir in den letzten zwei Kapiteln etwas zu fantasievoll, so, als wollte der Autor irgendwie die Kurve kriegen und noch ein halbwegs vernünftiges Ende finden. Meiner Meinung nach mäßig gelungen.

Dazu kommt, dass die Geschichte aus Henrys Perspektive geschrieben ist. Das ist zunächst nicht das Problem, aber Henry klingt durch die Wortwahl des Autors (viele Adjektive und Verben, die Abwechslung reinbringen sollen, aber eher fehl am Platze sind) wie ein altkluger, besserwisserischer Zehnjähriger. Ein Beispiel: "Die Geschmacksexplosion breitet sich in meinem Kopf aus." oder "Meine Mutter beugt sich interessiert vor, als wäre sie total gespannt auf das, was sie schon hundert Mal gehört hat." Alles in Allem: nette Geschichte, bisschen lahmes Ende und grausliche Sprache. Dass das Mammut Norbert heißt, finde ich am lustigsten. 


Verlag: Penguin
ISBN: 9783328100980
Preis: 10,00 €
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Der kleine Laden der einsamen Herzen

Annie Darling, Rezension von Lena Gerbig, Gastrezensentin

Posy Morland ist unheimlich einsam. Eigentlich schon fast ihr ganzes Leben - gefühlt zumindest, denn seit ihre Eltern vor etwas sieben Jahren bei einem Autounfall ums Leben kamen, ist nichts mehr so, wie es mal war. Posy darf dank Lavinia, ihrer Ziehmutter und der neuen Besitzerin des Buchladens, der einst Posys Eltern gehörte, mit ihrem Bruder Sam in der kleinen Wohnung über der Buchhandlung wohnen bleiben.

Die Geschichte setzt genau beim Tod Lavinias an, und es scheint, als sei Posys Lebens zwischen dem Umfall ihrer Eltern und dem Tode Lavinias nur so vor sich hingeplätschert. Außer mit den Kollegen aus der Buchhandlung, einer verschrobener als der nächste, scheint sie nichts unternommen zu haben. Sie kleidet sich einfallslos, und auch Möbel und Raumgestaltung der kleinen Wohnung über der verwinkelten Buchhandlung haben sich seit dem Unfall vor sieben Jahren nicht verändert - sogar das Elternschlafzimmer sieht aus wie immer. Mit dem Tod von Lavinia scheint Posys Welt nun endgültig zusammenzubrechen, doch stattdessen sollte diese Tatsache letztendlich dazu führen, dass die junge Frau endlich wieder zurück in die Spur kommt.

Sebastian ist das Allheilmittel. Der freche Enkel von Lavinia erbt Rochester Mews, die kleine schnuckelige, aber ziemlich in die Jahre gekommene Gasse, in der sich auch "Bookends", der kleine Bücherladen, befindet. Der Laden hat, wie heute nahezu alle Buchländen, mit roten Zahlen zu kämpfen. Doch Lavinia hat Posy den Laden überschrieben, weil sie davon überzeugt ist, dass die junge Frau die Zukunft des Ladens sichern wird. Posy ist skeptisch und der motzige, überhobene Sebastian fällt ihr ständig in den Rücken. Posy beschließt, aus "Bookends" "Happy End" zu machen, eine Buchhandlung speziell für Liebesromane. Ihre Lieblingsbücher. Erst scheint der Plan so gar nicht aufzugehen ...

Für mich ein schnuckeliger, leicht zu lesender Roman, der ein wenig kitschig ist - darüber muss frau einfach hinwegsehen. Doch ob der Autorin Annie Darling wirklich eine gute Serie über den Buchladen gelingen wird, bleibt abzuwarten.


Verlag: Diogenes
ISBN: 978-3-257-06994-5
Preis: 24,00 €
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Licht

Anthony McCarten , Rezension von Simon Sperl, Gastrezensent

Der eine hat Geld, und der andere hat die Ideen: Unter dieser Voraussetzung treffen J.P. Morgan und Thomas Alva Edison aufeinander. Thomas Alva Edison, der den Durchbruch als Erfinder in der Telegraphenbranche schaffte, erhält Besuch vom Privatbanker J.P. Morgan. Denn dieser möchte Edison finanziell dabei unterstützen, die elektrische Glühlampe zur Marktreife zu entwickeln. Dies natürlich nicht uneingennützig, sondern um New York zu erleuchten und selber den eigenen Reichtum zu vermehren.

Gegensätzlicher könnten die beiden Geschäftspartner nicht sein. Edison als zerstreuter Erfinder und voller Ideen, in seiner Ehe sehr zurückhaltend und nahe am Scheitern. Dahingegen der selbstbewusste, finanz- und durchsetzungsstarke Morgan, der moralisch doch einige Schwächen hat. Nicht nur im geschäftlichen Bereich, sondern im zwischenmenschlichen. Und so ist auch die „Beziehung“ zwischen Erfinder und Banker nicht frei von Problemen. Denn Thomas Alva Edison droht an der eigenen Erwartungshaltung, dem Druck Morgans und der Gesellschaft zu zerbrechen.

Genau dieses (drohende) Scheitern steht im Mittelpunkt von Anthony McCartens Roman „Licht“. Zwar geht das Licht auf, aber zu einem immensen Preis – und das eben nicht nur aus der monetären Sichtweise. Einerseits natürlich ein Preis, den Edison zu zahlen hat. Seine erste Ehe scheitert, und auch die zweite entwickelt sich alles andere als glücklich. Auch der seelische Druck für Edison wird als immens dargestellt: Die Angst des Erfinders zu versagen und es der Gesellschaft beweisen zu müssen, bringt Edison ans Ende der Kräfte.

Gleichzeitig ist es nicht nur ein Roman über das Scheitern, sondern zeigt auch, wie die Welt (heute) funktioniert: Ein machthungriger, profilierungssüchtiger Banker in Gestalt von J.P. Morgan, der auch privat alles andere als integer und sympathisch etabliert wird, verfügt über den unsicheren Edison. Es zählt der Erfolg – Raubtierkapitalismus mag man es auch nennen. Gleichzeitig – und dabei wird es fast schon herrlich absurd – geht es um die Erfindung des elektrischen Stuhls als humanere Möglichkeit, die Todesstrafe zu vollziehen. Doch stellte sich das als Irrtum heraus – zumindest im Betrieb mit Gleichstrom.

Neben der Elektrifizierung spannt McCarten einen ungeheuren Bogen und schafft Zusammenhänge zur Entwicklung des elektrischen Stuhls, des Wechselstroms, und  bindet darüber hinaus – und das historisch begründet – weitere bedeutende Erfinder des 19. und frühen 20. Jahrhunderts ein (Tesla, Vanderbilt, etc.). Dies alles mit der vom Neuseeländer gewohnten und vor allem geschätzten Sprache: pointierte und gleichzeitig absurde Dialoge entstehen, wenn der schwerhörige Edison auf Morgan oder einen Jungen (am Ende seines Lebensweges) trifft. Seine Theatererfahrung kann er definitiv nicht verleugnen – und das ist auch gut so. Da seine Formulierungen und textliche Ausgestaltungen noch dazu szenisch gehalten sind, so dass es nur eine Frage der Zeit zu sein scheint, bis „Licht“ verfilmt wird. Kein Wunder, dass McCartens Werk ein reines Lesevergnügen mit ungeheurem Tiefgang darstelllt, ohne dabei schwierig zu lesen ist.