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Verlag: Hanser
ISBN: 978-3-446-26171-6
Preis: 24,00 €
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Miroloi

Karen Köhler, Rezension von Lena Gerbig, Gastrezensentin

In einem Dorf ohne Namen auf einer namenlosen Insel lebt eine junge Frau, die die Geschichte "Miroloi" erzählt. Ein bisschen wie eine griechische Insel mutet sie an, in der Beschreibung dessen, wie die Menschen leben, was sie essen, wie das Wetter ist. Die junge Frau hat selber auch keinen Namen, sie ist eine "Eselshure", als Baby von den unbekannten Eltern ausgesetzt. Sie wächst unter der Obhut des "Vaters" auf, im Bethaus. Das Bethaus ist genauso allgemein gehalten wie die restlichen Rahmenbedingungen des Romans, die Menschen auf der Insel lesen nämlich aus der "Khorabel". Die Frau ohne Namen beschreibt das eintönige, traditionsverwurzelte Leben auf der Insel und erzählt von ihren Sehnsüchten, dem Wunsch nach Liebe, nach einem eigenen Namen, nach Anerkennung, nach Gerechtigkeit. Doch in ihrem Dorf haben seit Ewigkeiten die alten Männer das Sagen, und die alten Frauen reden schon immer über alles, was im Dorf geschieht - oder was sie sich vorstellen, das geschehen könnte/sollte/müsste. Die namenlose Frau beginnt dann, sich aufzulehnen, ihre Stimme zu erheben. Sie verliebt sich, bekommt endlich einen Namen, und kämpft für das Schicksal der Menschen.

Ein wundervoller, ungewöhnlicher Roman, voller Tiefgang und Gedanken einer jungen Frau, die das Leben nicht hinnehmen möchte, das für sie vorgesehen ist.


Verlag: Loewe
ISBN: 978-3-7432-0049-4
Preis: 19,95 €
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Erebos 2

Ursula Poznanski, Rezension von Lena Gerbig, Gastrezensentin

Erebos ist zurück. So steht es auf dem Klappentext und so war auch mein erster Gedanke, als ich das Buch in der Hand hielt. Teil 1 empfand ich vor zehn Jahren schon als spannend und unfassbar schockierend - Erebos 2 steht seinem Vorgänger in nichts nach. Mit dem Fortschritt der Medien und künstlicher Intelligenz hat sich auch Erebos weiterentwickelt. Aber lesen Sie selbst.

Hauptdarsteller Nick ist auch im zweiten Band mit dabei - diesmal knapp zehn Jahre älter. Er erinnert sich mit Schaudern an Erebos und die Gefahren, die dummen Taten, die sie damals mit ein paar Jugendlichen, allesamt "Eingeweihte", begangen haben. Auf einmal taucht das Zeichen wieder auf. Das Spiel lässt allerdings diesmal keine Austritte zu, es sucht sich die Spieler aus. Und es ist überall. Auf dem Handy. Auf dem Laptop. Sogar telefonieren kann es - mit deiner eigenen Stimme. Oder der des Schuldirektors. Oder mit der deiner Mutter. Egal. Erebos hat ein Ziel - und das verfolgt es. Nicht nur Nick wird rekrutiert, auch ein paar andere Schüler von damals sind dabei - und neue, junge, so wie Derek. Der zunächst total begeistert ist von diesem kostenlosen, supercoolen Computerspiel mit der tollen Grafik. Bis es auch beginnt, ihm komische Aufträge zu geben. Er soll in London Unterlagen einer Firma stehlen. Oder auf einer Scheibe Plakate ankleben.....

In jedem Fall lesenswert, allerdings wäre es nicht schlecht, Band 1 vorher gelesen zu haben.


Verlag: Knaur
ISBN: 978-3-426-21442-8
Preis: 19,99 €
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Butterfly

Yusra Mardini, Rezension von Lena Gerbig, Gastrezensentin

Ich bin kein Fan von Biografien. Aber diese hier hat mich vom Titel her direkt angesprochen. Flüchtlinge, die übers Meer kommen, davon hört man seit Jahren in den Medien. Aber schwimmend? Als junges Mädchen? Ja. Yusra Mardini kommt gebürtig aus Syrien, in der Nähe von Damaskus. Sie hat eine gute Kindheit, aber der Vater ist streng und zwingt Yusra und ihre Schwester schon in jungen Jahren zum Schwimmen. Regelmäßig müssen sie trainieren. Yusra hat keine Lust, bis sie irgendwann beschließt, einmal bei Olympia anzutreten für ihr Heimatland. Ab dann trainiert sie motiviert und hat ein großes Ziel vor Augen. Yusras Familie hat ein eigenes Auto, ein Haus - und dann kommt der Krieg. Erst bekommen sie in ihrer Stadt gar nicht viel davon mit, aber mit einem Mal werden Straßen gesperrt, Häuser weggebombt, und Familie Mardini verliert ihr Haus. Ohne Hab und Gut ziehen sie in den nächsten Jahren von Wohnung zu Wohnung, von Stadtteil zu Stadtteil, in der Hoffnung, dass nichts passiert. Als in das Schwimmbad, in dem Yusra trainiert, eine Bombe einschlägt und wie durch ein Wunder nicht detoniert, beschließen sie und ihre Schwester, zu fliehen. Nach Deutschland. Zu einer Freundin nach Hannover. Die hat es schon geschafft. Mit dem FLugzeug geht es nach Istanbul, ab dort liegt ihr Schicksal in den Händen von Schleusern. Mehrere Wochen zieht sich die Flucht, aber Yusra und ihre Schwester schaffen es und kommen nach Berlin. Eltern und die kleine Schwester kommen nach, und inzwischen lebt die Familie gemeinsam in Deutschland. Zwar ist dieses ein Schicksal von vielen, aber irgendwie rüttelt es uns wach, zeigt uns, was das eigentlich für Menschen sind, die als Flüchtlinge zu uns nach Deutschland kommen. Ich kann das Buch nur empfehlen und ziehe meinen Hut vor Yusra und ihrer Schwester.


Verlag: Beck
ISBN: 978-3-406-73963-7
Preis: 22,00 €
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Winterbienen

Norbert Scheuer, Rezension von Lena Gerbig, Gastrezensentin

"Winterbienen" von Norbert Scheuer spielt in der Eifel, in einem kleinen Dorf, 1944. Zweiter Weltkrieg. Es ist kalt, und Egidius Arimond, früher hauptberuflich Lehrer, ist jetzt zur Kriegszeit hauptsächlich Imker und kümmert sich um seine Bienenstöcke. Mit großer Hingabe beschreibt Arimond in einer Art Tagebuch, einer Notizsammlung, von seinem Tagesgeschehen und berichtet über die Bienen, was sie gerade tun, was er für sie tut. Er beschreibt die Kriegsflugzeuge, die über den Himmel ziehen, inklusive Bleistiftzeichnung. Arimond darf wegen seiner Epilepsie-Erkrankung unter Hitlers Regime nicht mehr als Lehrer arbeiten, und so verbringt er seine Zeit eigentlich nur noch mit seinen Bienen. Oder Frauen, denn die trifft er gern für eine vergnügliche Nacht. Ansonsten ist er alleinstehend, obwohl er sich immer ein Leben mit Frau und Kindern erträumt hat. Arimond ist ein belesener Mensch, er geht oft in die örtliche Bücherei, wo er alte Wälzer liest und die Geschichte eines möglichen alten Familienvorfahrens, dem Mönch Ambrosius Arimond, findet. Diese wird im Laufe des Romans immer wieder weitererzählt, spielt selbst Mitte des 15. Jahrhunderts. Außerdem findet er in alten Büchern hin und wieder geheime Notizen über Flüchtlinge, die Arimond dann in seiner Funktion als Imker in Bienenstöcken versteckt über die Grenze nach Belgien bringt.

Der Roman ist außergewöhnlich, in einer von Norbert Scheuer ganz eigenen Erzählweise verfasst, und thematisiert neben dem großen Thema Bienen nebenbei auch die Kriegsentwicklungen an der deutsch-belgischen Grenze. Wen diese thematische Zusammenstellung nicht irritiert, dem sei dieses Buch ans Herz gelegt.


Verlag: Rütten und Loening
ISBN: 978-3-352-00915-0
Preis: 12,00 €
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Das Fest der kleinen Wunder (Ostpreußen-Saga Band 4)

Ulrike Renk, Rezension von Lena Gerbig, Gastrezensentin

Frederike genießt auf dem Gutshof ihrer Kindheit das letzte Weihnachten, bevor sie auf die Höhere Töchterschule geht. In Ostpreußen, wo sich der Hof befindet, steht den Menschen jährlich ein unangenehmer, kalter Winter mit viel Schnee und dunklen Tagen bevor. Frederike freut sich auf die vorweihnachtliche Zeit auf Gut Fennhusen und verbringt viel Zeit draußen, wo sie ausreitet, bei der Jagd unterstützt oder auf dem gefrorenen See Schlittschuh läuft. Dabei bedrückt sie, dass ihr Stiefvater ein geliebtes Pferd vom Hof verkaufen möchte.

Es handelt sich bei dem Roman um eine in sich geschlossene Erzählung, die durchaus ohne Vorwissen der Ostrpreußen-Saga von Ulrike Renk gut lesbar ist. Kenner der Buchreihe bemängeln, dass dieser Weihnachtsroman als Band 4 nicht chronologisch in die Saga passt, weil er von Frederikes später Kindheit erzählt. Wen das aber nicht stört, den erwartet hier eine kleine, liebevoll geschriebene Familiengeschichte, die unbedingt Lust auf Weihnachten und Gemütlichkeit macht.


Verlag: Heyne
ISBN: 9783453422926
Preis: 9,99 €
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Ein Tag im Dezember

Josie Silver, Rezension von Nicole Heiligenstadt

21. Dezember 2008. Laurie sitzt mit einem Lametta-Heiligenschein im Haar, an einem kalten Winterabend, nach ihrer diesjährig letzten Schicht an der fürchterlichen Hotelrezeption, in einem Bus nach Hause. Morgen möchte sie über Weihnachten ins gemütliche Haus ihrer Eltern in die Midlands fahren, um dort bis zum nächsten Jahr Winterschlaf zu halten. An einer Bushaltestelle sieht sie einen „Typen“ auf einem Klappsitz, der in ein Buch vertieft ist. Es kommt ihr vor wie bei einem Spezialeffekt in Filmen, bei denen jemand ganz still steht und sich die Welt kaleidoskopartig auflöst und allmählich verschwimmt. Dann hebt er seinen Blick, blinzelt und richtet seine Aufmerksamkeit auf Laurie. Sie starren sich an. Sein Blick springt zu der abnehmenden Schlange, die noch auf dem Bus wartet…dann wieder zu Laurie…Entschieden schlägt er das Buch zu und stopft es in den Rucksack zwischen seinen Füßen. Dann hört Laurie das Zischen der schließenden Bustüren und das Lösen der Handbremse…Laurie wirft ihm noch eine verzweifelte Kusshand zu und wartet, bis er aus ihrem Blickfeld verschwindet. Für außenstehende ein oscarreifer sechzig Sekunden Stummfilm, für Laurie die Liebe auf den ersten Blick. Ein Jahr lang sucht Laurie verzweifelt den „Typen“ von der Bushaltestelle. Doch dann begegnen sich Laurie und Jack wieder. Allerdings unter Umständen, die ihre Liebe fast unmöglich machen…

Wer Bücher im Stil von Cecilia Ahern und Jojo Moyes gerne liest, wird „Ein Tag im Dezember“ lieben. Ein wunderbarer Roman über Liebe, Freundschaft und Familie. Eine Achterbahn der Gefühle. Witzig, romantisch, modern. Ich habe beim Lesen gelacht und auch geweint….Ein absolutes LeseMUSS für den Herbst/Winter2018.