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Verlag: Fischer Sauerländer
ISBN: 978-3-7373-5506-3
Preis: 19,99 €
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Scythe - Die Hüter des Todes

Neal Shusterman, Rezension von Jannik Feil, Gastrezensent

Citra und Rowan leben in einer hochtechnisierten Welt, in der der natürliche Tod, Krankheit, Armut und viele weitere Leiden überwunden wurden. Doch damit die Anzahl der Menschen auf der Welt nicht zu groß wird, gibt es das Scythtum - eine Organisation, die die Aufgabe hat zu bestimmen, wer lebt und wer stirbt. Da die Bezeichnung "töten" gesellschaftlich geächtet ist, nennen sie es "nachlesen". Eines Tages werden Citra und Rowan gegen ihren Willen von einem Scythe zur Ausbildung zum Scythe berufen. Doch nach einer Versammlung der Scythes wird klar, dass nur einer von ihnen Scythe werden kann und der andere nachgelesen wird. Als dann noch ihr Mentor ermordet wird und sie beide zu anderen Scythe gebracht werden, ist klar, dass mehr hinter der Entscheidung, wer von ihnen Scythe wird, steckt, als offiziell bekannt gemacht wird. Doch wer wird gewinnen? Und was heißt das für alle anderen?

Neal Shusterman schafft es, die verschiedenen Erzählstränge passend zusammenzuführen, sodass man als Leser immer wissen möchte, wie es weitergeht. Auch die Tatsache, dass man die einzelnen Informationen immer nr in einzelnen Stücken bekommt, steigert die Spannung sehr. Die Tagebucheinträge der einzelnen Charaktere, welche der Autor nach jedem Kapitel verwendet, geben dem Leser unterschiedliche Sichtweisen auf das Geschehene, so dass man gezwungen wird, für eine Seite Partei zu ergreifen.

Mir hat das Buch sehr gut gefallen, weil der Autor die Themen Tod und Technisierung in einer düsteren Atmosphäre auf eine sowohl unterhaltende als auch zum Nachdenken anregende WEise thematisiert.


Verlag: Rowohlt
ISBN: 9783499272769
Preis: 9,99 €
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Gegen Liebe ist kein Kraut gewachsen

Abbi Waxman, Rezension von Lena Gerbig, Gastrezensentin

Ich mag gute Bücher. Und lustige. Dieses ist so eins. Vielleicht, weil ich selbst seit einigen Monaten Mutter bin, wahrscheinlich aber, weil Abbi Waxman einen tollen, mitreißenden und alltagsnahen Schreibstil hat. 

Doch erstmal zur Geschichte.

Lilian ist verwitwet, Ende Zwanzig, hat zwei Töchter im Grundschulalter (hier wird es immer besonders witzig, weil genau solche Dinge passieren, wie sie in Wirklichkeit und nicht in Buchschnulzen passieren) und liebt es zu zeichnen (auch hin und wieder witzig).

Lilian arbeitet für einen kleinen Verlag als Illustratorin und soll für einen neuen Auftrag an einem Gärtnerkurs teilnehmen. Leiter des Kurses: der Sohn des Familienunternehmens Bloem, der gleichzeitig Auftraggeber ist. Klar, da bahnt sich was an zwischen Lilian und dem niederländischen Edvard Bloem. Doch ob es sich dabei um Freundschaft oder gar Liebe handelt, soll der Leser selber herausfinden. Das Buch ist so herrlich alltagsnah geschrieben, dass ich beim Lesen einige Male laut lachen musste. Da ist der Kuss, der in der Luft hängenbleibt, weil die Kinder plötzlich in der Tür stehen. Da ist betretenes Schweigen, weil ein Kind eine unbequeme Wahrheit ganz unbedarft ausgeplaudert hat. Oder die Illustrationsabteilung, die sich über die Darstellung eines Wal-Penis amüsiert.

Wer sowas mag, dem sei das Buch wärmstens empfohlen!


Verlag: Diogenes
ISBN: 9783257069839
Preis: 22,00 €
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Das Leben wartet nicht

Marco Balzano, Rezension von Lena Gerbig, Gastrezensentin

Schon die kleinen Jungs im Grundschulalter bevölkerten zu Hunderten die Stadt Mailand, alle kamen sie aus Sizilien, aus der Armut, alle suchten sie ihr Glück im Norden Italiens. Sie versprachen sich Arbeit, bessere als die Feldarbeit daheim - und vor allem mehr Geld. So ging es auch Ninetto, der nach kurzer Grundschulzeit die Familie, seinen cholerischen, trinkenden Vater und die schwerkranke Mutter verließ, um in Mailand Geld zu verdienen und eine bessere Zukunft zu haben.

Marco Balzano erzählt ungeschminkt vom harten Leben in Mailand, von den ärmlichen Verhältnissen, in denen Ninetto auch in der großen Stadt im Norden noch lebt und versteht es, mit Freundschaften und einer Liebesgeschichte das triste Leben des Jungen etwas zu erhellen.

Ninetto erzählt von seiner Kindheit abwechselnd mit der Realität in der Gegenwart, in der er zehn Jahre im Gefängnis gesessen hat und in Kürze entlassen wird. Als das geschieht, versucht Ninetto, in dem völlig veränderten Mailand Fuss zu fassen und wieder im Alltag mit seiner Frau Maddalena und einer geregelten Arbeit anzukommen. 


Verlag: Droemer/Knaur
ISBN: 9783426199206
Preis: 19,99 €
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Das Paket

Sebastian Fitzek, Rezension von Lena Gerbig, Gastrezensentin

Das Paket - ein neuer Psychothriller von Sebastian Fitzerk, der so skurril und zugleich furchteinflößend ist, dass man ihn nicht vor dem Schlafengehen lesen will. Ein Fitzek, der selbst beim Lesen paranoide Gedanken entstehen lässt.

Emma Stein ist Psychologin - wie so oft in Fitzeks Romanen. Sie ist spezialisiert auf die Pseudologie - krankhaftes Lügen - und findet sich nach einem Kongress im Albtraum wieder. Der "Friseur" hat sich an ihr vergangen - oder doch nicht? Sie erhält ein Paket, das für einen Nachbarn bestimmt ist, der aber doch gar nicht existiert? Und wieso ist der Hund auf einmal sterbenskrank?

Sebastian Fitzek versteht es wieder perfekt, den Leser zu verwirren, dass er gar nicht mehr weiß, was wahr ist und was nicht. Deswegen will ich gar nicht viel verraten. Nur so viel: das Buch ist toll und die Geschichte spannend! Absolut lesenswert!


Verlag: Fischer Sauerländer
ISBN: 9783737352307
Preis: 16,99 €
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Mein Freund Pax

Sara Pennypacker, Rezension von Lena Gerbig, Gastrezensentin

"Eine ergreifende Parabel über Menschlichkeit und Nächstenliebe in Zeiten des Krieges", so beannent es der Klappentext. Und treffender könnte ich es nicht formulieren.

Peter hat - seit er sieben Jahre alt ist - einen Fuchs als Freund. Den kleinen Pax hat er zufällig in einem verlassenen Bau gefunden und zu Hause so wie ein Haustier großgezogen. Nun zieht der Krieg ins Land, und Peter soll Pax aussetzen, weil der Junge künftig bei seinem Großvater leben soll. Ohne Fuchs. Peter fühlt sich ohne Pax nicht ganz. Und genauso geht es dem Fuchs. Unabhängig voneinander beschließen beide, dass sie einander suchen wollen. Und damit beginnt für beide ein spannendes Abenteuer, an dessen Ende ein emotionaler Höhepunkt wartet - die beiden treffen sich wieder.

Ich weiß nicht, ob das Buch explizit für Jugendliche geschrieben ist - ich würde es eher Erwachsenen empfehlen. Es ist einfach zu "brutal" für ein Kind. Ansonsten eine tolle Geschichte, aus Perspektive vom Fuchs im Wald sowie von Peter unterwegs durch Kriegsgebiet zu seinem Freund. 


Verlag: Penhaligon
ISBN: 9783764531836
Preis: 15,00 €
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Die Gabe des Königs

Robin Hobb, Rezension von Jannik Feil, Gastrezensent

Fitz ist der uneheliche Sohn eines Prinzen. In früheren Jahren nimmt sein Großvater, der König, ihn in seine Dienste. Als er älter ist, bemerkt er eine Intrige am Hof, welche das Königreich in den Untergang führen wird. Sein Großvater verbietet ihm aber, als er ihm davon berichtet, dagegen vorzugehen. Doch wie wird er sich entscheiden? Wird er seinem Großvater gehorchen und so den Untergang des Reiches miterleben oder wird er seinem Gewissen folgen und so sein eigenes Leben in Gefahr bringen?

Wir können gespannt sein, da es sich hier nach Ankündigung der Autorin um den ersten Band einer Reihe handelt.

Sowohl die Schreibweise von Robin Hobb als auch das Setting dieses Buches sind den Büchern von George R. R. Martin ähnlich. Wer aber genauso tiefsinnige Hintergründe erwartet, wird mit diesem Buch nicht glücklich, weil viele Charaktere nur sehr oberflächlich beschrieben sind und die Story teilweise nur für eingefleischte Fantasy- Fans interessant ist. Allgemein kann gesagt werden, dass viele Charaktere, Handlungen und Gespräche ohne Einbüßung ihrer Glaubwürdigkeit  auch in Game of Thrones (George R. R. Martin) vorkommen könnten.

Mir persönlich war das Buch ein wenig zu vorhersehbar, da das Ende des Buches schon ab der Hälfte zu erahnen ist. Auch fand ich es aufgrund der Schreibweise sehr anstrengend zu lesen, weshalb ich es nach dem ersten Drittel erstmal zur Seite gelegt habe und erst nach einer Pause weitergelesen habe. Nachdem ich mich durch den Prolog und die erste Hälfte der Geschichte "quälte", hat mich die zweite Hälfte trotz ihrer Vorhersehbarkeit gefesselt, sodass ich sie in einem Rutsch durchgelesen habe. 


Verlag: Penguin
ISBN: 9783328100409
Preis: 10,00 €
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Die Zitronenschwestern

Valentina Cebeni, Rezension von Lena Gerbig, Gastrezensentin

 

Vorab: dieses Buch ist die ideale Sommerlektüre!

Die Geschichte spielt in Italien zwischen Zitronenbäumen, alten Häusern und mitten auf der kleinen Isola del Titano. Hierhin zieht es Elettra, die auf der Suche nach sich selbst und ihren Wurzeln ist, seitdem ihre Mutter ins Koma gefallen ist. Elettra landet durch mehrere schicksalhafte Situationen auf der Insel, die ein großes Geheimnis birgt. Die Insel, auf der ihre Mutter Edda womöglich ihre Kindheit verbracht hat.

Elettra scheint ihre Mutter im Jetzt mit der Ankunft auf der Insel vollkommen vergessen zu haben - sie schert sich nur noch um das, was auf der Insel geschieht.

Wenn man diese Tatsache und den Hinweis, dass Elettra mehr als ein halbes Jahr auf der Isola del Titano zu verbringen scheint, mal außer Acht lässt, ist das, was im Laufe der Geschichte geschieht, durchaus lesenswert. Wirklich! Der Erzählstil von Valentina Cebeni entführt vor dem inneren Auge zu einer warmen, duftenden Sommerlandschaft im Süden Italiens. Zwischendurch sind im Buch immer Rezepte abgedruckt, welche an der jeweiligen Stelle relevant sind. Zitronenbonbons, Arme Ritter mit Orangenblütenhonig oder Guelfi-Rezepte, die Lust auf Urlaub machen.

 


Verlag: Insel
ISBN: 9783458362647
Preis: 14,95 €
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Die Zutaten zum Glück

Louise Miller, Rezension von Lena Gerbig, Gastrezensentin

 

The City Baker's Guide to Country Living“ ist der Originaltitel dieses Romans. Eine einfach fürchterliche Beschreibung einer wirklich schönen Liebes- und Lebensgeschichte von Olivia Rawkings.

Livvy, wie sie von Freunden genannt wird, ist Patissière mit Leib und Seele. Sie liebt es, süße Desserts zu kreieren und massenhaft Kuchen und Torten zu backen. Als sie bei ihrem Arbeitgeber, dem feudalen Emerson Club, erst ein Dessert und dann den ganzen Laden in Brand setzt, tut sie, was sie am besten kann: fliehen. Olivia flüchtet zu ihrer Freundin Hannah, die im Norden der USA in einem verschlafenen Nest, Guthrie, lebt. Hier kennt noch jeder jeden und es wird getratscht, was das Zeug hält. Olivia findet es hier so gar nicht gut, bis dass sie die Ruhe auf dem Land und ihren kurzfristig angenommenen Job als Patissière im alteingesessenen „The Sugar Maple Inn“ doch mehr genießt als erwartet. Und dann ist da noch Martin, der stille, junge Mann vom Nachbarhof, der Olivia gehörig den Kopf verdreht.

Der Roman ist ein bisschen vorhersehbar, aber nichtsdestotrotz wirklich schön zu lesen. Vor allem Backfans werden ihre helle Freude an der Geschichte haben, denn eigentlich wird hier ständig gebacken. Nur an Rezepten mangelt es ein bisschen – am Ende erhält der Leser immerhin ein Apple-Pie-Rezept.

Mir hat die Geschichte gut gefallen, weil sie trotz ihrer Vorhersehbarkeit so toll geschrieben ist. Louise Miller, die übrigens selbst Patissière ist, hat mit dem Roman eine perfekte Mischung aus Lebens- und Liebesgeschichte geschaffen, die uns zeigt, dass unser Zuhause manchmal nicht da ist, wo wir es vermuten.

 


Verlag: DTV
ISBN: 9783423761697
Preis: 12,95 €
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Nur mal schnell das Mammut retten

Knut Krüger, Rezension von Lena Gerbig, Gastrezensentin

Vorneweg: Ich lese gerne Kinderbücher. Sie sind wie aus einer ganz anderen Welt, nehmen mich mit auf eine Reise in die unbeschwerte Kindheit. Bei diesem Buch war es eher so, dass ich immer wieder aufhören musste zu lesen, weil ich sonst zu verärgert wurde. Doch eins nach dem anderen.

Henry ist 10 Jahre alt und wünscht sich einen Hund. Er hat keine Geschwister, nur seine Freunde Finn und Zoe.

Als Henry eines Tage sauer auf seine Eltern ist und in den Wald abhaut, findet er ein kleines Mammut. Gemeinsam mit Zoe und Finn schleppt er das Tier zu sich nach Hause, wo die drei es aufpäppeln wollen. Das Gute: Henrys Eltern sind im Urlaub, und die lässige Oma aus England passt auf Henry auf.

Das Mammut, Norbert im Übrigen, hat so seinen ganz eigenen Kopf. Es äußert sich mit "Jau" zu verschiedensten Themen, frisst gerne Papier und Zitronenmarmelade. Es rennt durch Henrys Zimmer, aber mag es auch, mit den Dreien zu schmusen.

Wie die Geschichte endet, soll an der Stelle nicht verraten werden. Das Ende bleibt offen, aber die Geschichte wird mir in den letzten zwei Kapiteln etwas zu fantasievoll, so, als wollte der Autor irgendwie die Kurve kriegen und noch ein halbwegs vernünftiges Ende finden. Meiner Meinung nach mäßig gelungen.

Dazu kommt, dass die Geschichte aus Henrys Perspektive geschrieben ist. Das ist zunächst nicht das Problem, aber Henry klingt durch die Wortwahl des Autors (viele Adjektive und Verben, die Abwechslung reinbringen sollen, aber eher fehl am Platze sind) wie ein altkluger, besserwisserischer Zehnjähriger. Ein Beispiel: "Die Geschmacksexplosion breitet sich in meinem Kopf aus." oder "Meine Mutter beugt sich interessiert vor, als wäre sie total gespannt auf das, was sie schon hundert Mal gehört hat." Alles in Allem: nette Geschichte, bisschen lahmes Ende und grausliche Sprache. Dass das Mammut Norbert heißt, finde ich am lustigsten. 


Verlag: Penguin
ISBN: 9783328100980
Preis: 10,00 €
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Der kleine Laden der einsamen Herzen

Annie Darling, Rezension von Lena Gerbig, Gastrezensentin

Posy Morland ist unheimlich einsam. Eigentlich schon fast ihr ganzes Leben - gefühlt zumindest, denn seit ihre Eltern vor etwas sieben Jahren bei einem Autounfall ums Leben kamen, ist nichts mehr so, wie es mal war. Posy darf dank Lavinia, ihrer Ziehmutter und der neuen Besitzerin des Buchladens, der einst Posys Eltern gehörte, mit ihrem Bruder Sam in der kleinen Wohnung über der Buchhandlung wohnen bleiben.

Die Geschichte setzt genau beim Tod Lavinias an, und es scheint, als sei Posys Lebens zwischen dem Umfall ihrer Eltern und dem Tode Lavinias nur so vor sich hingeplätschert. Außer mit den Kollegen aus der Buchhandlung, einer verschrobener als der nächste, scheint sie nichts unternommen zu haben. Sie kleidet sich einfallslos, und auch Möbel und Raumgestaltung der kleinen Wohnung über der verwinkelten Buchhandlung haben sich seit dem Unfall vor sieben Jahren nicht verändert - sogar das Elternschlafzimmer sieht aus wie immer. Mit dem Tod von Lavinia scheint Posys Welt nun endgültig zusammenzubrechen, doch stattdessen sollte diese Tatsache letztendlich dazu führen, dass die junge Frau endlich wieder zurück in die Spur kommt.

Sebastian ist das Allheilmittel. Der freche Enkel von Lavinia erbt Rochester Mews, die kleine schnuckelige, aber ziemlich in die Jahre gekommene Gasse, in der sich auch "Bookends", der kleine Bücherladen, befindet. Der Laden hat, wie heute nahezu alle Buchländen, mit roten Zahlen zu kämpfen. Doch Lavinia hat Posy den Laden überschrieben, weil sie davon überzeugt ist, dass die junge Frau die Zukunft des Ladens sichern wird. Posy ist skeptisch und der motzige, überhobene Sebastian fällt ihr ständig in den Rücken. Posy beschließt, aus "Bookends" "Happy End" zu machen, eine Buchhandlung speziell für Liebesromane. Ihre Lieblingsbücher. Erst scheint der Plan so gar nicht aufzugehen ...

Für mich ein schnuckeliger, leicht zu lesender Roman, der ein wenig kitschig ist - darüber muss frau einfach hinwegsehen. Doch ob der Autorin Annie Darling wirklich eine gute Serie über den Buchladen gelingen wird, bleibt abzuwarten.


Verlag: Diogenes
ISBN: 978-3-257-06994-5
Preis: 24,00 €
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Licht

Anthony McCarten , Rezension von Simon Sperl, Gastrezensent

Der eine hat Geld, und der andere hat die Ideen: Unter dieser Voraussetzung treffen J.P. Morgan und Thomas Alva Edison aufeinander. Thomas Alva Edison, der den Durchbruch als Erfinder in der Telegraphenbranche schaffte, erhält Besuch vom Privatbanker J.P. Morgan. Denn dieser möchte Edison finanziell dabei unterstützen, die elektrische Glühlampe zur Marktreife zu entwickeln. Dies natürlich nicht uneingennützig, sondern um New York zu erleuchten und selber den eigenen Reichtum zu vermehren.

Gegensätzlicher könnten die beiden Geschäftspartner nicht sein. Edison als zerstreuter Erfinder und voller Ideen, in seiner Ehe sehr zurückhaltend und nahe am Scheitern. Dahingegen der selbstbewusste, finanz- und durchsetzungsstarke Morgan, der moralisch doch einige Schwächen hat. Nicht nur im geschäftlichen Bereich, sondern im zwischenmenschlichen. Und so ist auch die „Beziehung“ zwischen Erfinder und Banker nicht frei von Problemen. Denn Thomas Alva Edison droht an der eigenen Erwartungshaltung, dem Druck Morgans und der Gesellschaft zu zerbrechen.

Genau dieses (drohende) Scheitern steht im Mittelpunkt von Anthony McCartens Roman „Licht“. Zwar geht das Licht auf, aber zu einem immensen Preis – und das eben nicht nur aus der monetären Sichtweise. Einerseits natürlich ein Preis, den Edison zu zahlen hat. Seine erste Ehe scheitert, und auch die zweite entwickelt sich alles andere als glücklich. Auch der seelische Druck für Edison wird als immens dargestellt: Die Angst des Erfinders zu versagen und es der Gesellschaft beweisen zu müssen, bringt Edison ans Ende der Kräfte.

Gleichzeitig ist es nicht nur ein Roman über das Scheitern, sondern zeigt auch, wie die Welt (heute) funktioniert: Ein machthungriger, profilierungssüchtiger Banker in Gestalt von J.P. Morgan, der auch privat alles andere als integer und sympathisch etabliert wird, verfügt über den unsicheren Edison. Es zählt der Erfolg – Raubtierkapitalismus mag man es auch nennen. Gleichzeitig – und dabei wird es fast schon herrlich absurd – geht es um die Erfindung des elektrischen Stuhls als humanere Möglichkeit, die Todesstrafe zu vollziehen. Doch stellte sich das als Irrtum heraus – zumindest im Betrieb mit Gleichstrom.

Neben der Elektrifizierung spannt McCarten einen ungeheuren Bogen und schafft Zusammenhänge zur Entwicklung des elektrischen Stuhls, des Wechselstroms, und  bindet darüber hinaus – und das historisch begründet – weitere bedeutende Erfinder des 19. und frühen 20. Jahrhunderts ein (Tesla, Vanderbilt, etc.). Dies alles mit der vom Neuseeländer gewohnten und vor allem geschätzten Sprache: pointierte und gleichzeitig absurde Dialoge entstehen, wenn der schwerhörige Edison auf Morgan oder einen Jungen (am Ende seines Lebensweges) trifft. Seine Theatererfahrung kann er definitiv nicht verleugnen – und das ist auch gut so. Da seine Formulierungen und textliche Ausgestaltungen noch dazu szenisch gehalten sind, so dass es nur eine Frage der Zeit zu sein scheint, bis „Licht“ verfilmt wird. Kein Wunder, dass McCartens Werk ein reines Lesevergnügen mit ungeheurem Tiefgang darstelllt, ohne dabei schwierig zu lesen ist.


Verlag: Droemer/Knaur
ISBN: 978-3-426-52025-3
Preis: 9,99 €
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Das Marzipanmädchen

Lena Johannson, Rezension von Lena Gerbig, Gastrezensentin

Sie mögen Marzipan? Dann werden Sie dieses Buch genießen! Doch bevor Sie anfangen zu lesen, stellen Sie sicher, dass Sie Marzipankonfekt im Haus haben. Bei dem vielen Marzipan, das Ihnen im Laufe des Buches regelmäßig beschrieben wird, wird Ihnen das Wasser im Munde zusammenlaufen und Sie werden Lust auf diese zarte Marzpanspezialität bekommen.

Die Geschichte von Marie Kröger beginnt im Jahre 1870. Die Familie Kröger lebt in Lübeck und stellt bereits seit Generationen das unvergleichliche Krögersche Marzipan her. Weil Maries Brüder beide sterben, ist sie auf einmal der einzige Nachkomme der Familie und soll den Betrieb übernehmen. Doch Marie will Tänzerin werden und hat bislang keinen Gedanken an eine Zukunft in der Konditorei Kröger verschwendet. Dann nimmt sie die Aufgabe an. Sie leitet die Geschicke der Konditorei, erkämpft sich Anerkennung und Lob in der Kaufmannschaft - denn eine Frau in der Geschäftsleitung ist nach wie vor unüblich. Sie entwickelt neue Sorten, erschließt neue Märkte und Kunden in fremden Ländern. 

Der Roman begleitet Marie Kröger vom jungen vorlauten Mädchen aus der Lübecker Oberschicht bis zur Wiedereröffnung der Konditorei nach dem Zweiten Weltkrieg. Er begleitet Marie durch Höhen und Tiefen, durch Freud und Leid, Liebe und Hass. Ich will nicht zu viel verraten ...

Die Geschichte ist toll. Lena Johansson erzählt bildhaft und lebendig - und ich glaube, dass sie sehr gerne selber Marzipan nascht!


Verlag: Fischer
ISBN: 978-3-10-002428-2
Preis: 20,00 €
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Fremde Seele, dunkler Wald

Kaiser-Mühlecker, Reinhard, Rezension von Anna Heidebroek, Gastrezensentin

Jakob und Alexander sind Brüder. Aufgewachsen sind sie mit ihrer Schwester auf dem elterlichen Hof in einem österreichischen Dorf in der Nähe von Wien. Während Alexander beim Militär im Ausland stationiert ist, bewirtschaftet Jakob den Hof, der kurz vor dem Zerfall steht. 
 

Alexander ist 30 Jahre alt und arbeitet beim Militär. Aufgrund einer Verletzung ist er auf Heimaturlaub bei seiner Familie. Eigentlich wollte er Pastor werden und ging sogar – gegen den Willen der Eltern - auf das Stiftsgymnasium. Doch sein inniger Wunsch geht nicht in Erfüllung. Er beginnt stattdessen, Medizin in Wien zu studieren. Dort verliert er sich in Partys und losen Bekanntschaften und hält es irgendwann nicht mehr aus. Er geht zum Militär und lässt sich ins Ausland versetzen. Beim Militär findet er eine Gemeinschaft, in der er sich selber wiedererkennt: Menschen, die nicht so recht etwas mit sich anzufangen wissen, die es bei der Familie nicht aushalten, aber auch das Alleinsein nicht aushalten. Bei seinem Heimaturlaub wird ihm das wieder ganz bewusst. Mit seinen Eltern gibt es nichts zu reden und Jakob scheint kein rechtes Interesse mehr an ihm zu haben. Weil er die Tage fast nur im Wirtshaus verbringt, beschließt Alexander, früher als geplant, zum Dienst zurückzukehren. Die Zeit bei der Familie verblasst. Das Campleben und seine Geliebte vertreiben Alexander die Zeit. Doch mit dem Winter und dem Ende seiner Liaison kommen Langeweile und Schwermut auf. Er wechselt ins Verteidigungsministerium nach Wien, wo er bald eine Affäre mit der Frau seines Brigadiers beginnt. Was als eine belanglose Affäre beginnt, wird für Alexander zu einer großen Herausforderung.
 

Jakob ist 15 und arbeitet nach seinem Hauptschulabschluss auf dem elterlichen Hof. Der Vater muss Stück für Stück den Hof verkaufen und lässt Jakob mit der Arbeit alleine, während er immer neuen Verdienstmöglichkeiten hinterherrennt. Früher sah Jakob zu seinem großen Bruder auf, doch seit Alexander zu Besuch ist, geht ihm dieser mit seinem „militärischen Gebaren“ und seinen Unternehmungen nur noch auf die Nerven. Jakob hat keine richtigen Freunde. Aber er trifft sich regelmäßig mit seinem Schulkameraden Markus, weil sie ineinander sich selbst erkennen. Außerdem verbringt er viel Zeit bei Nina, obwohl er sie gar nicht richtig mag, nichts für sie fühlt. Die Arbeit auf dem Hof wird, ob der Verkäufe, immer weniger und Jakob beginnt, für eine Leasingfirma zu arbeiten. Nina wird schwanger und sie ziehen zusammen. Jakob ist froh vom zu Grunde gehenden Hof wegzukommen. Doch nach einiger Zeit hält er es bei Frau und Kind nicht mehr aus. Mord- und Selbstmordgedanken quälen ihn. So sucht Jakob Hilfe bei Markus. Doch bevor er diesem von seiner Not erzählen kann, bringt Markus sich um. Nina und er trennen sich und Jakob erfährt, dass ihr Kind von Markus ist. Als ein schlimmes Gerücht, Markus‘ Tod betreffend, die Runde macht, wird Jakobs Leben nicht leichter und er beschließt in die Fußstapfen seines Bruders zu treten.
 

Die Geschichte der beiden Brüder spielt im Hier und Jetzt. Doch trotz Handy, Laptop und Krimkrise scheinen die Protagonisten in einer Zeit zu leben, in der es außer der Arbeit, keine wirkliche Ablenkung zu geben scheint. Das Leben erhält seine Struktur durch die Jahreszeiten und wird von Arbeit bestimmt. Und obwohl die Jahreszeiten wechseln, kommt es dem Leser so vor, als sei es stetig Winter. So schwer lasten die beschriebenen Gefühle von Melancholie, Depression, Leere und Sinnlosigkeit auf den Brüdern und auf dem Leser. Ohne auch nur einmal beim Namen genannt zu werden. Die seelische Not, die die beiden Brüder empfinden, scheint bei Jakob am größten zu sein. Zuerst kommt er zu der Erkenntnis gar nichts zu fühlen, keine Leidenschaft zu kennen und nie kennenzulernen. Später wandelt sich dieses Nichts in eine unbändige Wut, um als Zustand eines innerlichen Zerreißens zu enden. Alexander, der im Gegensatz zum Bruder schon erwachsen ist, ist in seiner Entwicklung weiter. Er nimmt die Sinnlosigkeit seines Lebens fast stoisch hin. Die wenigen Stunden Freizeit, die nach der Arbeit bleiben, vertreibt er sich mit Wein und Lektüre und sehnsuchtsvollen Gedanken an seine ehemalige Geliebte. Er hat gelernt zu warten. Die Sprache des Autors ist schlicht, es gibt keine ausufernden Beschreibungen, die den Blick auf das Wesentliche verstellen. Zuweilen könnte die Handlung des Buches als langweilig beschrieben werden, aber der Leser bleibt mit einem sehr nachhaltigen Eindruck der Gefühle der Protagonisten zurück.


Verlag: Blanvalet
ISBN: 9783764505660
Preis: 14,99 €
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Träume wie Sand und Meer

Beatriz Williams, Rezension von Lena Gerbig, Gastrezensentin

Keine Angst, es handelt sich trotz des vermeintlich schnulzigen Titels nicht um einen Kitschroman. Das Buch erzählt stattdessen von den Träumen und Zwängen einer jungen Frau in den späten 60er Jahren Amerikas.

Tiny, eigentlich Christina, ist verheiratet mit einem Politiker, der einflussreich und auf dem Weg zur Präsidentschaft ist. Ihr Mann scheint perfekt, sie spielt im übrigen auch die perfekte Hausfrau. Doch hinter der Fassade der Familie Hardcastle lauern Geheimnisse. Was ist mit dieser Geschichte an der Universität? Hatte Ehemann Frank wirklich etwas mit dem Dekan am Laufen? Warum werden bei den Hardcastles so viele Dinge totgeschwiegen? Und was hat Franks Cousin Caspian, der überall als Soldatenheld von Vietnam gefeiert wird, mit dem Ganzen zu tun?

Die Geschichte wechselt chronologisch immer mit dem aktuellen Geschehen 1966 und der Zeit zwei Jahre zuvor. Kurz vor der Hochzeit mit Frank hat Tiny nämlich ein ganz besonderes Erlebnis gehabt.

Alles in allem ist das Buch eine Familiengeschichte, die genau so hätte passieren können - und sicherlich hin und wieder genau so passiert ist. Die Frauen in den Nachkriegsjahren hatten im Vergleich zu heute ein deutlich vorgeprägteres und durch den Ehemann und dessen Familie vorbestimmtes Leben. So wie Tiny, die sich zunächst in ihre Rolle fügt, bis sie eines Tages beschließt, sich selbst nicht mehr zu verstellen.


Verlag: Berlin Taschenbuch
ISBN: 978-3-8333-1017-1
Preis: 9,99 €
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Der Pavian

Anna Karolina Larsson, Rezension von Simon Sperl, Gastrezensent

Kaum hat Adnan Nasimi seine Haftstrafe wegen des Dealens mit Drogen  abgesessen, gerät er wieder in einen Konflikt mit der Polizei. Noch schlimmer ist jedoch die Tatsache, dass er der jugoslawischen Mafia Geld schuldet und diese beim Eintreiben der Schulden kein Erbarmen kennt. Doch wie soll er das Geld zurückzahlen, ohne direkt wieder straffällig zu werden?

Dann ist da Polizist Magnus, Leiter des Stockholmer Raubdezernates, der sich in der Unterwelt ein Netzwerk an Informanten aufgebaut hat und sich immer am Rande des Erlaubten bewegt. Auch im Umgang mit den weiblichen Kolleginnen überschreitet er allzu oft jegliche moralische und gesetzliche Grenze, ohne zur Räson gezogen zu werden.

Die wichtigste Protagonistin ist jedoch: Amanda, ebenfalls Polizistin und noch ganz am Anfang ihrer Laufbahn. Sie hat den Job nur aus einem Grund gewählt - und zwar will sie den Tod ihrer Schwester aufklären. Vor fünf Jahren starb diese an einer Überdosis Drogen und Tabletten, die sie nach einer Vergewaltigung zu sich nahm. Nicht ganz unschuldig am Tod sind – so vermutet Amanda – Adnan und Magnus.

Mit ihrem Debüt legt Anna Karolina Larsson einen wahren Pageturner vor: Spannend und fesselnd bis zur letzten Seite treibt sie die Story voran. Mit ihrer überaus rasanten Art zu formulieren, den Perspektivwechseln, den kurzen Sätzen und Kapiteln und einer durchaus brutalen, aber nicht übertriebenen Art der Schilderungen zogen mich Autorin und das Buch in ihren Bann.

Das wird noch dazu durch die verschiedenen roten Fäden verstärkt, die die Autorin geschickt miteinander verknüpft und die am Ende geschickt zusammengeführt werden. Hinzu kommen die unterschiedlichen Charaktere der Hauptrollen. Wenn auch Magnus als Polizist eher widerlich – chauvinistisch, frauenverachtend, käuflich und brutal – daherkommt und das in allen Belangen, so sind Amanda und auch Adnan keine rein weiß bzw. schwarz gezeichneten Personen, sondern durchaus realistisch gehalten.

Einzig und allein der titelgebende Pavian kommt etwas zu kurz und damit auch das Ende. Hier hätte die Autorin noch etwas mehr Zeit und Seiten, als die eh schon üppigen 550, für die Auflösung lassen können – Das auch nur, um überhaupt etwas Negatives zu finden.


Verlag: Bastei Lübbe
ISBN: 9783404608850
Preis: 10,90 €
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Vom Inder, der mit dem Fahrrad bis nach Schweden fuhr, um dort seine große Liebe wiederzufinden

Per J. Andersson, Rezension von Lena Gerbig, Gastrezensentin

Bitte nicht wegschauen. Der Buchtitel ist furchtbar, erinnert an den schwedischen Roman vom "Hundertjährigen, der aus dem Fenster stieg (...)". Der Titel erinnert auch an die Flut von ähnlich formulierten Buchtiteln, die nach dem erfolgreichen schwedischen Roman den Buchmarkt überschwemmten.

Und doch ist der Buchtitel so treffend, wie ich es vorher kaum empfunden habe. Die Liebesgeschichte ist schon ziemlich ungewöhnlich, unglaublich - und doch wahr.

Die Entfernung von Neu Delhi bis Boras in Schweden beträgt mehr als 5000 Kilometer. In 9,5 Stunden kann man die Strecke fliegen, Pikay fährt sie mit dem Fahrrad. Unglaublich.

Etwas weit ausgeholt werden zunächst Episoden aus der Kindheit von Lotta in Schweden und Pikay in Indien erzählt - erst in der Mitte des Romans treffen die beiden aufeinander. Es hätte als also im Buchtitel auch heißen können: "Vom Inder, der wegen seiner Prophezeiung eine halbe Ewigkeit darauf wartete, seine Zukünftige  kennen zu lernen, um dann ein Jahr später mit dem Fahrrad nach Schweden zu fahren, um seine große Liebe wiederzufinden." Auf seiner Reise durchquert der naive Pikay sieben Länder, lernt unterwegs viel, ist mehrmals versucht, einfach aufzugeben und kommt doch nach ein paar Wochen und mehreren durchgefahrenen Fahrrädern in Schweden an.

Literarisch ist das Buch durchschnittlich, doch die einzigartige Geschichte des Liebespaars, das ja im übrigens inzwischen über 25 Jahre verheiratet ist, macht es zu etwas Besonderem. Dazu kommt die außergewöhnliche Beobachtungsgabe und Art der Weltanschauung, wie sie Pikay mitbringt. Diese Gabe bescherte ihn auf seiner Reise regelmäßig Einkünfte, wenn er Menschen porträtierte.

Alles in allem ein lesenswertes Buch.