Belletristik



ISBN: 978-3-498-00296-1

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Die Wut, die bleibt

Mareike Fallwickl, Rezension von Dagmar Hallay

Dieser Roman steigt brutal in seine Geschichte ein. Die dreifache Mutter Helene steht vom Abendbrottisch auf, öffnet die Balkontür … und springt in ihre Erlösung – den Tod!

Was bleibt, ist eine große Lücke für die, die zurück gelassen wurden. Als Leser ist man hautnah dran – an denen, die zurückgeblieben sind und wie der Verlust verarbeitet wird. Da wären die 15jährige Lola, ihre zwei jüngeren Brüder Maxi und Lucius, der Vater und Helenes beste Freundin Sarah. Im ersten Schock ist es für Sarah selbstverständlich zu helfen. Doch plötzlich findet sie sich in der Rolle von Helene wieder und schlüpft ohne es zu wollen in deren Leben. Denn sie hat ein eigenes Leben, ein Leben das so anders ist, ohne Kinder und mit einem 10 Jahre jüngeren Mann mit dem sie in ihrem Eigenheim, als freischaffende Autorin, lebt. Und ist sie den Anforderungen überhaupt gewachsen. Die kleinen Jungs, von denen einer nicht mehr spricht und dann Lola, die sich immer mehr entzieht und ihren ganz eigenen Weg geht, um mit dem Verlust der Mutter klarzukommen. Der Vater, der sich nur in Arbeit flüchtet und so gut wie gar nicht mehr anwesend ist.
Frau Fallwickl bringt es mit Präzision auf den Punkt, sowohl sprachlich als auch inhaltlich.

Selten habe ich ein so aufwühlendes Buch gelesen, das die Rolle der Frau in der heutigen Gesellschaft widerspiegelt - nicht aller Frauen, aber schon für sehr viele - leider immer noch.

 

 


Verlag: S.Fischer
ISBN: 978-3-10-397490-4
Preis: 22,00 €
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Das Mädchen mit dem Drachen

Laetitia Colombani, Rezension von Dagmar Hallay

Léna möchte mit ihrer Vergangenheit abschließen und versucht, in einem kleinen Ort am Golf von Bengalen ihr Leben in Frankreich hinter sich zu lassen. Sie lernt das kleine Mädchen Lalita kennen, die selbstvergessen am Strand einen Drachen steigen lässt. Als dieses Mädchen ihr das Leben rettet, möchte sich Léna erkenntlich zeigen und taucht unversehens in die Lebensgeschichte Lalitas ein, die zugleich die Geschichte der meisten indischen Mädchen darstellt.
Da Léna von Beruf Lehrerin ist, fühlt sie ihre Berufung, den Mädchen Bildung zu vermitteln, damit sie einmal bessere Lebensbedingungen haben. Ohne Widerstand und Schwierigkeiten seitens der älteren Generation und behördlicher Genehmigungen, ist es für sie nicht einfach, eine Schule für die Kinder zu gründen.
In diesem eindrucksvollen Roman erhält der Leser Einblick in die Lebensumstände der Menschen vor Ort und zugleich erfährt man Stück für Stück die Geschichte Lénas und den Grund ihrer Flucht.

 


Verlag: C.Bertelsmann
ISBN: 978-3-570-10462-0
Preis: 20,00 €
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Die hundert Jahre von Lenni und Margot

Marianne Cronin, Rezension von Dagmar Hallay

„Manchmal ist es nicht so wichtig, was du im Leben erreichst, sondern mit wem du es teilst....“

Lenni ist 17 Jahre und Margot 83 Jahre alt, zusammen sind sie 100!
Die beiden lernen sich in dem Krankenhaus kennen, in dem sie beide liegen. Um etwas Abwechslung in den langweiligen Klinikalltag zu bringen, beschließen sie, für jedes gelebte Jahr ein Bild zu gestalten. Sie wollen einzelne Stationen aus ihren Leben darstellen, das Lachen, das Weinen, die Hoffnung, den Schmerz und die Liebe, einfach alle kostbaren Momente zur Erinnerung festhalten.

Es wird zu einem Wettlauf gegen die Zeit, da Lenni todkrank ist.

Diese Buch berührt, lädt zum Nachdenken ein und zaubert beim Lesen trotzdem immer wieder ein Schmunzeln ins Gesicht. Der Leser lernt die zwei Protagonistinnen sehr gut kennen, die provozierende Art von Lenni, Fragen an den Pastor des Krankenhauses zu richten und seine aufrichtigen Versuche, sie zu beantworten, ebenso wie Margot, die eine viel abgeklärtere Sicht auf die Dinge pflegt und Lenni sehr zugewandt ist.


Verlag: Dumont Verlag
ISBN: 978-3-8321-6618-2
Preis: 22,00 €
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Zwei am Meer

Fanny André, Rezension von Kathrin Allkemper

Die alleinstehende Camille ist mit ihren über achtzig Jahren noch recht rüstig. Da sie sich eigentlich ihr ganzes Leben um die Belange anderer gekümmert hat, möchte sie nun endlich mehr für sich tun und vor allem noch etwas erleben. Ein Schicksalsschlag führt sie nach zehn Jahren mit Isabelle, der Exfrau ihres verstorbenen Sohnes, zusammen. Isabelle hat gerade einen Burn-out hinter sich und schlingert gerade so durch ihr Leben. Da beschließen die beiden vollkommen unterschiedlichen Frauen, endlich das Abenteuer zu wagen, von dem sie damals bereits geträumt haben. Beide wollten sich schon immer gegenseitig ihre Heimat zeigen, die eine die Bretagne, die andere die Normandie. Und so machen sie sich auf den Weg und finden am Ende mehr Veränderung, als sie je gehofft hatten.

 


Verlag: Limes
ISBN: 978-3-8090-2735-5
Preis: 20,00 €
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Die Launen des Lebens

Emma Straub, Rezension von Kathrin Allkemper

Als die 69jährige Astrid zu ihrem wöchentlichen Friseurtermin fährt, wird sie Zeugin eines tödlichen Unfalls. Zwar konnte sie die Verunglückte überhaupt nicht leiden, aber so ein Ende wünscht man natürlich niemandem. Für die ältere Dame ist es ein Schock, der ihre Einstellung zum Leben nachhaltig verändert. Dinge, die ihr schon lange auf der Seele brennen, müssen nun endlich ans Licht. Ab sofort wird bei ihr nichts mehr auf "irgendwann" verschoben, denn das Leben kann offensichtlich sehr plötzlich enden. Zu ihren eigenen kleinen Sorgen kommt nun noch der Besuch der Enkeltochter, die Probleme in ihrer alten Schule hat und jetzt für eine Weile bei der Großmutter einquartiert wird, um dort zur Schule zu gehen, bis sich die Wogen wieder geglättet haben. Außerdem hat Astrids Sohn geschäftliche Pläne, die für Unmut Sorgen und ihre Tochter eröffnet ihr recht unerwartet, dass sie sich hat künstlich befruchten lassen, um den Zwistigkeiten mit einem potentiellen Partner aus dem Weg zu gehen. Ihre Familie stellt Astrids Leben also ziemlich auf den Kopf, aber auch sie hat eine unerwartete Offenbarung für ihre Lieben.

Eine wunderbar erzählte Familiengeschichte, mal ernst, mal heiter, über drei Generationen.


Verlag: Kiepenheuer & Witsch
ISBN: 9783869712475
Preis: 22,00 €
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Der schweigsame Affe der Dinge

Hilmar Klute, Rezension von Julia Kresal

 

Henning, Arbeiterkind aus dem Ruhrgebiet, lebt in Berlin und ist gerade in Rom, als er vom Tod seines Vaters erfährt. Emotional kaum beeinträchtigt begibt er sich zur Beerdigung zurück nach Recklinghausen. Dort trifft er Jochen wieder, den besten Freund seines Vaters. Gemeinsam beschließen die beiden eine Reise zu wiederholen, die Jochen und Hennings Vater als damals 19jährige erlebten.

Ein wundervoller, kluger Roman über falsche und richtige Vorstellungen, die wir alle mit uns herumtragen.


Verlag: Piper
ISBN: 978-3-492-07053-9
Preis: 20,00 €
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Brunnenstraße

Andrea Sawatzki, Rezension von Annette Kubiak

Andrea ist acht Jahre alt, als der Vater, den sie bis dahin nur von wenigen Besuchen kannte, ihre Mutter heiratet und seine kleine Familie zu sich in die Brunnenstraße holt. Die Mutter, die bis dahin sich und ihre Tochter allein als Krankenschwester durchgebracht hat, träumt von einem besseren Leben an der Seite des renommierten Journalisten Günther Sawatzki. 

Doch schnell wird klar, dass der Vater krank ist und seine kleine Familie nicht versorgen kann. Die Mutter sucht sich eine Stelle als Nachtschwester. Wenn sie arbeitet oder schläft, muss sich die junge Andrea um ihren Vater kümmern, der nach und nach alles vergisst und immer desorientierter wird. 

Die Autorin erzählt von ihrer eigenen, traurigen Kindheit in den 70er Jahren und wie sie in ihrer Jugend zwischen Überforderung, Rebellion und Unerschrockenheit versucht, sich selbst nicht zu verlieren. 

 

 


Verlag: Steidl
ISBN: 978-3-95829-973-3
Preis: 24,00 €
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Licht zwischen den Bäumen

Una Mannion, Rezension von Annette Kubiak

USA in den frühen 1980er Jahren

Libbys Mutter ist alleinerziehend und mit ihrer Situation völlig überfordert. Als sich die fünf Geschwister auf dem Heimweg von der Schule im Auto heftig streiten, wird ihr alles zuviel. Sie setzt kurzerhand die zwölfjährige Ellen am Straßenrand ab. Es beginnt bereits zu dämmern und das Haus der Familie liegt noch etliche Kilometer weit entfernt. Auch der Protest der Geschwister richtet nichts aus. Die Mutter lässt ihre Tochter zurück und fährt mit den anderen Kindern weiter. 

Libby hat sich auf einen unbeschwerten Sommer mit ihrer besten Freundin gefreut, doch diese eine Entscheidung der Mutter, ändert alles... nicht nur in Ellens und Libbys Leben, sondern im Leben aller Familienmitglieder. 

Der Roman zeichnet nicht nur ein ergreifendes Bilder einer fragilen Familie, sondern liest sich auch so spannend, wie ein (gut geschriebener) Thriller. 

 


Verlag: Heyne Verlag
ISBN: 9783453273771
Preis: 22,00 €
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Der Markisenmann

Jan Weiler, Rezension von Tanja Tenberg

 

Dieser Sommer im Jahr 2005 wird für die 15 jährige Kim alles verändern. Sie muss die Ferien bei ihrem noch nie gesehenen Vater in Duisburg verbringen. Wie es wohl sein wird, jemanden zu treffen, der bisher nur ein Phantom in ihrem Leben war? Die Beiden umkreisen einander vorsichtig, lernen sich im Laufe der Ferien aber sehr gut kennen.

Ronald Papen ist im Ruhrgebiet unterwegs, um zwei Modelle Marquisen direkt an der Tür zu verkaufen: Model Mumbai in den Farben orange-braun und Modell Kopenhagen in grün-blau.

Als Kim ihren Vater begleitet, erfährt sie nach und nach immer mehr über seine Vergangenheit und ist ihm eine große Hilfe, mit innovativen neuen Verkaufsideen, um ein paar der Tausende eingelagerten Markisen an die Menschheit im Ruhrpott zu verkaufen.

Sie lernt Alik kennen, den netten Jungen vom Recyclinghof und besucht ihre erste Kneipe “Rosi´s Pilstreff“ mitten im Industriegebiet von Duisburg-Meiderich, direkt am Rhein-Herne-Kanal.

Nach der Lektüre sehen Sie Balkone im neuen Licht und wissen, dass die besten griechische Imbisse im Ruhrgebiet immer Akropolis, die besten Eisdielen Venezia heißen, egal ob in Gelsenkirchen, Mülheim oder Duisburg.

Jan Weiler, den wir als Autor von „Marie, ihm schmeckt´s nicht“ kennen, hat ein furioses Buch über eine Vater-Tochter-Beziehung geschrieben, ein lustiges und manchmal auch trauriges Buch über das Ruhrgebiet.

Unbedingte Leseempfehlung!

 


Verlag: Fischer
ISBN: 9783596706419
Preis: 10,99 €
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Querbeet ins Glück

Lisa Kirsch, Rezension von Julia Jahns

Maddie ist gerade nach Berlin gezogen und kurz davor, ihren großen Traum, als Musicaldarstellerin zu arbeiten, zu verwirklichen. Sie bekommt ein Engagement als Hauptdarstellerin bei "Tanz der Vampire". Da es neben ihr noch zwei andere Anwärterinnen auf die Rolle gibt, steht ihr harte Arbeit bevor. Als Maddies Vermieterin einen Unfall hat, nimmt sie ihr das Versprechen ab, ihren Platz in einem gemeinschaftlich genutzten Schrebergarten einzunehmen. Maddie hat überhaupt keinen grünen Daumen und auch keine Zeit. Doch sie möchte ihre Vermieterin nicht enttäuschen und sieht sich den Kleingarten zumindest an. Dort lernt sie den attraktiven Mo und dessen Sohn Elvis kennen. Während sie die Arbeit im Garten lieben lernt, verguckt sie sich auch in Mo. Doch die neue Liebe ist nicht ganz konfliktfrei, und auch ihre Traumrolle steht auf wackligen Füßen ...

Wohlfühlroman über die Liebe zur Natur und das Festhalten an Träumen.


Verlag: Zsolnay Verlag
ISBN: 9783552072749
Preis: 23,00 €
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Wir sind das Licht

Gerda Blees, Rezension von Daniela Maifrini

 

Vier Personen, die Frauen Melodie, Muriel und Elisabeth und der Mann Petrus leben in einer Wohngemeinschaft in den Niederlanden. Am Haus steht „Wohngruppe Klang & Liebe“, alle Fensterrahmen sind in bunten Farben gestrichen, die sonderbar anmutenden Bewohner hüllen sich in bunte, flatternde Gewänder, sehen jedoch alle kränklich aus. Im ersten Kapitel des Buches ist es Nacht. Und in dieser Nacht stirbt Elisabeth in Gesellschaft ihrer Mitbewohner – sie ist verhungert. Die Anderen haben sich das offenbar seelenruhig angeschaut, anstatt etwas zu unternehmen. Im Gegenteil, Melodie, die offenbar eine Art Leitungsfunktion in der Gruppe hat und Elisabeths Schwester ist, spricht von einem friedlichen Übergang in einen anderen Zustand.

Selbstverständlich schaltet sich die Polizei ein und nimmt die übrigen Bewohner unter strengem Tatverdacht mit. Schnell wird klar, dass auch die drei Verdächtigen stark untergewichtig sind, da sich die Gruppe dem Prinzip der Lichtnahrung verschrieben hat, das besagt, dass man durch Selbstdisziplin und Meditation erreichen kann, dass der Körper sich ausschließlich von der Energie des Lichts ernährt. Daher haben die vier sich vom Zwang des Nahrungsmittelkonsums weitgehend befreit, um so auf eine höhere Bewusstseinsebene zu gelangen – Elisabeth war dabei auf der Strecke geblieben.

In den Verhören erfahren wir viel über das Zusammenleben in der WG, befremdliche Strukturen tun sich auf, und wir wundern uns über diese durchgeknallte Bande, allen voran über Melodie, die die Verantwortung für alle trägt.

Und wir lernen auch die Ermittler ein wenig kennen, wobei die Leiterin Liesbeth eine größere Rolle spielt, da sie einen großen persönlichen Bezug zu den Geschehnissen hat.

So weit – so gut. Allein das würde ja schon ausreichen, um zu einen wirklich guten Roman mit außergewöhnlichem Sujet werden. Doch Gerda Blees legt noch etwas obendrauf:

Sie etabliert im Buch, das 25 Kapitel umfasst, 25 verschiedene Erzählperspektiven. Auch das wäre jetzt vielleicht noch nicht einzigartig, doch ihre „Erzähler“ sind unglaublich: Da erzählt in Kapitel 2 der Tatort von seinen Erfahrungen mit den Hausbewohnern und von dem gruseligen Gefühl, dass so viele Fremde durch ihn durchtrampeln, während die polizeiliche Untersuchung läuft. Oder in Kapitel 4 erzählt das tägliche Brot von den Schwierigkeiten und Versuchungen auf dem Weg zum kompletten Nahrungsverzicht. Ein Kapitel wird von einem Orangenduft erzählt, der eine ganz besondere Rolle im Leben unseres Bewohners Petrus spielte, Melodies Cello erzählt vom Leben lange vor der Zeit der Hausgemeinschaft, es gibt Kapitel aus Sicht eines Paars Wollsocken oder aus der Position der vorläufigen Ermittlungsergebnisse. Und so fügt sich eins zum anderen, aus Versatzstücken wird eine Geschichte – und die ist so außergewöhnlich erzählt, dass es sich allein dafür schon lohnt, diesen in den Niederlanden mit dem Buchhandelspreis ausgezeichneten Roman zur Hand zu nehmen.

Leider beruht „Wir sind Licht“ auf Tatsachen, im Jahr 2017 kam es zu einem Fall von Hungertod in einer Wohngemeinschaft in Utrecht.

 


Verlag: Fischer
ISBN: 978-3-596-03141-2
Preis: 11,00 €
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Miss Bensons Reise

Rachel Joyce, Rezension von Kathrin Allkemper

London in den 50ern. Margery Benson arbeitet als Lehrerin, aber sie ist sehr unglücklich in ihrem Job. Jeden Tag geht die fast 50jährige nach Feierabend frustriert in ihre kleine Wohnung und fragt sich selbst, wie ihr Leben so traurig dahinplätschern konnte, wo sie doch als junges Mädchen so große Pläne hatte. Ihr Vater hatte ihr vor seinem Tod von einem goldenen Käfer in Neukaledonien erzählt, den bis dato noch niemand offiziell entdeckt und benannt hatte. Die kleine Margery hatte ihm versprochen, dass sie sich auf den Weg ans andere Ende der Welt machen würde, um dies zu tun. Und jetzt, fast 40 Jahre später, ist es endlich soweit. Nach einem unschönen Vorfall in ihrer Schule schmeißt sie tatsächlich alles hin und plant die Reise nach Neukaledonien. In der jungen Enid findet Margery die wohl ungewöhnlichste Reisebegleitung, die man sich vorstellen kann. Was ihr zunächst als Laune des Schicksals vorkommt, wird Margery noch mehr als einmal das Leben retten, denn Enid scheint jeder Situation gewachsen zu sein.

Eine sehr warmherzige und humorige Geschichte über Freundschaft, Mut und Hoffnung, die auch in der Hörbuchfassung wirklich sehr unterhaltsam ist.


Verlag: Rowohlt TB
ISBN: 978-3-499-00205-2
Preis: 10,00 €
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Zehn Wünsche für Alfréd

Maude Mihami, Rezension von Christina Heger

Der fast zehnjährige Alfréd hat es nicht leicht: er ist eher ein Außenseiter, seine Mutter kümmert sich kaum um ihn und trinkt zuviel. Sein Großvater, der ebenfalls Alfréd heißt und mit dem der Junge nicht nur den Vornamen, sondern auch den Geburtstag teilt, versucht etwas unbeholfen aber unglaublich liebevoll und besorgt, auszugleichen, was die Mutter nicht zu leisten vermag.

Seine Idee war es auch, eine Liste mit zehn Wünschen anzulegen, die sich der kleine Alfréd noch bevor er zehn wird, erfüllen will. Die kindlichen Wünsche reichen von einen echten Cowboy treffen über Traktorfahren bis hin zu einem Mutter-Sohn-Tag und sind nicht immer leicht zu erfüllen, aber der Großvater und seine liebenswert schrägen Freunde setzen alles daran, die Liste gemeinsam mit Alfréd abzuarbeiten. Und jeder der Wünsche konfrontiert auch die Erwachsenen um den Jungen herum mit ihren eigenen Unzulänglichkeiten, Ängsten und Vorstellungen und so wird die Liste zu einem Projekt, dass das ganze Familien- und Freundschaftsgefüge verändert und letztendlich alle bereichert. 

Eine kluge Geschichte über menschliches Miteinander und die Notwendigkeit, auch mal über den eigenen Schatten zu springen, Schwäche zu zeigen und auf andere zuzugehen. Und eine warmherzige Geschichte über die Liebe zwischen einem Großvater und seinem Enkel. 


Verlag: Kampa Pocket
ISBN: 9783311150374
Preis: 12,00 €
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Ruthchen schläft

Kerstin Campbell , Rezension von Christina Heger

Georgs Leben dümpelt so vor sich hin. Er ist 46, verwaltet das geerbte Haus in Berlin und hängt immer noch seiner Exfreundin Linda nach, die ihn vor zwei Jahren verlassen hat. Drei Etagen über ihm wohnt Frau Lemke, die schon ihr ganzes Leben in dem Haus lebt - sie und Georg sind sich gegenseitig Ersatzfamilie. Doch nun will plötzlich Wolfgang, Frau Lemkes Sohn, dass sie zu ihm nach New York zieht. Immerhin konnte Frau Lemke aushandeln, dass dies erst geschieht, wenn Ruthchen, ihre alte Katze, stirbt, da das Tier zu alt für einen Umzug ist. Sie hofft, dass sie damit den Umzug auf längere Zeit hinauszögern kann, denn nichts zieht sie weg aus Berlin und ihrer Wohnung.

Als Ruthchen eines Tages nicht mehr aufwacht, ist Georg gezwungen, aus seinen Gewohnheiten auszubrechen, sich etwas zu überlegen, um Frau Lemke zu helfen, und vor allem endlich zu handeln statt nur rumzuhängen und abzuwarten. Was sein bester Freund Kai nur so dahin gesagt hat, wird zum Plan B: Ruthchen soll ausgestopft werden und so einfach weiterhin auf dem Sofa schlafen können! Tierpräparatorin Caro ist genau die Richtige für diesen Auftrag. Und obwohl alles so bleiben soll, wie es ist, verändert sich alles und Georgs Leben wird ganz schön auf den Kopf gestellt. 

Eine warmherzige Geschichte über Freundschaft, Liebe und Freunde, die oft die bessere Familie sind. 

 

 


Verlag: Verlag Hoffmann und Campe
ISBN: 9783455014013
Preis: 24,00 €
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Tamons Geschichte

Seishū Hase, Rezension von Daniela Maifrini

Im März 2012, ein halbes Jahr nach dem schweren Erdbeben, das auch die Katastrophe von Fukushima ausgelöst hatte, findet der junge Kazumasa einen Schäferhundmischling, der laut Halsband auf den Namen Tamon hört, und behält ihn bei sich. Kazumasa macht gerade schwere Zeiten durch. Durch den Tsunami ist die Fabrik, in der er gearbeitet hatte, zerstört, und nun verdingt er sich als Kurierfahrer bei einem Kleinkriminellen. Seiner Familie geht es schlecht, seine Mutter ist dement und pflegebedürftig, daher kann seine Schwester nicht arbeiten, Geld fehlt an allen Ecken. Das einzig Positive in dieser Situation ist Tamon, der freundlich auf die alte Mutter zugeht und ihr endlich wieder Frohsinn und Lachen entlockt. Einige glückliche Momente sind der Familie durch Tamon vergönnt, doch die finanzielle Lage wird immer schwieriger, und so lässt sich Kazumasa auf richtig krumme Geschäfte ein.

Kazumasa erkennt als Erster, dass Tamon ein wirklich wohlerzogener und menschengewöhnter Hund ist, dass er aber einen starken Drang in Richtung Süden verspürt, als ob er dort etwas suchen würde. Mehrere Menschen erkennen, dass er gechippt ist, und aus der Stadt Kamaichi im damaligen Katastrophengebiet stammt, doch die hinterlegte Besitzerin ist nicht zu erreichen. Und auf seinem Weg nach Süden zu seinem unbekannten Ziel treffen noch etliche Menschen auf Tamon, der ihren Weg immer zur richtigen Zeit zu kreuzen scheint.

Da ist Miguel, ein Profikrimineller, der Nichtsnutz Taiki mit seiner Frau Sae, die junge Prostituierte Miwa, der alte Jäger Yaichi und zuletzt Toru, seine Frau Hisako und deren kleine Sohn Hikaru. Die letzte Familie kommt wie Tamon aus Kamaichi, und durch die Katastrophe 2011 ist Hikaru traumatisiert und spricht nicht. Der Hund bringt den kleinen Hikaru zurück ins Leben, und es stellt sich langsam heraus, wen Tamon tief im Süden gesucht hat...

Ein wundervoll emotionales Buch, das in Japan mit einem wichtigen Literaturpreis ausgezeichnet und über 250.000 mal verkauft wurde. Ein modernes Märchen über Tiere, Natur und Menschen, das uns mit ein paar Tränen im Gesicht und einem wohligen Gefühl der Zuversicht entlässt.


Verlag: Kindler Verlag
ISBN: 9783463000152
Preis: 22,00 €
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Rendezvous mit Tieren

Andrea Camilleri, Rezension von Daniela Maifrini

Andrea Camilleri, der 2019 verstorbene Gran Signore des italienischen Krimis, hat noch kurz vor seinem Tod ein Buch veröffentlicht, das er seinen Urenkeln gewidmet hat. Ein Buch in dem er, der zeitlebens von Tieren umgeben war, die Geschichten dieser Tiere aufgeschrieben hat. Keines dieser Tiere hat er gekauft, es waren immer andere Umstände, die ihn mit ihnen zusammengebracht haben. Und er liebte jedes einzelne davon – das wird aus jeder Zeile seiner Geschichtensammlung deutlich.

Was für Geschichten finden wir also hier? Zum Beispiel die des Hasen, der der Jagdgesellschaft mit einem tollkühnen Sprint entkommt und seinen eigenen Tod simuliert, um davonzukommen. Die Geschichte von einem Distelfink und einem Papagei, die gegen alle Regeln ziemlich beste Freunde wurden. Oder den Text über einen wahnsinnig gefährlichen Hund, der die Familie in Angst und Schrecken versetzte. Der Autor verliebt sich an andere Stelle unsterblich in eine Tigerin, wird während wichtiger Film-Dreharbeiten von einem Beo gefoppt, oder er entdeckt eine Liebesbeziehung zwischen einem Frosch und einer Eidechse. Es geht um einen vorwitzigen Vogel, der die Kirschenernte unmöglich macht, um eine elegante Schlange, die sich zur Familie gesellt, um randalierende Schweine und in der wohl emotionalsten Geschichte um den kleinen Kater Baron, der sich unsterblich in seine Retterin, Camilleris Tochter Mariolina, verliebt.

Die Kulisse für die Geschichten ist meistens das Landhaus der Camilleris auf dem Monte Amiata in der Toskana, hin und wieder auch die Stadtwohnung in Rom. Allein diese Beschreibungen machen Lust, sofort durchzustarten nach Italien!

Über die schriftstellerische Qualität Camilleris muss nicht viel gesagt werden, er war erfahren, stilsicher und fand immer die richtigen Worte. So auch am Ende des Buches, an das er einen eindringlichen Appell setzt, der zu einem verantwortungsvolleren Umgang mit unseren tierischen Freunden aufruft. Camilleri zitiert zum Beispiel eine Umfrage unter italienischen Schulkindern, in der diese unter anderem Fischarten aufzählen sollten – mit schöner Regelmäßigkeit tauchte hier in der Liste das „Fischstäbchen“ auf. Ein Beweis für die fehlende Beziehung zu lebendigen Tieren und der entsprechenden Entwürdigung. Tiere sind nicht künstlich, werden nicht eingeschweißt und in Scheiben geboren - und sie haben Gefühle!

Ein Kleinod für Erwachsene und vielleicht sogar ein schönes Buch, um es zusammen mit Kindern zu lesen, so hätte es sich Andrea Camilleri sicher gewünscht.


Verlag: Heyne Verlag
ISBN: 9783453423886
Preis: 10,00 €
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Die Bücher des Monsieur Picquier

Marc Roger, Rezension von Daniela Maifrini

Grégoire ist gerade achtzehn Jahre alt und durch die Abiturprüfung gefallen. Er weiß nichts mit sich anzufangen und dümpelt abgehängt und orientierungslos durchs Leben, während seine Mutter sich Tag und Nacht mit Schneiderarbeiten abrackert, um die Beiden über Wasser zu halten. Studieren geht nicht, also muss Grégoire sich Arbeit suchen, und zwar eine, bei der er direkt etwas Geld verdienen kann. So landet er also als Küchenhilfe in einem Seniorenheim. Die Arbeit ist kräftezehrend, macht ihm aber Freude, zumal sein Team ganz nett ist.
Die meisten Bewohner nehmen ihre Essen im Gemeinschaftsraum ein, nur diejenigen, die zu krank sind, bekommen die Mahlzeiten auf dem Zimmer serviert. Und genau dabei hakt es im Seniorenheim: es fehlt Personal zum Austeilen des Essens. Grégoire muss einspringen und macht seine Sache gut. Unter anderem ist da der sonderliche Monsieur Picquier, ein alter Buchhändler, der in seinem winzigen Zimmer mit einigen tausend Büchern lebt. Er hat seine Buchhandlung verkauft, um den Heimaufenthalt bezahlen zu können und nun leidet er unter Parkinson und grünem Star, was ihm das Lesen unmöglich macht – ein Drama! Monsieur Picquier möchte auch nicht unter Menschen sein und sitzt also tagein tagaus allein in seine Erinnerungen versunken in seinem Zimmer. Grégoire ist es untersagt, sich länger mit den Bewohnern zu unterhalten oder zu vertraulich zu werden. Doch dieser alte Mann rührt ihn so, dass er ihm anbietet, ihm nach der Arbeit täglich eine Stunde vorzulesen.
Hier springt dann das alte Buchhändlerherz von Monsieur Picquier an, der weiß, dass Grégoire in seinem Leben noch kein Buch gelesen hat. Welches Buch ist das richtige, um den jungen Mann und die Bücher zu Freunden zu machen? Die Wahl fällt auf Salingers „Fänger im Roggen“, ein Buch, in dem der junge Mann seine eigenen Lebensumstände wiederfinden kann. Die Rechnung geht auf: Grégoire ist begeistert. Und nun machen die beiden Herren sich daran, aus Grégoire einen richtigen Vorleser zu formen, der alle Techniken kennenlernt, mit denen er einen Text richtig vorbereitet, damit er seine Zuhörer damit begeistern kann.
Das Treiben der Beiden bleibt nicht unbemerkt, auch die Zimmernachbarinnen von Monsieur Picquier wollen vorgelesen bekommen – der Buchhändler findet auch für sie den richtigen Roman. Und die Vorlesestunden ziehen immer größere Kreise, sodass Grégoire zu einer kleinen Berühmtheit im Seniorenheim wird.

Doch dann spürt Monsieur Picquier, dass seine Zeit gekommen ist. Und auch für sein eigenes Ende hat der Buchhändler einen besonderen Plan, und zwar einen, in dem Grégoire die Hauptrolle spielt...

Ein Roman, der in einem Seniorenheim spielt, beinhaltet natürlich Themen wie Krankheit und Tod. Doch das gehört zum Leben! Und diese typische französische Leichtigkeit, mit der auch Marc Roger dieser kleine Roman aus der Feder fließt, nimmt ein wenig den Schrecken. Zumal das nicht der eigentliche Tenor des Buches ist. Der liegt nämlich in der Entwicklung unseres Grégoire und dem unvergleichlichen Geschenk, das Monsieur Picquier ihm in seinen letzten Monaten macht: Literatur!
Wunderschön, lustig und herzerwärmend!


Verlag: Ullstein Verlag
ISBN: 9783548063096
Preis: 14,99 €
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In all den Jahren

Barbara Leciejewski, Rezension von Daniela Maifrini

Elsa Frank ist eine recht erfolglose, schüchterne Schauspielerin Mitte zwanzig. Sie lebt in einem Mehrfamilienhaus in München, wo sie eines Tages eine Begegnung der dritten Art hat: Bei ihr klingelt es, und im Hausflur steht ein nackter Mann, der sich aus seiner Wohnung ausgesperrt hat und sie bittet, bei ihr telefonieren zu dürfen. Während Elsa „rote Ohren“ kriegt, benimmt sich der unbekleidete Mann als sei es das Normalste von der Welt, telefoniert und geht wieder seiner Wege.
Das war Finn McGregor, und was Elsa noch nicht weiß ist, dass sich ab jetzt ihr Leben gründlich ändern wird...
Doch zunächst einmal passiert gar nichts. Elsa hält sich mit Arbeiten in einem Synchronstudio über Wasser, lernt dort Kollegen kennen und lebt ihr Leben. Eines Abends gibt es dann Zoff im Mietshaus: Die Nachbarin Frau Obermoser, die alte „Granatwachtel“, wie Elsa sie heimlich nennt, stört sich an Finns Saxophonspiel. Elsa hatte die Musik sehr gefallen, nun wird sie durch das bayerische Gekeife der Obermoser jäh aus ihrem Kunstgenuss gerissen und wächst über sich hinaus: Sie weist die Frau zurecht, die im Flur auf den betreten wirkenden Finn einschimpft – der Beginn einer wunderbaren Freundschaft! Finn ist, wie sich herausstellt, Maler und Illustrator. Elsa ist beeindruckt von seinen Bildern, und auch sonst verstehen die Zwei sich super. Sie können sich alles erzählen, albern rum und kommen prächtig miteinander klar – als Freunde. Und während man nun erwartet, dass langsam die Ringe gekauft werden, geht Finn erstmal überraschend für eine lange Zeit nach New York! Elsa will es sich zwar nicht eingestehen, aber er fehlt ihr schon sehr! Doch eines Tages kommt er unangekündigt zurück...
Über zwanzig Jahre begleiten wir die beiden Freunde, die alle Höhen und Tiefen miteinander durchleben und die sich die ganze Zeit sicher sind, dass sie diese tiefe Freundschaft nicht zugunsten einer fragileren Liebesbeziehung aufgeben wollen – auf gar keinen Fall! Wir erleben diese skurrile Beziehung, die oft auf Unverständnis von außen stößt. Wir sind dabei, wie die beiden Protagonisten ihre ersten Erfolge feiern und ihre jeweiligen Karrieren vorantreiben. Wir schauen zu, wie Elsa und Finn sich mit jeweils anderen Partnern einlassen und dennoch versuchen, ihre Freundschaft aufrecht zu erhalten, was nicht immer einfach ist.
Humorvoll ist das Buch und sehr emotional. Und es behandelt durchaus auch schwierigere Themen wie beispielsweise den viel zu frühen Krebstod eines Freundes, einen Angriff von Skinheads auf Finn, der ihn lange traumatisiert, die Alzheimererkrankung der alten Freundin Edda, die in dem Buch eine besondere Rolle spielt, und der auch die letzten Zeilen gehören. Eine ungewöhnliche Liebesgeschichte mit zwei sympathischen Hauptdarstellern. Dieser Titel von Barbara Leciejewski erinnert mich ein wenig an die Bücher von Petra Hülsmann, die ja leider aufgrund einer Krankheit seit längerer Zeit kein Buch mehr veröffentlicht hat.


Verlag: Hanser Verlag
ISBN: 9783446272897
Preis: 12,00 €
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Die stummen Wächter von Lockwood Manor

Jane Healey, Rezension von Julia Jahns

1939: Hetty, eine Mitarbeiterin des Londoner Natural History Museum, erhält die Aufgabe, die Sammlung der ausgestopften Säugetiere in Sicherheit zu bringen, da der Krieg kurz bevor steht. Sie liebt ihre Arbeit sehr, auch wenn sie dort als Frau immer wieder mit Vorurteilen zu kämpfen hat. Die ehrenvolle Aufgabe, die Sammlung zu schützen und zu begleiten, hat sie auch nur erhalten, weil ihre männlichen Kollegen alle im Krieg gebraucht werden. Lord Lockwood, Besitzer des verfallenen Anwesens Lockwood Manor, hat sich bereit erklärt, die Sammlung während des Krieges zu beherbergen. Hetty fühlt sich in dem Herrenhaus, wo auch sie untergebracht wird, mehr als unwohl. Lord Lockwood ist ein tyrannischer und unbarmherziger Mensch. Nach dem mysteriösen Tod seiner Mutter und seiner Ehefrau, die bei einem Autounfall starben, ist seine Tochter Lucy das Einzige, was ihm noch geblieben ist. Hetty und Lucy freunden sich an. In der Dienerschaft geht das Gerücht um, dass das Haus verflucht sei, auch die ehemalige Hausherrin glaubte daran. Und tatsächlich geschehen bald seltsame Dinge: der Panther verschwindet, einige Tiere werden zerstört, andere nachts verschoben. Hetty erhält keinerlei Unterstützung vom Hausherrn, wohl aber von Lucy. Die beiden versuchen, das Rätsel zu lösen und kommen sich dabei näher ...

Spannender, mystischer historischer Roman über die Rolle der Frau in den 30er Jahren und dunkle Familiengeheimnisse.


Verlag: Atlantik Verlag
ISBN: 9783455012026
Preis: 23,00 €
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Eine verdächtig wahre Geschichte

Antoine Laurain, Rezension von Julia Jahns

Violaine Lepage, Cheflektorin aus Paris, bekommt ein Manuskript zugespielt, das sie sofort unglaublich fesselt. Es handelt von einer Frau, die vier Männer mit einer Schusswaffe aus dem Zweiten Weltkrieg tötet, nachdem sie herausgefunden hat, dass ihre Mutter sie als Baby weggegeben hat, weil sie durch eine Gruppenvergewaltigung schwanger wurde. Es wird versucht, Kontakt zu dem Autoren aufzunehmen, der nur eine Mailadresse hinterlassen hat, das Buch wird veröffentlicht, ohne dass Violaine persönlich mit ihm sprechen konnte, und ein großer Erfolg. Als es auf der Shortlist des Prix Goncourt landet, gibt es Probleme. Violaines Karriere wäre ruiniert, wenn sie die Identität des Schriftstellers nicht aufklären kann. Außerdem meldet sich die Polizei bei ihr. Zwei Männer wurden nach den Beschreibungen des Romans getötet, zwei weitere befindet sich in Lebensgefahr. Die ermittelnde Kommissarin verdächtigt Violaine, da diese die Kontaktdaten des Autoren nicht hat und beschuldigt sie, selbst die Verfasserin und Mörderin zu sein. Bald steht nicht mehr nur Violaines Karriere auf dem Spiel ...

Ein schmales, aber ungeheuer fesselndes Buch mit einem überraschenden Ende.


Verlag: Lübbe Verlag
ISBN: 9783404185160
Preis: 11,00 €
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Liebe beginnt, wo Pläne enden

Sandra Poppe, Rezension von Julia Jahns

Kristin, Anfang 40, findet zufällig heraus, dass ihr Mann sie betrügt. Ohne ihn zu konfrontieren, meldet sie spontan mit ihren beiden Töchter für das Projekt "Gelebte Geschichte" an. Sie ziehen für sechs Wochen ins Freilichtmuseum, um dort auf einem Hof mit weiteren Personen wie im 18. Jahrhundert zu leben. Trotz der Entbehrungen und harter Arbeit beginnt Kristin, ihr neues Leben ohne Stress und Handy, in netter Runde und vor allem ohne ihren Mann zu genießen. Doch dann wird der Gruppe ein neues Mitglied zugeteilt: Max. Kristin findet ihn toll, bis sie erfährt, dass auch er seine Frau betrogen hat ...
Charmanter Roman über den Mut, Neues zu wagen.


Verlag: Kindler
ISBN: 978-3-463-00024-4
Preis: 22,00 €
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Heimweh

Graham Norton, Rezension von Kathrin Allkemper

Die Geschichte beginnt sehr tragisch. An einem Sommertag Ende der 80er in einem kleinen irischen Ort, machen sechs Jugendliche einen Ausflug zum Strand. Ein Autounfall auf dem Heimweg kostet drei von ihnen das Leben, eine junge Frau wird für immer an den Rollstuhl gefesselt sein. Der Fahrer Connor Haze gehört zu den Überlebenden, doch manchmal wünchte er sich, er hätte es auch nicht geschafft. Die Leute in Mullinmore können ihm nicht mehr unvoreingenommen begegnen und auch der Pub seiner Eltern wird gemieden. Seine einzige Chance auf Ruhe für sich und seine Familie ist ein Neuanfang in einer anderen Stadt. Und so verlässt der junge Mann viel zu früh sein Elternhaus und zieht hinaus in die Welt. Connor hat keinen einfachen Weg vor sich, aber er schafft es letzten Endes sogar bis nach New York. Und dort wird ihm mehr als 20 Jahre später jemand in einer Bar begegnen, der das so sorgsam verdrängte Geschehen wieder aufleben lässt und Connor dazu zwingt, sich seinen Dämonen zu stellen, um endlich Frieden zu finden.

Eine sehr berührende Geschichte um einen Mann, dessen ganzes Leben von Schuld geprägt ist und ihm aus den falschen Gründen viel zu viele Chancen auf sein eigenes Glück genommen hat.

Als Hörbuch ganz toll gelesen von Charly Hübner.


Verlag: Penguin Verlag
ISBN: 978-3-328-10686-9
Preis: 13,00 €
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Madame Exupéry und die Sterne des Himmels

Sophie Villard, Rezension von Dagmar Hallay

Wer kennt ihn nicht, „Der kleine Prinzen“ von Antoine de Saint-Exupéry!
Diese Romanbiografie erzählt nicht nur die Geschichte von der Entstehung des kleinen Prinzen, sonder gleichzeitig auch die Liebesgeschichte von Antoine und seiner Frau Consuelo, die ganz erheblichen Anteil daran hatte.
1930 lernen sich die beiden kennen und er ist sofort verliebt. Doch es ist eine belastete Liebesbeziehung mit vielen Höhen und Tiefen, nicht nur durch den Krieg und seinen Folgen. So ist auch seine Familie nicht begeistert von der temperamentvollen Mittelamerikanerin, die ihren ganz eigenen Weg als Malerin gehen möchte.
Ich habe diese Buch sehr gerne gelesen. Vor allem weil Consuelo für die Rose des kleinen Prinzen steht, die er unter einer Glasglocke beschützen möchte.


Verlag: Heyne
ISBN: 978-3-453-27357-3
Preis: 22,00 €
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Im letzten Licht des Herbstes

Mary Lawson, Rezension von Kathrin Allkemper

Die 7jährige Clara ist verzweifelt. Seit Tagen steht sie am Fenster und wartet darauf, dass ihre große Schwester wieder auftaucht, doch das Mädchen bleibt spurlos verschwunden. Die Mutter weint viel, während der Vater sich bemüht, Clara ein Gefühl der Zuversicht zu vermitteln. Doch beide schaffen es nicht wirklich, sich um ihre jüngere Tochter zu kümmern. Aber nicht nur die Tatsache, dass ihre Schwester unauffindbar ist, macht Clara zu schaffen. Ihre geliebte Nachbarin, die alte Mrs. Orchard, liegt im Krankenhaus und kann somit ebenfalls nicht für das Mädchen da sein. Claras einziger Trost ist der Kater, um den sie sich kümmert, solange Mrs. Orchard nicht da ist. Da sie dafür einen Schlüssel vom Nachbarhaus bekommen hat, schleicht sie sich immer öfter hinüber und flüchtet somit vor der bedrückenden Stimmung zuhause. Als sie eines abends wieder auf ihrem Beobachtungsposten am Fenster steht, sieht sie, wie nebenan ein Wagen hält und ein junger Mann Umzugskartons ins Nachbarhaus trägt. Wie kann das sein? Wo ist ihre geliebte Mrs.Orchard?

Für Liam Kane kommt der Umzug nach Ontario genau zum richtigen Zeitpunkt. Vielleicht ist dieses Haus der Start in ein neues Leben, denn sein altes war nicht immer einfach. Und mit diesem Haus verbindet er viele schöne Erinnerungen. Doch irgendwie hat er das Gefühl, dass er nicht der Einzige ist, der in diesen vier Wänden ein und ausgeht…

Elizabeth Orchard spürt, dass sie das Krankenhaus nicht mehr verlassen und nach Hause zurückkehren wird. Zum Glück weiß sie ihren Kater in besten Händen bei der kleinen Clara. Nun bleibt ihr nur noch eine letzte Sache zu regeln, die einem jungen Mann namens Liam die Chance auf einen Neuanfang bietet. Damit möchte Elizabeth einen Fehler wieder gutmachen, der vor 30 Jahren beinahe ihr Leben zerstört hätte…

Drei Leben, drei Geschichten, drei Schicksale, die einen berühren, unterhalten und manchmal auch zum Lachen bringen, je nachdem, ob gerade Liam, Elizabeth oder Clara erzählt. Ein Wohlfühlbuch!


Verlag: Harper Collins
ISBN: 978-3-95967-548-2
Preis: 22,00 €
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Die letzten Romantiker

Tara Conklin, Rezension von Kathrin Allkemper

Die alte Schriftstellerin Fiona Skinner unterhält sich nach einer Lesung noch mit ihrem Publikum. Da stellt eine junge Frau genau die Frage, vor deren Antwort sich Fiona immer gedrückt hat. Doch jetzt, wo ihr Leben dem Ende entgegen geht, erzählt sie schließlich zum ersten Mal ihre Geschichte.

Im Sommer 1981 verlieren die Geschwister Renee, Carolina, Joe und die kleine Fiona ganz plötzlich ihren Vater. Die Mutter ist der ganzen Situation nicht gewachsen und verharrt in einer depressiven Phase, in der sie die Kinder jahrelang sich selbst überlässt. Die älteste Tochter Renee übernimmt die Mutterrolle und kümmert sich um die Jüngeren. Diese Zeit schweißt die Geschwister zwar unglaublich eng zusammen, aber tief im Inneren bleibt die elternlose Zeit nicht ohne Folgen.

Als Leser bekommt man Einblicke in die vier sehr unterschiedlichen Lebensgeschichten und man ahnt, dass zumindest eine davon am Ende tragisch enden wird. Ich habe dieses Buch in einem Rutsch verschlungen.


Verlag: S. Fischer Verlag
ISBN: 9783103970371
Preis: 22,00 €
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Die Leuchtturmwärter

Emma Stonex, Rezension von Daniela Maifrini

 

Eine mysteriöse Geschichte liegt dem Roman „Die Leuchtturmwärter“ zugrunde. Im Dezember 1900 verschwanden drei Wärter von ihrem abgelegenen Arbeitsplatz auf einer kleinen schottischen Hebrideninsel. Sie wurden nie gefunden und ihr Schicksal ist bis heute ungeklärt.

 

Emma Stonex verlegt diesen Teil der Handlung kurzerhand in das Jahr 1972 und auf einen Leuchtturm vor der Südküste Cornwalls. Arthur, Bill und Vince sind die drei Bediensteten, die sich auf einem sturmumtosten Felsen um die altertümliche Lichtanlage kümmern. Ihr Dienst dauert immer ungefähr vierzig Tage, dann kommt die ersehnte Ablösung. Zu Silvester ist es Bill, der es kaum erwarten kann, den beengten Leuchtturm zu verlassen. Doch das extrem stürmische Wetter macht ein Anlanden des Bootes unmöglich, so dass Bill noch warten und einige Tage Verzögerung in Kauf nehmen muss. Als es dann endlich so weit ist, dass der Ersatzmann übersetzen kann, müssen die Bootsleute feststellen, dass von den drei Leuchtturmwächtern jede Spur fehlt. Besonders mysteriös ist, dass die Tür des Turms von innen fest verriegelt ist – wo in drei Gottes Namen sind die Männer abgeblieben? Ein unerklärliches Ereignis, das die Menschen in Cornwall lange Jahre beschäftigt.

 

Im Jahr 1992 taucht bei den Witwen der vermissten und später für tot erklärten Männer der Schriftsteller Dan Sharp auf, der über genau diesen Vorfall recherchiert und daher Interviews mit den drei Frauen machen möchte. Helen, die Frau des Oberwärters Arthur erzählt ihm, der selbst bis zehn Seiten vor Schluss nie zu Wort kommt, von ihrem wortkargen Mann und einer unerfüllten Liebe. Jenny berichtet von ihrem sehr empfindsamen Bill und einer Ehe, die nach einer großen Liebe versandet. Und Michelle, die Witwe von Vince, hat besondere Gründe, sich der Befragung zu verweigern, hat ihr Mann doch ein recht sinistres Vorleben zu bieten, bevor er den ehrenwerten Beruf des Leuchtturmwärters ergriff.

 

Und aus einer Vielzahl von Teilen, die aus den Interviews mit den Frauen, aus amtlichen Schreiben, Briefen, Tagebucheinträgen und Monologen der drei Verschollenen bestehen, setzen wir nun Stück für Stück die Geschichten der drei verschwundenen Männer zusammen, Geschichten über Liebe, Besessenheit, Leere, Geheimnisse, Verlust und Verrat, die uns so spannend dargeboten werden, als läsen wir einen sehr guten Thriller. Und dies auch noch in einer besonderen Sprache, die den emotionalen Zugang zu jeder Einzelperson einfach macht, und die uns das Gefühl von Salzwasser auf der Zunge macht - das Meer, die Natur und deren Gewalt sind die Helden in diesem unglaublich lesenswerten Roman, über den die Britische SUN schreibt: „Eins unserer Lieblingsbücher in diesem Jahr“ - das unterschreibe ich mit Leuchtstift!

 


Verlag: Dumont
ISBN: 978-3-8321-6567-3
Preis: 20,00 €
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Die letzte Bibliothek der Welt

Freya Sampson, Rezension von Kathrin Allkemper

Seit dem Tod ihrer Mutter hat sich June von der Außenwelt abgeschottet. Schon immer hat sie die Gesellschaft von Büchern der von Menschen vorgezogen. Außer ihrer lieben Nachbarin Linda hat sie keine Freunde, und auch Linda beißt sich an ihr die Zähne aus. Ihre Vorschläge, endlich die Sachen der verstorbenen Mutter wegzuräumen und mehr vor die Tür zu gehen, werden von June konsequent ignoriert. Der einzige Ort, an dem sie sich außerhalb der eigenen vier Wände wohlfühlt, ist die Bücherei des kleinen Ortes Calcot. Schon als Kind hat sie ihre Mutter immer dorthin begleitet, und nun arbeitet sie selbst schon einige Jahre in der kleinen Bibliothek. Für die Leser ist sie die gute Seele der Einrichtung. Als die Bücherei geschlossen werden soll, stürzt nicht nur für June eine Welt ein. Auch für viele andere Menschen in Calcot bedeutet dieser Ort mehr als nur die Möglichkeit, Bücher auszuleihen. Doch kann ausgerechnet diese introvertierte junge Frau, die sogar Angst davor hat, vor einer Gruppe kleiner Kinder zu sprechen, sich gegen die Sparpläne der Behörden zur Wehr setzen?

Eine britische Wohlfühlgeschichte mit liebevoll gezeichneten Charakteren.


Verlag: Hoffmann und Campe
ISBN: 978-3-455-00920-0
Preis: 12,90 €
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Glücklicher als gedacht

Antoine Laurain, Rezension von Julia Jahns

Für Francois Heurtevent, langjähriger und sehr beliebter Bürgermeister der Kleinstadt Perisac, bricht eine Welt zusammen, als er entgegen aller Erwartungen ganz knapp nicht wiedergewählt wird. Plötzlich ist er arbeitslos und weiß nichts mehr mit sich anzufangen. Francois' Familie - seine Frau Sylvie, eine Sterneköchin, und seine 18jährige Tochter Amelie - sind genervt von seiner Lethargie und befürchten eine Depression. Er wird sogar gezwungen, einen Psychologen aufzusuchen.

Als Francois zufällig ein altes Klassenfoto in die Hand fällt, bekommt er neuen Elan. Er möchte unbedingt herausfinden, was seine damals engsten Freunde heute machen und nutzt seine alten Kontakte, die er noch durch seinen bereits verstorbenen Mentor Andre Dercours hat, um sie ausfindig zu machen. Bald hat er einen Liste in den Händen und erfährt, dass diese mittlerweile als Makler, Friseure, Pfarrer und sogar Prostituierte arbeiten. Ein Klassenkamerad ist bereits verstorben, einer aktuell im Gefängnis. Nach einer schicksalhaften Begegnung mit seinem alten Freund Clement, der mittlerweile erfolgreicher Pornoregisseur ist, mietet Francois spontan die alte Wohnung von Andre Dercours und nimmt Kontakt zu den anderen Freunden auf. Mal gibt er sich zu erkennen, mal aber auch nicht und taucht allmählich in seine Vergangenheit ein. Und er beginnt sich zu fragen, ob sein Leben wirklich so viel schlechter als das der anderen Mitschüler verlaufen ist ...

Charmanter und witziger Roman über Niederlagen, Lebenskrisen und die Suche nach dem Glück.


Verlag: Piper
ISBN: 978-3-492-07129-1
Preis: 22,00 €
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Von hier bis zum Anfang

Chris Whitaker, Rezension von Kathrin Allkemper

Cape Haven, eine Kleinstadt in Kalifornien. Duchess Radley ist 13 Jahre alt, als Vincent King, der Mann, der vor Jahrzehnten ihre Tante getötet hat, aus dem Gefängnis entlassen wird und in diese Kleinstadt zurückkommt. Der Tod ihrer Schwester hat das Leben von Duchess´ Mutter Star damals zerstört und so musste Duchess sich von Anfang an um ihren kleinen Bruder Robin und ihre depressive Mutter kümmern, die immer wieder abgestürzt ist. Eine Kindheit hatte das Mädchen nie. Ohne die Hilfe von Chief Walker hätte sie es wohl auch nie so weit gebracht, auch wenn sie nicht müde wird zu betonen, dass sie ein echter Outlaw ist, da in ihren Adern das Blut des berüchtigten Billy Blue Radley fließt. Das gibt ihr in den vielen Momenten, in denen sich andere Kinder an ihr abarbeiten oder sie mal wieder ihre Mutter aus einer Bar nach Hause schleppen muss, um sie vor miesen Typen zu bewahren, die nötige Kraft. Manchmal bringt ihr dieses wilde Temperament und ihr Beschützerinstinkt aber auch Ärger ein. Doch wenn es um ihren kleinen Bruder geht, gibt es für sie nun einmal kein Halten mehr.

Chief Walker war einst der beste Kumpel von Vincent, mehr als das, er war wie ein Bruder für ihn. All die Jahre hat er an dessen Unschuld geglaubt und ihm versprochen, sich um Star und ihre Kinder zu kümmern. Aber was, wenn er sich die ganze Zeit in ihm getäuscht hat?

Als kurz nach Vincents Rückkehr etwas Schreckliches in Cape Haven passiert, wird Walkers Loyalität erneut auf die Probe gestellt und auch Duchess´ Leben gerät durch die Ereignisse komplett aus den Fugen.

Ein absolut spannend erzählter Roman mit Krimielementen, aber hauptsächlich die Geschichte der 13jährigen Duchess, die sich immer wieder neu aufrappelt, egal wieviel Steine ihr das Leben vor die Füße wirft.  Auf jeden Fall etwas für alle Leser von "Der Gesang der Flusskrebse"!


Verlag: Thiele
ISBN: 978-3-85179-380-2
Preis: 12,00 €
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Die Geheimnisse älterer Damen

Christina Sanchez-Andrade, Rezension von Kathrin Allkemper

„Es wird Zeit, dass wir verschwinden!“ Mit diesen Worten fordert die 80jährige Witwe Olvido Fandino ihr noch etwas älteres Dienstmädchen Bruna auf, ihre Sachen zu packen und das Haus, in dem die beiden alten Damen jahrzehntelang gelebt haben, endgültig zu verlassen. Alle, die zuvor mit ihnen dort wohnten, sind inzwischen tot. Die beiden Reisenden bieten schon einen äußerst skurrilen Anblick, Olvido hinter dem Steuer des alten VW Käfer-Cabrio und die brummelige Bruna in ihrem vergilbten Brautkleid auf dem Beifahrersitz. Dass dieses Kleid nie zum Einsatz kam, ist nur einer der Gründe, warum das Leben diese beiden Frauen aneinandergeschweißt hat. Es hat aber auch etwas mit dem geheimnisvollen Paket auf dem Rücksitz zu tun, das die beiden nicht aus den Augen lassen und notfalls auch mit Gewalt verteidigen. Doch hauptsächlich lag es an der exzentrischen Familie, in die die damals noch so junge und unwissende Olvido eingeheiratet hatte. Während ihr Ehemann sich die meiste Zeit um andere Dinge gekümmert hat, musste Olvido einen irren Schwager, eine durchgeknallte Schwägerin und eine noch viel verrücktere Schwiegermutter ertragen, die alle drei ein tiefes Geheimnis der Vergangenheit scheinbar nie bewältigen konnten.

In Rückblicken wird während der Fahrt in dem klapprigen Käfer quer durch Galicien die Geschichte Olvidos erzählt und sie hatte wirklich kein einfaches Leben. Kein Wunder also, dass sie sich im Laufe der Zeit ausgerechnet der Frau zugewandt hat, die man als Amme für ihr Baby ins Haus geholt hatte. Die Ereignisse haben zwischen den beiden älteren Damen so etwas wie eine Hassliebe bis in den Tod entstehen lassen. Und man sollte sich nicht täuschen lassen von diesen zwei unschuldig aussehenden Omas in einem alten Käfer, denn ihr Weg ist mit Leichen gepflastert…

Eine sehr ungewöhnliche und skurrile, aber dennoch spannende Geschichte.


Verlag: Heyne
ISBN: 978-3-453-32136-6
Preis: 14,99 €
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Mr.Parnassus´Heim für magisch Begabte

TJ Klune, Rezension von Kathrin Allkemper

Linus Baker arbeitet seit Jahren als Angestellter in einer Behörde, die sich um magisch begabte Waisenkinder und Jugendliche kümmert. Für Linus ist das Regelwerk seiner Firma wie eine Bibel, die er überall mit hinschleppt und der er uneingeschränkt Glauben schenkt. Wenn sich ein Heim nicht an die Auflagen hält, wird es von Linus umgehend geschlossen. Genau dieser blinde Gehorsam zeichnet ihn in den Augen seine Arbeitgeber für den neuesten Auftrag aus, denn sie haben es auf das Waisenaus von Mr.Parnassus abgesehen. Für einen Monat soll Linus auf die einsame Insel reisen und das Haus und seine Bewohner gründlich überprüfen. Doch dort passiert etwas, womit keiner zuvor gerechnet hat. Diese sechs äußerst ungewöhnlichen Kinder -und auch der Hausherr selbst- berühren das Herz des schon immer alleinlebenden Singles Linus. Der Spagat zwischen dem, wofür er und seine Behörde stehen und dem, was ihm auf dieser Insel Gutes widerfährt, wird immer größer und Linus steht nach diesen vier Wochen vor einer sehr schweren Entscheidung…

Wie mir bereits einige LeserInnen, die sich auf den Roman eingelassen haben, bestätigten, muss man kein Fantasyleser sein, um diese Geschichte zu mögen. Letzten Endes sind es sechs Kinder, egal, wie sie aussehen oder was sie verkörpern. Es ist einfach eine ganz tolle Geschichte zum Thema Toleranz voller lustiger und berührender Momente.


Verlag: Heyne
ISBN: 978-3-453-27356-6
Preis: 20,00 €
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Achtsam morden am Ende der Welt

Karsten Dusse, Rezension von Kathrin Allkemper

In seinem neuesten Roman um den Rechtsanwalt Björn Diemel schickt ihn sein Achtsamkeitstherapeut auf den Jakosbweg. In einer äusserst missverständlichen Sitzung, bei der Björn ihm von seiner Geburtstagsfeier erzählt, die eigentlich keine war und die mit einem toten Boss der chinesischen Mafia endete, zieht der Psychiater seine Schlüsse. Verschiedene weitere Aussagen von Björn führen am Ende zu der Diagnose "Midlifecrisis" und der Therapeut empfiehlt ihm einen Selbstfindungstrip. Anfangs wehrt sich Björn noch recht heftig, weil er befürchtet, dass er seine diversen kriminellen Nebentätigkeiten nicht vier Wochen ruhen lassen kann, aber schließlich willigt er ein. Tatsächlich lernt er gleich zu Beginn des Caminos einen netten älteren Staatsanwalt kennen, der den Jakobsweg schon zum zweiten Mal geht und Björn gerne begleitet. So entspannt war dieser schon lange nicht mehr und ihm gefällt die Idee des Wanderns immer besser. Leider wird der neue Wanderfreund schon am zweiten Tag während des Pilgerns erschossen und Björn wird sehr schnell klar, dass die Kugel aus dem Schalldämpfergewehr eigentlich ihm selbst galt. Es war also doch kein Zufall, dass ein chinesischer Pilger mit einer Art GItarrenkoffer in der Nähe war, denn wer pilgert schon freiwillig mit schwerem Gepäck auf dem Jakobsweg...

Sehr kurzweilige Unterhaltung, in der es um Herrn Diemel wieder die ein oder andere Leiche gibt, entweder achtsam ermordet oder zumindest durch seine indirekte Beteiligung ums Leben gekommen.


Verlag: Luchterhand
ISBN: 978-3-630-87667-2
Preis: 22,00 €
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Über Menschen

Juli Zeh, Rezension von Jutta Pollmann

Bracken in Brandenburg. Doras neues Zuhause, nachdem sie Berlin, ihren Kollegen und vor allem ihrem Freund Robert den Rücken gekehrt hat. Hier in dem Gutsverwalterhaus mit 4000qm Grund will sie zur Ruhe kommen, nachdenken, ihr Leben neu sortieren. Homeoffice kann sie im Lockdown auch von hieraus betreiben und der Abstand zu Robert war nötig. Vom Ökopapst (er hatte ihr nahegelegt in eine politisch-korrekte, sprich ökologisch ausgerichtete Werbeagentur zu wechseln, wenn sie schon diesen Job machen müsse!), nun zum Corona-Fachmann par excellence mutiert, wurde das Zusammenleben mit ihm immer schwieriger (zuletzt hatte er ihr verboten mehrmals am Tag mit Jochen, ihrer Hündin, spazieren zu gehen, schließlich sei die Devise „Wir bleiben zuhause!“). Obwohl sie die Abende mit ihm auf dem Balkon ihrer Wohnung in Prenzlauer Berg sehr genossen hatte und die Gespräche vermisste, war das der Tropfen, der das Fass zum überlaufen brachte. Und seit Corona das Land im Griff hatte, konnte Robert sowieso nur noch über dieses Thema reden.

Nun also Bracken. Ein Haus ohne Möbel, nur die Luftmatratze, die Kiste mit zusammen gewürfeltem Geschirr aus der Studentenzeit und ein paar Klamotten. Der Garten verwildert und in die nächste Stadt brauchte man Jahre...Das sollte also der Neubeginn werden!?!

Das hieß auch, plötzlich Nachbarn zu haben, anders als in Berlin, wo man täglich an 100en Menschen vorbei rannte, ohne sie je kennen zu lernen. Hier stellten Nachbarn sich vor: Gote, z.B., ihr direkter Nachbar: Ich bin hier der Dorf-Nazi. Er will Jochen umbringen, wenn der noch einmal seine Kartoffeln ausbuddelt. Und dann stellt er ihr ein Bett ins Schlafzimmer, weil sie doch keins habe. Gote singt mit seinen Kumpanen das Horst-Wessels-Lied und am anderen Tag organisiert er, dass ein Nachbar mit der Motorsense zu ihr kommt, um die Wildnis zu roden. In kurzer Zeit hat sie mit mehr Menschen zu tun, als in all den Jahren in Berlin, man lebt hier unter Leuten, nicht nebeneinander her.

Doras Weltbild bekommt in Bracken Risse und nicht nur Gote ist Grund dafür. Denn die Menschen hier passen in kein spezielles Raster, sie lassen sich nicht einfach in schwarz oder weiß einteilen.Es gibt viele Graustufen und die muss Dora erst mal verarbeiten.

 

Ein wunderbares Buch zum Lachen und zum Weinen, nachdenklich, witzig, überraschend, traurig, ein Buch eben, wie das Leben.

 

Unbedingt lesen!!!!!!


Verlag: Ullstein
ISBN: 9783864931482
Preis: 14,99 €
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Fritz und Emma

Barbara Leciejewski, Rezension von Daniela Maifrini

 

Jakob und Marie sind das neue Pfarrer-Ehepaar in dem kleinen pfälzischen Dorf Oberkirchbach. Jakob als Pfarrer fühlt sich sehr wohl, er ist optimistisch die aktuell leeren Kirchenbänke mit der Zeit füllen zu können. Marie findet es auch schön in Oberkirchbach, aber ihr fällt schnell die Decke auf den Kopf. Sie ist eine quirlige junge Frau und hat nichts zu tun.

Da kommt es gerade recht, dass das Dorf in Kürze seinen 750. Geburtstag erleben wird – ein Ereignis, zu dem eigentlich eine ordentliche Feier gehört, aber irgendwie scheint niemand einen Plan oder besonders große Lust zu haben. Marie springt in die Bresche und beginnt mit den Vorbereitungen. Dazu gehört zuerst einmal, alle Dorfbewohner zu befragen, ob sie für oder gegen eine Jubiläumsfeier wären. Und bei dieser Umfrage stößt Marie auf Fritz am einen Ende des Dorfes und Emma am anderen. Beide sind am selben Tag geboren und werden 92 Jahre alt. Sie wuchsen zusammen auf, gingen zusammen zur Schule, haben den Krieg und die Nachkriegszeit miteinander verbracht, waren ein Paar und wollten heiraten. Doch dann muss irgendetwas geschehen sein, denn seit 70 Jahren haben sie kein Wort mehr miteinander gewechselt.

Das Dorf entscheidet sich für die Feierlichkeiten, und die aufwändigen Vorbereitungen bringen viele Menschen zusammen, die sonst nur nebeneinander her gelebt haben. Doch der Programmpunkt, bei dem die beiden Dorfältesten Fritz und Emma geehrt werden sollen, bereitet allgemein Kopfschmerzen, da diese sich vehement weigern. Da haben sie aber nicht mit der Überzeugungskraft der jungen Pfarrersfrau gerechnet, die alles daransetzt, die beiden Alten miteinander zu versöhnen – und dabei treten wir eine Reise in die Vergangenheit an…

Ein wunderbar emotionaler Schmöker, bei dem die Geschichte um Fritz und Emma natürlich die Hauptrolle spielt, in dem es aber auch um Nachbarschaft, Freundschaft, Gemeinschaft und Zusammenhalt geht.

 


Verlag: dtv
ISBN: 9783423282734
Preis: 22,00 €
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Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid

Alena Schröder, Rezension von Daniela Maifrini

 

Evelyn ist eine 95jährige Dame, die spitzzüngig und zurückgezogen in einer edlen Berliner Seniorenresidenz wohnt. Nur ihre Enkelin Hannah besucht sie jeden Dienstag pflichtschuldigst, mehr Familie gibt es nicht, da Evelyns Tochter (Hannahs Mutter) zehn Jahre zuvor einem Krebsleiden erlegen war. Oma und Enkelin haben ein nicht wirklich harmonisches Verhältnis zueinander, sie wissen fast nichts voneinander. Das liegt daran, dass Hannah sich nach dem Tod ihrer Mutter sehr in sich selbst zurückgezogen hat und dass Evelyn sowieso ein eher verschlossener Mensch ist.

Bei einem Besuch entdeckt Hannah in der Fernsehzeitung einen Brief von einer Anwaltskanzlei aus Israel. Als sie Evelyn danach fragt, gibt sie keine richtige Antwort und sagt ihrer Enkelin, sie könne mit dem Brief machen, was sie wolle, er interessiere sie nicht. Es stellt sich heraus, dass die Kanzlei in einem Fall von Rückerstattung von Beutekunst aus dem Dritten Reich auf Evelyn gestoßen ist. Sie sei die letzte lebende Angehörige des 1942 ermordeten Berliner Kunsthändlers Itzig Goldmann und die Kanzlei sei auf der Suche nach Kunstwerken, die ihm bei der Enteignung abgenommen wurden. Hannah ist verwirrt, denn den Namen Itzig Goldmann hat sie noch nie gehört, sie kann sich den Zusammenhang nicht erklären. Halbherzig beginnt sie, sich in ihre Familiengeschichte einzuarbeiten. Hierbei sucht sie die Hilfe ihres unnahbaren Geliebten und Doktorvaters Andreas, der sie jedoch mit Jörg abspeist, der sie als Rechercheur unterstützen soll, und der sie mit seinem penetranten Interesse für alles, was die NS-Zeit und vor allem die jüdische Geschichte betrifft, fürchterlich nervt. Hannah weiß noch nicht, dass das auch Teil der Geschichte ihrer Familie ist. Nach einiger Zeit stellt sich heraus, dass sich die Suche eigentlich nur noch auf ein einziges Bild aus dem Goldmann-Besitz beschränken kann, da alle anderen nicht klar zugeordnet werden können. Es geht um ein Bild von Vermeer, dessen Titel unbekannt ist, das aber folgendes Motiv zeigt: Junge Frau, am Fenster stehen, Abendlicht, blaues Kleid…

1922 fängt die zweite Erzählebene an, die uns diese Familiengeschichte erzählt. Hannahs Urgroßmutter Senta ist mit ihrem Verlobten, dem Luftwaffenheld Ulrich, verlobt und schwanger. Das Kind, Evelyn, ist ein Unfall, Ulrich jedoch ein Ehrenmann, der sie heiraten wird. Es stellt sich im Laufe der Ehe heraus, dass Senta nicht glücklich ist, sie kann mit dem Kind nichts anfangen, der Haushalt geht ihr nicht von der Hand, sie fühlt sich minderwertig. Die Ehe scheitert und ihre Tochter Evelyn bleibt bei der Schwester ihres Mannes, Trude, die sich sehr aufopferungsvoll um ihre Nichte kümmert und mit ihr nach Güstrow aufs Land zieht. Ulrich kommt kurz darauf bei einem Autounfall ums Leben. Nun gibt es nur noch Trude und Evelyn – und irgendwo in Berlin auch Senta. Sie findet im Lauf der folgenden Jahre ihr Glück als recht erfolgreiche Mitarbeiterin einer Zeitung, wo sie auch Julius Goldmann kennen und lieben lernt. Die beiden sind sehr glücklich miteinander und irgendwann sucht Senta auch wieder den Kontakt zu ihrer Tochter Evelyn, was sich als sehr schwierig darstellt, da sie sich noch immer nicht richtig als Mutter fühlt. Die Jahre gehen ins Land und die Situation in Deutschland wird für die Goldmanns kompliziert und gefährlich, während Trude als Ortsgruppenleiterin in Güstrow zum ersten Mal eine respektierte Person ist und immer mehr im nationalsozialistischen Gedankensumpf versinkt.

Wieder eine Familiengeschichte, die die Zeit des Nationalsozialismus aufnimmt! Aber diese hier ist etwas anders. Sie schildert die weit zurückliegenden Ereignisse sehr anschaulich und mitreißend, mit einprägsamen Personen, die in einer furchtbaren Zeit um ihre Unversehrtheit oder sogar ihr Leben kämpfen müssen. Die Erzählebene mit Hannah als Hauptfigur ist jedoch trotz aller Dramatik „leichter“, teilweise sogar richtig schnodderig geschrieben, so wie eben eine junge Frau im heutigen Berlin ihr Leben lebt und zu sich selber finden muss. Die Sprünge zwischen den beiden Zeitebenen machen den Roman spannend, man wird sofort eingesogen in beide Geschichten. Alena Schröder liefert mit ihrem Debüt sehr gute, anrührende und spannende Unterhaltung zum Beispiel für Leserinnen von Dörte Hansen oder Carmen Korn.

 


Verlag: Dumont
ISBN: 978-3-8321-8153-6
Preis: 20,00 €
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Der große Sommer

Ewald Arenz, Rezension von Kathrin Allkemper

Friedrich, genannt Frieder, ist 16 Jahre alt, als er einen Sommer erlebt, der sein Leben verändert. Während um ihn herum sowohl seine Familie als auch die Freunde in die Ferien fahren, wird er zu seinen Großeltern abkommandiert, um da ungestört für die Nachprüfungen zu lernen. Da sein Großvater, ein sehr gebildeter Professor, eher streng ist, freut sich Frieder natürlich überhaupt nicht auf diese sechs Wochen. Doch es wird so Einiges passieren, das nicht nur die Beziehung zu seinem Opa, sondern auch das Wissen über die eigene Familie sehr bereichert.

Wenn Frieder nicht gerade lernt oder sich im Institut bei seinem Großvater ein Taschengeld verdient, hängt er mit seiner Schwester und seinem besten Freund Johann ab. Die drei sind ein eingeschworenes Trio. Um der Hitze des Sommers zu trotzen, gehen sie oft ins Schwimmbad, wo Frieder das Mädchen Beate kennenlernt und sich sofort verliebt.

Aber während Frieder die erste Liebe mit all ihren Facetten erlebt, verändert sich Johann nach einem Schicksalsschlag in der Familie so sehr, dass die Freundschaft auf eine harte Probe gestellt wird.

Eine ganz wunderbar erzählte Geschichte um einen jungen Mann, der in diesem Sommer die erste Erfahrung mit der Liebe, mit dem Tod und der wahren Bedeutung von Familie und Freundschaft macht.

Schon der Vorgänger "Alte Sorten" hat viele Leser begeistert und ich bin mir sicher, dass Ihnen der neue Roman ebenso gut gefällt.


Verlag: Diogenes
ISBN: 978-3-257-07148-1
Preis: 24,00 €
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Hard Land

Benedict Wells, Rezension von Tanja Tenberg

Grady, irgendwo in Missouri im Sommer 1985. Sam soll die Ferien bei seinen nervigen Cousins verbringen. Um dem zu entkommen, nimmt er spontan einen Job im örtlichen Kino an. Seine Eltern sind froh, das Sam unter die Leute kommt, er ist ein Einzelgänger.

Seine Mutter hat eine kleine Buchhandlung im Einkaufscenter der Stadt, ist aber schon länger an Krebs erkrankt, mit 30 prozentiger Genesungswahrscheinlichkeit. Sein Vater, ein schweigsamer Typ, hat gerade seinen Job in der örtlich geschlossenen Fabrik verloren.

Im Kino lernt Sam Cameron, Hightower und Kristie, die Tochter des Kinobesitzers kennen. Langsam taut er auf, lernt diese drei jungen Menschen besser kennen. Und während zu Hause seine Mutter öfters krankheitsbedingt ausfällt, schafft er es, sich zu öffnen und endlich Freunde zu finden. Es soll Sams Sommer werden, bevor seine drei älteren Freunde am Ende des Sommers Grady verlassen werden, um auf die Universität zu gehen. An seinem 16. Geburtstag verpasst er die Verabredung mit seinen Eltern im Restaurant, verbringt den Tag feiernd mit seinen Freunden. Als er am Morgen müde heim läuft, sieht er von weitem schon die blinkenden Lichter des Rettungswagens. Sam kommt zu spät, seine Mutter ist in der Nacht eingeschlafen und nicht mehr aufgewacht. Er gibt sich die Schuld, weil er mit seinen Freunden gefeiert hat, statt den Abend mit seinen Eltern zu verbringen, verkriecht sich, redet mit niemanden, lässt niemanden an sich heran . Zur Beerdigung kommt seine große Schwester Jean heim, mittlerweile erfolgreiche Drehbuchautorin in Hollywood. In seiner Familie kämpft jeder auf seine Art mit dem Verlust.

Als im Herbst seine Freunde die Stadt verlassen haben, das Kino schließt und der alteingesessene Diner im Dorf dicht macht, muss der sechzehnjährige Sam sehen, wo er bleibt. Der Theaterkurs der Schule, seine Gitarre und sein langsam sich öffnender Vater helfen Sam durch die schwierige Zeit. Mit Kristie, in die er die ganze Zeit verliebt ist, schreibt er Briefe, sie ist in New York. Er hofft, dass sie im Sommer 1986 endlich mal wieder in ihre alte Heimat zurückkommt.

Eine Geschichte über die 80er, das Erwachsenwerden, amerikanische Kleinstädte, Freundschaften und das Leben. Mehr wird nicht verraten. Lesen Sie selber.

Benedict Wells lebt mittlerweile in Berlin und Bayern. Es ist der fünfte Roman des 1984 in München geborenen Autors, der bekannt wurde mit seinem vierten Roman „Vom Ende der Einsamkeit“.