Sachbuch


Verlag: Dumont
ISBN: 978-3-8321-8383-7
Preis: 24,00 €
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Über alte Wege - Eine Reise durch die Geschichte Europas

Mathijs Deen, Rezension von Bernhard Söthe

Als Kind hat der niederländische Schriftsteller und Radiojournalist Mathijs Deen oft seine Großeltern besucht. Der Weg zu ihnen, in Vaters Auto zurückgelegt, war zwar nur knappe 10 Kilometer lang, aber er führt über die E8, und der Vater sagte jedesmal: "Diese Straße führt nicht nur zu den Großeltern, diese Straße führt von London nach Moskau." Der Knabe Mathijs Deen war schwer beeindruckt. Hier begann sein Interesse an europäischen Fernstraßen. Aus diesem früh entwickelten Interesse ist sein Buch "Über alte Wege" entstanden. Die großen Straßen Europas spielen eine heimliche Hauptrolle in der Geschichte Europas: ohne Straßen keine Begegnungen! Mathijs Deen spannt seinen Erzählbogen von der Altsteinzeit bis in die Gegenwart. Wir folgen mit ihm Straßen von Island nach Rom, von Boekelo (hier ist der Autor aufgewachsen) nach Smolensk. Auf diesen und anderen Straßen begegnen wir antiken Händlern, isländischen Eroberinnen, römischen Ehefrauen, mittelalterlichen Pilgern, wir folgen dem Lebensweg von Vertriebenen, Wegelagerern, Pilgern, Glücksrittern und Rennfahrern. Eine faszinierende Reise durch die Zeit über Europas Straßen. Ein Buch, das den Leser unterhält und schlauer macht. 


Verlag: Klett-Cotta
ISBN: 978-3-608-96401-1
Preis: 25,00 €
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An den Ufern der Seine - Die magischen Jahre von Paris 1940-1950

Agnes Poirier, Rezension von Bernhard Söthe

In ihrem fesselnden Buch beschreibt die Autorin das wohl wichtigste Jahrzehnt in der langen Geschichte der Stadt Paris. Über die Nachkriegszeit in Paris gibt es zahlreiche Veröffentlichungen, aber Agnes Poirier wählt in ihrem Buch einen anderen Ansatz, indem sie die Kriegsjahre und die Zeit der Besatzung durch die Deutschen mit einbezieht. Die eruptiven Entwicklungen in Kunst, Kultur und Wissenschaften, hier besonders in der Philosophie, hatten ihres Basis ja bereits in den dunklen Jahren der Besatzung. Bei Ersatzkaffee mit Saccharin und soweit erhältlich und bezahlbar auch bei Alkohol wurden im Café Flore und andernorts über die Fragen "Wer bin ich?", "Wie können wir überleben?" und "Wie wollen wir leben?" hitzig debattiert. Inmitten all der Greuel der Besatzungszeit versuchten die Menschen, ein möglichst normales Leben zu führen, was gegen Ende des Krieges immer schwieriger wurde. Die zunehmend panisch werdende Besatzer reagierten immer brutaler. Verhaftungen und Deportierungen waren an der Tagesordnung. Trotzdem wurden in Intellektuellenkreisen Pläne ausgedacht, wie das Leben nach dem Krieg weitergehen sollte.

Agnes Poirier beleuchtet das Schicksal von Personen der Zeitgeschichte wie Jean Paul Sartre, Simone de Beauvoir, Albert Camus, Jean Cocteau, Pablo Picasso, Simone Signoret, Coco Chanel, Juliette Greco und zahlreichen anderen, die in diesen Jahren eine Rolle spielen. Nach dem Ende der bleiernen Besatzungszeit herrscht eine ungeheure Aufbruchstimmung. Paris war damals tatsächlich der intellektuelle Nabel der Welt. Hier lebten und wirkten die kreativsten Köpfe, die originellsten Denker, oft waren sie auch begnadete Selbstdarsteller. Was sich damals intellektuell und künstlerisch entfaltete, prägt noch heute unsere Lebensweise und unser Denken.

Mit großer Sachkenntnis und Sympathie beschreibt Agnes Poirier dieses ungewöhnliche Jahrzehnt. Um dem Leser den Einstieg zu erleichtern, enthält das Buch eine Zeittafel, ein ausführliches Personenregister, ein Glossar und einen Stadtplan von Paris, in dem die wichtigsten Orte markiert sind. 

Die Autorin ist 1975 in Paris geboren, studierte an der London School of Economics und war für Radio France tätig. Sie schreibt für "Le Monde" und die "Times". "An den Ufern der Seine" ist ihr erstes Buch auf deutsch. 


Verlag: Penguin
ISBN: 978-3-328-60066-4
Preis: 20,00 €
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Die Wiese - Lockruf in eine geheimnisvolle Welt

Jan Haft, Rezension von Bernhard Söthe

In allen Medien sind alarmierende Berichte über den dramatischen Rückgang der Artenvielfalt ein großes Thema. Stichwort: Bienensterben. Aber nicht nur die Bienen sind gefährdet, auch die Zahl der Insekten hat sich in den letzten Jahren drastisch verringert.

Der Biologe Jan Haft, Jahrgang 1967, vielfach ausgezeichneter Natur- und Tierfilmer, widmet sein Buch "Die Wiese" dem wichtigsten Lebensraum dieser bedrohten Tiere. Jan Haft nimmt uns mit auf eine Entdeckungsreise in ein wahres Naturparadies, in dem unter Hunderten bunter Pflanzen bizarre Tiere leben, deren Naturgeschichte oft noch gar nicht richtig erforscht ist. Nirgendwo sonst leben mehr Insektenarten, nirgendwo herrscht eine solche Farbenpracht, und gleichzeitig ist kein heimischer Lebensraum so sehr bedroht. Ein Drittel Deutschlands war einmal von blühenden Wiesen bedeckt, mit dem Beginn der Industrialisierung und der quasi industriellen Landwirtschaft sind es nur noch 2%!

Das mit zahlreichen Fotos bebilderte Buch will Begeisterung wecken für diesen artenreichen, lebendigen Lebensraum und ist zugleich ein Aufruf zur Rettung der letzten Blumenwiesen und zur Rettung der Insekten.

 


Verlag: Rowohlt
ISBN: 978-3-7371-0013-7
Preis: 26,00 €
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Wolfszeit - Deutschland und die Deutschen 1945-1955

Harald Jähner, Rezension von Bernhard Söthe

Sachbuchpreis der Leipziger Buchmesse 2019

Den Sachbuchpreis der Buchmesse Leipzig hat Harald Jähner für sein Porträt der deutschen Nachkriegszeit erhalten. 1945-1955 war das Jahrzehnt, in dem die Weichen für das Deutschland, wie wir es kennen, gestellt wurden. Zahllose Vertriebene suchen eine neue Heimat, die Städte liegen in Trümmern, die alte vertraute Ordnung ist verschwunden. Die sprichwörtliche "Stunde Null", nach der alles anders ist. Die Erfahrung, gerade noch mit dem Leben davongekommen zu sein, versetzte die einen in Apathie, die anderen in nie gekannte eruptive Lebensfreude. Bald nach Kriegsende zogen durch die gerade geräumten Straßen Karnelvalszüge. Aus Kellern erklang die unter Nazis verpönte Jazzmusik. Die Besatzungsmächte im Westen versuchten, ein ganzes Volk zu Demokraten zu erziehen. Im Osten installierten die Russen ein politisches System nach sowjetischem Vorbild, hier war von Demokratie keine Rede. Jetzt trennten sich die Wege der beiden Deutschlands. Im Westen entsteht zwischen Schwarzmarkt und vollen Kinosälen eine neue Mentalität. Es ist ein raues, wildes Jahrzehnt, eine wahre "Wolfszeit", die in die behäbigen Jahre gegen Ende der 50er führt, in die Zeit des legendären Wirtschaftswunders. 

Der Autor Harald Jähner war lange Zeit Feuilleton-Chef der Berliner Zeitung und ist seit 2011 Honorarprofessor für Kulturjournalismus an der Universität der Künste in Berlin.


Verlag: Eulenspiegel
ISBN: 978-3-359-01374-7
Preis: 9,99 €
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Alexander von Humboldt - Ein Lebensbild in Anekdoten

Dorothee Nolte, Rezension von Kathrin Allkemper

Vor nun fast 250 Jahren kam dieser neugierige Forscher auf die Welt und seine abenteuerlichen Berichte sind nach wie vor spannend und faszinierend. Schon als Kind begeisterte Alexander von Humboldt sich viel mehr für Natur und Tiere als für seine Schulbücher. Der strenge Hauslehrer hatte seine liebe Not mit dem Jungen, da dieser in Gedanken immer schon auf Abenteuerreisen war. Aufgrund poltischer und kriegerischer Verwicklungen musste von Humboldt allerdings lange auf die Erfüllung seiner Träume warten. Im Alter von 30 Jahren ging es dann aber endlich los Richtung Südamerika. Dort begegnete ihm eine nie zuvor gesehene Pflanzen- und Tierwelt und seine akribischen Aufzeichnungen füllten schnell unzählige Seiten.

In kurzen Episoden stellt die Autorin einen Mann vor, der nicht nur als einer der berühmtesten Entdecker sondern auch als eines der größten Lästermäuler galt. Hoch angesehen und mit großem Unterhaltungswert wurde Alexander von Humboldt auf zahlreiche Abendgesellschaften eingeladen. Jedoch fürchtete sich ein jeder Gast davor, die Veranstaltungen vor Humboldt zu verlassen und somit seinem Spott ausgesetzt zu sein. Sehr amüsantes und kurzweiliges Büchlein.


Verlag: weissbooks
ISBN: 978-3-86337-173-9
Preis: 16,00 €
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Zwischen den Büchern

Martina Bollinger, Rezension von Kathrin Allkemper

Der Untertitel sagt es eigentlich schon, worum es in diesem Buch geht: "Wie mich die Liebe in der Buchhandlung traf".

Buchhandlungen sind für viele Menschen mehr als einfach nur Geschäfte. Die gemeinsame Liebe zu Büchern und Literatur lässt Gleichgesinnte hier zusammentreffen und verweilen. Ich erlebe es ganz oft, dass sich Freunde und Bekannte bei uns im Laden zufällig in die Arme laufen, während sie auf der Suche nach neuem Lesestoff sind. Und in den Geschichten, die Martina Bollinger hier gesammelt hat, wird aus zufälligen Begegnungen manchmal sogar Liebe. So erging es beispielsweise dem Autor Titus Müller, der auf einer Lesereise sein Herz verloren hat und den Leser an dieser sehr persönlichen Geschichte teilhaben lässt. Mal anrührend wie bei Sergio Bambaren, mal lustig wie bei Jörg Thadeuz, es ist einfach für Jeden etwas dabei.

Ein ganz tolles Geschenk für alle Bücherfreunde!